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Du fühlst dich wohl im Internet? Glückwunsch zu deinem weißen Penis

Das Netz ist für viele ein wundervoller Ort. Man kann Freunde treffen, Gleichgesinnte und neue Kayak-Freunde finden. Zumindest wenn man weiß und männlich ist. Für viele andere sieht die Erfahrung im Netz anders aus.

Vergewaltigungsdrohungen, Tweets und Video Games

Wenn man es zum Beispiel wagt, als Frau darauf hinzuweisen, dass die Geschlechterverteilung in vielen Videospielen nicht ganz gerecht sind und Frauen dort nur als leichtbekleidetes Entführungsopfer auftauchen, muss man mit Mord-, Todes- und Vergewaltigungsdrohungen rechnen.

Wenn man es dann noch wagt als Frau ein Videospiel zu entwickeln,  in dem nur Frauen vorkommen, muss man in letzter Konsequenz aus seinem Haus ausziehen, weil man sich dort nicht mehr sicher fühlen kann.

Revenge Porn und Nacktbilder

Als es letztes Jahr zum Hack der Privatbilder vieler Promis kam wurde das medial „The Fappening“ getauft und alle Frauen der Rat gegeben in Zeiten von Smartphones mit Kameras, Snapchat und gehackten Webcams doch einfach keine Nacktbilder zu machen. John Oliver bringt dazu den schönen Vergleich: „Das ist, als würde man Menschen raten, doch nicht in einem Haus zu wohnen, um sich vor Einbrüchen zu schützen.“

[quote_right]“Das wäre, als würde man Menschen raten, doch nicht in einem Haus zu wohnen, um sich vor Einbrüchen zu schützen.“[/quote_right]

Damit sind wir auch bei dem Video oben: John Oliver nimmt sich mal wieder die Internetkultur vor und wundert sich, dass es noch nicht einmal ein ordentliches Gesetz gegen Revenge Porn gibt, also den Fall, das enttäuschte, erbärmliche Exfreunde private Fotos ihrer früheren Freundin ins Netz stellen.

Es gab sogar den Fall, das Frauen weitere Nacktfotos an Behörden schicken sollten, um nachzuweisen, dass das auch ihr Körper ist, der da ungefragt im Internet steht.

Das man sich ungestört im Netz bewegen kann ist also ein weiteres Privileg für Männer mit weißen Penis. [Tweet this!]

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Bewegen & Beschäftigen

Der Trashfilm auf den das ganze Internet gewartet hat ist endlich da

Auf den Trashfilm Kung Fury hat wohl das ganze Internet gewartet. Der Trailer machte gleich mehrmals die Runde durch die Blogs. Eine erfolgreiche Kickstarter Kampagne mit 17.713 Unterstützer hat insgesamt 630.020 $ eingesammelt, um den Film zu finanzieren und nun ist er endlich Online.

Kung Fury – Alles was ein Trashfilm braucht

Und der Film hat tatsächlich alles was ein echter Trashfilm braucht: Kung-Fu, Miami, die Achtziger, Nazis, Hitler, Laser, Dinosaurier und Laser-Dinosaurier. Und natürlich viele schlechte Wortspiele.

Titelheld Kung Fury hat durch eine Fügung die ultimativen Martial Arts Skills bekommen. Als Erfüller einer mysteriösen Prophezeiung kämpft er als Mischung aus Cop, Superheld und stumpfen Action-Star gegen das Verbrechen. Früher oder später geht es natürlich gegen das ultimative Böse: Hitler persönlich ist zu einem der besten Martial Arts Kämpfer geworden. Deshalb hat er sich auch in „Kung Führer“ umbenannt und kam aus der Vergangenheit gereist um die Gegenwart zu bedrohen.

Trashfilm Kung Fury – Anspielung auf alle Genres

Die Handlung sammelt dabei allerlei Klischees aus verschiedenen Genres ein: Der Cop-Buddy-Film, der seinen Partner verloren hat und jetzt alleine unterwegs ist. Natürlich ist da auch der Polizeichef, der droht ihn aus dem Dienst zu nehmen, wegen seiner unorthodoxen Methoden.

Dann Anspielungen auf all die Kung-Fu/Martials-Arts Streifen mit dem auserwählten Kämpfer, der eine geheimnisvolle Weissagung erfüllen muss, nur wird sein Weg als Padawan hier abgekürzt. Klar gibt es auch den Hacker-Stereotyp aus den 80er Jahren, mit langen Haaren und Nerdbrille.  Und er hackt er auch in diesem Film ganz konsequent und offensichtlich Bullshit in die Tastatur.

