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Jon Stewarts „Victory Dance“ und Bill O’Reillys 16 $-Muffins

Es ist natürlich immer wieder ein Highlight, wenn Jon Stewart auf einen der Vertreter von Fox News trifft. Auch wenn die Fehde momentan wieder etwas abgekühlt ist, war Bill O’Reilly am Mittwoch bei Jon Stewart zu Gast, um sein neues Buch „Killing Lincoln“ vorzustellen. Darüber sprachen die beiden allerdings nicht, sonder über Steuererhöhung und -verschwendung, sowie 16 $-Muffins. Pëll und ich haben uns als alte Jon Stewart-Experten die Sticheleien der beiden angeschaut und darüber gesprochen. Aber seht erst einmal selbst die „extended“ Fassung des Gesprächs:

Und nun unser Gespräch:

Jannis Kucharz: Hm, ich hatte mir von Jon Stewarts Interview mit Bill O’Reilly mehr erwartet.

Pëll Dalipi: Ich finde es ist gut, O’Reilly gab sich für seine Verhältnisse sehr „links“.

Jannis: Ja, aber Stewart, der das sonst bei fast allen schafft, bekommt ihn nicht geknackt. O’Reilly ist einfach zu sehr Profi.

Pëll: O’Reilly hat rhetorisches Talent, könnte man sagen, was seine Art Fragen zu beantworten, betrifft. Aber Stewart hat sehr viel mehr aus ihm „herausgelockt“ als es bei O’Reilly üblich gewesen wäre. Es ist nicht zu erwarten, dass er die Idiotie von Fox News preisgibt, solche Fragen wurden ihm zu oft gestellt. Erkenntalletricks.

Jannis: Das stimmt, aber O’Reilly behaupte ich, hat sich vorher genau aufs Stewarts Masche eingestellt und natürlich auch versucht die Gesprächsfürhung zu übernehmen. Das war stets der dauernde Kampf zwischen den beiden erfahrenen Interviewern, wer gewinnt die Oberhand. Man hat auch gemerkt, das sie sich wirklich kaum… ausstehen ist das falsche Wort.

Pëll: Die beiden trafen ja das wie vielte mal aufeinander an? Das Vierte, Fünfte? Ja, es ist so eine Art Hass-„friendship“. Friendship dabei als das genommen, was es im englischen Sprachraum eigentlich bedeutet.
Ich würde sagen, die Beiden waren relativ gleich auf. In früheren Interviews war Stewart immer überlegen. Wer hatte für dich diesmal die Oberhand?

Jannis: Am Anfang definitiv O’Reilly und Stewart hat sie nur langsam wieder bekommen. Und ich fand seinen “victory dance” eher…

Pëll: …deplatziert.

Jannis: Ja, genau normalerweise passt es zu Stewart und ist sympatisch, aber in dieser Atmosphäre wirkte es seltsam. Erst reicht, weil O’Reilly souverän reagierte und ihn dabei einfach nur sehr von oben herab anschaute, was die ganze Lächerlichkeit noch mehr hervor hob.

Pëll: Und ganz ehrlich, es sah total bescheuert aus.
Das Problem ist vielleicht, das O’Reilly diesmal nicht der pinhead war (wie er ja alle Leute nennt) wie man es von ihm erwartet, sondern argumentierte und sogar auch Eingeständnisse machte. Stewart war auch etwas schwach vorbereitet, siehe beispielsweise die “16$-Muffins”.

Jannis: Wobei O’Reilly dabei natürlich sehr populistisch war.

Pëll: Ja, klar, auch die Häufigkeit mit der er Solyndra erwähnte. Ein Skandal, keine Frage, aber im Vergleich zu all den Bush-Skandalen eine Kleinigkeit.

Jannis: Wobei man da auch wieder das unterschiedliche Klima zwischen den USA und hier sieht: Eine Initiative für erneuerbare Energien würde hier zu Lande momentan niemand anprangern.

Pëll: Die USA sind eben sehr „opinion-driven“. Gleichzeitig kommen da mehr Sachen ans Licht, nur oft werden sie nicht wahrgenommen, wenn genügend Leute Falschaussagen so oft wiederholen wie möglich, siehe “death panels” und “Obama is the new Hitler/Stalin”.
Aber es ist sowieso sehr tragisch. Die Republikaner scheinen alle Obama-Plänen zu verneinen und sich dabei bessere Chancen für die Wahl zu erhoffen, indem sie zeigen, dass in all den Monaten nichts geschehen ist. Wobei das stark an ihner Sturheit selbst liegt.

Jannis: Ja, da bin ich mal gespannt, wie es ausgeht. Wie ist den Obamas Popularität im Moment?

