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Bewegen & Beschäftigen

12 Wege, wie YouTuber Geld verdienen

Viele YouTuber haben es zu Stars geschafft, und auf diesem Weg haben sich für viele neue Möglichkeiten ergeben mit ihrem früheren Hobby und mit ihrer neuen Bekanntheit Geld zu verdienen. Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass YouTuber sich neue Geschäftsmodelle suchen, da die Werbeerlöse stagnieren. Angeregt von dem re:publica-Panel von Marie Meimberg und den YouTubern robBubble und Elisa Kropp, dachte ich es wäre noch einmal Zeit für eine praktische Übersicht wie YouTuber Geld verdienen:

 

1. Die YouTube-Monetarisierung

Der bekannteste und einfachste Weg, wie YouTuber Geld verdienen ist wohl die YouTube-Monetarisierung. Die wird einfach im eigenen Kanal aktiviert und ab dann schaltet YouTube verschiedene Anzeigenformate auf die eignen Videos. Die Erlöse variieren dabei nach Themenspektrum, Werbeauslastung und Werbeform.
Im Beauty, Technik und Games Bereich zum Beispiel werden wesentlich mehr und höherpreisige Anzeigen geschaltet als im Bereich Politik & Gesellschaft.
Allerdings sind die TKPs auch hier noch recht niedrig, YouTube behält ungefähr 45% der Erläse für sich, so dass bei den “Creators” je nach Schätzungen zwischen einem und sechs Euro pro tausend Aufrufe hängen bleiben.

2. Product Placements

Gerade deshalb sind bei vielen YouTubern Product Placements so beliebt. Hier können wesentlich höhere Preise verlangt werden. Je nach Reichweite und Marke des YouTubers liegen die Preise für tausend Aufrufe zwischen 50 – 90€.  [Tweet this!] Das Problem ist hier, dass die Werbeform weithin als Schleichwerbung verschrien ist (oder es auch einfach ist). Gerade wenn die Videos nicht ordentlich gekennzeichnet werden oder der YouTuber zu viele unpassende Kooperationen macht, verliert er schnell die Gunst seiner Zuschauer. Außerdem hat er nicht unbedingt die Hoheit über seinen Inhalt, sondern muss vor allem die Botschaft des Werbepartners rüberbringen.

Wie YouTuber Geld verdienen: Bibi hält ihre Uhr in die Kamera und verlinkt sie auch gleich
Bibi hält ihre Uhr in die Kamera und verlinkt in der Beschreibung gleich das Produkt

3. Kooperationen

Deswegen gehen einige YouTube auch gerne den umgekehrten Weg: Sie denken sich erst ein Video, Thema oder Projekt aus, dass sie realisieren wollen und suchen sich dann passende Markenpartner die bereit sind das zu unterstützen. So können die Creator mehr Kontrolle behalten, aber gleichzeitig aufwändigere Videos realisieren, die mit den normalen finanziellen Mitteln nicht möglich sind. Natürlich bekommen auch diese Marken im Gegenzug einen Auftritt in den Videos.

4. YouTuber als Moderatoren

Anstatt in ihren eigenen Kanälen vor der Kamera rumzuhüpfen können YouTube natürlich auch für andere Kanäle als Moderatoren gebucht werden. Zum Beispiel MrTrashpack für Shortcuts oder Dr. Allwissend für den SurvialGuide. Dabei bringen die YouTuber neben der nötigen Erfahrung natürlich auch einen Teil Ihrer Zuschauerschaft mit.

5. Testimonial

Wie klassische Stars können bekanntere YouTuber auch gleich als Testimonials für ganze Werbekampagnen gebucht werden. LeFloid zierte zum Beispiel für die Techniker Krankenkasse diverse Banner und Bibi durfte im letzten Neckermann-Werbespot mitspielen.

Wie YouTuber Geld verdienen: LeFloid als Testimonial
LeFloid als Testimonial einer Krankenkasse

6. Streaming

Aber YouTuber sind eben längst nicht nur auf Youtube unterwegs, sondern nutzen auch diverse Livestreamingplattformen um ihren Fans nah zu sein. Die verschiedenen Plattformen bieten dabei unterschiedliche Erlösmodelle: Twitch beispielsweise beteiligt Streamer an den Werbeeinnahmen und bietet auch ein Abomodell für 4.99€, an dessen Erlösen die Stars ebenfalls beteiligt werden. YouNow arbeitet mit vielen InApp-Käufen, die Nutzern ermöglichen zum Beispiel digitale Eheringe zu verschicken. Auch hier werden die Stars beteiligt und wenn sie es schaffen neue Nutzer auf die Plattform zu ziehen werden sie ebenfalls dafür entlohnt.

