Indiskretion Ehrensache²

Thomas Knüwer veröffentlichte vor zwei Tagen in seinem Blog „Indiskretion Ehrensache“ einen Eintrag zum Thema „Weil der Jouranlist sich ändern muss“. Der Eintrag ist nicht besonders spektakulär, Herr Knüwer eiert darin rum, dass Journalisten sich mehr dem Netz zuwenden müssen. Wiederholt also eigentlich alt bekanntes ohne wirklich Ziele, Wege oder neue Ideen aufzuzeigen. Der Meinung war wohl auch sein Handelsblatt Kollege Sönke Iwersen und er schrieb einen deutlichen Kommentar zu den Auführungen seines Kollegen. Er schrieb unter anderem:
„Bei aller kollegialer Zurückhaltung: mir ist kein Journalist bekannt, bei dem Selbstdarstellung und Realität derart auseinanderklaffen wie bei Dir. Vielleicht könntest Du die permanente Selbstbeweihräucherung mal kurz unterbrechen und erklären, warum Deine fantastische Verdrahtung über Xing, Facebook, Twitter und Co. so wenig journalistischen Mehrwert bringt.“
Noch heftiger wird es allerdings, als er ihm vorwirft das Blatt nicht gerade „laufend mit Krachergeschichten“ zu füllen und weiter:
„Ich verstehe nicht, warum Du ständig diejenigen Kollegen runtermachst, von deren Geschichten du selbst lebst. Eine große Zahl Deiner Blogeinträge basiert doch  auf Artikeln deiner Print-Kollegen,zu denen du dann einfach Deinen Senf dazugibst. Ohne die von anderen recherchierten Grundlagen hättest du da nichts zu schreiben.“
Das ist harter Toback. Inzwischen ist der Kommentar auch verschwunden, aber Alexander Becker hat den gesamten Kommentar in seinem MeediaBlog dokumentiert. Damit macht der Handelblatt Blog seinem Namen endlich mal alle Ehre: Indiskretion Ehrensache

[via Alexander Becker Post]

UPDATE:

Follow up:

