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John Oliver erklärt Netzneutralität. Und es ist großartig.

John Oliver hat endlich seine eigene Show bekommen. Nachdem er letzten Sommer Jon Stewart bei der „Daily Show“ unfassbar großartig vertreten hat, hat HBO ihm mit „Last Week Tonight“ eine eigene Show gegeben. Leider eben bei HBO, so dass man die Sendung nicht einfach frei im Netz nach schauen kann, sondern sich legalerweise auf die kurzen Schnipsel verlassen muss, die auf YouTube gestellt werden. Das macht meistens Lust auf mehr, seine Pointe zum „Recht auf Vergessen“ war zwar vorhersehbar, aber gleich in der zweiten Sendung hat er sich mit der Todesstrafen auseinandergesetzt und das war schon sehr cool.

Netzneutralität. Oder Preventing Cable Company Fuckery

Diese Woche hat er sich gleich dem nächsten komplexen Thema angenommen: Netzneutralität. Das veruracht normalerweise Gähnen, obwohl es so immens wichtig ist. Und in den USA steht die Netzneutralität gerade enorm unter Beschuss, um mal noch zu untertreiben. Das hat auch John Oliver erkannt und schlägt deshalb vor, das Thema gleich in „Preventing Cable Company Fuckery“ umzubennen. Am Schluss fordert er noch die Kommentatoren zum Handeln auf. Pures Gold, mehr davon!

Wo sind eigentlich die deutschen Late Night Talker, die sich so etwas annehmen? Falsch: Wo sind eigentlich die deutschen Late Night Talker.

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Google soll vergessen oder müssen wir verzeihen?

Google soll vergessen können, hat der europäische Gerichtshof in einem vieldiskutierten Urteil beschlossen. Wir haben dazu eine neue Folge Spundekäs aufgenommen und es ist wirklich nicht einfach alle Aspekte des Themas in nur 3 Minuten unter zubringen.

Zunächst wäre da, dass Google sich nun zum ersten Mal an europäisches Recht halten muss. Das war vorher so noch nicht beschlossen und weiter noch, wenn ich das alles richtig verstehe, auch an die Recht des Landes in dem es agiert. Es kann sich also nicht auf seine irländischen Server zurückziehen und sagen: „Hier ist nichts mit Datenschutz und Steuern zahlen!“.

Der andere Aspekt, der wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekam, ist das Löschen legitimer Funktionen aus dem Suchindex. Denn beim behandelten Fall ging es darum, dass ein Spanier dagegen geklagt hatte, dass der Artikel über die Zwangsversteigerung seines Hauses aus dem Jahr 1998 bei Google auftauchte. Google muss diesen Link jetzt entfernen.

Google entfernt bereits zahlreiche Links aus seinem Suchindex, dabei handelt es sich aber stets um illegale Urheberrechtsverletzungen, Raubkopien etc. Hier ist der hinterlegte Inhalt aber vollkommen legal.

Und da wird es schwierig: Wenn jetzt jeder unliebsame Inhalte über sich aus dem Suchmaschinen Index entfernen kann, wie soll man zu Beispiel als Journalist jemals wieder über eine Person recherchieren? Das Entdecken bestimmter Informationen ist wieder vollkommen dem Zufall überlassen. Das Versprechen Informationen für alle zugänglich zu machen und eben nicht einer Elite, ist gebrochen und hinfällig.

Auf der anderen Seite kann man argumentieren, dass auch Straftaten verjähren und wir in unserer Gesellschaft jedem eine zweite Chance geben wollen. Wie ist das möglich, wenn jemand den eigenen Namen googelt und direkt auf diese unangenehme geschichte stößt? Einmal gibt es natürlich andere Möglichkeiten seinen Namen bei Google besser darstellen zu lassen. In dem man zu Beispiel eigene Präsenzen schafft und versucht möglichst attraktive Inhalte zu erstellen und so die Ergebnisse nach untern zu drängen.

