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Menschliche Mitarbeit nicht benötigt

Als zweite industrielle Revolution gilt die Digitalisierung schon längst, aber wie diese langfristig die Arbeitswelt verändern und unsere eigene Arbeitskraft ersetzen wird, darüber wird noch wenig nachgedacht.

Digitalisierung – Die zweite industrielle Revolution

Bislang gilt die Digitalisierung als etwas, dass uns vor allem die Arbeit erleichtert. Der Traum vom Papierlosen-Büro, schnelldurchsuchbaren Dokumenten, asynchroner aber unmittelbarer Kommunikation. Computer sollen stupide Arbeiten übernehmen, für die eine Mensch überqualifiziert ist. Das Computer und Roboter den Menschen dabei ganz ersetzen erscheint ein Zukunftstraum.

Roboter ersetzen uns

Dabei sind die Einschläge schon viel näher als gedacht. Das selbstfahrende Auto ist intensiv getestet und kurz vor der marktreife, wie lange eine flächendeckende Abdeckung noch dauert ist nur eine Frage der Zeit. Und nicht mal die entscheidende: Schon jetzt übernehmen Roboter Jobs in der Logistik, in Lagerräumen und Lagerhallen. Amazon und Google testen die Lieferung mit Drohnen – der Logistiksektor dürfte wohl als erster von den Robotern übernommen werden. Denn, wie CGPGrey im oben eingebundenen Video sagt, dazu müssen sie nicht perfekt sein, sondern nur besser als wir Menschen. Und wir Menschen sind ziemlich miserabel mit all den Unfällen die wir bauen. Sicher gibt es noch einige ethische Fragen, aber die Aufgabe etwa von A nach B zu befördern ist ziemlich simpel.

Roboter übernehmen auch geistige und kreative Arbeit

Dabei können Roboter längst mehr. Auch in der Zukunft des Journalismus lauern Roboter, ach was in der Gegenwart. Der Guardian bringt eine Zeitung heraus, die von einem Algorithmus zusammengestellt wird. Computer können ohne Probleme Sportmeldungen schreiben, schließlich bestehen diese sowieso vokalem aus Zahlen und Daten. Roboterjournalismus nennt man das dann. Und Computer können auch komponieren, also kreativ sein. Sie lernen selbstständig dazu, weil sie unendlich input haben. Wir telefonieren mit Ihnen und im Zweifelsfall hat ein Roboter den Job zu entscheiden, wann wir im Krankenhaus behandelt werden.

Kein Job ist sicher

Kein Job ist sicher. Also mal um zu übertreiben. Aber Computer sind besser in vielem: Sie können sortieren, machen keine Flüchtigkeitsfehler, werden nicht müde. Und sind langfristig billiger. Und wie CGPGrey auch erwähnt, es müssen nicht alle ihren Job verlieren, damit es uns schlecht geht. Während der großen Depression waren es 25%. Arbeitslosigkeit, wir stehen aktuell bei 6,7%. Die Logistikbranche hat in Deutschland 2,8 Millionen Beschäftigte.

Ich will nicht schwarz malen, sondern dazu anregen endlich zu überlegen, wie wir in Zukunft arbeiten wollen. Und was Arbeit bedeutet.

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Gesellschaft

Wie das soziale Netz unsere Art zu Trauern verändert

Als mein Opa starb, hat es mir sehr geholfen, dass die ganze Familie zusammenkam und wir diese schwere Zeit gemeinsam durchlebt haben. Wir sammelten uns gemeinsam um den Esstisch, schwelgten in Erinnerungen und erzählten uns die schönsten und lustigsten Anekdoten.  So konnten jeder noch einmal erfahren, was diesen Menschen so besonders machte.

Trauern mit Twitter

Prominente Todesfälle haben mich bislang wenig bewegt. Das mag daran liegen, dass bislang wenige der bekannten Persönlichkeiten gestorben sind, die meine Generation geprägt haben. Doch das Digitale verändert unsere Art zu Trauern- Von Steve Jobs Tod damals erfuhr ein Großteil über ein Gerät, dass er selbst erfunden hatte. Übers Netz kann ich sehr schnell diejenigen finden, die auf eine ähnliche Weise vom Tod eines Menschen berührt sind und mich mit ihnen austauschen. Auf YouTube mir die schönsten Szenen mit Lauren Bacall noch einmal ansehen, auf Facebook unendliche Listen mit den besten Zitaten durchscrollen.