Sieht ganz so aus als würd Herr Knüwer Opfer seiner eigenen Internetfalle, den inzwischen macht das Thema in Zahlreichen Blogs die Runde, so auch bei „Heul nicht!“ und Herrn Niggemeier, der das geschehn ebenfalls kommentiert und auch vor Selbstkritik nicht zurückschreckt. UPUPDATE: Jetzt kommen einigen Zitate direkt aus dem Blog von Herrn T Knüwer: Thomas Knüwer:
Sorry, ich kann heute nicht so reagieren, wie ich gerne würde, da ich unterwegs und nicht ausreichend online bin. Der Kommentar des Kollegen Iversen ist offline gegangen, da die Chance hoch ist, dass er sich damit in arbeitsrechtliche Probleme gebracht hätte. Der Eintrag verstieß eindeutig gegen die Vorgaben seines Arbeitgebers im Umgang mit Blogs und Kommentaren. Warum Herr Iwersen Animositäten gegen mich hegt, die er in der Redaktion bisher nicht zum Ausdruck brachte, ist mir nicht klar. Dies auszudiskutieren ist aber kein Thema für ein Blog.
Den Maßstab für die Qualität meiner Arbeit setzen meine Vorgesetzten, nicht Herr Iwersen. Wenn die nicht zufrieden sind, sagen sie es mir. Aber nicht als Kommentar im Blog. Die Art und Weise des Vorgehens enttäuscht mich. Weil der Kollege nicht den Mut hatte, mir seine Animositäten ins Gesicht zu sagen. Aber noch etwas finde ich traurig. Hier lief zuvor eine wirklich interessante und kontroverse Diskussion. Die wurde dadurch kaputt gemacht.
Nun hat wiederrum Herr Sönke Iwersen einen zweiten Kommenatr verfasst:
Lieber Thomas, wie Du weißt, gibt es in der Redaktion die Entscheidung, unsere Diskussion intern zu führen. Ich verstehe das aber nicht so, dass Du nun weiter ungestört Unsinn verbreiten kannst. Also: Ich habe diesen Kommentar geschrieben. Du hast ihn gelöscht. DANACH hast du mich per Mail gefragt, ob er von mir kommt. Wenn das so wäre, würdest Du ihn wieder online stellen. Ich habe Dir gesagt, er stamme von mir. DANACH ist Dir dann das Arbeitsrecht eingefallen, was immer das heißen sollte. Nun bleibt der Kommentar gelöscht, weil in der Redaktion die Entscheidung getroffen ist, die Diskussion in der Art nicht online zu führen. Okay, damit habe ich kein Problem. Was aber ebenfalls bleibt, ist die Tatsache, dass wir – Du und ich – bereits in der Vergangenheit Diskussionen über dieses Thema geführt haben und dies keineswegs an persönlichen Animositäten lag sondern an Inhalten. Ich kam mir dabei auch nicht sonderlich mutlos vor. An Deinen ständigen Beschimpfungen gegenüber Deinen Kollegen hat sich jedoch nichts geändert – ebenso wenig wie manches andere. Aber das können wir ja alles morgen klären. Ich jedenfalls halte mich an die Redaktionslinie. Ich gehe davon aus, dass dieser Beitrag arbeitsrechtlich unbedenklich ist und stehen bleibt.
Hier geht es direkt zu den Kommentaren bei „Indiskretion Ehrensache“ in denen sich die Streiterei abspielt… UP-SCHLUSS: Halten wir fest: Wir haben wieder mal ein weiteres Lehrstück zum Thema Internetumgang bekommen, diesmal hat es keinen externen getroffen, sondern einen der alpha-Blogger selbst. Den Rest ihres Streits sollten die beiden nun wirklich intern klären und nach dem letzten Kommentar von T. Knüwer ist die Diskussion auch schon einiges sachlicher:
Und noch etwas zum Thema: Was bringt es? 1. Bin ich durch alternative Nachrichtenfilter wie Twitter, Facebook, etc. schneller, unkomplizierter und fokussierter informiert als früher. Statt mich durch zig Zeitungen und Nachrichtenseiten zu kämmen, bekomme ich die Informationen, die ich haben möchte, viel entspannter. Nicht in allen Bereichen – aber in vielen. 2. Bekomme ich wesentlich mehr mit, was Gruppen von Menschen, die nicht in meinem persönlichen Umfeld zu finden sind, mögen, gut finden, lieben, hassen. Ich mag das Wort Bevölkerungsschichten nicht, aber mir fällt auch gerade kein besseres ein. Also: Ich bekomme ein besseres Gefühl für Trends in verschiedenen Bevölkerungsschichten. 3. Ich bekomme wesentlich schneller Innovationen und mit – und wie Menschen darauf reagieren. Das gilt nicht nur für Internet und Technik, sondern für den gesamten Bereich der verbraucherorientierten Produkte. 4. Ich bin ansprechbar. Bereits mehrfach erreichten mich unter der Hand Informationen aus Bereichen, für die ich nicht zuständig bin. Die reiche ich dann gerne an die Kollegen weiter. Warum kommen sie zu mir? Weil ich erreichbar bin und irgendwie deutlich mache, was ich für guten Journalismus halte. 5. Ich bin für Leser – also unsere Kunden – erreichbar. Und bekomme ihre Kritik und ihr Lob ab, das außerhalb der Kommentare hier meistens gar nicht mich betrifft. Auch das reiche ich gerne weiter. 6. Es sind zahlreiche neue Kontakte entstanden. Und ich bin der Meinung, ein Journalist kann nie genug Kontakte haben. 7. Meine Leser und Kommentatoren machen mich schlauer.
Und diese sachliche Ebene ist durchaus Interessant, sie kam bisher zu kurz in dem Tohuwabohu. Denn Herr Iwersen hat mit seinen Fragen durchaus einen Punkt getroffen: Was bringen Twitter, Facebok, Xing & Co. dem Journalismus? Liegt darin wirklich die Zukunft? Oder überhaupt eine? Sehr schöne Gedanken dazu hat sich Malte Welding dazu gemacht!