7. Spenden und Trinkgeld

Einige YouTuber leben auch von den Spenden oder direkten Zuwendungen ihrer Zuschauer. Vor allem in den USA hat sich hier Patreon etabliert, andere setzen klassisch auf PayPal. YouTube versucht hier mit Fan Funding ein eigenes ähnliches Feature anzubieten, das ist in Deutschland bislang aber noch nicht verfügbar.

Wie YouTuber Geldverdienen: Alternative spenden über Patreon
Patreon – Eine Art Dauercrowdfunding

8. Merchandising

Wie auch andere Künstler und Stars verkaufen mehr und mehr YouTube Merchandising: T-Shirts, Kissen, Figuren, Pullis…was auch immer. Ein Modell, das aber nur dann wirklich gut funktioniert, wenn man große Stückzahlen bestellen und verkaufen kann.

9. Kinofilme, Bücher, Alben, Konzerte & Tourneen

Längst erobern YouTuber auch andere Mediengattungen: Allein in diesem Jahr sollen mehrere Kinofilme von YouTubern erscheinen. Unter anderem “Kartoffelsalat” von Fresh Torge. Zahlreiche Youtuber haben auch schon eigene Bücher veröffentlicht, in den USA dominieren sie derzeit sogar die Bestsellerlisten. Liont ist hierzulande mit seinem “Rap”-Album auf Platz 2 der Charts eingestiegen und wenn man erst eine Platte draußen hat kann man damit auch super auf Tournee gehen und Konzerte spielen.

10. Eigene Plattformen

Einzelne YouTuber setzen auch darauf ihre eigene Plattformen und Webseiten zu etablieren. Freddie Wong hat die neuen Folgen der Video Game Highschool zum Beispiel zuerst auf der eigenen Webseite Rocketjump.com veröffentlicht. Hintergrund ist hier meist, dass man auf der eigenen Webseite einen höheren Werbepreis erzielen kann. Schließlich muss schon mal nicht 45% der Erlöse an YouTube abgeben. Zunächst muss man es aber schaffen, genügend Besucher auf die eigene Seite zu locken.

11. Affiliate Links

Ein Youtuber muss nicht unbedingt mit einem Unternehmen kooperieren oder direkt dafür bezahlt werden ein Produkt in die Kamera zu halten, um daran Geld zu verdienen. Eine einfache Möglichkeit, die im Prinzip jedem offen steht sind Affiliate Links: Hier verdient der Künstler an jedem Kauf mit, der über die eigene Verlinkung zu Stande kommt. Je nach Plattform bekommt man bis zu 10% des Verkaufspreises als Provision. Das eignet sich natürlich vor allem bei Beauty oder Technikprodukten.

12. Kanalverkauf

Ein eher seltener, aber nicht unlukrativer Weg als YouTuber Geld zu verdienen ist der Verkauf des gesamten eigenen Kanals. Prominentes Beispiel ist hier Phillip DeFranco, der seinen Kanal 2013 für einen zweistelliger Millionenbetrag an DiscoveryChannel verkauft hat. Und arbeitet nun dort als Teil des Teams.

Ich schreibe übrigens regelmäßig über die Veränderungen und Chancen durch das Netz auf die Medien. Ein Weg da auf dem Laufenden zu bleiben ist mein Newsletter. [mc4wp_form]

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Flimmern & Sehen Musik

#UnserSongfür2016: Vorschläge für den nächsten ESC

#ESC2016 – mit Spannung erwarten wir das Finale des #ESC2015. Die Songs stehen aber schon lange fest und nach dem #ESC2015 ist vor dem #ESC2016. Zeit sich schon mal zu überlegen mit welche Song man nächstes Jahr beim Eurovision Songcontest antreten kann. Auf Twitter gibt es unter dem #UnserSongfür2016 schon einige spannende Vorschläge.