Der Hacker im Trashfilm Kung Fury
Superhelden und Anime-Zwischensequenzen dürfen auch nicht fehlen. Ein gigantischer Thor, halb-nackte Amazonen-Wikingerinnen. Und mein Lieblingscharakter: Triceracops.

Triceracops im Trashfilm Kung Fury

Musikvideo mit David Hasselhoff

Und als ultimativer Krönung bekommt der Trashfilm Kung Fury sogar einen Gastauftritt von David Hasselhoff, als Hoff9000. Und der liefert auch gleich noch ein ganzes Musikvideo zum Film. Das ist mal konsequent zu Ende gedacht.

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Bewegen & Beschäftigen

12 Wege, wie YouTuber Geld verdienen

Viele YouTuber haben es zu Stars geschafft, und auf diesem Weg haben sich für viele neue Möglichkeiten ergeben mit ihrem früheren Hobby und mit ihrer neuen Bekanntheit Geld zu verdienen. Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass YouTuber sich neue Geschäftsmodelle suchen, da die Werbeerlöse stagnieren. Angeregt von dem re:publica-Panel von Marie Meimberg und den YouTubern robBubble und Elisa Kropp, dachte ich es wäre noch einmal Zeit für eine praktische Übersicht wie YouTuber Geld verdienen:

 

1. Die YouTube-Monetarisierung

Der bekannteste und einfachste Weg, wie YouTuber Geld verdienen ist wohl die YouTube-Monetarisierung. Die wird einfach im eigenen Kanal aktiviert und ab dann schaltet YouTube verschiedene Anzeigenformate auf die eignen Videos. Die Erlöse variieren dabei nach Themenspektrum, Werbeauslastung und Werbeform.
Im Beauty, Technik und Games Bereich zum Beispiel werden wesentlich mehr und höherpreisige Anzeigen geschaltet als im Bereich Politik & Gesellschaft.
Allerdings sind die TKPs auch hier noch recht niedrig, YouTube behält ungefähr 45% der Erläse für sich, so dass bei den “Creators” je nach Schätzungen zwischen einem und sechs Euro pro tausend Aufrufe hängen bleiben.

2. Product Placements

Gerade deshalb sind bei vielen YouTubern Product Placements so beliebt. Hier können wesentlich höhere Preise verlangt werden. Je nach Reichweite und Marke des YouTubers liegen die Preise für tausend Aufrufe zwischen 50 – 90€.  [Tweet this!] Das Problem ist hier, dass die Werbeform weithin als Schleichwerbung verschrien ist (oder es auch einfach ist). Gerade wenn die Videos nicht ordentlich gekennzeichnet werden oder der YouTuber zu viele unpassende Kooperationen macht, verliert er schnell die Gunst seiner Zuschauer. Außerdem hat er nicht unbedingt die Hoheit über seinen Inhalt, sondern muss vor allem die Botschaft des Werbepartners rüberbringen.

Wie YouTuber Geld verdienen: Bibi hält ihre Uhr in die Kamera und verlinkt sie auch gleich
Bibi hält ihre Uhr in die Kamera und verlinkt in der Beschreibung gleich das Produkt

3. Kooperationen

Deswegen gehen einige YouTube auch gerne den umgekehrten Weg: Sie denken sich erst ein Video, Thema oder Projekt aus, dass sie realisieren wollen und suchen sich dann passende Markenpartner die bereit sind das zu unterstützen. So können die Creator mehr Kontrolle behalten, aber gleichzeitig aufwändigere Videos realisieren, die mit den normalen finanziellen Mitteln nicht möglich sind. Natürlich bekommen auch diese Marken im Gegenzug einen Auftritt in den Videos.

4. YouTuber als Moderatoren

Anstatt in ihren eigenen Kanälen vor der Kamera rumzuhüpfen können YouTube natürlich auch für andere Kanäle als Moderatoren gebucht werden. Zum Beispiel MrTrashpack für Shortcuts oder Dr. Allwissend für den SurvialGuide. Dabei bringen die YouTuber neben der nötigen Erfahrung natürlich auch einen Teil Ihrer Zuschauerschaft mit.