X-Mas Management

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Dieser Text hat mich per e-mail erreicht. Sehr netter Text zur Vorweihnachtszeit.
Message from the CEO (Christmas Event Organizer): Dr. J. Christus v. Bethlehem: Also Kinder, ich bin jetzt im Urlaub. Aller Voraussicht nach bin ich bis Weihnachten wieder da, aber die Vorbereitungen darauf sollten natürlich jetzt schon anlaufen Status: Wie Weihnachten letztes Jahr im Internet gezeigt hat, heißt Weihnachten nicht mehr Weihnachten, sondern X-mas, also muss der Weihnachtsmann entsprechend auch ab jetzt X-man heißen! Da X-mas quasi schon vor der Tür steht, ist es spätestens seit Oktober höchste Zeit, mit der Weihnachtsvorbereitung zu beginnen – Verzeihung, seit Oktober ist es höchste Zeit, mit dem Weihnachts-roll-out zu starten und die Christmas-Mailing-Aktion just in time vorzubereiten. Hinweis: Die Kick-Off-Veranstaltung (früher 1. Advent) für die diesjährige SANCROS (Santa Claus Road Show) findet bereits am 30. November statt. Daher wurde das offizielle come-together des Organizing Commitees unter Vorsitz des CIO (Christmas Illumination Officer) abgehalten. Erstmals haben wir ein Projekt-Status-Meeting vorgeschaltet, bei dem eine in Workshops entwickelte to-do-Liste und einheitliche Job Descriptions erstellt wurden. Dadurch sollen klare Verantwortungsbereiche, eine powervolle Performance des Kundenevents und optimierte Geschenk-Allocations geschaffen werden, was wiederum den Service-Level erhöht und außerdem hilft, X-mas als Brandname global zu implementieren. Dieses Meeting diente zugleich dazu, mit dem Co-Head des Global Christmas Markets (früher Knecht Ruprecht) die Ablauforganisation abzustimmen, die Geschenk-Distribution an die zuständigen private-Schenking-Center sicherzustellen und die Zielgruppen klar zu definieren. Erstmals sollen auch sog. Geschenk-Units über das Internet angeboten werden. Die Service Provider (Engel, Elfen und Rentiere) wurden bereits via conference call virtuell informiert und die core-competence vergeben. Ein Bündel von Incentives und ein separates Team-Building-Event an geeigneter location sollen den Motivationslevel erhöhen und gleichzeitig helfen, eine einheitliche corporate culture samt identity zu entwickeln. Der Vorschlag, jedem Engel einen coach zur Seite zu stellen, wurde aus Budgetgründen zunächst gecancelled. Stattdessen wurde auf einer zusätzlichen Client Management Conference beschlossen, in einem testmarket als Pilotprojekt eine Hotline für kurzfristige Weihnachtswünsche einzurichten, um den added value für die Beschenkten zu erhöhen. Durch ein ausgeklügeltes Management Information System (MIST) ist auch benchmark-orientiertes Controlling für jedes private-Schenking-Center möglich. Nachdem ein neues Literaturkonzept und das layout-Format von externen Consultants (Osterhasen Associates) definiert wurde, konnte auch schon das diesjährige Goldene Buch (Golden Book Release V2.22.113.1) erstellt werden. Es erscheint als Flyer, ergänzt um ein Leaflet und einen Newsletter für das laufende updating. Hochauflagige lowcost-giveaways dienen zudem als teaser und flankierende Marketingmaßnahmen. Ferner wurde durch intensives brainstorming ein Konsens über das Mission Statement gefunden. Es lautet: „Let s keep the candles burning“ und ersetzt das bisherige „Frohe Weihnachten“. X-man hatte zwar anfangs Bedenken angesichts des corporate redesigns. Er akzeptierte aber letztlich den progressiven Consulting- Ansatz, auch im Hinblick auf das Sharholder-value, und würdigte das Know-how seiner Investor-Relation-Manager. Na dann, Merry X-mas!
Schöne Adventszeit noch! P.S.: Ich beanspruche kein Copyright für diesen Text, sondern hoffe einfach, dass die Weiterverbreitung im Sinne des Verfassers ist.