Neue Protagonisten für den #ESC2016

Statt den Künstlern und Musikern, die sonst beim ESC auf der Bühne stehen gibt es spannende Vorschläge beim #ESC2016 mal ein paar andere Protagonisten auf die Bühne zu hieven und damit Schlaglichter auf andere Themen zu richten. Ob allerdings alle Titel den strengen Regularien gegen Coverversionen genügen wird man dann hören.

 

Achso, und ja, ich stelle mir die Selektorenliste so vor. Ein Mix aus Skeletor und Listenicon. Solange die noch keiner gesehen hat kann man ja nicht wissen, wie die sonst aussieht.#ESC2016 - UnserSongfür2016

Die Idee für das Hashtag #Songsfür2016 entstand im Rahmen des Blockkurs Digitaljournalismus der BLM, bei denen ich den Volontären ein bisschen was zu Social Media zeigen und erklären durfte. Am ersten Tag haben wir da zahlreiche Fotos und Videos für Facebook erstellt um das Thema #Flüchtlinge mal anders zu beleuchten.

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Netz & Politik

Das ist Merkels BND-Affäre

Seit bald zwei Jahren werden wir von unserer Bundesregierung vorgeführt. Manch einer mag behaupten, das geht schon wesentlich länger, aber lassen wir die Polemik einen kleinen Moment zur Seite.

Seit dem Beginn der Snowden Enthüllungen wird uns eine lückenlose Aufklärung versprochen, dessen was die Geheimdienste in unserem Land treiben. Seither wird uns vorgegaukelt, es kümmere irgendjemanden, was mit unseren Grundrechten und unserer Privatsphäre geschieht. Seit Beginn der Spionage-Affäre hat sich auch angedeutet, dass der BND darin sehr viel tiefer verwickelt ist, als gedacht.

Wir wurden an unzähligen Stellen belogen

Nun, da sich das ganze Ausmaß entfaltet, wird gleichzeitig offenbar an wie vielen Stellen wir auch im Anschluss belogen wurden. Als Angela Merkel versicherte, dass die Amerikaner sich auf deutschem Boden an deutsches Recht halten würden, war das schlicht falsch. Das geht aus dem Mail-Verkehr hervor, den die Süddeutsche veröffentlicht. Das No-Spy-Abkommen, das uns zur Beschwichtigung hingehalten wurde, wurde in dieser Form nie diskutiert oder versprochen. Als Berater zur Aufklärung in die USA flogen, ging es dabei vor allem darum, wie man die Wogen der Diskussion glätten könnte.

Die Bundesregierung behindert aktiv die Aufklärung des Geheimdienstskandals

Und auch nun im BND-Skandal verspricht man uns Aufklärung. Während die Kanzlerin also verlauten lies, dass Abhören unter Freunden gar nicht ginge, lauschte die eigene Unterabteilung des BND zusammen mit der NSA bei den Franzosen. Dazu verliest Steffen Seibert Mal für Mal sorgsam formulierte, nichtssagende Pressemitteilungen. Bei Fragen verweist das offizielle Sprachrohr der Kanzlerin darauf, dass man nichts weiter sagen könne. Alles Weitere soll im zahnlosen Parlamentarischen Kontrollgremium geklärt werden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Stets wird von Aufklärung gesprochen und noch im selben Satz auf die Geheimhaltung der betroffenen Dokumente verwiesen. Tatsächlich wurde bislang kein Schritt Richtung Aufklärung unternommen. Die Arbeit des NSA-Untersuchungsausschuss wurde sogar aktiv behindert, in dem man eine Einladung Edward Snowdens zu verhindern wusste.

Es sind schon Bundeskanzler wegen weniger Spionen zurückgetreten

Nun versucht man einen Geheimdienstkoordinator, Kanzleramtsminister oder Innenminister als Bauernopfer zu positionieren, um den Skandal abermals zu beschwichtigen. Das bringt uns aber nicht weiter. Schließlich weist die Verantwortung inzwischen viel höher. Es ist Merkels BND-Affäre. Aber zunächst brauchen wir tatsächlich endlich eine Aufklärung und viel wichtiger eine Änderung der Zustände: Das anlasslose Ausspionieren unseres Privatlebens muss aufhören.