Man sammelt sich um das Hashtag

Nun war Robin Williams für mich nicht mal annähernd so wichtig wie mein Opa, aber es war doch der erste Schauspieler, dessen Namen ich mir merken konnte.  Ich weiß noch, dass ich ihn in “Flubber” als verrückten Professor total cool fand und eine Weile brauchte, um zu verstehen das Robbie Williams kein Schreibfehler, sondern ein anderer Künstler war. Natürlich erfuhr ich von seinem tragischen Tod über Twitter. Doch nicht nur die Nachricht, auch ein Großteil der Trauer spielte sich auf Twitter ab. Man sammelte sich um das Hashtag #RIPRobinWilliams oder #CaptainMyCaptain, teilte seine Lieblingsszenen und viele die ihn persönlich kannten packten die lustigsten Anekdoten aus, so das man etwas darüber erfuhr, was diesen Menschen so besonders machte. Das hat sich auch nach Gemeinschaft angefühlt.  Es zeigt die Kraft von Vernetzung und, dass Emotionen einen auch erreichen, wenn sie sich über soziale Netzwerke verbreiten. Diese gemeinsamen Gefühle bringen uns den anderen Menschen näher. Dem Toten und allen anderen auf der Welt mit denen wir in diesem Moment ein Gefühl teilen.

So war das auch damals mit meiner Familie. Wir sind uns in dieser Zeit näher gekommen. Sogar ohne Hashtag.

Bild: CC-BY 2.0 Barbara Willi
Dieser Artikel erschien zunächst als Kolumne in der Allgemeinen Zeitung

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Gesellschaft Video

Algorithmen im Krankenhaus – Looking Into Black Boxes

Looking into Black Boxes beschäftigt sich mit Algorithmen im Alltag, wann greifen Computer in unser Leben ein und wo bestimmen Daten unseren Alltag. In der ersten Folge beschäftigen Sie sich mit Datenfluss in Krankenhäuser.

Wie Computer entscheiden, wann wir im Krankenhaus behandelt werden

So spielen direkt an der Notaufnahme schon Daten eine Rolle. Jenachdem wie schwer jemand verletzt ist, wird er sofort behandelt oder muss länger warten. Das ist an sich erstmal wenig spektakulär und durchaus sinnvoll. Es zeigt aber eindrucksvoll, an wievielen Stellen Algorithmen direkt Einfluss auf unser Leben und unser Schmerzempfinden haben.

Insgesamt arbeitet “Looking Into Black Boxes” in seiner ersten Folge sehr schön die grundsätzliche Beobachtung heraus, dass Algorithmen inzwischen überall sind. Kaum noch eine Entscheidung wird ohne Computerunterstützung und Datenaufbereitung getroffen.

Algorithmen bestimmen unseren Alltag

“Looking into Black Boxes” war eines der letzten Projekte, dass über Krautreporter in seiner alten Funktion als Crwodfunding Plattform und eben nicht als Onlinemagazin, erfolgreich finanziert wurde. Auch ich habe die Videoreihe unterstützt, deshalb tauch mein Name auch im Abspann aus. Die erste Folge ist sicher noch nicht unfassbar spektakulär, aber das Thema Algorithmen im Alltag ist sehr wichtig und das Verständnis darum, ist ja auch mir immer wieder ein Anliegen. Deshalb bin ich gespannt, wie es weiter geht und rate euch die Serie weiter zu verfolgen.

 

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Uber – Zwischen Chauffeurservice & Mitfahrgelegenheit

Uber ist derzeit in aller Munde, bewertet mit über 17 Milliarden Dollar ist der Service auch in Deutschland gestartet. Über bietet gleich zwei Service. Mit Uber Black einen Limousinenservice und mit Uber Pop eine Mitfahrgelegenheit in der Stadt. Damit hat sich Uber schon zahlreiche Feinde in der Taxibranche gemacht, erobert aber weiter die Welt.

Dieses Jahr startete Uber auch In Frankfurt. Ich habe mich mit dem General Manager von Uber Frankfurt, Christopher Bates, im Rahmen des Gründertreffen Mainz über den Service unterhalten und was die Unterschiede zu einem Taxi, Flinc oder der Mitfahrgelegenheit sind.

