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Kleines Fernsehen

Zum „Two and a half Men“-Start: Sheen wird erst beerdigt, dann geröstet

Am Montag ist es soweit: Der Wechsel des Hauptdarstellers in der zur Zeit wohl erfolgreichsten Sitcom steht an.
Nachdem Charlie Sheen sich mit zahlreichen Eskapaden ins Aus befördert hatte, wurde irgendwann klar, dass Ashton Kutcher ihn ersetzen soll und nun präsentiert CBS in den USA die erste Folge mit neuem Hauptdarsteller..

Ob Ashton Kutcher das hinbekommt ist die große Frage. Sheen musste quasi nur sich selbst spielen, was die Authentizität der Show und den Unterhaltungswert steigerte. Da Kutcher seit 2005 glücklich mit Demie Moore verheiratet ist, würde man ihm den pornostarabschleppenden Playboy wohl weniger abnehmen.
Deswegen ersetzt man nicht einfach den Schauspieler sondern schafft eine neue Serienfigur: Ashton Kutcher soll einen Millionär Namens Walden spielen, der sein Geld im Internet gemacht hat.

Das kommt Kutcher schon näher: Schließlich ist er intensiver Twitternutzer und tat sich schon mehrfach als Startupinvestor hervor, zuletzt beim Berliner Start-Up „Amen“. Charlie Sheen wird vorher ganz GZSZ-Like abserviert, angeblich mithilfe einer Pariser U-Bahn.

Trägt sich das Konzept ohne Sheen weiter? Zumindest die Promotrommel wird kräftig gerührt:

Nicht ganz zufällig ist schon das neue Intro der Show aufgetaucht in der nun Kutcher die ohrwurmartige Melodie summt.

Und da sich bekanntlich Nacktheit und Sex sowieso am besten Verkaufen zog Kutcher sich in perfekter PR-Symbiose auch kurzerhand für die Talk-Show von Ellen DeGeneres aus:

Und Sheen? Der sitzt Zuhause und schaut sich seine eigene Beerdigung an. “I will be watching my fake funeral, attended by my fake ex-girlfriends, from my very, very real movie theater, with my very real hotties in tow.“, lies er verlauten.

Doch damit nicht genug: Während er auf dem Sender CBS beerdigt wird, wird er auf Comedy Central geröstet. Die zeigen nämlich „The Roast of Charlie Sheen“, eine Sendung in der sich Stars in ihrer Anwesenheit einige witzig gemeinte Gemeinheiten anhören müssen. Comedy Central fährt auch dafür ordentlich Promo und hat bereits unterhaltsame Trailer produziert:

Auch die „Highlights“ des Roastes kann man sich auf Youtube bereits anschauen, die sind aber eher so mittelwitzig. Dennoch setzt ComedyCentral alles daran, eine Event zu kreieren und legt dazu schon mal allen das Hashtag #Sheenroast nahe. Diese sollen dann live in einem Dashboard ausgewertet werden, wie Mashable.com beschreibt.

Die „Two and a half Men“-Premiere kann sich dem Feedback und der sozialen Medienaufmerksamkeit wahrscheinlich sicher sein, ob diese allerdings positiv ausfällt bleibt abzuwarten. Das oben eingebettete Intro wurde auf Youtube bislang überwiegend negativ bewertet.

Was glaubt ihr? Kann Ashton Kutcher Charlie Sheen würdig ersetzen?

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Flimmern & Sehen Kleines Fernsehen

Harald Schmidt: Privat aufgeweckter als in der ARD

Es ist soweit: Seit Mittwoch 23:15 versucht Harald Schmidt Sat.1, dessen Logo man nach seiner Aussage gestern auch gegen einen Sack Reis austauschen könnte, und sich selbst wieder aus der Bedeutungslosigkeit hervorzulocken. „Endlich daheim“ lautet die großflächige Werbekampagne zur neuen, alten Harald Schmidt Show.
Ist Schmidt wieder angekommen?

Pëll und ich haben uns die ersten beiden Shows angesehen und als alte Late-Night-Experten darüber gesprochen.

Jannis Kucharz: So Pëll, was ist deine Meinung zur neuen Harald Schmidt Show?

