Revolution in #YoutubeDeutschland

Kurz vor Weih­nach­ten ver­fass­ten et­li­che Ju­gend­li­che Tau­sen­de Posts auf dem Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter mit dem Hash­tag #Frei­heit. In die­sen Tweets ging es nicht et­wa da­rum, für un­ter­drück­te Völ­ker Be­frei­ung von ih­ren Des­po­ten zu for­dern – oder die in­haf­tier­te Whist­le­blo­we­rin Chel­sea Man­ning zu be­frei­en. Statt­des­sen ging es um ei­nen You­tu­ber. Si­mon Un­ge spielt vor der Ka­me­ra Vi­deo­spie­le oder fährt mit dem Long­bo­ard durch ganz Deutsch­land. Er hat­te ei­nen Ver­trag mit sei­nem Netz­werk Me­dia­kraft un­ter­schrie­ben, aus dem er jetzt vor­zei­tig ent­las­sen wer­den woll­te. Öf­fent­lich be­ging er den Ab­schied aus sei­ner selbst ver­schul­de­ten Un­mün­dig­keit. Er be­schim­pfte Me­dia­kraft als „Scheiss­hau­fen“ und pran­ger­te Me­dia­krafts Ge­schäfts­ge­ba­ren an.

Für Mediakraft geht es steil bergab

Und sei­ne Fans spran­gen ihm scha­ren­wei­se bei. Für das Netz­werk Me­dia­kraft, das vor al­lem die Wer­bevermark­tung für Un­ge und an­de­re You­tu­ber über­nimmt, geht es seit­her steil berg­ab.
Nach­dem noch wei­te­re You­tu­be-Grö­ßen ih­ren Weg­gang be­kannt ga­ben, ha­ben erst der Ver­mark­tungs­chef und kurz da­nach der Prä­si­dent des Un­ter­neh­mens, Christ­oph Krach­ten, ih­re Pos­ten nie­der­ge­legt.
Das ist in et­wa so, wie wenn ei­ni­ge gro­ße Mu­si­ker ihr Mu­sik­la­bel ver­las­sen und da­nach die Un­ter­neh­mens­füh­rung aus­ge­tauscht wer­den muss. Christ­oph Krach­ten hat­te mir ge­gen­über in ei­nem In­ter­view we­ni­ge Wo­chen zu­vor Me­dia­kraft noch als „Ma­jor­la­bel“ im You­tu­be-Be­reich be­zeich­net. Das zeigt die Kraft die­ser You­tu­ber: Si­mon Un­ges Ab­schieds­vi­deo wur­de in­zwi­schen drei Mil­lio­nen Mal auf­ge­ru­fen. Auf You­tu­be sind Stars her­an­ge­wach­sen ab­seits des Mains­tre­ams.

Stars ohne jemals im Fernsehen aufgetaucht zu sein

Hier wird die wah­re Re­vo­lu­ti­on deut­lich: Wäh­rend im aus­tra­li­schen Dschun­gel Pro­mis sit­zen, für die sich im­mer we­ni­ger Zu­schau­er in­te­res­sie­ren und de­ren Pro­mi­nenz le­dig­lich aus der Teil­nah­me in an­de­ren Fern­seh­sen­dun­gen be­steht, ist ei­ne jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on so­zu­sa­gen aus ih­ren Kin­der­zim­mern her­aus be­rühmt ge­wor­den. Oh­ne zu­vor je­mals im Fern­se­hen auf­ge­taucht zu sein.

You­tu­ber haben ihr ei­ge­nes Me­die­nim­pe­ri­um er­schaf­fen

An den Mas­sen­me­dien vor­bei ha­ben sie sich ih­re ei­ge­ne treue Fan­ba­sis auf­ge­baut. Mit ei­ner Bin­dung, die viel nä­her und in­ti­mer ist als die zu ei­nem Stern­chen, das sich im Dschun­gel die Blö­ße gibt.
Si­mon Un­ges neu­er You­tu­be-Ka­nal hat­te in­ner­halb von 24 Stun­den über 400 000 Abon­nen­ten ver­zeich­net. Als der Fern­seh­sen­der WDR vor Kur­zem ei­nen neu­en You­Tu­be-Ka­nal star­te­te, brach­te er es in 24 Stun­den auf ge­ra­de mal rund 400 Abon­nen­ten. Und Un­ge braucht für sei­nen You­tu­be-Ka­nal we­der ein von ei­nem In­ten­dan­ten un­ter­zeich­ne­tes For­mu­lar noch ei­nen kom­plet­ten Fern­seh­sen­der im Rü­cken, um für ein gro­ßes Pu­bli­kum zu pro­du­zie­ren. So ha­ben er und vie­le an­de­re You­tu­ber ihr ei­ge­nes Me­die­nim­pe­ri­um er­schaf­fen – und sie al­lein sind da­rin die trei­ben­den Kräf­te.

Dieser Artikel erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung
Bild: Revolution von 
Alessandro Pautasso (CC BY-NC-ND 2.0)

Jannis Schakarianhttp://netzfeuilleton.de
Geboren als Jannis Kucharz studierte Jannis Schakarian, Publizisitk und Filmwissenschaft. Danach war er unter anderem Kolumnist der Allgemeinen Zeitung und Social Media Redakteur beim ZDF. Heute ist er als Innovationsmanager bei funk und tritt weiterhin als Vortragender oder Berater auf. Auf Twitter folgen!

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