StudiVZ unter Beschuss: Alle gegen einen

May 6th, 20096:05 pm @

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StudiVZ unter Beschuss: Alle gegen einen

Kaum gibt es Änderungen in Deutschlands größtem Studentenportal “StudiVZ” und den Ablegern MeinVZ&SchuelerVZ, ist die Aufregung darüber nicht weit. Doch was steckt hinter den Vorwürfen und ist alle Kritik verständlich? Netzfeuilleton sah sich die Hintergründe genauer an und kommt zu einem etwas anderen Ergebnis. Verschwiegene Tatsachen und eine vergnügliche Massenbeschwerde kommen auf.

Was ich in der deutschen Blogosphäre immer wieder erkennen kann, ist eine unsensible Kopie von Aussagen. So bald eine größere Quelle eine Meinung propagiert, ist es ein Leichtes sie zu kopieren und in einer anderen Formulierung zu veröffentlichen. So schafft man beispielsweise schnell eine Mobilisierung, die im Internet sehr gelobt wird, aber häufig auch nur daran liegt, dass es genug ahnungslose Trittbrettfahrer gibt, die mitmachen. Diese virale Funktion kann auch gerne dazu benutzt werden, eine allgemeine Auffassung über eine Sache zu erstellen, die dann von der Mehrheit geschluckt wird und so weiter geplaudert wird. Es muss keine großen Begründungen geben, so lange genügend Leute mitmachen, werden die Kritiker in der Masse verstummen. Diese Publicity hat viele Vorteile, kann aber auch zum Gegenteil führen. Die StudiVZ Ltd. ist seit einiger Zeit großes Opfer dieser negativen PR – teilweise berechtigt, teilweise völlig ohne Sinn.

So startete das Studentennetzwerk heute eine neue Funktion, die dem Microbloggingdienst Twitter sehr ähnelt. Jeder User hat jetzt die Möglichkeit eine 140-Zeichen lange Nachricht zu verfassen. Genauso wie beim amerikanischen Vorreiter also. Im Gegensatz zu dem ist diese Funktion aber noch nicht interaktiv einzusetzen und auch nicht öffentlich einsehbar. Statt das Netzwerk einmal dafür zu loben, dass die langweilige Startseite einem neuen Bild gewichen ist, darf man jetzt von kunterbunten Kopievorwürfen lesen.

Dass die Funktion “ist gerade..” bei StudiVZ schon seit über einem Jahr existiert und jetzt einfach unter dem Titel “Buschfunk” vom persönlichen Profil auf die Startseite gewichen ist, wird verschwiegen. Dass StudiVZ sicher nicht das erste Portal ist, dass Twitter kopiert, scheint plötzlich auch nicht der Rede wert zu sein. Dass Facebook seit kurzer Zeit selbst versucht eine Art Twitter zu integrieren, ist auch nirgends zu lesen. Immerhin kupferte StudiVZ bei Facebook ab, was zu Recht zu viel Kritik führte, aber das amerikanische Pendant plötzlich unverwundbar macht?

Das frührere "Username is.." wurde in eine Phrase umformuliert, die auch auf Facebook zu twittern einlädt.

Dabei macht man es sich einfach: Was es bei Facebook so oder so ähnlich gibt, ist gleich eine Kopie. Die öffentlichen Profile in etwa die StudiVZ vor kurzer Zeit einführte. Bei Facebook gibt es diese schon lange, dabei bleibt unerwähnt, dass das amerikanische Netzwerk diesen “Fangedanken” deutlich von MySpace kopierte, die es mit ihren Musikerprofilen in die Herzen der User schafften. Sicher sind einige Plagiatvorwürfe berechtigt, auch wenn die Facebook-Klagen eher nach einem Kaufversuch aussehen, zu mal das Social Network selbst im Rechtsstreit stand und StudiVZ vor einiger Zeit vergeblich aufkaufen wollte.

Wer bei StudiVZ Innovation sucht, soll sie erst einmal bei der Konkurrenz finden. Das gegenseitige Kopieren ist dabei eine altbewährte Methode, um etwas weiterzuentwickeln. Im Grunde baut jedes heutige Startup irgendwo auf den Ideen anderer Vorgänger auf. Das war früher nicht unbedingt anders:

Wenn ein jeder StudiVZ nicht mag, wieso befinden sich dann immer noch so viele User dort? Ist es vielleicht wie beim Fernsehen, das auch den großen Hass schürte, als Ranicki sich öffentlich aufregte? Der “ja, voll doof”-Ruf bleibt eben immer ein einfaches Mittel der sozialen Interaktion. Übrigens eine Funktion die alle Netzwerke vereint. Aber wahrscheinlich hat StudiVZ das auch irgendwo gestohlen.

Alle Screenshots von mir. Titelbild unter CC von law_keven bearbeitet.
Dieser Artikel erschien zuerst auf idiotext.

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