Pëll Dalipi: Franz Beckenbauer sieht schlechter aus als Schmidt. Das sage ich, weil er jetzt zu sehen ist. Ich kann mich nicht entscheiden, wie ich sie finde. Was ist mit Dir?

Jannis: Das erste stimmt, man hat bei Harald Schmidt aber auch kaum das Gefühl, dass er älter wird. Für mich sieht er seit 10 Jahren gleich aus. Ich finde es deutlich besser als zuletzt in der ARD, dort war er wirklich sehr feuilletonistisch abgehoben. Und vor lauter Einspielern, Auftritten des Teams, etc. kam Harald Schmidt kaum dazu sich zu entfalten. Das ist nun deutlich besser, trotz der Werbepausen.

Pëll: Er wirkt aufgeweckter als bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dort sah er sehr gelangweilt aus und sein Vorhaben, ja fast auch seine Drohung, nun nur noch das zu machen, was ihn interessiere, war sehr ernüchternd: Er scheint sich für nichts wirklich zu interessieren.

Jannis: Bei der ARD hinkte er immer nur nach all seine Programmpunkte abzuhaken. Und was mir gut gefällt, Apropos Werbung, dieses musikalische in die Werbung reinspielen heute und gestern. Da sieht man richtig das er Spaß hat.

Pëll: Es war eine schöne Überleitung. Ich weiß nicht, wie eingeprobt das war, denn es sah sehr spontan aus und das war gefällig.

Jannis: Im Gegensatz zu den Musikgästen, die ja als besonders wichtig angepriesen wurden. „Wenn sie nur glaubwürdig präsentiert wird“ hieß es vorher im Interview. Die Guano Apes gestern wirkten aber im Gegenteil sehr lieblos dran geklatscht. Da war das mit Anne-Sophie Mutter heute besser.

Pëll: Ich, der die Guano Apes nicht leiden kann, fand das nicht besonders schlimm, aber ja, ich hatte auch den Eindruck. Anne-Sophie Mutter war aber auch der einzige Gast. Wenn mich nicht alles täuscht, war sie vor ein paar Jahren schon einmal bei Schmidt.

Jannis: Haben sie da auch zusammen gespielt?

Pëll: Ich behaupte ja, aber ich könnte mich täuschen.

Jannis: Wie findest du die Gag-Dichte? Was hat am meisten gezündet?

Pëll: Diese Rätselbilder erinnerten mich an den früheren Harald Schmidt. Sein Standup zu Beginn war aber nicht besonders gut. Ich weiß nicht, woran das liegt. Die Gags sind okay, man kann darüber lachen, aber sie wirken nicht aus dem Stand. Verglichen mit Craig Ferguson zum Beispiel wirkt Schmidt da vollkommen unlocker und steif und ich schiebe es nicht auf die Sprache.

Jannis: Ja, einige Gags wirken doch sehr steif, viele sind auch sehr kalauerig. Besonders schlimm war es gestern mit Olli Dietrich.

Pëll: Das mit Dietrich fand ich großartig.

Jannis: Das hatte schon fast Satire-Gipfel Niveau diese steifen, kurz vorher geprobten, zu geworfenen Stichworte

Pëll: Es dauerte ein, zwei Sätze im aufgeschriebenen Dialog, dann fand ich es aber wirklich gut.

Jannis: Ja, an sich war der Dialog der entstand gut, sobald Sie vom Skript abgewichen sind. Und da hat sich auch gezeigt, dass ihm ein Sidekick durchaus wieder gut tun würde. Aber man hat auch gemerkt, dass sie nicht komplett aufeinander eingestellt sind, so wie damals mit Andrack.

Pëll: Würdest Du Manuel Andrack gerne wieder sehen?

Jannis: Andrack…, ich weiß nicht. Ich glaube die Zeit ist tatsächlich vorbei. Ich vermute auch persönliche Differenzen zwischen Schmidt und Andrack. Jemand neues würde mir gut gefallen, aber wer? Glaubst du Katrin Bauerfeind könnte das tragen?

Pëll: Ich kann sie nicht so sehr leiden wie Du.

Jannis: Hatte ich schon erwähnt, dass ich in Katrin Bauerfeind verliebt bin?

