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Bewegen & Beschäftigen Musik

Wie ein Algorithmus mir half meine Freundin zu gewinnen

Ein Algorithmus hat mir geholfen meine Freundin für mich zu gewinnen. Nein, nicht auf einer der zahlreichen Onlinesinglebörsen, die versprechen aus den halbgelogenen Selbstbeschreibungen psychologische Merkmale abzugleichen und ein Match zu finden. Nein, es war der Musikalgorithmus meines Streamingdienstes.

Mixtape – Zwischen Kunstform und Liebesbeweis

Mixtape - Menschlicher Musik AlgorithmusFrüher™ hat man sich hingesetzt und mühsam Kassetten überspielt, von Hand Cover bemalt.

Während ich in der Oberstufe war, wurde das schon wesentlich einfacher: Man zog sich die Musik aus dem CD-Regal auf den Rechner und konnte dann einfach aus der digitalen Bibliothek die Songs wieder auf eine CD brennen. Natürlich hat man auch dabei eine enorme Sorgfalt beweisen müssen, welche Titel in welcher Reihenfolge gespielt werden.

Dann kam das Zeitalter der MP3-Player. Damit verschwanden die CD-Regale. Die eigene Musikkollektion wurde nicht mehr im Zimmer ausgestellt, sondern verschwand als Dateiensammlung auf dem Handy.

Musik – Aus dem Regal in die Hosentasche

Dabei gibt es kaum etwas interessanteres als in eine fremde Wohnung zu kommen und durch die Regale zu streifen um zu sehen welchen Buch- und Musikgeschmack der Bewohner hat und daraus Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit zu ziehen.

[pull_quote_left]Wer weiß ob sie sich weiter mit mir getroffen hätte, wenn sie meine CD-Sammlung mit deutschem Gangsterrap gefunden hätte.[/pull_quote_left]

Heute lebt dieser Teil unserer Persönlichkeit versteckt auf unseren Telefonen und Tablets. Für mich sollte das ein Vorteil werden, denn wer weiß ob meine Freundin sich weiter mit mir getroffen hätte, wenn sie meine alte CD-Sammlung mit deutschem Gangsterrap gefunden hätte.

Von unserem ersten Date wusste ich, dass sie auf Jazz und Electro Swing stand. Sie hatte, wie sie mir später erzählte, mühsam eine Playliste zusammengestellt, in der kein einziger für sie peinlicher Titel vorkommen sollte.

Die Liebe in Zeiten von Spotify

Als es beim nächsten Treffen an mir war für musikalische Untermalung zu sorgen, holte ich mein Handy raus und gab bei meinem Musikstreamingdienst einen Titel ein von dem ich wusste er würde ihr gefallen – ich weiß nicht mehr ob es ein Stück von Frank Sinatra oder ein aktueller Electro Swing Hit war – und ich ließ den Musik Algorithmus mit einem Fingerdruck eine Playlist mit ähnlichen Titeln erstellen.

Die Playliste spielte den ganzen Abend. Sie war beeindruckt von all den Titeln, die ich angeblich kannte, Songs von denen noch nicht einmal sie als Jazzsängerin gehört hatte. Ich selbst kannte natürlich kaum etwas von der Musik, die da in meiner Playlist spielte, aber sie gefiel mir. So haben wir wohl beide etwas Neues lieben gelernt.

Titelbild: CC-BY-ND 2.0 Jekkone Bild: CC BY-NC 2.0 Steve
Zuerst habe ich das für meine Kolumne in der Allgemeinen Zeitung aufgeschrieben

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Gesellschaft Netz &

Warum Privatsphäre wichtig ist

Glenn Greenwald erklärt in seinem TED-Vortrag, warum Privatsphäre für jeden einzelnen wichtig ist. Wir haben eben doch etwas zu verbergen, jeder Einzelne von uns. Nicht umsonst verhalten wir uns anders, sobald wir uns beobachten fühlen. Wir bohren nicht in der Nase und wir tanzen vielleicht nicht ganz so ausgelassen durch die Wohnung. Und wenn doch mal jemand tanzt „like nobodys wathcing, ist es gleich eine YouTube Seansation.

Privatsphäre: Wir wollen nicht jeden in unserem Wohnzimmer

Wir machen die Tür zu und hängen Vorhänge auf, weil wir nicht jeden in unser Wohnzimmer lassen möchten. Überwacht zu werden verändert also unser Verhalten. Wir entwickeln eine Schere im Kopf, verschweigen bestimmte Dinge und überlegen welcher unserer Taten uns verdächtig machen könnte.