5. Testimonial

Wie klassische Stars können bekanntere YouTuber auch gleich als Testimonials für ganze Werbekampagnen gebucht werden. LeFloid zierte zum Beispiel für die Techniker Krankenkasse diverse Banner und Bibi durfte im letzten Neckermann-Werbespot mitspielen.

Wie YouTuber Geld verdienen: LeFloid als Testimonial
LeFloid als Testimonial einer Krankenkasse

6. Streaming

Aber YouTuber sind eben längst nicht nur auf Youtube unterwegs, sondern nutzen auch diverse Livestreamingplattformen um ihren Fans nah zu sein. Die verschiedenen Plattformen bieten dabei unterschiedliche Erlösmodelle: Twitch beispielsweise beteiligt Streamer an den Werbeeinnahmen und bietet auch ein Abomodell für 4.99€, an dessen Erlösen die Stars ebenfalls beteiligt werden. YouNow arbeitet mit vielen InApp-Käufen, die Nutzern ermöglichen zum Beispiel digitale Eheringe zu verschicken. Auch hier werden die Stars beteiligt und wenn sie es schaffen neue Nutzer auf die Plattform zu ziehen werden sie ebenfalls dafür entlohnt.

7. Spenden und Trinkgeld

Einige YouTuber leben auch von den Spenden oder direkten Zuwendungen ihrer Zuschauer. Vor allem in den USA hat sich hier Patreon etabliert, andere setzen klassisch auf PayPal. YouTube versucht hier mit Fan Funding ein eigenes ähnliches Feature anzubieten, das ist in Deutschland bislang aber noch nicht verfügbar.

Wie YouTuber Geldverdienen: Alternative spenden über Patreon
Patreon – Eine Art Dauercrowdfunding

8. Merchandising

Wie auch andere Künstler und Stars verkaufen mehr und mehr YouTube Merchandising: T-Shirts, Kissen, Figuren, Pullis…was auch immer. Ein Modell, das aber nur dann wirklich gut funktioniert, wenn man große Stückzahlen bestellen und verkaufen kann.

9. Kinofilme, Bücher, Alben, Konzerte & Tourneen

Längst erobern YouTuber auch andere Mediengattungen: Allein in diesem Jahr sollen mehrere Kinofilme von YouTubern erscheinen. Unter anderem “Kartoffelsalat” von Fresh Torge. Zahlreiche Youtuber haben auch schon eigene Bücher veröffentlicht, in den USA dominieren sie derzeit sogar die Bestsellerlisten. Liont ist hierzulande mit seinem “Rap”-Album auf Platz 2 der Charts eingestiegen und wenn man erst eine Platte draußen hat kann man damit auch super auf Tournee gehen und Konzerte spielen.

10. Eigene Plattformen

Einzelne YouTuber setzen auch darauf ihre eigene Plattformen und Webseiten zu etablieren. Freddie Wong hat die neuen Folgen der Video Game Highschool zum Beispiel zuerst auf der eigenen Webseite Rocketjump.com veröffentlicht. Hintergrund ist hier meist, dass man auf der eigenen Webseite einen höheren Werbepreis erzielen kann. Schließlich muss schon mal nicht 45% der Erlöse an YouTube abgeben. Zunächst muss man es aber schaffen, genügend Besucher auf die eigene Seite zu locken.

11. Affiliate Links

Ein Youtuber muss nicht unbedingt mit einem Unternehmen kooperieren oder direkt dafür bezahlt werden ein Produkt in die Kamera zu halten, um daran Geld zu verdienen. Eine einfache Möglichkeit, die im Prinzip jedem offen steht sind Affiliate Links: Hier verdient der Künstler an jedem Kauf mit, der über die eigene Verlinkung zu Stande kommt. Je nach Plattform bekommt man bis zu 10% des Verkaufspreises als Provision. Das eignet sich natürlich vor allem bei Beauty oder Technikprodukten.

12. Kanalverkauf

Ein eher seltener, aber nicht unlukrativer Weg als YouTuber Geld zu verdienen ist der Verkauf des gesamten eigenen Kanals. Prominentes Beispiel ist hier Phillip DeFranco, der seinen Kanal 2013 für einen zweistelliger Millionenbetrag an DiscoveryChannel verkauft hat. Und arbeitet nun dort als Teil des Teams.