Pëll: Ja, aber eine Erklärung warst Du mir noch schuldig.

Jannis: Allein die Stimme!

Pëll: Die Stimme, die ist tatsächlich nett.

Jannis: Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob Sie das kann. Es ist auch schwierig, das vorher zu sagen und auszuprobieren. Jemand anderes aus dem Team; weiß ich auch nicht, ob das gut ginge mit Jan Böhmermann oder so.

Pëll:  Sie wirkt auf mich nicht spontan genug für so etwas. Es ist nicht so, dass sie nicht auch amüsant wäre. Man müsste es ausprobieren. Übrigens, als das mit Pocher bekannt wurde, hatte ich gehofft, er würde so etwas wie ein prominenter Sidekick werden. Denn vor Schmidt & Pocher bestand der Humor Pochers stark darin, auf Situationen irgendwie humorvoll zu reagieren.

Jannis: Ja, Pochers Stärke war und ist eigentlich immer die Spontaneität gewesen, davon lebte Rent-a-Pocher und deswegen hat auch seine Late Night nicht funktioniert. Pocher ist ein richtig mieser Stand-Up

Pëll: Rent-a-Pocher war ja wirklich großartig. Wie fandest Du denn, dass er heute eigentlich nur am Klavier saß?

Jannis: Fand ich ganz gut, eben dieses musikalische. Und dann habe ich überlegt, ob das die Bemerkung mit dem Kabaretisten ein kleiner Seitenhieb auf Hagen Rether war.

Pëll: An ihn musste ich auch denken. Ich bin ja ein großer Verehrer Rethers. Dieses Gesinge gefiel mir nicht besonders, gestern schon und auch heute. Ich weiß nicht, ob es am deutschen Akzent in englischen Liedern liegt, denn eigentlich finde ich es sehr gut. Aber auch hier: Sidekick fehlt.

Jannis: Okay, dein abschließendes Fazit?

Pëll: Hm. Hoffnungsvoll. Deins?

Jannis:  Es ist definitiv gute Unterhaltung. Und immer noch die beste Late-Night in Deutschland (momentan auch wieder die einzige). Braucht es einen dritten Tag?

Pëll: Eine gute Frage. Ist es nicht komisch, zwei Tage, die nebeneinander liegen? Ich sehe die USA ja als Vorbild hier und da ist fünf Mal die Woche üblich.Dann aber gibt es Raab und er zieht das ja so durch.

Jannis: Wobei Schmidt bislang erstaunlich wenig tagesaktuell ist. Allerdings wäre jeder Tag weniger Kerner natürlich ein gewonnener.

 Bild: SAT.1 / Arne Weychardt

Was ist eure Meinung zum neuen, alten Schmidt? Welche Elemente gefallen euch, welche fehlen? Was ist gelungen? Diskutiert mit uns!

Ach und Bonusfrage: Sidekick ja oder nein und vor allem wer?

 

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morgenlinks Siebbelag

Morgenlinks mit Beigeschmack, Rundshow & Testament

Letze Woche musste urlaubsbedingt ausfallen (ohhh…), aber hier nun eine neue Ausgabe der Morgenlinks.

Gaby Köster und der „seltsame Beigeschmack“
(stefan-niggemeier.de, Eben jener)
Gaby Köster verbat sich lange die Berichterstattung über ihren erlittenen Schlaganfall, nun hat sie ein Buch darüber geschrieben und sucht die Öffentlichkeit. Manche Medien scheinen den Unterschied zwischen in die Öffentlichkeit gezwungen zu werden und sie zu suchen, nicht verstanden zu haben.

Did the CIA Do Enough to Protect Bin Laden’s Hunter?
(theantlanticwire.com, Uri Firedmann)
Wie man mit Hilfe von Flickr einen CIA-Agent enttarnt.

G! goes Google
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
Richard Gutjahr besucht das Google-Gelände und schafft es mit deren Hilfe sogar ins Apple Hauptquartier.

Rundshow – Fernsehen zum Anfassen
(Rundshow.tv, Richard Gutjahr)
Nochmal Gutjahr, der plant mit „Rundshow“ ein neues Fernseh/Webtv-format und die Nutzer können von Anfang mitreden und Vorschläge einbringen.