Trotzdem wäre auch das immernoch auffindbar. Aber sind dann nicht eher die Quellenseiten in der Pflicht, als die Suchmaschine, die sie auflistet?
Oder müssen wir uns einfach als Gesellschaft weiter entwickeln, verzeihen lernen und damit leben, dass wir alle mal Fehler machen?

Eure Meinung gerne in der Kommentaren, auch auf Youtube.

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„Hilfe, die wollen mir Geld geben“ – Wie Geld und Journalismus funktionieren können

Seit Jahren ist im Netz von einer so genannten Kostenloskultur gerade im Bezug auf Journalismus die Rede. Doch die speiste sich nicht dadurch, dass die Leute nicht bereit sind für Inhalte im Netz zu bezahlen, sondern dass es vor allem keine Möglichkeit dafür gab. Nun springen die Verlage langsam auf die Umsetzung von Paid Content Modellen auf und damit kann man auch einen Anstieg der Zahlungsbereitschaft beobachten.

Nachrichten sind ein Vertrauensgut

Das Problem für Nachrichten im Allgemeinen ist dabei, dass ich ihre Güte nicht bewerten kann. Ich kann die Qualität des Produkts nicht bestimmen. Wir kennen insgesamt drei Arten von Gütern: Inspektionsgüter, Erfahrungsgüter und Vertrauensgüter. Bei Inspektionsgütern kann ich die Qualität im Voraus bewerten. Zum Beispiel bei Melonen im Supermarkt kann ich durch Klopfen den Reifegrad ermitteln und mir sicher sein, die richtige zu wählen. Andere Güter kann ich nach der Erfahrung bewerten: Ob das Essen im Restaurant gut war, weiß ich erst hinterher. Und bei der dritten Art Produkte weiß ich nie wirklich, ob sie gut waren. Einige Beratungsleistungen zum Beispiel, da weiß ich hinterher nicht immer ob das der richtige Ratschlag war oder ob eine andere Strategie noch besser gewesen wäre. Vor allem aber gilt das für Journalismus.

Vertrauensgüter

Ich weiß nie, ob Journalismus gut ist

Ich kann in den seltensten Fällen selbst überprüfen, ob eine Nachricht richtig ist. Vielleicht fallen mir offensichtliche Fehler auf oder ich kenne mich zufällig in dem Feld aus und kann deshalb den Informationsgrad bewerten. Ich vertraue (zumindest im alten Modell) darauf, dass der Journalist die wichtigsten Nachrichten auswählt. Und seien wir ehrlich, in den meisten Fällen, habe ich noch nicht einmal direkt etwas von der Nachricht. In den meisten Fällen ginge es mir ohne sie sogar genau so gut, wenn nicht sogar besser. Ich kann vielleicht auf der nächsten Cocktailparty mit einem Bonmot glänzen, vielleicht aber auch nicht. Ich vertraue aber in die Arbeit der Journalisten. Ich kann also den Nutzen und die Qualität von Nachrichten in den meisten Fällen nicht überprüfen, deshalb gibt es andere Merkmale, auf die ich mich berufe.

Zum Beispiel Aussehen und Design – Sieht die Seite professionell gemacht aus? Gibt es offensichtliche Fehler? Eine Schlampigkeit an einer Stelle könnte auch auf Ungenauigkeiten an anderer Stelle hinweisen. Ich kann mit anderen Seite vergleichen, die ähnliche Berichte haben und dann entscheiden, welche mir besser gefällt. Ich kann mich nach einem guten Text auch unterhalten fühlen. Deshalb ist Infotainment so erfolgreich. Gute Unterhaltung kann ich im Idealfall sogar an einer körperlichen Reaktion erkennen: Ich lache. Aber gut informiert? Das kann ich mich vielleicht fühlen, sicher sein aber nicht. Denn wenn ich die Information der Nachricht schon vorher kenne, dann war die Nachricht zu lesen verschwendete Zeit.