Der Vortrag von Glenn Greenwald taucht so ähnliche auch in seinem Buch „No Place to hide“ auf. Eine exzellente Argumentation gegen jeden der behauptet er habe „nichts zu verbergen.“

 

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Bewegen & Beschäftigen

Wie das Blog Business des erfolgreichsten Apple Bloggers funktioniert

John Gruber schreibt nun schon seit 2002 das Blog daringfireball.net, in dem er vor allem Apple begleitet. Und zusammen mit Apple wurde auch er immer erfolgreicher. Er hat sein Blog zum Business gemacht und ist inzwischen die einflussreichste Stimme im Apple Universum, dabei bestehen seine Artikel häufig nur aus wenigen Worten oder Sätzen die einen Link kommentieren.

Blog Business: Fast 9000$ pro Woche von Sponsoren

Aber John Gruber macht mit seinem Blog Business gutes Geld: Er verkauft wöchentliche Sponsorenplätze und  aktuell liegt der Preis dafür bei 8.750 $. Pro Woche. Zusätzlich noch Einnahmen durch das Werbenetzwerk „The Deck„. Dazu kommen Sponsoren für den Podcast. 3.750 $ kostet hier Werbeplatz und pro Sendung werden bis zu 3 Stück verkauft. Aber eben auch nicht mehr. Dieser Mix aus Exklusivität und interessanter Zielgruppe machen die Werbeplätze attraktiv.

Was in der Webwerbebranche falsch läuft

Bei der XOXO Konferenz dieses Jahr hat John Gruber erzählt, wie er sich sein Blog Business langsam aufgebaut hat und wie es sich über die Jahre entwickelt hat. Er erklärt sein Werbemodell und was im Netz sonst mit dem Werbegeschäft falsch läuft, vor allem auch bei den traditionellen Medien, die sich von der Werbebranche eine Währung in Form von Page Impressions haben aufdrücken lassen, durch die die erreichte Zielgruppe plötzlich egal ist.
Für den finanziellen Erfolg seines Blog Business war übrigens eine andere Firma viel entscheidender als Apple: Es war ausgerechnet Google.

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Kleines Fernsehen Sport

Was Nachrichtensprecher in der Werbepause machen

Was machen Nachrichtensprecher eigentlich, wenn die Kamera gerade nicht live ist? Worüber unterhalten sich Claus Kleber und Gundula Gause während des Abspanns? Das sind Fragen, die wir wohl nie endgültig beantworten können. Aber WGN-TV aus den USA hat nun mal online gestellt, was seine beiden Nachrichtensprecher Robert Jordan und Jackie Bange so machen, während Werbung über den Blidschirm flimmert.

Epischer Nachrichtensprecher Handshake  über zwei Werbepausen

Was folgt ist der wohl epischste Handshake aller Zeiten, der sich über ganze zwei Werbepausen streckt. Ich will gar nicht wissen, wie lange Anchorman* und Anchorwoman daran saßen, den einzuüben. Über vier Minuten schütteln sie sich die Hände und liefern eine synchrone Choreografie ab, die pünktlich zum Ende des Countdowns und der Liveschalte abgeschlossen ist.

Ich würde mir ja eine weltweite Nachrichtensprecher Handshake Challenge wünschen. Vielleicht machen dabei ja auch Claus Kleber und Gundula Gause mit. Dann wäre wenigstens die Frage mal geklärt.

 

*amazon Partnerlink zum schreiend-komischen Film Anchorman

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Gesellschaft Netz &

Sharing Economy: Wenn aus Nachbarschafthilfe Nebenverdienst wird

Wir müssten alle gar nicht so viel besitzen. Dieser Gedanke geht einem spätestens dann durch den Kopf, wenn man Umzugskisten packen muss und entdeckt, dass man noch ein 24-bändiges Filmlexikon aus dem Jahr 1987 unter dem Schreibtisch stehen hat. Apropos Besitz: Eigentlich ist ja genug für alle da, man müsste das Ganze nur sinnvoll aufteilen. Dieser Traum – des Teilens – wird heute mit dem Begriff Sharing Economy beschrieben (übersetzt: Ökonomie des Teilens). Es geht eben nicht darum, alles zu besitzen, sondern sich das Benötigte zu leihen – und zeitweise selbst abzugeben.