Comedy Central übernimmt South Park

Nochmal Neuigkeiten in Sachen Comdy Central, MTV und MTV Networks. So wird als ein Teil der massiven Umstrukturierungen ab nächstes Jahr, so meldet der Branchendienst DWDL.de, die Serie South Park nur noch bei Comedy Central zu sehen sein. Und nicht wie bisher auch noch des nachts afu MTV. Auch die neue, 12. Staffel, wird es dann exklusiv auf Comedy Central geben. Immer Mittwochs um 22.15 Uhr. Eine Folge dieser neuen Staffel sorgte übrigens schon vorher für Wirbel und zwar die über die Präsidentschaftswahl und deren wahren Gründe. Das besondere war, dass sie nur einen Tag nach der Wahl schon mit dem richtigen Präsidenten gezeigt wurde. Wahrscheinlich wollten die Macher zeigen: „Yes, we can!“ [via Fernsehlexikon]

MTV Chef geht

Elmar Giglinger, Senior Vice President bei MTV Networks Germany, hört zum Jahresende auf. Ginglinger war für MTV, VIVA und zeitweise auch Comedy Central verantwortlich. Er hatte die bisherige Linie von MTV weniger Musik und mehr Shows entscheidend geprägt. Ob sein Abschied mit den massiven Einsparungen bei MTV Networks Germany zusammenhängt ist nicht bekannt, aber anzunehmen. Vielleicht wollte es auch ihm nicht einleuchten, dass trotz eines massiven Zuwachses von 12% in der Zielgruppe im letzen Jahr, solchen massiven Einschnitte vom Mutterkonzern Viacom diktiert werden. DWDL.de zitierte ihn mit „[..]ich möchte insbesondere meinem Team für die wunderbare Zusammenarbeit danken„. Das sagt einiges und nichts, aber wer weiß, vielleicht sickert ja noch etwas durch. Übrigens ist dies schon der zweite relativ überraschende Abgang bei dem Musiksender, erst im Mai hatte Catherine Mühlemann als langjärige Deutschlandchefin aufgehört Wieviele Zuschauer aufhören werden MTV zu gucken, wenn das Programmangebot noch dünner wird, wird sich noch zeigen… Mehr zu den Kürzungen bei MTV:

Hilfe, Stefan Raab ist lustig!