Vertrauen & Marken sind ungemein wichtig

Deshalb gibt es zwei Dinge die ungemein wichtig sind: Das Vertrauen und die Marke. Ich vertraue zum Beispiel einer großen Zeitung, der Zeitung vor Ort oder einem öffentlich-rechtlichen Sender. Weil ich glaube, dass sie Strukturen geschaffen haben, um ihre Nachrichten zu prüfen. Ich vertraue einer Mitteilung, die unter dem Logo der Süddeutschen erscheint, mehr als dem Artikel auf einem Blog auf den ich gerade zum ersten Mal gestoßen bin. Deshalb ist das Geschwafel von Journalisten als Marken auch nicht unsinnig. Wenn ich es schaffe als Journalist selbst für etwas zu stehen und Vertrauen zu meinem Publikum aufzubauen bin ich auf einmal unabhängig von dem Logo, das über meinem Artikel steht. Im Extremfall kann ich einer Publikation sogar etwas Vertrauensüberschuss abgeben, im Sinne von “Ach, guck mal, der schreibt auch für die, dann kann es ja so verkehrt nicht sein.”. Diese Marken sind also durchaus etwas wert. Den Zugang zu Jornalismus kann man, wenn man sich geschickt anstellt, durchaus verkaufen. Das hat das Zeitungsabo immer getan: Täglicher, bequemer Zugang zu Journalismus.

Journalismus muss etwas anderes verkaufen als Journalismus

Aber da sind wir schon beim Thema: Zugang verkaufen ist etwas anderes als Journalismus verkaufen. Ich muss irgendetwas anderes verkaufen, als den Journalismus selbst, der ist ein schwieriges Produkt. Ich kann also Zugang verkaufen. Zu den Artikel oder eben zu den Personen dahinter, zu einer Community. Zusatzinhalte kann man verkaufen. Wenn ich die Grundgeschichte schon kenne, aber mehr erfahren will, bin ich eventuell bereit dafür etwas auszugeben. Das ist es was Richard Gutjahr gerade zusammen mit Laterpay versucht. Ich kann versuchen ein anderes Format verkaufen: Statt der auf 20 Einzelseiten verteilten Meldungen, ein zusammenhängendes PDF, eBook oder von mir aus auch ePaper.

Und ich kann ein Gefühl verkaufen.

Krautreporter macht viel richtig

Das ist es was Krautreporter und die meisten Crowdfunding Kampagnen, bei denen kein haptisches Produkt am Ende steht, verkaufen. Sie verkaufen ein Gefühl. Krautreporter verkauft den Zugang zur Communtiy. Aber damit ist eben weniger die Kommentarfunktion gemeint, als tatsächlich die Gemeinschaft. Das Gefühl dazuzugehören und die ganze Sache erst ermöglicht zu haben. Stefan Niggemeier zieht in seiner Argumentation für Krautreporter sein eigenes Abonnement für das amerikanische Blog “The Dish” heran, das letztes Jahr auf ein Pay-Modell umgestellt hat:

[quote_box_center]Sullivan hat sich Ende 2013 bei den Abonnenten mir mit den Worten bedankt: „You built that. And we’re incredibly grateful to live in it.“ Schon für das warme Gefühl im Bauch sind 19,99 Dollar im Jahr kein schlechter Deal.[/quote_box_center]

Und Dirk von Gehlen analysiert dieselbe Richtung. Bei Krautreporter geht es nicht um Paid Content, sondern um Paid Kontext

[quote_box_center]“Paid Content ohne Paywall” nennt Stefan Niggemeier das – was ich allerdings für halb falsch halte. Denn Content wird hier gar nicht bezahlt. Was hier bezahlt wird, ist Kontext. Es ist das Dabeisein. [/quote_box_center]

Krautreporter unterstützen

Deshalb glaube ich, dass die Krautreporter mit ihrem Vorhaben einiges richtig machen. Nachdem ich das gesagt habe will ich natürlich auch, dass sie erfolgreich sind. Sonst müsste ich in Zukunft meine Thesen noch wesentlich genauer begründen und kann nicht einfach sagen: Siehe Krautreporter. Wobei sie noch Verbesserungspotential haben, das Dirk von Gehlen ebenfalls anspricht und sich in der Kritik niederschlägt, die in den letzten Tagen geäußert wurde. Jemand hat außerdem geschrieben (finde gerade nicht mehr wer), dass die Gefahr besteht, wenn Krautreporter scheitern sollte, dass diese Art des cowdgefundeten Magazins in Deutschland erstmal wieder für Jahre tot ist. (Falls nicht, werden wir Nachahmer sehen.) Doch selbst auf die Gefahr hin muss man doch froh sein, dass es jemand probiert. Nochmal  Niggemeier:

[quote_box_center]Ich glaube aber, dass sich ein Versuch lohnt (und, ehrlich gesagt: auch drei, fünf, elf Versuche), ob es nicht auch anders gehen kann, als es bislang ging.[/quote_box_center]

Deshalb ruhig vorwärts und Krautreporter unterstützen.

Der spontanste re:publica Vortrag

Das alles sind auch ungefähr die Gedanken, die ich versucht habe in meinem re:publica-Vortrag “Hilfe, die wollen mir Geld geben.” zu äußern. Dass die Session wirklich im Programm stand, kam noch spontaner zu Stande, als das letze Uni-Referat. Danke an Katharina Meyer für die Moderation. Wer also lieber schauen als lesen möchte, bitte sehr:

Wer wöchentlich über die Themen Neues im Journalismus, Geschäftsmodelle und Medien-Unternehmen informiert werden möchte:

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Interview zur Zukunft der Medien

David Streit hat mich für seine Reihe „Intervievv“ vor die Kamera gebeten. Also vor meine eigene Kamera. Das Konzept der Sendung ist nämlich, dass David den Befragten eine Reihe von Fragen schickt und diese sich anschließend beim Beantworten selbst aufnehmen.

Er hat mich unter anderem zur Finanzierung von Medien befragt, einer Kulturflatrate, warum ich die morgenlinks mache und den Hintergründen zu meinem „Gratis Bild Unboxing Video„.

Immerhin stehe ich jetzt in einer Reihe mit Gunter Dueck, der für die Serie auch schon vor der Kamera saß.

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Wieso wir Onlinewerbung gruselig finden

Es gibt kaum etwas angenehmeres, als Stammgast in einer Bar zu sein. Wenn der Barkeeper schon weiß, welchen Gin man gern in seinen Tonic hat oder das man den Whiskey lieber in einem geeisten Glas anstatt mit Eiswürfeln trinkt. Und er kann direkt den nächsten Drink vorschlagen, weil er den Geschmack kennt.

Wieso ist offline eine persönlich Ansprache angenehm, online aber gruselig?

Im Netz versuchen Onlineshops uns ebenfalls zu Stammkunden zu machen, indem sie uns personalisiert Angebote und Shoppingvorschläge zeigen. Retargeting ist eine Werbeform, die zum Beispiel dazu führt, dass die Schuhe, die man sich eben noch in einem Onlineshop angeschaut hat, plötzlich als Werbung auf allen Seiten im Netz auftauchen.
Aber wieso finden wir es angenehm in einem Lokal persönlich angesprochen zu werden und irgendwie gruselig wenn uns unser Shoppingverhalten durchs Netz verfolgt?

Je menschenähnlicher Maschinen werden, desto gruseliger

In der Roboterforschung gibt es die Theorie des Uncanney Valley (engl. unheimliches Tal). Es beschreibt eine paradoxe Ablehnung, die wir gegenüber Robotern verspüren, je menschenähnlicher sie werden. Zunächst nimmt die emotionale Akzeptanz gegenüber Robotern linear zu, je besser sie unser Verhalten nachahmen. Ab einem bestimmten Punkt schwingt sie jedoch in radikale Ablehnung um. Solange die Roboter das Menschen nicht perfekt nachahmen, führt das dazu, dass wir uns vor ihnen gruseln. Das Uncanny Valley wurde deshalb schon für Horrorfilme genutzt oder um den ausbleibenden Erfolg von Zeichentrickfilmen zu erklären, wenn die Animationen nicht flüßig genug waren. Erst wenn die Roboter es schaffen die menschliche Mimik und Gestik perfekt zu imitieren, schließt sich das gruselige Tal wieder.