Spiegel Online vs. Social Media
(cgast.de)
Was wäre, wenn die Social Media-Weiterleitungen anstatt einer Redaktion die Titelseite von Spiegel Online bestimmen würde, diese Statistik zeigt es auf.

Wer findet den Unterschied?
(Schockwellenreiter.de, Jörg Kantel)
20% auf alles, auch auf Pflanzenöl, oder mazola kann nicht rechnen.

Warum schon in diesem Jahr für die WAZ-Mediengruppe das Jahr 2015 sein könnte
(pottblog.de, Jens Matheuszik)
Das Pottblog mit spannender Zusammenfassung zum anstehenden WAZ-Verkauf und was ein Testament damit zu tun hat.
Und auch im Pottblog: Das verunglückte PR-Interview von WAZ-Chef Nienhaus.

Bild unter CC-BY-Lizenz von Jannis Kucharz

In den Morgenlinks sammeln wir spannende, interessante & bemerkenswerte oder besonders gute Artikel, Links und Videos. Gerne auch mal etwas länger, gerne etwas über den Tellerrand hinaus, eben um etwas Lesestoff für zu haben. Wer nicht immer bis zur nächsten Ausgabe auf spannende Links warten möchte, der folgt  @morgenlinks auf Twitter oder “Liked” uns auf Facebook und erhält dann die Links immer direkt, wenn wir sie entdecken. Auf diesem Wege sind wir auch gerne für Hinweise offen, ebenso über Kommentare, Mail oder auf anderem Wege.

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Video Zeitung

WIRED – Die interaktive Blattkritik

Heute ist es soweit: Thomas Knüwer betätigt sich als moderner Martin Luther hervor und übersetzt die amerikanische Nerd-Bibel WIRED endlich ins deutsche. Und zu dieser Premiere haben auch wir eine: Eine interaktive Blattkritik!
Ich habe mir das Heft angesehen und ihr könnt mitbestimmen, wie ich das Blatt bewerte:

 

(Annotations müsst ihr natürlich anlassen.)

Die Idee mit dem Unboxing habe ich übrigens von Mathias Richel geklaut übernommen.

Weitere Medienreaktionen und Kritiken:

Wenn euch das Video gefallen hat, freue ich mich natürlich, wenn ihr es weiterverteilt, der ein oder andere vielleicht auf den Flattr-Button klickt oder mir in den Kommentaren sagt, was besser sein könnte.
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Bücher Featured

Charlotte Roches „Schoßgebete“: Seelen- statt nur Striptease

Was hat man von Charlotte Roches zweitem Buch „Schoßgebete“ erwartet? Genau diese Erwartung wird auch erfüllt: Das Wort „Sex“ ist das fünfte im Buch. Es folgt eine seitenlange Beschreibung der Fellatiokünste von Protagonistin Elizabeth Kiehl.

Feuchtgebiete“ habe ich damals nie ganz gelesen. Bei einer Bekannten lag das Buch neben dem Bett und ich blätterte immer wieder darin. Mit einer Mischung aus Ekel, Voyeurismus, Faszination und an manchen Stellen sicher auch etwas Geilheit folgte ich den Ausführungen über Selbstbefriediegung, Gesäßblumenkohl und Körperhygiene. Mit dem gleichen Gefühl dachte ich mich nun auch durch „Schoßgebete“ zu wälzen.

Doch da, inmitten der vollmundigen Beschreibungen, ein Riss: Die Bemerkung, dass sie gegen den feministischen Geist ihrer Mutter und natürlich Alice Schwarzer anbläst. Und kurz darauf sitzen wir mit Frau Kiehl im Auto zu ihrer Therapeutin, begleitet von zahlreichen Neurosen und Phobien. Die Angst vor dem Aufzug und dem Riss in der Decke, der immer größer zu werden scheint. Die Gewissheit bald zu sterben, durch die eigene Hand aber nur aufgehalten durch den Wunsch eine gute Mutter zu sein, eine bessere als die eigene oder aber zumindest vom nächsten großen Unglück heimgesucht zu werden.

Denn alles hat seinen Ursprung in einem schrecklichen Autounfall, bei dem Elizabeth drei Brüder verliert. Ein Erlebnis, dass Charlotte Roche selbst hinter sich hat.