Ich schreibe übrigens regelmäßig über die Veränderungen und Chancen durch das Netz auf die Medien. Ein Weg da auf dem Laufenden zu bleiben ist mein Newsletter. [mc4wp_form]

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Netz & Politik

Das ist Merkels BND-Affäre

Seit bald zwei Jahren werden wir von unserer Bundesregierung vorgeführt. Manch einer mag behaupten, das geht schon wesentlich länger, aber lassen wir die Polemik einen kleinen Moment zur Seite.

Seit dem Beginn der Snowden Enthüllungen wird uns eine lückenlose Aufklärung versprochen, dessen was die Geheimdienste in unserem Land treiben. Seither wird uns vorgegaukelt, es kümmere irgendjemanden, was mit unseren Grundrechten und unserer Privatsphäre geschieht. Seit Beginn der Spionage-Affäre hat sich auch angedeutet, dass der BND darin sehr viel tiefer verwickelt ist, als gedacht.

Wir wurden an unzähligen Stellen belogen

Nun, da sich das ganze Ausmaß entfaltet, wird gleichzeitig offenbar an wie vielen Stellen wir auch im Anschluss belogen wurden. Als Angela Merkel versicherte, dass die Amerikaner sich auf deutschem Boden an deutsches Recht halten würden, war das schlicht falsch. Das geht aus dem Mail-Verkehr hervor, den die Süddeutsche veröffentlicht. Das No-Spy-Abkommen, das uns zur Beschwichtigung hingehalten wurde, wurde in dieser Form nie diskutiert oder versprochen. Als Berater zur Aufklärung in die USA flogen, ging es dabei vor allem darum, wie man die Wogen der Diskussion glätten könnte.

Die Bundesregierung behindert aktiv die Aufklärung des Geheimdienstskandals

Und auch nun im BND-Skandal verspricht man uns Aufklärung. Während die Kanzlerin also verlauten lies, dass Abhören unter Freunden gar nicht ginge, lauschte die eigene Unterabteilung des BND zusammen mit der NSA bei den Franzosen. Dazu verliest Steffen Seibert Mal für Mal sorgsam formulierte, nichtssagende Pressemitteilungen. Bei Fragen verweist das offizielle Sprachrohr der Kanzlerin darauf, dass man nichts weiter sagen könne. Alles Weitere soll im zahnlosen Parlamentarischen Kontrollgremium geklärt werden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Stets wird von Aufklärung gesprochen und noch im selben Satz auf die Geheimhaltung der betroffenen Dokumente verwiesen. Tatsächlich wurde bislang kein Schritt Richtung Aufklärung unternommen. Die Arbeit des NSA-Untersuchungsausschuss wurde sogar aktiv behindert, in dem man eine Einladung Edward Snowdens zu verhindern wusste.

Es sind schon Bundeskanzler wegen weniger Spionen zurückgetreten

Nun versucht man einen Geheimdienstkoordinator, Kanzleramtsminister oder Innenminister als Bauernopfer zu positionieren, um den Skandal abermals zu beschwichtigen. Das bringt uns aber nicht weiter. Schließlich weist die Verantwortung inzwischen viel höher. Es ist Merkels BND-Affäre. Aber zunächst brauchen wir tatsächlich endlich eine Aufklärung und viel wichtiger eine Änderung der Zustände: Das anlasslose Ausspionieren unseres Privatlebens muss aufhören.

Im Zuge dessen kann man sehen welche personellen Konsequenzen gezogen werden müssen. Aber, Polemik wieder an, es sind schon Bundeskanzler wegen weniger Spionen zurückgetreten. [Tweet this]

Bild: CC-BY-2.0 EPPofficial
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ieser Artikel erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

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Bücher Kultur Netz & Politik

Dystopie: Wenn „Gehorche“ schon auf unseren T-Shirts steht

Es ist eigentlich schon ein Klischee, Kolumnen über Überwachung stets mit George Orwells „1984“ zu belegen. Aber so spart man es sich, einzelne wissenschaftliche Belege herauszukramen, die besagen, dass Menschen unter Überwachung eindeutig ihr Verhalten ändern. Stattdessen kann man mit dem Rückgriff auf die Fiktion gleich ein breites gesellschaftliches Szenario zeichnen, zu dem einzelne inkremententale Entwicklungen beitragen.

Abkürzung in den Totalitarismus

Gleichzeitig bieten sie fast schon eine Art Checkliste, um das eigene System mit der fiktiven, totalitären Dystopie abzugleichen.