Im Zuge dessen kann man sehen welche personellen Konsequenzen gezogen werden müssen. Aber, Polemik wieder an, es sind schon Bundeskanzler wegen weniger Spionen zurückgetreten. [Tweet this]

Bild: CC-BY-2.0 EPPofficial
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ieser Artikel erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

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Medien Youtube News & TV 2.0

Wie Facebook mit zu hohen Videozahlen hantiert

Facebook prahlt derzeit mit gigantischen Videozahlen. Inzwischen sollen es 4 Milliarden Videoabrufe am Tag sein. Ein enormes Wachstum, im Januar waren es noch 3 Milliarden. Entscheidend für diese Zahlen ist aber vor allem die Autoplay-Funktion, die Videos automatisch in der Timeline anspielen lässt. Was steckt also genau hinter diesen Zahlen und wie sind sie zu bewerten?

Facebook Videozahlen offiziell: 4 Milliarden Abrufe am Tag

Facebook Videozahlen: Die Abrufe lassen sich sehen
Facebook Videozahlen: Auf den ersten Blick beeindruckend

Dazu habe ich einmal beispielhaft ein recht erfolgreiches Video auf Facebook genauer analysiert und mit ihren YouTube-Aufrufen verglichen. Bitte beachten: Die Zuschauerbindung hängt extrem vom Inhalt ab und kann nicht ohne Weiteres auf andere Clips übertragen werden. Ein schneller Blick auf andere Videos zeigt aber, dass das beschriebene Verhältnis zwischen Facebook und YouTube ähnlich ist. Insgesamt geht das Video 1:25 Minuten und Facebook weist dafür 112.945 Views aus.

Von 112.945 Zuschauern bleiben am Ende nur 9.600 übrig

Als View zählt in Facebooks Videozahlen alles ab 3 Sekunden, interessant ist aber was danach noch übrig bleibt. Nach 30-Sekunden bleiben nur noch 24.121 Zuschauer. Am Ende sind es nur noch 8.5% derer, denen das Video zu Beginn angezeigt wurde.

Facebook Videozahlen: Die Zuschauerbindung bei Autoplay ist miserabel
Facebook Videozahlen: Die Zuschauerbindung bei Autoplay ist miserabel

Die Zuschauerbindung ist also extrem gering bei allen, die das Video einfach so in die Timeline gespült bekommen. Ein Großteil hat wohl nur vorbeigescrollt und nicht schnell genug den Ausschalten-Knopf gefunden. Denn die mangelnde Zuschauerbindung liegt aber nicht am Inhalt des Videos. Zum Vergleich: Bei Youtube sind am Ende desselben Videos 73% der Zuschauer dran geblieben. Während auf Facebook im Schnitt nur 0:24 Sekunden geschaut werden, bleiben die Zuschauer bei YouTube im Durchschnitt bis zu Minute 1:10.

Facebook Videozahlen im Vergleich mit YouTube
Facebook Videozahlen: Zuschauerbindung im Vergleich zu YouTube

Bei den aktiven Zuschauern bleiben fast ¾ bis zum Schluss

Das liegt aber nicht an Facebook als miese Videoplattform per se, sondern tatsächlich an der Autoplay-Funktion. Schaut man sich die Facebook Videozahlen zu denen an, die gezielt bei einem Clip auf Play geklickt haben, sind hier die Werte fast gleich. Dann bleiben nämlich ebenfalls rund 73% der Zuschauer bis zum Schluss. Die Autoplays alleine lassen nur 6,83% bis zum Schluss schauen. Positiv ausgedrückt hat man durch Autoplay 1.173 Zuschauer gewonnen, die tatsächlich bis zum Schluss dranbleiben.

Facebook Videozahlen: Freiwillige Zuschauer bleiben länger dran
Facebook Videozahlen: Freiwillige Zuschauer bleiben länger dran
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Facebook Videozahlen: Autoplay vs. gezielte Abrufe

Tatsächlich haben auch nur 6.274 jemals aktiv auf Facebook gesagt sie wollen den Clip anschauen. Diese sind dann im Schnitt aber auch wesentlich länger drangeblieben. Woher sie kommen und ob sie Autoplay generell auf Facebook ausgeschaltet haben, lässt sich mit den Analytics leider nicht sagen. Das bedeutet, die offiziellen Zahlen, die Facebook unter jedem Video ausweist und mit denen sie so hausieren geht,  sind wenig wert. [Tweet this!] Sie lassen sich in keinster Weise mit YouTube Views vergleichen.