Mit diesem Wissen, das Buch soll bis zu 70% (vielleicht auch mehr) autobiografisch sein, wird das Lesen noch viel intensiver. Fassungslos taucht tief man in Psyche einer Frau ein, die Schreckliches umwunden hat und findet sich tief in ihrer Gedankenwelt wieder. Und diese Gedanken sind oft hart:

So wich die Trauer anfangs dem Hochgefühl von allen umsorgt zu werden oder da ist der schreckliche Wunsch, dem Stiefsohn möchte doch etwas zustoßen, dass man denn man für sich alleine hat.

All das schreibt Roche einfach auf und das macht die Intensität des Buches aus, auch die schrecklichsten und verachtenswertesten Gedanken. Immer wieder musste ich das Buch beiseite legen, um zu verdauen was man sich über verbrannte Kinder so an Gedanken macht, selten hatte ich das Gefühl eine Buchprotagonistin so schonungslos kennen zu lernen. Eher Seelen- als Körperstriptease also diesmal, auch wenn die Medien sich natürlich wieder an anderen Dingen aufhängen.

Literarisch mag das ganze nicht der Oberklasse entsprechen, doch die einfach, direkte Sprache passt zur Protagonistin Elizabeth Kiehl und auf die Idee Analverkehr mit Käsefondue zu vergleichen muss man auch erstmal kommen.

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Bücher Großes Kino

Pressalien (5): Wie das Kino Erwartungen herunterschraubt, um sie zu erfüllen

„How to make an intelligent blockbuster and not alienate people“ fragt Mark Kermode beim Guardian und dieser Text ist so gut, dass man etliche Stellen daraus zitieren möchte.

Es geht darum, wie Blockbuster erfolgreich sind, obwohl die Filme so doof sind. Darum, dass eigentlich niemand „Der Fluch der Karibik – Am Ende der Welt“ mochte, auch wenn manche dachten sie täten es.

Es ist das Konzept der „diminished expectations“, der heruntergefahrenen Erwartungen, die gezielt von großen Filmen bedient werden. Da werden Zahlen über das exorbitante Budget veröffentlicht, die den Film zu einem Event machen und das Presse-Screening wird nach hinten verlegt, damit die Leute trotz der schlechten Kritiken ins Kino gehen um sich ein eigenes Bild zu machen.

How did they get here? The short answer is: Michael Bay. The long answer is: Michael Bay; Kevin Costner’s gills; Cleopatra on home video; and the inability of modern blockbusters to lose money in the long run, provided they boast star names, lavish spectacle and „event“ status expense.

Der Ausweg und einzige Lichtblick? Christopher Nolan, der es schaffte mit „Inception“ einen intelligenten Blockbuster zu schaffen, in dem er beide Welten verbindet: Intelligentes Script und Stars in einem.

Kermode schreibt auch über das Dasein und Ansehen als Filmkritiker:

Every time I complain that a blockbuster movie is directorially dumb, or insultingly scripted, or crappily acted, or artistically barren, I get a torrent of emails from alleged mainstream-movie lovers complaining that I (as a snotty critic) am applying highbrow criteria that cannot and should not be applied to good old undemanding blockbuster entertainment. I am not alone in this; every critic worth their salt has been lectured about their distance from the demands of „popular cinema“, or has been told that their views are somehow elitist and out of touch (and if you haven’t been told this then you are not a critic, you are a „showbiz correspondent“). This has become the shrieking refrain of 21st-century film (anti)culture – the idea that critics are just too clever for their own good, have seen too many movies to know what the average punter wants, and are therefore sorely unqualified to pass judgment on the popcorn fodder that „real“ cinema-goers demand from the movies.

Also unbedingt lesen, unterhaltsam und aufschlussreich.

Der Text ist übrigens ein Auszug aus dem Buch „The Good, The Bad and The Multiplex: What’s Wrong with Modern Movies?(auch als eBook), das ich mir nun wahrscheinlich unbedingt kaufen muss.