Uber – Wo sind die Unterschiede zum Taxi oder Mitfahrzentrale

Wo sieht man die Konkurrenz und was ist eigentlich anders, als einfach Taxi zu fahren? Wie sicher ist es, wenn ich bei jemand fremden in den Corsa steige? Wie sieht er die Klage, die in Berlin gegen Über angestrengt wurde?

Wie zufrieden ist Uber mit dem Start in Frankfurt und kommen Sie vielleicht auch nach Mainz?

Gerade heute macht Uber wieder von sich reden, weil sie überall auf der Welt Eis verteilen wollen. Auch in Frankfurt, Berlin, München und Hamburg. Ihr könnt euch als heute von Uber eine Portion #UberIceCream liefern lassen und das schlecken, während ihr mein Interview mit Chris Bates anschaut.

Auf seinen Wunsch haben wir das Interview auf Deutsch geführt.
Wenn ihr noch mehr Interviews mit StartUps lesen wollt, dann empfehle ich euch dieses mit dem Gründer von PaperC.

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Gesellschaft Video

EMOJIs – Eine Doku aus der Mitte der Gesellschaft

EMOJis sind überall und erleichtern uns allen inzwischen die Kommunikation. Sie sind quasi Teil der Gesellschaft.

Das hat auch den Stockvideoanbieter Dissolve zu einer kurzen Doku inspiriert: EMOJIS among us: The Dokumentary. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, Dissolve hat damals auch das “Typische Werbevideo” veröffentlicht. Ich will hier aber keine Dauerwerbung für die machen, aber wenn die weiter so coole Videos raushauen, dann gerne.

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Wie freiwillig ist die Selbstvermessung

Ich habe gut geschlafen. Das sagt mir eine App. 80% Schlafqualität bescheinigt mir das kleine Programm für die letzte Nacht in der es neben meinem Kopfkissen lag. Es verspricht meine Schlafphasen zu messen und mich am Morgen möglichst so zu wecken, dass ich ausgeruhter bin, in dem es eine leichte Schlafphase abwartet. Das ist nur die Spitze eines Phänomens, das unter dem Begriff “Quantified Self” (Vermessenes Selbst) gesammelt wird.

[quote_center]Ein App sagt mir, ob ich gut geschlafen habe[/quote_center]

Es geht darum möglich viele Daten über den eigenen Körper zu sammeln. Man kann die eigenen Schritte verfolgen, permanent sein Blut oder seine Zuckerwerte sammeln lassen. Man kann seine DNA analysieren und die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Krankheiten ermitteln und mit seinen Freunden teilen. Möglich wird all das durch die immer kleiner werdenden Sensoren, die wir stets bei uns tragen. Beinahe jedes Smartphone besitzt heute einen Bewegungssensor, der unsere Schritte zählen kann, zusätzlich zu seiner GPS Funktion.

Selbstvermesseung – Der eigene Körper in Daten

Nun sollen die Sensoren noch näher, direkt an unseren Körper heran. Fitnessarmbänder wie das Fitbit gibt es bereits. Smartwatches sind der nächste Trend, Google hat bereits ein eigenes Betriebssystem dafür vorgestellt. Auch von Apple wird nun erwartet im Laufe des Jahres ein Gerät vorzustellen, dass direkt am Körper getragen wird und die eigene Fitness misst. Als “unesoterischer Weg zu einer gewissen Selbstverbesserung”, bezeichnete einer in der BrandEins seine Beweggründe für die Selbstvermessung.

DNA-Daten für einen günstigeren Tarif

Doch was ist, wenn man das gar nicht mehr nur aus Eigenantrieb tut? Es bieten bereits Autoversicherer einen günstigeren Tarif an, wenn man bereit ist die Geschwindigkeitsdaten aus dem Navigationsgerät mit ihnen zu teilen und so seine Gesetzestreue nachzuweisen. Ähnliches wäre auch für Krankenversicherungen denkbar, die einem Rabatte geben, wenn man sich nachweislich fit hält. Oder ihnen die eigenen DNA-Daten zur Verfügung stellt, zur besseren Risikoabschätzung. Sicherlich alles erst einmal freiwillig. Aber wer bezahlt schon gerne mehr für seine Versicherung?

Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, meine Schrittzähler-App sagt mir, dass ich heute noch 2.507 Schritte gehen muss.