Uncanny Valley
Die Theorie des Uncanny Valley CC-BY-SA 3.0 Wikimedia / Smurrayinchester

Onlinewerbung im Uncanny Valley

Ich würde behaupten, die Onlinewerbung befindet sich momentan in diesem Uncanny Valley. Sie versucht das Verhalten eines guten Barkeepers nachzuahmen und gruselt uns dabei nur. Was zuvorkommend wirken soll, macht uns Angst. Vor allem weil in vielen Fällen nicht klar ist, wie unsere Informationen erfasst und verteilt werden. Man stelle sich nur vor, man ginge in eine Bar, bestellt dort einen Drink und wird ab sofort in jedem Laden der Stadt mit diesem Drink begrüßt. Natürlich ist der technische Prozess online ganz einfach: Der Browser setzt einen Cookie auf dem Produkt, das wir uns zuletzt angeschaut haben, und schaltet ab da passende Werbeanzeigen auf anderen Seiten, natürlich automatisiert.

Dem Barkeeper können wir sagen, wann wir genung haben

Aber genau da liegt der Unterschied: Zu dem Barkeeper bauen wir erst langsam Vertrauen auf, kommen ab und zu abends vorbei, führen das eine oder andere Gespräch. Bei einem Online-Shop reicht eine Google-Suche und ein Klick und schon verfolgt er uns.
Dem Barkeeper können wir sagen, wann wir genug haben. Online bekommen wir oft noch das Paar Schuhe vorgeschlagen, lange nachdem wir es gekauft haben. So eine Empfehlung ist weit entfernt von menschlich.

Dieser Artikel erschien zuerst als Kolumne in der Allgemeinen Zeitung.

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Der lustigste EU-Wahlspot

Die Europawahl am 25. Mai rückt näher und es machen wieder allerlei Wahlwerbespots die Runde. Dabei sind diesmal kommt der lustigste EU-Wahspots nicht von irgendwelchen ominösen Kleinparteien, wie CSU oder FDP, sondern wirklich offizielle Aufrufe bitte zur Wahl zu gehen.

Der lustigste Eu-Wahlspot mit Monty Python

Und sie sind nicht nur Ausversehen komisch, sonder wirklich. Mein Favorit oben hatte es auch leicht, schließlich hat er die Szene bei Monty Python abgekupfert. Aber sie passt auch einfach zu gut, um nicht zu sagen perfekt. Hinter dem Film steckt Sebastian Jabbusch, der damit völlig zu recht auch den Video-Wettbewerb „Erste Wahl“ gewonnen.

Ich meine es gab schon mal einen EU-Wahlspot der sich über die Grünen lustig gemacht hat und an diese Szene aus das Leben des Brian angelehnt war, ich konnte ihn auf Anhieb aber nicht wieder finden.

Der lustigste Eu-Wahlspot mit Sex & Superhelden

Aber die Konkurrenz zum lustigsten EU-Wahlwerbespot ist hart, denn das dänische Parlament hat alle Register gezogen: Sex, Superhelden und rohe Gewalt. „Voteman“ heißt der Protagonist und reitet tatsächlich auf freaking Delphinen. Er reisst allen den Kopf ab, die nicht zur Wahl gehen; den Rest kickt er einfach direkt zur Wahlrune. Falls er damit nicht ausgelastet ist feiert er wilde Orgien mit nackten, großbusigen Damen. Als Kind wurde er davon traumatisiert nicht gewählt zu haben und deshalb nicht mitbestimmen konnte, wie viel Zimt in seine Zimtschnecken kommt..
Ich habe erwähnt, dass dieser Spot vom dänischen Parlament kam? Der Eu-Wahlspot kam vom dänischen EU Information-Center und wurde im offiziellen YouTube-Kanal des dänisches Parlaments hochgeladen. Inzwischen haben sie nach zahlreichen Protesten einen Rückzieher gemacht und aus dem offiziellen YouTube-Kanal entfernt, aber hier gibt es den crazy Sexploitation-Cartoon noch:

Welchen Spot ist eurer Meinung nach der lustigste EU-Wahlspot?  Oder habt ihr noch bessere gefunden?