Facebook hat die Hoheit über die Verbreitung

sharefbEine starke Zahl kann Facebook aber für sich vereinnahmen: Die geteilten Inhalte. Dort stehen bei Facebook unter dem untersuchten Video knapp 1.500-mal geteilt. Bei YouTube nur klägliche 34-mal, bei rund 2.500 Views. shareyoutube-28Dennoch zeigt es die Hoheit von Facebook an, Videos viral werden zu lassen und verbreiten zu können. Bei YouTube stellt sich fast schon die Frage, wo ich deren Videos teilen soll, wenn sie von Facebook nach unten gerankt werden.

Mit der Veränderung des Medien- und Videomarktes beschäftige ich mich regelmäßig. Auch in meinem morgenlinks-Newsletter. [mc4wp_form]

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Medien Netz &

Google-Geld, Facebook-Money, Content-War – ¯\_(ツ)_/¯ und Hypes auf der #rp15

Wer gewinnt den Krieg um Content und wie viele Journalisten wird uns das kosten? Dürfen Verlage Geld von Google nehmen? Und müssen wir alle unsere Inhalte auf Facebook stellen? Ist Periscope zu Recht der heiße Scheiss?

Spontaner re:publica-Vortrag zu Medienhypes

Jede Menge Hypes in der Medienbranche und kaum einer findet eine Antwort, da kommt schon wieder das nächste.  In der Tradition meiner ultraspontanen re:publica-Vorträge habe ich darüber mit Ole Reißmann und Hakan Tanriverdi auf der Mediaconvention-Bühne gesprochen.

Wir haben uns dabei eben gefragt und ein wenig diskutiert, wo man nun eigentlich alles mitmachen muss und wann wir uns eigentlich das letzte mal gefragt haben: Warum? Es herrscht ein Herdentrieb bei den Neuheiten: Wir müssen alle Snowfallen, Periscopen, auf Facebook-sein und WhatsApp-nachrichtne verschicken. Zu selten geht es dabei um einen Mehrwert sondern nur um einen Selbstzweck.

 Es gibt nur eine Antwort: ¯\_(ツ)_/¯

Was von all dem wichtig ist und bleibt kann wohl keiner sagen. Am wahrscheinlichsten gar nichts. Die Medienwelt wird sich weiter wandeln und dieser Wandel wird eventuell auch nicht mehr aufhören. Die Antwort darauf sollte vielleicht öfter mal ein Shruggie oder ein Schulterzucken sein. Sonst machen wir uns zum Sklaven der Hypes und der Plattformen dahinter.

Shruggie - Re:publica

Zwei Artikel, die ich im Vortrag erwähne:

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Sponsored Video: Wieso finden wir Katzenvideos lustig?

Katzen sind in unserer Zeit die mehr oder weniger geheimen Internetstars. Kein anderes Tier löst bei der breiten Masse Reaktionen von Schmunzeln bis Verzückung aus. Neben der süßen Erscheinung – dem flauschigen Fell, den langen Schnurrbarthaaren, den Kulleraugen und den weichen Tatzen – schauen wir Katzenvideos um die Tiere in alltäglichen Situationen bei ihren menschenartigen Reaktionen zu beobachten.

[quote_center]Katzenvideos sind wie RealityTV. Nur unterhaltsam.[/quote_center]

Die Katze, die die Wurst vom Teller klaut, die Wassergläser vom Tisch schiebt, die im Aktenschrank nach Unterlagen wühlt. Katzen beobachten ist wie Reality TV. Nur eben unterhaltsam. Wenn man es als Katze drauf hat, bietet die heimische Wohnung unzählige Situationen, die zu Bildern, GIF´s und Videos verarbeitet werden können. Dabei sind wir zum Teil überrascht, zum Teil belustigt, wie sich Katzen in der menschlichen Umgebung zurecht finden.

So manch ein verzweifelter Möchtegern-Internetstar wird da schon neidisch, wenn er überlegt, wie einfach es Katzen haben, mit ein paar Bewegungen viral zu werden. Man fragt sich dann, was müssen Menschen tuen, um im Internet ähnlich erfolgreich wie ihre Katzen zu sein? Oder zumindest um aufzufallen?