Sharing Economy: Hochdruckreiniger leihen statt kaufen

So kann man zum Beispiel mit der App WhyOwnIt nachschauen, wer in der Umgebung eine Bohrmaschine oder einen Hochdruckreiniger übrig hat. Besonders bekannt sind AirBnB, die Zimmervermittlung, und Uber, ein zwischen Mitfahrgelegenheit und Taxi angesiedelter Dienst. Wieso soll ich mein Zimmer nicht anderen zur Verfügung stellen, wenn ich selbst gerade nicht in der Stadt bin? So hat AirBnb angefangen, private Zimmer zu vermieten. Wieso soll ich nicht in meinem Auto noch andere Leute mitnehmen, wenn noch Platz ist? So geht es Stück für Stück weiter auf dem langen Weg dahin, dass ich selbst vielleicht weniger besitzen muss – kein eigenes Auto mehr, keine Bohrmaschine, keinen Hochdruckreiniger.

Mittelmänner gehen und neue Mittelmänner kommen

Dabei schalten die Dienste im Netz geschickt bisherige Mittelmänner aus: Uber umgeht streng regulierte Taxizentralen und deren Auflagen, und Airbnb umschifft die Bestimmungen der Hotelbranche. Aber der Begriff Sharing Economy besteht aus zwei Begriffen, Teilen ist nur der Erste, der zweite besteht aus purer Ökonomie und da wollen Leute Geld verdienen. Einmal natürlich die Plattformen, die sich selbst als neue Mittelsmänner installieren und für sich ein Monopol anstreben, um davon zu profitieren.

Teilen ist kein gütiger Akt mehr, sondern zum Geld verdienen

Die App myTaxi zum Beispiel ist eine weitere intelligente Alternative zu normalen Taxizentralen. Doch als sie genügend Taxifahrer um sich geschart hatte, erhöhte sie spontan die Preise und vermittelte vor allem jenen Fahrern neue Gäste, die bereit sind, mehr Prozente abzugeben. Und auch die Menschen, die verleihen, wollen Geld verdienen. Die Vermietung von Wohnungen über AirBnB hat inzwischen dazu geführt, dass in touristisch attraktiven Großstädten das private vermieten verboten ist. Aus Angst, dass die Mietpreise in die Höhe schnellen werden, weil viele ihre Wohnung lieber für einen hohen Satz nächteweise vermieten als langfristig an ein und dieselben Mieter. Und vielleicht will demnächst auch der Nachbar, der einem bisher gerne die Bohrmaschine einfach so ausgeliehen hat, Geld dafür sehen. In der Sharing Economy ist Teilen kein gütiger Akt mehr, sondern einer mit dem sich gut Geld machen lässt. Was bisher Nachbarschaftshilfe war, wird Nebenverdienst.

Bild: CC BY 2.0 Carlos Maya

Update: Auch Extra3 hat sich dem Thema Sharing Economy sehr schön angenommen:

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Flimmern & Sehen Politik

Drohnen-Angriffe: Wenn der blaue Himmel tödlich wird

Drohnen bringen eben nicht nur Geschenke, sondern auch den Tod. Und inzwischen sind Drohnen-Angriffe zu Präsident Obamas liebster Methode geworden, Menschen aus der Ferne zu töten. Das große Problem dabei ist, die Grundlage auf der das passiert. Denn so ganz sicher ist man sich immer nicht, wen die Drohen da erwischt, wenn man sie losschickt. Ob das eigentlich jetzt einTerrorist war oder nicht. Identitäten kennt man dabei nicht, will sich aber sicher sein schon die richtigen zu treffen. Das alles geschieht allein auf Datensätzen, vermutlich auch denen der NSA. Ein falsches Metadatum kann mir also einen Drohnenbesuch bescheren. Oder die falsche Körpergröße.

Nur 4% der Drohnen-Opfer in Pakistan eindeutig Al Quaida


Update: Der Tribune hat einen Bericht nach dem gerade einmal 12% der 2379 Opfer von Drohnen Angriffen in Pakistan als militant eingeordnet werden konnten. Eindeutig Al Quaida zuordnen konnte man nur 84, aber mann kennt ja auch nur die Namen von rund 700 der Opfer.