Im Film „Sie leben“ von John Carpenter entdeckt der Protagonist durch eine spezielle Brille, dass die Gesellschaft mit unterschwelligen Botschaften, wie „Obey, Reproduce, Consume“ (Gehorchen, Reproduzieren, Konsumieren.) gesteuert wird. Heute gilt es tatsächlich als besonders schick mit Kappen und T-Shirts der Marke Obey herumzulaufen. Welche Marken die Botschaften Reproduce und Consume abdecken, kann sicher jeder selbst interpretieren.

Dreister Neusprech: Von Vorratsdatenspeicherung zur Höchstspeicherfrist

In „1984“ hat Orwell das Ministerium für Wahrheit erfunden, das mit dem „Neusprech“ neue Sprachregelungen findet, um die eigene Ideologie zu verkaufen. Es gibt wohl kaum ein passenderes Schlagwort für das was mit der Vorratsdatenspeicherung geschieht: Nach einer Kehrtwende seines eigenen Gewissens präsentiert Justizminister Heiko Maas uns einen neuen Entwurf für die Vorratsdatenspeicherung unter dem Titel „Höchstspeicherfrist“. Der deutsche Linguist Martin Haase hat 2008 bereits die Rolle des „Neusprech im Überwachungsstaat“ analysiert und wie solche Wortschöpfungen dazu dienen sollen Zustimmung für Gesetzesvorhaben zu formen.

Dennoch kommt es nie genau, wie in der Fiktion. Die meisten dieser Dystopien haben beispielweise das Internet, die damit einhergehende Vernetzung von Daten und neuen Kontrollmöglichkeiten, nie vorausgesehen. Statt des großen Bildschirms an der Wand, der uns überwacht, tragen wir ihn alle in Form eines Smartphones in der Hosentaschen überall mit uns herum.

Dystopie oder Realität? Überwachung als Normalität

Die fiktiven Dystopien haben noch ein Problem, wenn man sie nutzen möchte, um auf die Gefahren von Überwachung hinzuweisen: In den meisten Szenarien lebt der Großteil der Gesellschaft sehr friedlich und zufrieden mit der aktuellen Situation. Die Überwachung wird stillschweigend akzeptiert.

Das ist wiederum erstaunlich nah an der Realität: Denn auch heute wird sich vermutlich kein großer Widerstand dagegen regen, falls die Vorratsdatenspeicherung, unter diesem oder einem anderen Namen, demnächst alle unsere Kommunikationsdaten und Bewegungsabläufe in einem Ministerium speichert.

Dieser Text erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

 

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Bewegen & Beschäftigen Youtube News & TV 2.0

Küppersbusch: „Mediakraft-Verträge erinnern an die Bodenreform der DDR 1953“

Friedrich Küppersbusch Fernsehlegende und -produzent versucht sich spätestens seit dem „tagesschaum“ auch an YouTube.  Beim Frankfurter Tag des Online-Journalismus sprach er von einer echten Goldgräberstimmung, die zurzeit im Netz und vor allem in Bezug auf Bewegtbild herrscht.

Goldgräberstimmung bei Webvideos: Schippe selber mitbringen

Allerdings, wie beim Goldrausch am Klondike, muss sich erstmal jeder eine Schippe kaufen um überhaupt mitschürfen zu können. So auch bei Küppersbusch und seinem probonoTV auf Youtube. Er betonte mehrmals, dass sie bislang mit YouTube noch kein Geld verdienen. Viele der Geschäftsmodelle für Youtuber funktionieren nicht, beziehungsweise werfen zu wenig Geld ab. Sicherlich sind sie noch lange nicht vergleichbar mit allem was Küppersbusch von seinen TV-Produktionen gewohnt ist.

Aber natürlich hat sich ProBono bei der Suche nach Möglichkeiten auch die YouTube-Netzwerke angeschaut und sind zunächst bei sich um die Ecke in Köln gelandet.

Mediakraft-Verträge: Weitgehender Buy-Out

Allerdings ließ Küppersbusch kein gutes Haar an den Mediakraft-Verträgen die man ihm vorlegte.