TV Total ist ja eigentlich schon lange zur Dauerwerbesendung verkommen. Ob für Musikacts, andere Brainpool Comedians oder eines der zahlreichen Super Events von Stefan Raab. Die Sendezeit füllt man dazu eben mit möglichst vielen Gästen oder langweiligen Spielchen wie „Blamieren oder Kassieren„. Stefan Raab lässt das normalerweise über sich ergehen, leiert seine Gags herunter und bereitet sich mental auf seine nächstes Megaevent vor. Nicht so gestern. Stefan Raab lief plötzlich zu echter Größe auf, als er sich über die hauseigene Alienshow mit Uri Geller lustig machen durfte. Genüsslich nahm er die Show auseinander und hatte für die glücklicherweise gefloppten Show jede Menge bissige Kommentare übrig. Gekrönt wurde das ganze von einer fingierten Erklärung von Pro 7 in der sie sich für die unglaublich schlecht Show entschuldigten. „Man hätte vorher nicht wissen können, dass die Show so schlecht wird und das die Aliens nicht antworten.“ Stefan Raab kann bei all dem natürlich besonders gut Lachen, schließlich hat er mit „Schlag den Raab“ wie man bessere und vorallem erfolgreichere Samstagabendshowunterhaltung macht. Nächster Höhepunkt waren Stefan Raabs Kommentare zum Parteitag der Grünen. Cem Özdemir taufte er kurzerhand „Türken-Elvis“. Da war er wieder. Ganz kurz. Dieser Sarkasmus, der erahnen lies, warum man Stefan Raabs Show einst von 1 mal wöchentlich auf 4 die Woche ausgedehnt hatte. Leider war dieser Moment mit den Gästen dann wieder passé. Eine junge Manga Zeichnerin war zwar vielleicht interessant, aber zu aufgeregt um locker über das Thema zu reden und Stefan Raab zu ahnungslos von dem Thema um gezielt zu fragen. Dann durfte sich als abgehalfterter Comedian noch Mike Krüger mit seiner neuen CD präsentieren. Das einzig Lustige an dieser CD scheint tatsächlich der Name zu sein „Zweiohrnase“, sonst schaffte es nicht ein Gaga von ihm zu zünden und das Lied „Ein Korn, der deinen namen trät“ war wirklich mehr als dämlich. Allerdings hatte Stefan Raab auch für Mike Krüger, bei dem er es sich eher traute als bei der Schülerin zuvor,noch den ein oder anderen bissigen Kommentar. Seine Abmoderation war übrigens: „Jetzt kommt Galileo Mystery, Live aus der Ukraine.Und ich schließe mit der Frage, gibt es vielleicht irgendwo da draussen doch noch eine deutsche Late-Night-Show, die lustig ist? Mehr zu Uri Gellers Alien Wahnsinnbei DWDL.de, stefan-niggemeier & SpOn

Wenn das Internet unterschätzt wird…

Wer in der letzen Zeit die Blogszene verfolgt hat, hat von dem Fall schon gehört. Es geht um DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger gegen den unbedeutenden kleinen Blogger und freien Sportjournalisten Jens Weinreich. Dr. Theo „20er“, wie er inzwischen liebevoll gennant wird, (wann sagt wohl der erst falscher 50er?) dachte wahrscheinlich, er hätte das perfekte Opfer gefunden, um einmal ein Exempel zu statuieren, was passiert, wenn jemand sein Majestät ihn beleidigt. Er veklagte Jens Weinreich, weil dieser ihn in einem Kommentar auf www.direkter-freistoss.de, aus gegeben Anlass, einen „unglaublichen Demagogen“ genannt hatte. Der DFB-Präsident versuchte eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Doch er scheiterte mit diesem Vorhaben gleich zweimal und bekam wohl langsam kalte Füße. Denn es regt sich durchaus Widerstand. Vor allem durch Jens Weinreich selbst, der das gesamte Vorgehen in seinem Blog öffentlich machte. Doch auch andere Blogger sprangen ihm bei. Die Sache wuchs Zwanziger über den Kopf, schließlich hatte er Weinreich nur als eine kleine unbedeutende Station auf seinem Weg zur angestrebten „Kommunikationsherrschaft“ (Noch ein Grund, weshalb Zwanziger "Demagoge“ nennen könnte) betrachtet. Deshalb entschloss er sich das ganze kurzerhand zu beenden. Er verschickte eine Pressemitteilung an alle im DFB-Verteiler enthaltene Journalisten, einige Bundestagsabgeordnete und das ganze auf der DFB Homepage veröffentlichte. In dieser behauptete er, Jens Weinreich habe sich inzwischen quasi entschuldigt und stellte das ganze noch einmal aus seiner Sicht dar. Er nutze seine Kommunikationsmittel und hoffte, ja erwartete, dass die „Qualitätsmedien“ diese Darstellung übernehmen und er so doch noch den „Sieg“ über den doch-nicht-so-kleinen-Blogger davon tragen würde. Offenbar ist ihm nicht bewusst, dass Journalisten inzwischen als ersten Punkt ihrer Recherche googlen und, dass sie, schon allein aus Angst selbst darin aufzutauchen, den Blog Stefan Niggemeiers lesen. So mussten sie zwangsläufig auf die Darstellung Weinreichs stoßen. Die doch einiges wahrheitsgetreuer anmutet, als die offizielle des DFB. Und so kann man jetzt in der Frankfurter Rundschau, beim Gießener Anzeiger auf ntv.de und im Deutschlandfunk einen großen Teil der Wahrheit lesen, bzw. hören kann. Theo Zwanziger hatte das Internet unterschätzt. Dieser Fehler ist am Wochenende noch jemandem unterlaufen. Lutz Heilman.