Bild: CC-BY-SA trekkyandy

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Gesellschaft Netz &

Wieso fängt alles Social an und endet im Commerce?

Wenn man nach Social Media in Verbindung mit dem Wort “Unternehmen” googelt, bekommt man den Eindruck nach zwei untrennbaren Ausdrücken zu suchen – Leitfänden für die richtige Nutzung, Statistiken über enorme Umsatzentwicklungen, Lobgesänge auf Imageverbesserungen und Beispiele super-toller Streber-Unternehmen, die den nächsten viralen Trend auslösen.

Alles in allem hat man das Gefühl man hechelt dem rasenden Social-Commerce Zug immer ein wenig hinterher.

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Wieso stört uns die Trennung zwischen privat und commerce nicht (mehr)? Wieso fängt alles mit sozialer Interaktion an und endet in einer Verkaufsveranstaltung?

Momentan kann diese Entwicklung bei Instagram beobachtet werden. Angefangen als eine sehr persönliche, ständig über- oder unterbelichtete Laien-Foto Plattform, ist sie mittlerweile zu einem fancy Marketing-Tool avanciert, für Unternehmen die ihr Image auf Hochglatz polieren wollen.

Trotz einiger Hindernisse, wie Instagrams fehlender Möglichkeit externe Links einzubauen, schaffen es einige Unternehmen mit Bravour ihre Marke zu positionieren und bei vielen Usern im Feed aufzutauchen (siehe Starbucks oder H&M).

Das Geheimnis heißt kreativer, authentischer und einzigartiger Content. Doch wie authentisch ist eine Marke, welche meist aus Umsatzzwecken ins Leben gerufen wurde?

Unternehmen sind keine bedingungslosen Freunde, pfuschen aber in unser Privatleben rein

Die ursprüngliche Definition von Social Commerce laut Steve Rubel, der den Begriff Ende 2005 geprägt hat, lautet:

[quote_box_center]“Creating places where people can collaborate online, get advice from trusted individuals, find goods and services and then purchase them.”[/quote_box_center]

Doch was mittlerweile in den Social Media Kanälen passiert geht über das Rede-und-Antwort-Stehen hinaus. Unternehmen mischen aktiv in unserem Privatleben mit. Natürlich muss man sie dafür ein Mal mit einem kleinen Like zulassen. Social Commerce war gedacht als Involvieren der Käufer, als Ausgang der User aus der fremdverschuldeten Unmündigkeit, als direkter Draht ins Herz des Unternehmens.

Doch manchmal, in einem stillen Moment muss man sich fragen: Sind die Aktivitäten und Bemühungen der Unternehmen, in meinem persönlichen Feed mitzumischen, nicht einfach eine andere Art der manipulativen Werbewirkung? Ein Überzeugungs- und Verkaufsgespräch im anderen Gewand? Nicht mehr der schleimige Vertreter, der an die Tür klopft und die nicht offensichtlichen Vorzüge des Produktes erklärt, sondern die sexy Frau, die sich mit ins Bett legt, um ihre neuste Unterwäsche zu zeigen?

Denn egal ob lukrative Schnäppchenangebote, kreative Gewinnspiele oder heiße Filter-Fotos- wir können nie mit einem Unternehmen eine bedingungslose Freundschaft eingehen. Auch nicht durch Social Media.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Miss SocialCommerce.
Dort erscheint heute auch ein Artikel zu Social Seeding.

Bild: CC-BY Loredana Lavino

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Gesellschaft Netz &

Lock-In-Effekt: Eingeschlossen zwischen den Ökosystemen

Ich habe mir ein iPad gekauft. Für mich kam kein anderes Tablet in Frage. Nicht weil Google nicht inzwischen auch interessante Alternativen im Angebot hat, sondern weil ich mit einem iPhone und einem MacBook längst Teil des Apple Ökosystems bin. Ich habe kaum eine andere Wahl.