John Oliver erklärt was mit Drohnen-Angriffen falsch läuft

Wo früher wenigstens ein Soldat noch einen Fehler machen konnte, schickt man heute ein unbemanntes Flugobjekt. Weniger Risiko für die eigenen Leute und die Stimmung im eigenen Land. Aber Automatismen haben eben das Problem, das sie irgendwann kaum noch überprüft werden. Man kennt kein Gesicht kein nichts. Das ist erst recht gefährlich, wenn sie über Leben und Tod entscheiden. Und während die Drohnen-Angriffe der USA zunehmen ist zu den Hintergründen, dem genauen Verfahren, bis hin zu schlichten Zahlen wenig bekannt. So hat man zahlreiche Schlupflöcher geschaffen, wann man Drohnen-Angriffe fliegen darf. Es lässt einen sprachlos zurück, dass bei zivilen Opfer einfach junge Männer rausgerechnet werden, die theoretisch in dem Alter wären, in der sie einer militärischen oder terroristischen Vereinigung sein könnten. Ach und wieviele man dabei genau umgebracht weiß man auch nicht so genau. Was alles genau schief läuft hat John Oliver mal wieder hervorragend erklärt.

Drohnen-Angriffe werden geflogen ohne die Identitäten der Opfer zu kennen.

Bild: CC BY 2.0 Horia Varlan

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Gesellschaft Netz &

Internet Celebrities – Wenn Freunde zum Publikum werden

Das Internet hat unsere Grenzen und Wahrnehmungen für Berühmtheit verschoben. Die Öffentlichkeit hat sich zerteilt und damit auch die Wahrnehmung wer in der Öffentlichkeit steht. Während wir aus einem Zeitalter der Superstars kommen, in dem einige wenige mit nationaler oder internationaler Medienpräsenz geegnet wurden hat heute jeder Zugang zu weltweiten Medien. Und es gibt viele Teil- oder Mikroöffentlichkeiten, in denen unterschiedlichen Menschen ein unterschiedliches Maß an Aufmerksamkeit zukommt.

Kleine Stars in Teilöffentlichkeiten

Konkretes Beispiel: Jemand mit mehr Twitterfollowern bekommt leichter mehr Aufmerksamkeit, also jemand der nur wenige hinter sich versammelt, deshalb wird er schnell auch als wichtiger angesehen. Ein kleiner Star entsteht, der zumindest in diese Sphäre etwas gilt und genau beobachtet wird. Dies geschieht in allen möglichen Subkulturen, auf YouTube ist jemand bekannt, ein anderer in einer speziellen Musiksparte berühmt und auch in einem Forum kann sich jemand einen Rang erarbeiten. An einer gewissen Stelle findet ein Shift statt, irgendwann wird nicht mehr nur mit der Person gesprochen, sondern auch über sie. Die Person wird selbst zum Inhalt und damit ein kleiner Star oder Internet Celebrity.

Von Internet Celebrities und YouTube Stars

Am konkretesten kann man dies momentan in der YouTube Szene beobachten. Hier sind einige zu echten Stars geworden, die von Fernsehsendern umworben werden, Plakatwände schmücken aber von einem Teil der Bevölkerung schlicht nicht erkannt werden. Es sind immer noch Nischenstars, wenn auch eine zunehmend größere Nische mit einer sehr interessanten Zielgruppe.

Über Nacht zum Star

Aber man hat auch kaum eine Kontrolle darüber, wie schnell sich die eigene Person verbreitet. Echtzeitmedien, wie Twitter, machen es möglich, dass ein ein Tweet in sekunden um die Welt geht. Man kann aufwachen und feststellen, dass der eigene Song plötzlich im ganzen Netz gespielt wird oder ein Video viral gegangen ist. Nicht immmer ist diese aufmerksamkeit positiv, mit jedem Sturm kommt auch Gegenwind auf und schnell wird man zu einem Symbol für etwas und von anderen vereinnahmt. Dieses Phänomen beschreibt auch das Video oben am Beispiel von Phil Fish. Phil Fish hat das viel gefeierte Spiel FEZ entwickelt und trat in der großartigen Dokumentation Indie Game: The Movie* auf.