Follow up:

Ein Name der über Nacht ein Begriff wurde, weil auch er die Regeln des Internets nicht kannte. Heilmann war nicht zufrieden mit der Darstellung seiner Biografie auf Wikipedia.de. Anstatt die Möglichkeiten der Korrektur auf wikipedia.de selbst nutzte und den Artikel bearbeitete ging er den „einfachen“ Weg. Vor Gericht. Einstweilige Verfügung. Die Weiterleitung von wikipedia.de wurde unterbrochen. 100.000 Artikel wren nicht mehr direkt verfügbar. Millionen von deutschen Internetnutzern wurden ins Leere geleitet. Das Lustige: Gesperrt war nur die Adresse www.wikipedia.de, die Artikel liegen auf einem Server in den USA und sind unter http://de.wikipedia.org/ die ganze Zeit weiter erreichbar gewesen. Und dort wurde der Artikel nun umso häufiger abgerufen: von recentchanges.de Lutz Heilmann wurde Opfer des sogenannte Streisand-Effekt. Durch seine spektakuläre Sperre zerrte er die Dinge über seine Person noch mehr in die Öffentlichkeit. Und ruinierte ganz nebenbei an einem Wochenende nicht nur seinen Ruf, sondern den seiner ganzen Partei. Die Linkspartei, schon bisher argwöhnisch beobachtet, steht nun endgültig als demokratiefeindliche, zensurwütige Partei da. Als SED-Nachfolger. Auch er unterschätzte die Wirkung des Internets. Er unterschätzte die Popularität der Internetseite Wikipedia. Und ihre Symbolkraft für freie Meinung und freies Wissen. Wikipedia unterdessen kann sich freuen. Erreichte einen Spendenrekord und die Spenden gingen vielfach mit dem Hinweis ein, dass sie als Unterstützung des Kampf für freies Wissen und gegen die Linkspartei sind. Es gibt noch einen dritten, dem das Internet in seiner Tragweite nicht bewusst ist: ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Bei einer Podiumsdiskussion sprach er von dem Scheiß-Internet(inzwischen ein geflügeltes Wort der Blogosphäre). Er ging sogar noch weiter. Im Verlauf wurde klar, dass er von dem Internet, in das sich die Jugendlichen „verkrümeln„, keine Ahnung hat. Er forderte die Jugend auf, die seinem Sender als Zuschauer zunehmend fehlen, sich doch mal öffentlich zu melden. Das sie das im Internet zu tausenden tun, hat er nicht wahrgenommen, es ist ihm auch „scheißegal„. Dieser Mann macht Fernsehen. Ist Programmdirektor. Hat eine Mitsprache an der Gestaltung und zukünftigen Entwicklung des Programms. Und keine Ahnung vom Internet! Offensichtlich hat er noch nicht mitbekommen, dass das Internet bei den Jugendlichen das Fernsehen als Leitmedium längst abgelöst hat. Wie kann er seinem Sender dienen, wenn er nicht weiß, was die Zukunft bringt? Wenn ihm das junge Publikum abhanden kommt und er nicht bereit ist darauf einzugehen? Wie ist so jemand für seinen Sender tragbar? Wie ist ein Lutz Heilmann für die Linkspartei weiter tragbar? Und wie ein Theo Zwanziger für den DFB? Und dann wundern sich Institutionen aller Art, dass ihnnen der Nachwuchs fehlt, wenn sie an entscheidenden oder zumindest repräsentativen Punkten Perosnen sitzen haben, die offensichtlich keine Ahnung von der aktuellen, geschweigenden zukünftiger Entwicklung haben? Diese drei sehr verschiedenen Beispiele und ihre Auswirkungen zeigen, dass sich Organisationen das, wollen sie zukunftsfähig bleiben, nicht mehr leisten können. Sie verprellen die Zielgruppe!