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Hier sind wir Digital Nativen! Aber was habt ihr alten Medien uns denn zu bieten?

Karsten Lohmeyer schrieb gerade über den Mangel an Digital Natives unter den Journalisten. Und ja es stimmt, bislang gibt es noch immer erstaunlich wenige junge digitale Journalisten. Wenige, egal ob jung oder alt, haben gelernt die Möglichkeiten und Mechanismen des Netzes für sich zu nutzen. Auch ich stand schon vor Volontären in Schulungen, mit meiner Kinnlade auf dem Teppich, wegen all dem verstaubtem Dünkel, der mir entgegenwehte, während ich die Welt des Netzes zu erklären versuchte.

Junge digitale Journalisten brennen darauf Neues auszuprobieren

Auf der anderen Seite habe ich gerade auf der re:publica so viele junge digitale Journalisten getroffen, wie noch nie zuvor. Alle brannten, ob den neuen Möglichkeiten und Formaten, die sie ausprobieren möchten.
Wir leben und atmen das soziale Netz, sind begeistert von den neuen Formen und beobachten unter Strom das Entstehen journalistischer StartUps in den USA. Dabei beobachten wir, wie gerade Medien neuerfunden werden und wollen mitmischen. Und dann schauen wir uns hier um…
Sehen die tradierten Medienunternehmen und müssen uns fragen: Was habt ihr uns denn zu bieten?

Wir sollen helfen Produkte zu erhalten, die wir selbst längst nicht mehr nutzen.

So sehen wir zum Beispiel, wie bei StartUps gearbeitet wird, wie Büros bei Google & Co aussehen und sollen dann anschließend hier in hierarchische, mittelständische Unternehmen einsteigen. Wir dürfen dann die Facebook-Seite füttern, mit Inhalten die nie für das soziale Netz gedacht waren. Wir sollen helfen Produkte zu erhalten, die wir selbst längst nicht mehr nutzen.

Wir wollen Neues erfinden, ihr wollt Altes bewahren

Wir wollen Neues erfinden und kreieren, währenddessen wollen die Medienunternehmen Altes bewahren. Ihre restlichen Printwerbeerlöse erhalten, während die Leser längst alle bei Facebook sind. Ihre Einschaltquoten hochhalten, während sie selbst House of Cards bingewatchen und ein YouTuber einfach ihr Format für ein paar Hundert Euro nachdreht.

„Etwas besseres, als das Totholz finden wir überall.“, sprach der Esel. [Tweet this!] 

Was habt ihr uns denn zu bieten für unser KnowHow?

Was habt ihr uns denn zu bieten für unser KnowHow außer mangelndem Expeditionswillen und verkrusteten Strukturen? Geld jedenfalls nicht. Immer schlechtere Verträge werden angeboten, Rechte auf Nimmerwiedersehen abgeknöpft und uns noch ein Praktikantenvertrag oder eine Volontärstelle angeboten. Dass unser KnowHow etwas wert ist wissen wir, denn nebenan steht die Industrie, ob Werbe-, PR- oder Klassisch, die uns jungen Digitalen ebenfalls Verträge anbietet, deutlich besser dotiert und mit unverständlichen englischen Jobbeschreibungen auf den Visitenkarten. Weil sie eben unbedingt wissen will, warum ihr “Supergeil”-Versuch nicht durch die Decke ging, was sie tun muss, um auf Facebook erfolgreich zu sein, was eigentlich 3D-Drucker für sie bedeuten.

Und wir würden doch so gerne coolen, neuen Journalismus machen, der uns und die Menschen um uns herum anspricht.