Bild: Some rights reserved by Stinkie Pinkie
Danke an @Hakantee über dessen Shared Items ich den Text gefunden habe 

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Flimmern & Sehen Großes Kino

Cowboys & Aliens: Absurder Genremix ohne Selbstironie

Western sind derzeit stark im Kommen. Insbesondere True Grit hat zuletzt eindrucksvoll bewiesen, dass sie kein Kassengift mehr sein müssen und mit The Revenant und Quentin Tarantinos für Ende 2012 geplanten Django Unchained stehen weitere Western in der Pipeline. Auch Alieninvasionen konnte der geneigte Zuschauer in den vergangenen Jahren wieder vermehrt auf der Leinwand begutachten. Da dachte sich Hollywood offenbar: Weshalb nicht beide Genres verbinden? Und da Comicverfilmungen aktuell glücklicherweise ebenfalls im Trend liegen, griff man prompt auf die 2006 veröffentlichte Graphic Novel Cowboys&Aliens zurück.

Die Ausgangssituation ist schnell erzählt: Das kleine Städtchen Absolution wird mit eiserner Faust vom reizbaren Colonel Dolarhyde (Harrison Ford) beherrscht. Plötzlich taucht ein mysteriöser Fremder (Daniel Craig) mit einer merkwürdigen Metallmanschette am Unterarm auf, der sich weder an seinen Namen erinnern kann, noch wo er herkommt. Als die Stadt sich unversehens einem Angriff von Außerirdischen gegenüber sieht, scheint er jedoch die letzte Hoffnung auf Rettung zu sein…

Die Story klingt genauso absurd wie interessant. Dass ein Genre-Mix aus Western und Science Fiction wunderbar funktionieren kann, hat die (leider viel zu früh abgesetzte!) Serie Firefly aus der Feder von Joss Whedon bewiesen. Cowboys&Aliens kann dies leider nicht vollkommen von sich behaupten. Überspitzt formuliert könnte man fast sagen: Die erste halbe Stunde ist wirklich gut…und dann kommen die Außerirdischen. Natürlich würde dies dem Film zugegebenermaßen nicht ganz gerecht werden, daher sollen sowohl positive als auch negative Aspekte noch näher beleuchtet werden.

Die Westernatmosphäre konnte größtenteils gut eingefangen werden. Insbesondere die erste halbe Stunde des Films weiß als Western zu überzeugen. Selbst für Spaghetti-/Italowestern nicht untypische Rückblenden wurden auch in Cowboys&Aliens verwendet. Positiv anzumerken, dass auf Details wie gelbe Zähne oder dreckige Fingernägel geachtet wurde.
Die dazugehörige SciFi-Handlung konnte jedoch nicht wirklich überzeugen. Wirklich Neues wurde nicht geboten, lediglich im Invasionsgrund kann man einen Funken Originalität erkennen – dieser ist im Grunde jedoch ziemlich unsinnig. Ungefähr in der Mitte des Films muss der Zuschauer zudem eine mehr als hanebüchene Wendung hinnehmen, bei der man sich fragt, ob man sich an den Kopf fassen oder darüber lachen soll.
Lachen ist ein gutes Stichwort: Denn in meinen Augen ist ein weiterer Fehler von Cowboys&Aliens, dass er sich zu ernst nimmt. Einem Film mit diesem Titel und dieser Ausgangssituation hätte eine etwas selbstironischere Inszenierung nicht geschadet.

Leider schafft der Film es auch nicht hundertprozentig, die beiden Genres stimmig zu verbinden. Die SciFi-Elemente wirken mitunter doch etwas wie Fremdkörper im Westernsetting. Zudem wird in meinen Augen der Fehler begannen, die Außerirdischen zu früh, zu häufig und zu deutlich zu zeigen. Dabei hat zum Beispiel Ridley Scott mit Alien bereits 1979 gezeigt, dass weniger manchmal mehr ist.

Frei von Logikfehlern ist der Film erwartungsgemäß auch nicht gewesen. So ist es beispielsweise relativ sinnfrei, dass dort nun ein das Wrack eines Flussdampfer 500 Meilen vom nächstgelegenen großen Fluss verkehrt herum mitten in der Steppe liegt. Ja, es bietet ein sehr stimmiges Setting, doch mehr als dieser dramaturgische Grund lässt sich dafür nicht erkennen. Außerdem bleibt es mehr oder weniger fragwürdig, weshalb die Außerirdischen es für notwendig erachten, Menschen zu entführen.
Weniger störend waren da einige Klischees, die bedient wurden – vom schweigsamen Fremden über den harten Viehzüchter, der die Stadt im Griff hält bis zur Überwindung von Hass und Feindschaft, um zusammen für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen.