Er sagt nicht „Bond, James Bond“!

Der neue Bond ist der wohl intelligenteste bisher. Zwar ist die Handlung nicht ganz so vielschichtig und wendungsgespickt wie beim letzten Teil, aber wie es scheint ist man wirklich endlich weg von den ewig gleichen Bondklischees, die die kreative Freiheit einschränkten und es unmöglich machten eine Geschichte zu erzählen, in der nicht alles vorgegeben war, weil alle Running Gags vorgegeben waren und abgehandelt werden mussten. Danke, denn bei „Die Antoher Day“ war es wirklich kaum auszuhalten. Man war nur noch damit beschäftigt, die eigenen Superlative zu übertreffen. Das Auto brauchte jedes Mal ein neues Feature, aber als es dann unsichtbar war, war eigentlich alles in diese Richtung erfüllt. Jedes Mal musste die Erde eigentlich direkt und insgesamt bedroht sein. Aber wie viele Satelliten mit versteckten Laser-Atombomben-Waffensystemen sollten noch um die Erde schwirren? Davon ist man mit Daniel Craig abgerückt. Deutlich. Erstmal spielen die neuen Bonds ja quasi vor den alten (That’s real StarWars Shit!). So hat man sich von dem Techniksuperlativen losgesagt (Wobei M im neuen Bond fast über die selbe Technik verfügt wie CNN). Was auch deshalb konsequent war, weil es schließlich gab eh keinen Ersatz für „Q“ gab(so sehr ich John Cleese mag). Ausserdem ist man, wie auch im letzten Bond, deutlich näher zu einem realistischeren Verbrecherbild gekommen. Es gibt nicht mehr die verrückten Superbösewichte mit Riesenwaffen, sondern sie sind viel zivilisierter und dennoch ist die Bedrohung gerade dadurch viel direkter und akuter, als durch einen Riesensatellit. Auch hat man sich, zumindest für diesen Teil, ein großes Stück weit vom Sex getrennt. Von der einen Sexszene sieht man eigentlich gar nichts und das wirkliche Bondgirl geht gar nicht in die Horizontale. Aber schließlich hat Bond ja auch noch den Verlust seiner Liebe verdauen, denn dieser Film ist eine direkt Fortsetzung des letzten Teils. Ohne den vorherigen Teil gesehen zu haben, kann man hier gar nicht mitkommen, denn schließlich ist der Tod von Vesper immer noch ungerächt…

Follow up:

P.S.: Wovon man sich nicht losgesagt hat ist das Product Placement, aber das gehört ja schließlich auch zu Bond, wie der einmalige Humor und der stets passende Spruch auf den Lippen. Aber bemüht man sich nicht um realistisches Product Placement? Es hat schon sehr skurrile Züge, wenn es in mitten der staubigsten Wüste nur so vor nagelneuen, blitzblanken FORD-Modellen wimmelt… Apropos: UPDATE: Irgendwie war ich mit meiner Kritik schneller als alle anderen. :D Was Spreeblick dazu meint hier.

McCain, der Lüstling!

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Wer kennt es nicht, dieses eine seltsame Photo nach dem letzten TV Duell gewundert hat, auf dem McCain Obama hinterherhechelt und das ob seiner symbolischen Aussagekraft an jeder möglichen und unmöglichen Stelle abgedruckt wurde. Und wer sah dadurch nicht seine Fantasie angeregt was sich alles in diesem Gesicht wiederspiegelt? Diese Seite hat noch viel mehr dieser Fantasien mit Hilfe von Photoshop sichtbar gemacht, und wer will kann auch seine eigene Assoziation mit dem lüsternden McCain einschicken. [via Admartinator; blogsurdum]