Als Mensch so erfolgreich wie ein Katzenvideo?

Volkswagen hat dazu eine klare Meinung: Zu einer menschlichen Katze werden. In seinem neuen Video „Human Cats“ zeigt der Autohersteller komplett unterschiedliche Menschen, die zu komplett unterschiedlichen Katzen werden, um typische Katzenvideos nachstellen. Damit möchte VW nicht nur in Bezug auf Catcontent, sondern auch in Sachen Autokauf zu einem Umdenken beitragen und macht mit dem Video Werbung für seine Leasingbörse. Unter dem Leitspruch „Nutzen statt Besitzen“ gibts wohl eine große Auswahl an Jungen Gebrauchten für einen flexiblen Lebensentwurf. So muss man sich nicht auf ein Modell festlegen und trotzdem nicht auf verlässliche Mobilität verzichten.

Ähnlich ist es bei Katzen: Das Geheimnis unserer Faszination und der never-ending lovestory mit Catcontent ist wohl ihre Vielzahl und Flexibilität. Müssten wir uns jedes Mal die selbe Katze anschauen, wären wir wohl schnell gelangweilt. Jedoch immer mit unterschiedlichen Katzen überrascht zu werden und zur Not auch mal abschalten zu können, genau das lässt uns immer wieder Ja zu kitty cat content sagen.

Wer seine Tagesdosis an Catcontent für heute noch nicht gedeckt hat, für den gibts geballte Katzenpower. „Musik about cats & for cats“ im einstündigen XXL Cat Mixx.

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Dystopie: Wenn „Gehorche“ schon auf unseren T-Shirts steht

Es ist eigentlich schon ein Klischee, Kolumnen über Überwachung stets mit George Orwells „1984“ zu belegen. Aber so spart man es sich, einzelne wissenschaftliche Belege herauszukramen, die besagen, dass Menschen unter Überwachung eindeutig ihr Verhalten ändern. Stattdessen kann man mit dem Rückgriff auf die Fiktion gleich ein breites gesellschaftliches Szenario zeichnen, zu dem einzelne inkremententale Entwicklungen beitragen.

Abkürzung in den Totalitarismus

Gleichzeitig bieten sie fast schon eine Art Checkliste, um das eigene System mit der fiktiven, totalitären Dystopie abzugleichen.

Im Film „Sie leben“ von John Carpenter entdeckt der Protagonist durch eine spezielle Brille, dass die Gesellschaft mit unterschwelligen Botschaften, wie „Obey, Reproduce, Consume“ (Gehorchen, Reproduzieren, Konsumieren.) gesteuert wird. Heute gilt es tatsächlich als besonders schick mit Kappen und T-Shirts der Marke Obey herumzulaufen. Welche Marken die Botschaften Reproduce und Consume abdecken, kann sicher jeder selbst interpretieren.

Dreister Neusprech: Von Vorratsdatenspeicherung zur Höchstspeicherfrist

In „1984“ hat Orwell das Ministerium für Wahrheit erfunden, das mit dem „Neusprech“ neue Sprachregelungen findet, um die eigene Ideologie zu verkaufen. Es gibt wohl kaum ein passenderes Schlagwort für das was mit der Vorratsdatenspeicherung geschieht: Nach einer Kehrtwende seines eigenen Gewissens präsentiert Justizminister Heiko Maas uns einen neuen Entwurf für die Vorratsdatenspeicherung unter dem Titel „Höchstspeicherfrist“. Der deutsche Linguist Martin Haase hat 2008 bereits die Rolle des „Neusprech im Überwachungsstaat“ analysiert und wie solche Wortschöpfungen dazu dienen sollen Zustimmung für Gesetzesvorhaben zu formen.

Dennoch kommt es nie genau, wie in der Fiktion. Die meisten dieser Dystopien haben beispielweise das Internet, die damit einhergehende Vernetzung von Daten und neuen Kontrollmöglichkeiten, nie vorausgesehen. Statt des großen Bildschirms an der Wand, der uns überwacht, tragen wir ihn alle in Form eines Smartphones in der Hosentaschen überall mit uns herum.

Dystopie oder Realität? Überwachung als Normalität

Die fiktiven Dystopien haben noch ein Problem, wenn man sie nutzen möchte, um auf die Gefahren von Überwachung hinzuweisen: In den meisten Szenarien lebt der Großteil der Gesellschaft sehr friedlich und zufrieden mit der aktuellen Situation. Die Überwachung wird stillschweigend akzeptiert.