Bild: Random ReactionGifs

Wer regelmäßig neue, coole Dinge über die digitale Medienwelt und ihre Trends erfahren will, abonniert die morgenlinks:

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Wie freiwillig ist die Selbstvermessung

Ich habe gut geschlafen. Das sagt mir eine App. 80% Schlafqualität bescheinigt mir das kleine Programm für die letzte Nacht in der es neben meinem Kopfkissen lag. Es verspricht meine Schlafphasen zu messen und mich am Morgen möglichst so zu wecken, dass ich ausgeruhter bin, in dem es eine leichte Schlafphase abwartet. Das ist nur die Spitze eines Phänomens, das unter dem Begriff „Quantified Self“ (Vermessenes Selbst) gesammelt wird.

[quote_center]Ein App sagt mir, ob ich gut geschlafen habe[/quote_center]

Es geht darum möglich viele Daten über den eigenen Körper zu sammeln. Man kann die eigenen Schritte verfolgen, permanent sein Blut oder seine Zuckerwerte sammeln lassen. Man kann seine DNA analysieren und die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Krankheiten ermitteln und mit seinen Freunden teilen. Möglich wird all das durch die immer kleiner werdenden Sensoren, die wir stets bei uns tragen. Beinahe jedes Smartphone besitzt heute einen Bewegungssensor, der unsere Schritte zählen kann, zusätzlich zu seiner GPS Funktion.

Selbstvermesseung – Der eigene Körper in Daten

Nun sollen die Sensoren noch näher, direkt an unseren Körper heran. Fitnessarmbänder wie das Fitbit gibt es bereits. Smartwatches sind der nächste Trend, Google hat bereits ein eigenes Betriebssystem dafür vorgestellt. Auch von Apple wird nun erwartet im Laufe des Jahres ein Gerät vorzustellen, dass direkt am Körper getragen wird und die eigene Fitness misst. Als „unesoterischer Weg zu einer gewissen Selbstverbesserung“, bezeichnete einer in der BrandEins seine Beweggründe für die Selbstvermessung.

DNA-Daten für einen günstigeren Tarif

Doch was ist, wenn man das gar nicht mehr nur aus Eigenantrieb tut? Es bieten bereits Autoversicherer einen günstigeren Tarif an, wenn man bereit ist die Geschwindigkeitsdaten aus dem Navigationsgerät mit ihnen zu teilen und so seine Gesetzestreue nachzuweisen. Ähnliches wäre auch für Krankenversicherungen denkbar, die einem Rabatte geben, wenn man sich nachweislich fit hält. Oder ihnen die eigenen DNA-Daten zur Verfügung stellt, zur besseren Risikoabschätzung. Sicherlich alles erst einmal freiwillig. Aber wer bezahlt schon gerne mehr für seine Versicherung?

Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, meine Schrittzähler-App sagt mir, dass ich heute noch 2.507 Schritte gehen muss.

Bild: CC-BY-SA trekkyandy

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Wieso fängt alles Social an und endet im Commerce?

Wenn man nach Social Media in Verbindung mit dem Wort “Unternehmen” googelt, bekommt man den Eindruck nach zwei untrennbaren Ausdrücken zu suchen – Leitfänden für die richtige Nutzung, Statistiken über enorme Umsatzentwicklungen, Lobgesänge auf Imageverbesserungen und Beispiele super-toller Streber-Unternehmen, die den nächsten viralen Trend auslösen.

Alles in allem hat man das Gefühl man hechelt dem rasenden Social-Commerce Zug immer ein wenig hinterher.

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Wieso stört uns die Trennung zwischen privat und commerce nicht (mehr)? Wieso fängt alles mit sozialer Interaktion an und endet in einer Verkaufsveranstaltung?

Momentan kann diese Entwicklung bei Instagram beobachtet werden. Angefangen als eine sehr persönliche, ständig über- oder unterbelichtete Laien-Foto Plattform, ist sie mittlerweile zu einem fancy Marketing-Tool avanciert, für Unternehmen die ihr Image auf Hochglatz polieren wollen.

Trotz einiger Hindernisse, wie Instagrams fehlender Möglichkeit externe Links einzubauen, schaffen es einige Unternehmen mit Bravour ihre Marke zu positionieren und bei vielen Usern im Feed aufzutauchen (siehe Starbucks oder H&M).