Ich bin Teil des Apple Ökosystems

Man spricht vom Lock-In-Effekt. Ich bin eingeschlossen und sich heraus zu bewegen ist viel aufwändiger, als es sich dort bequem zu machen. Die ist nicht nur bei Apple der Fall. Mittlerweile versucht jedes größere Unternehmen im Netz Kunden möglichst tief in die eigene Produktwelt zu ziehen. Amazon beispielsweise bietet seinen Kunden den Prime-Service an: Für 49 Euro im Jahr erhält man gratis Expressversand und seit neuestem auch noch Zugang zur Streaming-Videothek Amazon Instant Video. Als Konsequenz sucht man erst gar nicht mehr in anderen Onlineshops, sondern bestellt direkt beim Allesversandhaus. Und sowie Amazon versucht alle Prime Kunden nun auch zur Nutzung ihrer Onlinevideothek zu bringen, zwingt Google inzwischen jedem Nutzer ein Google+ Konto auf. Egal welchen Google Service man eigentlich nutzen möchte, immer eröffnet man automatisch auch eine Präsenz auf Googles Facebook-Konkurrenten.

Lock-in-Effekt: Eingeschlossen im Netzwerk

Bei Facebook selbst besteht der Lock-In-Effekt vor allem darin, dass sich beinahe die gesamte eigene Freundesschar auf der Plattform tummelt. Man kommt nicht an Facebook vorbei. Der einzige Dienst, der es geschafft hatte Facebook gefährlich zu werden, wurde kurzerhand aufgekauft: WhatsApp. Dabei ist es interessant, dass die Menschen sich die Mühe gemacht haben neben Facebook noch WhatsApp zu nutzen, schließlich hatte Facebook versucht mit dem Facebook Messenger selbst eine Lösung für das schnelle Nachrichtenschreiben auf dem Handy anzubieten.

Dateneteilung und der Reverse-Lock-In-Effekt

Der Blogger Johannes Kleske erklärte das mit dem Reverse-Lock-In-Effekt. Also dem Versuch, der Umklammerung des Riesen zu entkommen. Ich habe auch lange versucht so eine Art Datenteilung zu praktizieren. Zum Beispiel teile ich meinen Aufenthaltsort nicht via Facebook mit, sondern nutze dafür lieber den Dienst Foursquare. Das hilft natürlich wenig, wenn die großen Netzwerkdienste sich alles einverleiben, was an kleinen Nischendiensten hervorspriesst. Und dann gibt es noch Dienste, die erst gar nicht nach einer Einverständniserklärung zur Datennutzung fragen, sondern gleich sämtlichen Datenverkehr nutzen und analysieren, egal wo man einen Account eröffnet hat: Die Geheimdienste.

Bild: AttributionNo Derivative Works Some rights reserved by josemanuelerre
Dieser Text erschien zunächst als Kolumne in der Allgemeinen Zeitung.

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Gesellschaft Netz &

Das Internet – Von der Utopie zur Dystopie

Das Internet ist kaputt und Sascha Lobo ist gekränkt. Zutiefst. Das schrieb er in einem vielbeachteten Feuilleton-Artikel in der FAZ. Wie man das als Feuilletonist so macht, hat er aber nicht nur sich gemeint, sondern in der Tradition von Sigmund Freud gleich von einer Kränkung der gesamten Menschheit gesprochen. Dabei geht es um den Missbrauch der Internettechnologie durch Geheimdienste. Sascha Lobo hing wie die meisten Netzpioniere und –verfechter, gemeinhin als Netzgemeinde bekannt, der Utopie an, das Netz könne Demokratie und Gleichheit fördern. Tatsächlich hat das Internet Unglaubliches hervorgebracht: Es hat Unterdrückten in vielen Ländern eine Stimme gegeben. Mehr noch hat es jedem ein Mikrofon gegeben, mit dem man viele Menschen zu gleich erreichen kann. Die Wikipedia hat das Wissen der Welt verfügbar gemacht und kann sicherlich als neues Weltwunder bezeichnet werden, immerhin stecken darin mehr Arbeitsstunden als in den Pyramiden von Gizeh.

Miley Cyrus statt Protest

Auf der anderen Seite hat es Unterdrückern erlaubt, diejenigen die ihre Stimme erheben, zu verfolgen und ihre digitalen Datenabdrücke zu sammeln. Seit den Snowden Enthüllungen wissen wir, dass das mit jedem geschieht, selbst denen, die ihre Stimme nicht erheben. Gleichzeitig nutzen die meisten Menschen das Internet dann doch nicht um die Demokratie sturm zu beschützen. Anstatt ihre Stimme gegen Unterdrückung und Überwachung zu erheben, tun sie das eher zum neusten Miley Cyrus Video. Anstatt Wikipedia-Artikel zu lesen, verfolgt man lieber Facebook-Status Updates. Da nehme ich mich nicht aus. Es war irrig anzunehmen, dass ein neues Medium es schafft, die Gewohnheiten der Menschen zu verändern. Schließlich hat auch in der stofflichen Welt die BILD-Zeitung eine höhere Auflage, als diese hier oder die FAZ. Das Internet ist eben nur ein Werkzeug, das für Vieles eingesetzt werden kann.