Bushido & Karel Gott – „Für immer jung“

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Ab 19.00Uhr gibt es auf http://kingbushido.de das Video zu Bushidos neuer Single „Für immer jung“. Über diesen Song wurde ja vorher schon viel gredet, da er den Schlagerstar Karel Gott featured. Eine durchaus ungewöhnliche Kollaboration für einen Gangsterrapper. Aber der Song „Für immer jung“ ist auch aussergwöhnlich. Den er handelt nicht von Problemen aus dem Ghetto, die nur die harten Gangster nachvollziehen können, von Drogen verticken oder Schlägererein. Sondern von einem Problem, dem wir uns alle stellen müssen und einem uralten Thema in der Lyrik. Der eigenen Vergänglichkeit und der Vergänglichkeit der Eltern. Das weder sie noch wir „für immer jung“ bleiben. Bushido wird auf diesem Lied endlich mal wieder persönlich und schafft es so mich mal wieder zu faszinieren und mitfühlen zu lassen. Er lässt einen seine eigene Betroffenheit durch die Krankheit seiner Eltern spüren und schafft es einen in die Kindheit zurück zu versetzen. Und Karel Gott nimmt die Position des Alten ein. Der auch die Moral singt: Genieße dein Leben und jeden Moment, denn schließlich bist du nicht „für immer jung“. Ich finde den Song großartig, den er sorgt dafür, dass ich mich nicht länger schämen muss, zu sagen: „Ich habe dereinst die größte Bushido-Fanpage ins Leben gerufen.“

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P.S.: Gespannt bin ich ja was diese Zusammenarbeit kommerziell für Auswirkungen hat, ob Bushido es schafft mit Karel Gotts auch andere Schichten zu erreichen und ob er zum Beispiel auch mehr Radioairplay bekommt. UPDATE: Also ich muss schon sagen, dass Video ist eines der schönsten Mercedes Werbespots seit langem. Das dürfte sich kommerziell ja schon mal gelohnt haben. B) <- Karel Gott RayBan Smiley

Peter Sodann, die deutsche Sarah Palin?!

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Nach Herrn Reich-Ranicki betreibt nun auch Peter Sodann Rundum-Medien-Bashing.
Meldung vom Presseportal und die Zitate von Herrn Sodann:
„[Die Medien haben] natürlich auch Schuld daran, dass unser Volk möglicherweise nicht auf der Höhe seiner Denkfähigkeit ist“ „[Wenn] jemand die Frankfurter Allgemeine Zeitung [liest] – oder wie sie alle heißen, diese Zeitungen, dann bin ich schon voller Grauen. Ich möchte dann aus dem Flugzeug aussteigen und nebenher laufen, aber das geht nicht.“ „Ich guck mir oftmals die BILD-Zeitung an, da weiß ich dann, was die anderen Zeitungen schreiben, und das reicht mir eigentlich.“
Nur um uns das nochmal Klarzumachen, Peter Sodann ist Tatortkommisar (gut, die dürfen von mir aus sowas sagen), aber er ist eben auch Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten!!! Gerade heute, hat uns der Professor in der Vorlesung erzählt, was wir Leuten sagen sollen, die sagen „Ach, in den Zeitungen steht eh nur Mist!“. Nämlich, dass ohne Medien Demokratie nicht funktioniert. Schließlich haben Medien den Auftrag zur öffentlichen und politischen Meinungsbildung beizutragen und das Sprachrohr zwischen Bürgern und Politik zu sein. Irgendwie seltsam wenn ein Kandidat für das höchste Amt der Bundesrepublik so über ein Zentrales Organ der Demokratie spricht. Aber er hält unsere Demokratie ja sowieso für „beschädigt“ und geht davon aus, dass auch nach der Wende Medienzensur gebe. Um das zu verbessern vertrauen wir am Besten in Sie, Frau Palin. Aber vielleicht tue ich ihm da auch Unrecht, Sarah Palin kannte keine Tageszeitung die sie angeblich liest. Er liest immerhin Bild….