Das ist wiederum erstaunlich nah an der Realität: Denn auch heute wird sich vermutlich kein großer Widerstand dagegen regen, falls die Vorratsdatenspeicherung, unter diesem oder einem anderen Namen, demnächst alle unsere Kommunikationsdaten und Bewegungsabläufe in einem Ministerium speichert.

Dieser Text erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

 

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Medien Netz &

Snapchat wirbt Reporter von CNN ab

Snapchat hat sich den profilierten politischen Journalisten Peter Hamby von CNN gesichert. Hamby soll bei Snapchat die Rolle als „Head of News“ ausfüllen. Poiltico bezeichnet Hamby ohne Zweifel als „einen der besten Politischen Reporter von CNN.“ 

Viele Medienmenschen vergleichen die Einstellung Hambys mit dem Wechsel von Ben Smith als Chefredakteur zu Buzzfeed weg von Politico.

Snapchat mit Discover erfolgreich im Nachrichtengeschäft

Für Snapchat dürfte das einen weiteren Push Richtung Nachrichten bedeuten und ein weiterer Schritt in Richtung eines vollen sozialen Netzwerkes, das anderen Konkurrenz macht. Mit dem Discover Feature setzt Snapchat bereits verstärkt auf Nachrichten, hier ist auch CNN ein Partner. Kevin Rose zeigt sich nicht überrascht, das Snapchat hier ausbauen will, gemessen an dem Erfolg den sie bislang dort verzeichnen. Allein die CNN Geschichten werden eine Millionen mal am Tag über Snapchat abgerufen.

Ich habe aus der Meldung mal schnell eine Snapchat Story gemacht und diese wiederum für YouTube abgefilmt. Auf Snapchat findet man mich als netzfeuilleton. Ebenso wie auf YouTube.

snapchat-netzfeuilleton

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Bewegen & Beschäftigen Youtube News & TV 2.0

Küppersbusch: „Mediakraft-Verträge erinnern an die Bodenreform der DDR 1953“

Friedrich Küppersbusch Fernsehlegende und -produzent versucht sich spätestens seit dem „tagesschaum“ auch an YouTube.  Beim Frankfurter Tag des Online-Journalismus sprach er von einer echten Goldgräberstimmung, die zurzeit im Netz und vor allem in Bezug auf Bewegtbild herrscht.

Goldgräberstimmung bei Webvideos: Schippe selber mitbringen

Allerdings, wie beim Goldrausch am Klondike, muss sich erstmal jeder eine Schippe kaufen um überhaupt mitschürfen zu können. So auch bei Küppersbusch und seinem probonoTV auf Youtube. Er betonte mehrmals, dass sie bislang mit YouTube noch kein Geld verdienen. Viele der Geschäftsmodelle für Youtuber funktionieren nicht, beziehungsweise werfen zu wenig Geld ab. Sicherlich sind sie noch lange nicht vergleichbar mit allem was Küppersbusch von seinen TV-Produktionen gewohnt ist.

Aber natürlich hat sich ProBono bei der Suche nach Möglichkeiten auch die YouTube-Netzwerke angeschaut und sind zunächst bei sich um die Ecke in Köln gelandet.

Mediakraft-Verträge: Weitgehender Buy-Out

Allerdings ließ Küppersbusch kein gutes Haar an den Mediakraft-Verträgen die man ihm vorlegte.

[pull_quote_center]Obwohl ich jetzt in 19 Jahren als Fernsehproduzent einiges an Buyout-Verträgen gesehen habe, an Bedingungen für Urheber, muss ich sagen der Vertrag von Mediakraft erinnerte mich lebhaft an den Geschichtsunterricht und zwar das Kapitel Bodenreform in der DDR 1953. So etwas Weitgehendes hatte ich dann noch nicht gesehen.[/pull_quote_center]

Viel mehr als das Recht sich YouTube-Künstler nennen zu dürfen bliebe einem an Rechten bei einem Multi-Channel-Network nicht übrig, konstatiert der TV-Produzent.