Von der Person zum Symbol

Nun ist Phil Fish nicht gerade eine zurückhaltende Person und die Gamingcommunity nicht unbedingt die freundlichste, wie man leidvoll am Beispiel von Anita Sarkeesian erfahren musste. Und FEZ wurde lange vor Release mit Preisen überschüttet, während sich der Release immer weiter hinauszögerte. Phil Fish wurde also zum Symbol für den gehypten Indiestar, der noch nicht wirklich etwas geleistet hat und beinahe jeder (in der Community) hat eine Meinung zu ihm. Was sich aus dieser Symbolkraft einer einzelnen Person entspinnen kann erklärt das Video oben perfekt.

 

 

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Bild: CC BY-ND 2.0 Jonathan Kos-Read

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Wie der Onlinehandel unsere Zahnpasta verändert

Wenn Sie in den Supermarkt gehen und eine Zahnpasta kaufen möchten, dann finden Sie dort Regalreihen über Regalreihen an Tuben. Seien wir ehrlich: Die meisten davon unterscheiden sich nicht groß, sie machen extra-super-weiße Zähne, versprechen der ein oder anderen Zahnkrankheit vorzubeugen und die meisten schmecken immer noch nicht besonders gut. Und viele davon gehören im Endeffekt zum selben Unternehmen. Denn das war bislang eine der beliebtesten Strategien von Unternehmen, um sicher zu gehen, dass Sie eines ihrer Produkte kaufen: Möglichst viel Regalplatz besetzen, so dass, egal wonach Sie greifen, Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Produkt des Unternehmens in Ihren Einkaufskorb legen. Und so hat man einfach immer neue Namen mit -blend und -dent und -med generiert und so immer neue Marken geschaffen. 

Wie Marken auf den Onlinehandel reagieren

Nun hat Procter & Gamble vor kurzem angekündigt, dass sie 90 bis 100 ihrer Marken loswerden wollen, damit bleiben dem Unternehmen zwar immer noch 70 bis 80 Marken übrig, und vermutlich kann sie trotzdem keiner im Unternehmen auswendig aufsagen, aber es deutet auch einen Strategiewechsel an, der mit einer Veränderung darin wie wir Einkaufen einhergeht. Die Marken müssen auf den Onlinehandel reagieren. Denn in Onlineshops ist Regalplatz plötzlich nicht mehr begenzt. Amazon und den meisten anderen Onlineversandhändlern ist es egal ob sie sieben oder zehn Zahnpasten nebeneinander listen. Im Gegenteil- es tauchen immer mehr neue unabhängige Marken auf, es gibt Nischenprodukte und das Grundrauschen ist unendlich höher. Das heißt, es wird viel schwieriger mit einer eigenen Marke überhaupt gehört zu werden. Geschweige denn mit zehn.
Man kann auch keinen Platz besetzen oder jemand anderen aus dem Sichtfeld des Einkaufenden verdrängen. 

Suchschlitz statt Regalfach

Außer vielleicht in der Suche. Plötzlich zählt als Unternehmen, dass die eigene Zahnpasta am besten auf Platz eins in den Suchergebnissen auftaucht, wenn jemand nach Zahnpasta googelt. Oder sich der Kunde am besten an den Namen erinnert. Da ist es eher hinderlich wenn alle mit -blenda, -denta oder -med enden und ich auch nicht mehr weiß, ob ich nun „extra frische“ oder „milde frische“ wollte. Dazu ist es gut, möglichst wenige starke Marken zu haben, die von vielen erkannt werden, die eindeutig für ihre Kategorie stehen und auf die man seine Anstrengungen fokussiert. Und so verändert der Onlinehandel auch unsere Zahnpasta.

Diese Kolumne erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung
Bild: CC BY-ND 2.0 Sam Hawkins

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Bewegen & Beschäftigen Gesellschaft Politik

Menschliche Mitarbeit nicht benötigt

Als zweite industrielle Revolution gilt die Digitalisierung schon längst, aber wie diese langfristig die Arbeitswelt verändern und unsere eigene Arbeitskraft ersetzen wird, darüber wird noch wenig nachgedacht.

Digitalisierung – Die zweite industrielle Revolution

Bislang gilt die Digitalisierung als etwas, dass uns vor allem die Arbeit erleichtert. Der Traum vom Papierlosen-Büro, schnelldurchsuchbaren Dokumenten, asynchroner aber unmittelbarer Kommunikation. Computer sollen stupide Arbeiten übernehmen, für die eine Mensch überqualifiziert ist. Das Computer und Roboter den Menschen dabei ganz ersetzen erscheint ein Zukunftstraum.