Schauspielerisch ist Harrison Ford natürlich über jeden Zweifel erhaben. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob er als Colonel Dolarhyde passend besetzt wurde. Für mich ist Harrison Ford in Aussehen und Spielart zu gutmütig für diese Rolle und so wirkt Dolarhyde im Film auch selten so hart, wie er vielleicht sein sollte. Daniel Craig hingegen passt ideal in die Rolle der personifizierten Coolness. Olivia Wilde hat während der ersten Hälfte des Films nicht viel mehr zu tun, als hübsch durchs Bild zu reiten, um dann allerdings Bestandteil der bereits erwähnten hanebüchenen Wendung zu sein. Abermals hervorragend ist Sam Rockwell. Seine Rolle ist nicht besonders wichtig, doch holt er das Beste aus ihr heraus. Der Kerl ist einfach große klasse und stellt dies auch hier wieder unter Beweis.

Wenn man sein Gehirn zu hause lässt, kann der Film vermutlich durchaus Spaß machen. Leider verschenkt er jedoch eine Menge Potenzial, das der interessante Genre-Mix aus Western und SciFi geboten hätte. Die Westernatmosphäre kann Cowboys&Aliens größtenteils gut einfangen, doch stört die leider wenig überzeugende SciFi-Handlung im Gesamtbild. Sie bietet nicht mehr als Durchschnittskost, weist einige Logiklöcher auf, verfügt über wenig atmosphärische Dichte und überrascht eher negativ mit einer ziemlich fragwürdigen Wendung. Zudem hätte ich mir eine etwas selbstironischere Inszenierung erhofft.

5/10

Bild: © 2011 Universal Studios.

Heiko und ich sind ein paar Jahre in Berlin zusammen aufs Gymnasium gegangen, schon damals haben wir gemeinsam in den großen Pausen dem großen Quentin Tarantino gehuldigt und Heiko war ungefähr das wandelnde Horrorfilmlexikon (damals gabs ja noch nicht mal Wikipedia). Jetzt schreibt er unter filmtoast.de ein sehr lesenswertes Filmblog.

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Morgenlinks mit Gelb zu Schwarz, Straßenstrich-Steuer, Quelle: Youtube

Die lange Dämmerung
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Schwarz-Gelb dämmert vor sich in, aber Nacht wird es erst 2013

Wikipedia ist keine Demokratie
(Notizblog, Torsten Kleinz)
„Wikipedia-Politik findet weitgehend ohne Öffentlichkeit statt. Obwohl sich quasi jeder für die gewaltige publizistische Macht der Wikipedia interessiert, wenden sich die meisten nach kurzer Zeit angewidert ab.“, beschreibt Torsten Kleinz die Abstimmmungen und Entscheidungen auf der Wissensplattform. Interessant dazu auch: Das aktuelle Medienradio mit Jan Engelmann von Wikimedia.

Erfundene Situationen
(stilstand.de)
Der literarische Taschenspielertrick des Henryk M. Broder: netzf.eu/r1qLtE
24 Aug.

Quelle: YouTube
(videopunks.de, Markus Hündgen)
Die Medien belegen ihre Internetfundstücke immer wieder mit „Quelle: Youtube“. Dabei gibt die PLattform in ihren AGBs eigentlich genaue Anweisungen wie die Urheber auszuweisen sind.

Verkehr nur mit Ticket: Automat am Bonner Straßenstrich(rhein-zeitung.de)
Kleine Schmunzelmeldung: „Der neue Automat ist ein umgerüsteter Parkscheinautomat – er betrifft Verkehr anderer Art.“ Bonn hat einen Straßenstrich-Steuer-Automat aufgestellt.