[pull_quote_center]Obwohl ich jetzt in 19 Jahren als Fernsehproduzent einiges an Buyout-Verträgen gesehen habe, an Bedingungen für Urheber, muss ich sagen der Vertrag von Mediakraft erinnerte mich lebhaft an den Geschichtsunterricht und zwar das Kapitel Bodenreform in der DDR 1953. So etwas Weitgehendes hatte ich dann noch nicht gesehen.[/pull_quote_center]

Viel mehr als das Recht sich YouTube-Künstler nennen zu dürfen bliebe einem an Rechten bei einem Multi-Channel-Network nicht übrig, konstatiert der TV-Produzent.

MediaKraft Verträge
Küppersbusch ist natürlich nicht der erste der Probleme mit Verträgen bei einem MCN hat. Der prominenteste Fall hierzulande war wohl Ende letzten Jahres Simon Unge, der mit viel Getöse versuchte aus seinem Mediakraft-Vertrag auszusteigen. Auch LeFloid war mit Mediakrafts Gegenleistung nicht mehr zufrieden.

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Netz & Politik

WLAN-Wüste Deutschland

[dropcap type=“2″]U[/dropcap]rlaub in Deutschland muss schrecklich sein. Als Tourist ist man ja völlig aufgeschmissen. Während wir uns im Ausland darauf verlassen können, dass beinahe jedes Cafè ein offenes WLAN anbietet, ist Deutschland noch immer eine absolute WLAN-Wüste.

Gerade einmal 15 000 offene Hotspots gibt es nach einer Studie des Internetverbands eco in Deutschland. Zum Vergleich in Südkorea und dem Vereinigten Königreich gibt es jeweils weit über 180 000 offene Netzzugänge.

[quote_center]Deutschland hat 1,8 offene WLANs für 10.000 Einwohner. Großbritannien über 28. [/quote_center]

Auch der Nachbar Frankreich hat über 35 000 offene WLANs, im Schnitt über fünf Zugänge auf 10 000 Einwohner. In Deutschland sind es gerade einmal 1,8. Und wie lebensrettend waren diese offenen Hotspots bei meinem letzten Frankreich-Besuch. Um das Kartenmaterial auf dem Handy upzudaten, damit man aus dem Viertel wieder hinausfindet; um im Café nachzuschauen, welches Café gleich um die Ecke den besseren Kaffee serviert hätte und um rauszufinden, was verdammt noch mal eigentlich auf der Karte steht.

WLAN Gesetz gegen Wildwuchs

Die Mangelversorgung an WLANs in Deutschland liegt übrigens keinesfalls an der Unwilligkeit der hiesigen Cafébetreiber, sondern an der Unfähigkeit der Politik. Als privater WLAN-Betreiber haftet man nämlich für alles, was über den eigenen Internetanschluss getrieben wird. Für kleine Restaurant- und Cafébetreiber ein unkalkulierbares Risiko.

Wirtschaftsminister Gabriel hätte gerade mit einem neuen WLAN Gesetzesentwurf alles ändern können. Doch anstatt die Hürden abzubauen, hat man sich neue ausgedacht. Eine Reihe von „zumutbaren Maßnahmen“ soll laut Gesetzestext dafür sorgen, dass kein WLAN-Wildwuchs entsteht. Die Betreiber dürfen ihr WLAN danach nicht offen, sondern nur verschlüsselt anbieten. Sie sollen die Nutzer kennen und die Nutzer müssen vorher zustimmen, keine Rechtsverletzung zu begehen.
Als würden wir alle das Internet in erster Linie zum Rechtsbruch nutzen.

Lobbygesetz für kommerzielle HotSpots statt freiem WLAN

All das von einer Bundesregierung, die Deutschland zum „führenden digitalen Standort in Europa“ machen will. Warum dann so ein krudes Gesetz? Vermutlich stehen dabei andere Interessen im Vordergrund. An anderen Netzzugängen herrscht nämlich immer weniger Mangel: Kommerzielle WLAN-Hotspots gibt es in Deutschland mittlerweile über 75 000. Und Betreiber wie die Telekom denken sich immer neue Wege aus, ihr Netz zu vergrößern. So hat die Telekom Hotspot-Flats aus den meisten Standard-Mobilfunkverträgen rausgeschmissen und bietet nun an, dass man doch seinen Heimanschluss mit anderen Kunden teilen soll, um wieder Zugang zum Magenta Hotspot-Netz zu bekommen. Man gibt also seine Bandbreite ab, damit die Telekom noch einmal Geld verdienen kann.