Das Geheimnis heißt kreativer, authentischer und einzigartiger Content. Doch wie authentisch ist eine Marke, welche meist aus Umsatzzwecken ins Leben gerufen wurde?

Unternehmen sind keine bedingungslosen Freunde, pfuschen aber in unser Privatleben rein

Die ursprüngliche Definition von Social Commerce laut Steve Rubel, der den Begriff Ende 2005 geprägt hat, lautet:

[quote_box_center]“Creating places where people can collaborate online, get advice from trusted individuals, find goods and services and then purchase them.“[/quote_box_center]

Doch was mittlerweile in den Social Media Kanälen passiert geht über das Rede-und-Antwort-Stehen hinaus. Unternehmen mischen aktiv in unserem Privatleben mit. Natürlich muss man sie dafür ein Mal mit einem kleinen Like zulassen. Social Commerce war gedacht als Involvieren der Käufer, als Ausgang der User aus der fremdverschuldeten Unmündigkeit, als direkter Draht ins Herz des Unternehmens.

Doch manchmal, in einem stillen Moment muss man sich fragen: Sind die Aktivitäten und Bemühungen der Unternehmen, in meinem persönlichen Feed mitzumischen, nicht einfach eine andere Art der manipulativen Werbewirkung? Ein Überzeugungs- und Verkaufsgespräch im anderen Gewand? Nicht mehr der schleimige Vertreter, der an die Tür klopft und die nicht offensichtlichen Vorzüge des Produktes erklärt, sondern die sexy Frau, die sich mit ins Bett legt, um ihre neuste Unterwäsche zu zeigen?

Denn egal ob lukrative Schnäppchenangebote, kreative Gewinnspiele oder heiße Filter-Fotos- wir können nie mit einem Unternehmen eine bedingungslose Freundschaft eingehen. Auch nicht durch Social Media.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Miss SocialCommerce.
Dort erscheint heute auch ein Artikel zu Social Seeding.

Bild: CC-BY Loredana Lavino

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Google bedroht Springer?

Warum wir Google fürchten

(Mathias Döpfner, faz.net)
Mathias Döpfner antwortet in der FAZ auf Eric Schmidt und gesteht: Axel Springer hat Angst vor Google. Vor allem will er aber die EU dazu bringen, google härter zu beschränken. Jeff Jarvis nennt das ganz dann auch einen whining Kindergarten und Bild „Fox News with Boobs“, De:Bug ergänzt die Tracking-Diskussion um Bild.de und Telepoplis wagt einen konsequenten Blick in die Zukunft.

Why publishers are building advertising innovations groups

(Ricardo Bilton, Digiday.com)
Ich habe letztens zweimal auf eine Werbung bei der New York Times geklickt. Normalerweise passiert mir das nicht, aber diese waren in einem anderen Format, sind mir dadurch aufgefallen und haben mich sogar interessiert. Digiday schreibt auf, an welchen neuen Werbeformen verschiedene Medien arbeiten und was diese versprechen.

Bitte

Diesmal bitte ich nicht um die Unterstützung eines Sponsoren, sondern direkt um die eurige. Ihr könntet mir sehr helfen wenn ihr diese kleine Onlineumfrage zum Thema staatliche Überwachung und NSA beantwortet. Vielen Dank.

[vc_button title=“Zur Umfrage“ size=“large“ target=“_self“ color=“default“ href=“http://www.unipark.de/uc/NSA/“]

Die Öffentlich-Rechtlichen – mit Nikolaus Brender

(Tilo Jung, youtube.com)
Tilo Jung hat lange mit Nikolaus Brender, dem früheren Chefredakteur des ZDF, über die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesprochen. Ausserdem sammelt Tilo gerade wieder Geld, um mit Jung&Naiv auch zur Europawahl berichten zu können, da kann man noch beitragen. An dieser Stelle auch nochmal der Hinweis, auf mein Interview mit dem jetzigen Chefredakteur des ZDF Peter Frey.

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