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Das Rum-Tagebuch mit Johnny Depp

Johnny Depp schlüpft wieder einmal in die Rolle und das benebelte Gehirn des Hunter S. Thompson. Aus der letzte Zusammenkunft „Fear and Lothing in Las Vegas“ enstand nicht nur ein Kultfilm (Ich glaube mein Mitbewohner kann den Film in mindestens 3 verschiedenen Sprachen rezitieren), sondern auch eine tiefe Freundschaft zwischen dem Schauspieler Depp und dem Schriftsteller Thompson. Die führte sogar dazu, dass Depp die spektakuläre Beerdigung von Hunter S. Thompson im Jahre 2005 finanzierte.

Nun wird mit „The Rum Diary“ eine weitere Novelle verfilmt. Im Stile des von ihm begründeten Gonzo Journalismus beschreibt Thompson darin subjektiv seine Erlebnisse in Puerto Rico, die aber schnell von drogenfantastischen Erlebnissen beeinflusst und überlagert werden.

Ich bin sehr gespannt auf die neuerliche Hunter S. Thompson Personifizierung durch Johnny Depp. Aaron Eckhart („Thank you for smoking„) sagt die Nähe zwischen Depp und Thompson sei so groß, dass sie beinahe den Geist des verstorbenen Schriftstellers am Set spüren konnten. Die Vertrautheit bestätigen gemeinsame Fotos der Beiden (mit John Cusack in der Mitte).

The Rum Diary wurde bereits in den 1960er Jahren von Thompson verfasst, erschien aber erst 1998. Auch der Film hat wohl einen kleine Odyssee hinter sich, wie dieser Brief von Thompson an den Produzenten Holly Sorensen von 2001 belegt:

Okay, you lazy bitch, I’m getting tired of this waterhead fuckaround that you’re doing with The Rum Diary.

And if you don’t Do Something QUICK you’re going to Destroy a very good idea. I’m in the mood to chop yr. fucking hands off.

Nun erblickt der Film am 28. Oktober 2011 die Kinos. Zumindest in den USA, für Deutschland steht bislang noch kein Starttermin fest.

[Trailer via Negativ Film, Bild: Screenshot]

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Morgenlinks mit MultiKulti, Balla Balla, Datenschutzfundamentalisten

Datenschutzfundamentalisten
(larsreinike.de, Lars Reinike)
„Aber nehmen wir mal an, ich hielte Facebook für den datenschutzrechtlichen Antichristen, dann wäre es für mich ein Leichtes, diesem Anbieter über mich keinerlei Informationen mehr zukommen zu lassen.
Ich würde verbieten, dass Facebook bei mir im Browser Cookies setzen darf, ich würde in AdBlock+ alle relevanten Objekte blockieren, und ich könnte ziemlich sicher sein, dass Facebook über mein Surfverhalten praktisch nichts mehr mitbekommt.“

Balla Balla
(einestages.spiegel.de, Danny Kringiel)
Von der Peniskanone bis zu den teuflischen Brüsten: einestages sammelt die absurdesten Filmwaffen.

Realitätsverlust von rechts
(spiegel.de, Georg Diez)
„Die Ideologen des 21. Jahrhunderts kommen nicht von links, sie verbiegen die Realität von rechts – zur Not mit Gewalt. […] Der Multikulturalismus ist eine Realität, keine Ideologie“

Manchmal möchte ich Norweger sein
(Spiegel.de, Christoph Schwennicke)
Christoph Schwennicke betrachtet die Reaktionen auf die Anschläge in Norwegen und stellt fest: „Gegen den deutschen Politiker ist der pawlowsche Hund ein vernunftbegabtes Wesen“

Wie Yasni mit Drohungen gegen Kritik vorgeht
(netzpolitik.org, Linus Neumann)
Yasni, die Pestbeule in jedem Suchergebnis kann nicht mal mit Kritik umgehen und hat den Blogger Sascha Krähenbühl juristische Schritte angedroht.

Zu schön, um wahr zu sein
(sz.de, Violetta Simon)
Weil Julia Roberts in einer Kosmetik-Webung zu gut aussah, wurde diese vonm britischen Werberat kassiert. Zuviel Retusche sorgt schließlich nicht für ein realistisches Frauenbild in der Werbung.

Bild unter CC-BY-Lizenz von Jannis Kucharz

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