Wer sein WLAN mit anderen teilen möchte, sollte sich lieber die Freifunk-Vereine anschauen, die tatsächlich versuchen, flächendeckendes offenes Netz zu ermöglichen. Oder man fährt einfach mal wieder ins Ausland und genießt dort offene WLANs in gemütlichen Cafés.

Bild: CC BY-NC-ND 2.0 Bierlos
Dieser Text erschien zunächst als Kolumne in der Allgemeinen Zeitung

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Scarface als 8Bit Arcade-Game

CineFix hat einen weiteren Film in 8Bit veredelt. Diesmal den Brian dePalma Klassiker „Scarface“. Doch sie übersetzen nicht einfach nur die Handlung in möglichst grobkörnige Pixel, sondern interpretieren den ganzen Film als Arcade-Game.

Und was soll man sagen, die Optik und der Aufbau machen sogar noch mehr Lust den Film durchzuspielen, als das jeder GTA-Teil geschafft hat.

Besonders gelungen ist auch der der Soundtrack in passenden Midi-Tönen. Mit all den Hits von „Rush, Rush get the Yayo“, „Push it to the Limit“ bis hin zu einer Bit-Version des Themes. Toll. Und ich will das jetzt spielen.

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War die Einstellung des Verfahrens gegen Edathy in Ordnung?

Das Verdahren gegen Sebastian Edathy wurde als eingestellt. Gegen eine Erklärung von ihm, die nicht als Schuldgeständnis gilt und 5.000 Euro, die er an den Kinderschutzbund zahlen sofllte, die dieser aber gar nicht will. Und so sind nach dem Ende der Gerichtsverhandlung fast mehr Fragen offen als zuvor: Ist Edathy schuldig? Welche missliche Rolle spielt die Staatsanwaltschaft? Wer denkt an die Kinder? Und hat er nun überhaupt Kinderpornographie besessen und angesehen oder nicht?

Pro und Contra – Spundekäs 2.0

im Dezember 2014 haben ich zusammen mit der Verlagsgruppe Rhein-main, Ulla Niemann und Aidien Assefi ein Youtubeformat names Spundekäs gestartet, das wir nun noch einmal gründlich generalüberholt haben: Hin zu einem Debattenformat in dem ich und Ulla vorher nicht wissen für welche Seite wir argumentieren müssen. Ein spielerischer Ansatz, auch wenn die Themen, wie Edathy zeigt, nicht einfacher werden. Das Ergebnis seht ihr oben. Wir freuen uns natürlich über Feedback. Hier und auf Youtube.

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Drogen & Krise in Athen

Verkürzt würde ich sagen: „Coming of Rage“ ist die Antwort der Süddeutschen Zeitung auf Vice. Das würde aber einiges weglassen und überspringen.

Coming of Rage ist ein Format von st_ry und vielleicht klingelt es da noch bei manchen: 2013 gab es unter diesem Namen eine Crowdfunding-Kampagne in dem sie versucht haben die stolze Summe von 42.000 Euro für eine Reportagereihe über Datenschutz einzusammeln. Hat damals nicht gereicht.

Aber nun hat st_ry.tv „Coming of Rage“ am Start und ist schon in der zweiten Ausgabe. In der ersten sind sie mit zwei Reportern nach Istanbul gereist und haben dort die Fußball-Ultras von Çarşı besucht, die bei den Protesten im Gezi-Park ganz vorne mit dabei waren.

Drogen & Obdachlosigkeit in Athen nach der Krise

In der zweiten Folge sind sie nun in Athen unterwegs und beobachten die Auswirkungen der Krise und Schicksale, wie steigende Obdachlosigkeit und Drogensucht.

Hier kommt jetzt Vice ins Spiel, die haben letztes Jahr mit ihrer Doku „Sisa – Cocain of the Poor“ eine ganz ähnliche Reportage gedreht und damit perfekt die Auswirkungen der Krise in Athen illustriert. „Coming of Rage“ ist klar von Vice und seinem Dokumentationsstil inspiriert und die zweite Folge aus Athen läuft nun auch auf sz.de. Insofern kann man eben sagen Coming of Rage sei die Antwort der Süddeutschen auf Vice. Aber hinter Coming of Rage stehen echt ein paar coole Leute: Hakan Tanriverdi und Steffi Fetz zum Beispiel.

Schön zusehen, dass es so cool, webspezifische Formate nun auch aus Deutschland gibt.