Aus der Utopie ist eine Dystopie geworden

Aber aus der Utopie ist eine Dystopie geworden. Durch die massenhafte Überwachung ist das Internet zu einer Welt geworden, in der nicht mehr die Demokratie, sondern die Geheimdienste und wenige Konzerne vorherrschen. Statt einem Werkzeug für die Freiheit und einem Fenster zur Welt wandelt es sich zu einem der ständig berieselnden und überwachenden Bildschirme aus Orwells 1984 oder Fahrenheit 451.
Aber man kann es reparieren. Dazu müssen neue Werkzeuge her. Die der sicheren Verschlüsselung, die einer offenen und neutralen Netzarchitektur, gefördert mit öffentlichen Geldern, abseits wirtschaftlicher und geheimdienstlicher Interessen.

Dieser Text erschien zuerst als Kolumne in der Allgemeinen Zeitung
Bild: Some rights reserved by mararie

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Gesellschaft

Vom Christkind zur Amazon Drohne

Das Christkind wurde zunächst vom Weihnachtsmann abgelöst und dieser wiederum mehr und mehr von Amazon. Schließlich bringt in immer mehr Haushalten das Online-Versandhaus die Geschenke. Auch für die Liefertechnik hat man sich etwas überlegt, statt auf Schlitten möchte man in mittelfristiger Zukunft auf Drohnen setzen. [quote_left]Was bisher den Tod brachte, soll nun auch Kindern Freude bringen.[/quote_left]Die Technik der unbemannten Fluggeräte, die bislang von Präsident Obama eingesetzt wurde, um aus der Ferne den Tod zu bringen, soll in Zukunft auch Kindern eine Freude machen.

Diese Arbeit seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung durfte Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, öffentlichkeitswirksam mitten in der Weihnachtszeit in der amerikanischen Talkshow “60 Minutes” vorstellen. Zwar handelt es sich dabei noch um Zukunftsmusik, doch Bezos hofft schon 2015 die Drohnenlieferungen Wirklichkeit werden zu lassen. Größte Beschränkung sind momentan rechtliche Einschränkungen, sobald diese geklärt sind will man aber bereit sein. Gleich meldete man sich auch in Deutschland und DHL stellte den “Paketcopter” mit einem Jungfernflug über den Rhein vor. Doch auch hier gilt, die Drohnen dürfen nur aus Sichtweite gesteuert werden, eine Regelung die den technologischen Fortschritt in seinen Möglichkeiten bremst. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere logistische Probleme: Wo sollen diese Flugkörpern landen? Werden alle Packstationen um kleine Landeplätze erweitert? Und wie sähe unser Luftraum aus, wenn DHL oder Amazon auch nur einen Bruchteil ihrer Pakete mithilfe von Drohnen ausliefern?

[quote_right]”Drohnen werden so normal sein wie Postautos.”[/quote_right]Das weckt Vorstellungen aus Science Fiction-Filmen, in denen die Luft erfüllt ist mit fliegenden Autos und umherschwirrenden UFOs. Amazon verspricht auf seiner PR-Seite zu Amazon Prime Air, wie sie ihr Drohnenprogramm nennen, “Ja, eines Tages, werden Prime Air-Drohnen, so normal sein, wie heutzutage Postautos auf der Straße.” Amazon experimentiert auch schon seit letzten Jahr mit Express-Lieferungen für denselben Tag, um dadurch nicht nur den Markt der Buch- und DVD-Bestellungen, sondern auch für Lebensmittel und alltägliche Güter zu erobern. Nur ist das noch immer sehr teuer. Ob Drohnen da ein Ausweg sind? Einen Vorteil haben Drohnen für die Versandhändler: Sie verlangen keine Bezahlung nach Tariflohn.

Bild: amazon.com