MediaKraft Verträge
Küppersbusch ist natürlich nicht der erste der Probleme mit Verträgen bei einem MCN hat. Der prominenteste Fall hierzulande war wohl Ende letzten Jahres Simon Unge, der mit viel Getöse versuchte aus seinem Mediakraft-Vertrag auszusteigen. Auch LeFloid war mit Mediakrafts Gegenleistung nicht mehr zufrieden.

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Live: Die letzte Bastion des Fernsehens unter Beschuss

Der Satz „Ich schaue ja schon lange kein Fernsehen mehr“ wird immer häufiger vorgetragen. Am Besten begleitet von „Wir haben nicht mal mehr einen Fernseher“ und etwas Überheblichkeit.

Schließlich ist es inzwischen ein Leichtes auf vorgefertigte Programmschemata und Unterhaltung aus der Röhre zu verzichten. Sein Bedürfnis an Flimmerbildern kann man auch auf jedem anderen Gerät befriedigen.

YouTube bekommt jede Minute 300 Stunden neue Videos hochgeladen. Die spannenden Serien kommen aus den USA oder von der BBC, werden hier höchstens zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang ausgestrahlt und man konsumiert sie sowieso besser über Netflix & Co am Stück. Und die Videos der Freunde über WhatsApp haben immer noch mehr Niveau als das, was RTL unter Comedy versteht.

Live: Die letzte Bastion des Fernsehens

Eigentlich gibt es nur eine Bastion, die das Fernsehen noch für sich beanspruchen kann: Live-Events. Ein Fußballspiel on Demand zu schauen macht einfach keinen Spaß, wenn man schon weiß wie es ausgeht. Die große Samstagsabendshow zieht ihre Unterhaltung, wenn schon nicht aus dem Inhalt, dann doch irgendwie aus der Tatsache, dass man live dabei ist.

Und so treiben Liveinhalte dann doch immer wieder auch überzeugte Abstinenzler vor einen Nachbarschaftsfernseher oder in eine Bar, die unter den horrenden Sky-Gebühren noch nicht dichtgemacht hat.

Doch auch diese Bastion ist unter Beschuss: Aktuell erobern neue Tools den Markt, die es jedem ermöglichen einen eigenen Videolivestream zu starten. Mit YouNow streamen Jugendliche live aus dem Kinderzimmer. Die AppStore Charts werden derzeit von Meerkat und Periscope gestürmt – Zwei Apps, die er jedem erlauben mit seinen Handy live an ein Publikum zu senden.

So weit ging nicht mal Berthold Brechts Radiotheorie, in der er von einem neuartigen, „denkbar großartigsten Kommunikationsapparat“ sprach, der es jedem ermöglichen würde zu senden. Das ist nun möglich, nicht nur per Ton sondern mit bewegten Bildern.

Das Nachrichtenstudio im Handy

Tatsächlich ist mit dem Smartphone zum ersten Mal das Empfangsgerät dasselbe wie die Produktionsgerät. Das wäre so, als käme ein neuer Fernseher gleich mit einem Nachrichtenstudio, wie es die heute-Sendung auf dem Lerchenberg benutzt.

Nun höre ich schon die ersten Einwände: Es gibt doch einen Qualitätsunterschied, zwischen Handy und Studiokamera. Und ein Teenie im Kinderzimmer kann doch keinen Claus Kleber samt Redaktion ersetzen.

Periscopes Angriff auf das Fernsehen


Dem entgegne ich, dass die Veränderung von Märkten meist genau so funktioniert. Die Disruptionstheorie von Clay Christensen geht davon aus, dass disruptive Innovationen meist am unteren Ende eines Marktes beginnen. Für die etablierten Anbieter sind sie zunächst überhaupt keine Gefahr, bis sie wachsen und teils die alten Anbieter verdrängen.

Wir erinnern uns: Auch YouTube fing mit Katzenvideos an, inzwischen produzieren immer mehr TV-Sender gezielt für diesen Kanal. Und tatsächlich setzte gestern auch der BVB auf Periscope, um die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp zu übertragen. Bis das erste Bundesliga-Spiel dort läuft, dauert es sicher noch.

Den Satz „Ich schaue ja schon lange kein Fernsehen mehr“ werden wir bis dahin immer häufiger hören.

Bild: Unter Verwendung von „Fernsehturm Schnaitsee“ CC-BY-NC 2.0 novofotoo
Dieser Text erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

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