Roboter ersetzen uns

Dabei sind die Einschläge schon viel näher als gedacht. Das selbstfahrende Auto ist intensiv getestet und kurz vor der marktreife, wie lange eine flächendeckende Abdeckung noch dauert ist nur eine Frage der Zeit. Und nicht mal die entscheidende: Schon jetzt übernehmen Roboter Jobs in der Logistik, in Lagerräumen und Lagerhallen. Amazon und Google testen die Lieferung mit Drohnen – der Logistiksektor dürfte wohl als erster von den Robotern übernommen werden. Denn, wie CGPGrey im oben eingebundenen Video sagt, dazu müssen sie nicht perfekt sein, sondern nur besser als wir Menschen. Und wir Menschen sind ziemlich miserabel mit all den Unfällen die wir bauen. Sicher gibt es noch einige ethische Fragen, aber die Aufgabe etwa von A nach B zu befördern ist ziemlich simpel.

Roboter übernehmen auch geistige und kreative Arbeit

Dabei können Roboter längst mehr. Auch in der Zukunft des Journalismus lauern Roboter, ach was in der Gegenwart. Der Guardian bringt eine Zeitung heraus, die von einem Algorithmus zusammengestellt wird. Computer können ohne Probleme Sportmeldungen schreiben, schließlich bestehen diese sowieso vokalem aus Zahlen und Daten. Roboterjournalismus nennt man das dann. Und Computer können auch komponieren, also kreativ sein. Sie lernen selbstständig dazu, weil sie unendlich input haben. Wir telefonieren mit Ihnen und im Zweifelsfall hat ein Roboter den Job zu entscheiden, wann wir im Krankenhaus behandelt werden.

Kein Job ist sicher

Kein Job ist sicher. Also mal um zu übertreiben. Aber Computer sind besser in vielem: Sie können sortieren, machen keine Flüchtigkeitsfehler, werden nicht müde. Und sind langfristig billiger. Und wie CGPGrey auch erwähnt, es müssen nicht alle ihren Job verlieren, damit es uns schlecht geht. Während der großen Depression waren es 25%. Arbeitslosigkeit, wir stehen aktuell bei 6,7%. Die Logistikbranche hat in Deutschland 2,8 Millionen Beschäftigte.

Ich will nicht schwarz malen, sondern dazu anregen endlich zu überlegen, wie wir in Zukunft arbeiten wollen. Und was Arbeit bedeutet.

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Bewegen & Beschäftigen

Wie wir mit Computern sprechen und diese uns verstehen

Wie funktioniert eigentlich Computer Spracherkennung? Wie verstehen Computer, was wir sagen und wie reagieren sie, wenn wir mit Ihnen sprechen? Die zweite Folge von „Looking into Black Boxes“ ergründet wieder Algorithmen und widmet sich diesmal der Computer Spracherkennung. Vor allem in Call Centern, werden Begrüßung und Einführung immer häufiger von Antwortmaschinen übernommen, die uns eine begrenzte Auswahl bieten.

Computer Spracherkennung und was wir mit großer Wahrscheinlichkeit sagen

Unzählige Sketche wurden bereits mit fehlerhaften Spracherkennungscomputern gefüllt, Zeit zu verstehen wie das ganze funktioniert. Deshalb haben sich Fiona und ihr Team auf den Weg zum Call Center einer Bank gemacht um sich den Prozess erklären zu lassen. Interessant ist, dass der Prozess in zwei Schritte unterteilt ist: Die reine Spracherkennung, bei der es nur darum geht die richtigen Buchstaben, Wörter, Zahlen zu erkennen, die der Mensch am anderen Ende gesagt haben könnte.

Computer Spracherkennung in zwei Schritten

Der Kontext ist bei der Interpretation entscheidend

Diese werden dann nach Wahrscheinlichkeit sortiert: Wie sicher ist sich der Computer was wir gemurmelt haben? Und dann folgt die Interpretation. Im Beispiel ist es eine Bank, so dass der Computer sich leicht für die richtige Eingabe entscheiden kann, weil er zusätzlich den Kontext zum Gesprochenen hat: Gesucht wird eine Bankleitzahl.

Die Frage ist nur, müssen wir Menschen dennoch irgendwann unser Art zu sprechen anpassen? Und wie reagieren wir darauf wenn ein Computer uns einen guten Tag wünscht?

In der erste Folge ging es darum, wie Algorithmen im Krankenhaus entscheiden, wann wir behandelt werden.