Pëll: Ich glaube nicht besonders gut. Aber das war auch bei Bush eine Weile so. Ich hoffe sehr, dass er wiedergewählt wird.

Jannis: Naja, nichts was ein paar Spin-Doktoren nicht wieder hinbiegen könnten. Ja, das hoffe ich auch.

Bild: Screenshot Comedy Central

Wer konnte eurer Meinung nach mehr punkten? Jon Stewart oder Bill O’Reilly?

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Netz & Politik

Internetausdrucker beim Medienkompetenznetz

Das Medienkompetenznetz RheinMain vergibt jährlich den MKN-Award, seit diesem Jahr gibt es auch eine Kategorie online. Auch wenn am Bewerbungsverfahren sicher noch gefeilt werden könnte.

Medienkompetenz und Netz in einem, na das klingt doch gut und fortschrittlich. „Unter der Federführung der Stadt Mainz […] wurde in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Frankfurt Rhein Main eine Mediendatenbank für die Medienwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet geschaffen, um eine stärkere Vermarktung der Medienbranche auf nationaler und internationaler Ebene zu erreichen und eine Schärfung des Profils der Region zu generieren.“, so der Auftrag dieses Netzwerkes aus regionalen Partnern.

Auch wenn der Begriff der Medienkompetenz teilweise umstritten ist, sind sich doch alle einig, dass es wichtig ist, diese zu stärken.

So wird auch jährlich ein MKN-Award vergeben, für „die besten Unternehmensdarstellungen“. Das Event lässt dabei nicht zu wünschen übrig: „Auch 2005 war in der Medienstadt Mainz ‚Oscar-Atmosphäre‘.“

Und dieses Jahr gibt es dann auch tatsächlich zum ersten Mal die Kategorie online. Jawohl. Zwar wurde schon letztes Jahr der „Relaunch des Internetauftrittes der Marke ‚Schöfferhofer Weizen'“ ausgezeichnet, damals allerdings noch in der Kategorie „Sonderpreis“.  2010. Internet und so. Medienkompetenz.

Doch, was passiert denn nun, wenn man sich in der Kategorie online bewirbt? Mir liegt eine Antwortmail auf eine Bewerbung für die Kategorie Online vor:

„Da Sie sich mit einem Online-Auftritt beworben haben, können Sie die Farbausdrucke der Homepage auf CD brennen oder die Homepage abfilmen und gerne auch kommentieren. „

Ohne Worte.

Die Verleihung findet am 10. November wird im Rahmen des Branchentreffs ME-kom im Konferenzzentrum des ZDF statt. Veranstalter ist die Stadt Mainz.

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Bewegen & Beschäftigen Gesellschaft morgenlinks Siebbelag

Morgenlinks mit FDP, ARD, PI & Charlie Chaplin

Rösler liefert
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Nach dem verpassten Einzug in den Landtag ins Berliner Abgeordnetenhaus steht Rösler unter Druck. Dabei hatte er noch kurzfristig versucht mit dem Gespräch über eine „geordnete Insolvenz Griechenlands“ auf Stimmenfang zu gehen. Doch „selbst als Populisten sind FDP-Politiker nicht mehr tauglich. Glaubwürdig schon gar nicht.“

ARD und ZDF könnten im Internet Maßstäbe setzen
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier wird in Zukunft für den Spiegel schreiben. Doch zum Abschied legt er ausgerechnet in der FAZ nochmal ein Plädoyer für die Öffentlich-Rechtlichen hin. „Ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk im Internet wäre im Interesse der Gesellschaft. Er könnte Maßstäbe setzen, Vorreiter sein beim Einsatz neuer Techniken und Urheberrechtsmodelle, als Vorbild dienen für modernen, transparenten Online-Journalismus.“

Lothar, c’est moi
(sz-magazin, Bastian Obermayer)
„Vor zwanzig Jahren hätte es etwas Magisches gehabt, Boris Becker und Lothar Matthäus im gleichen Team zu sehen. Heute gehören sie als »Bobbele« und »Loddar« zum festen Spott-Inventar des Landes.“ Das SZ-Magazin hat Loddar ein halbes Jahr begleitet, der eigentlich aus den Klatschspalten rauswill und endlich als Fußballtrainer angenommen werden. Aber trotzdem arbeitet er immer wieder mit BILD & Bunte zusammen, ein Leben im Boulevard.

Im Netz der Islamfeinde
(berlinonline.de, Steven Geyer und Jörg Schindler)
PI, die vor allem durch das Attentat in Norwegen wieder ins Gespräch kamen sind wohl mehr als ein rechtskonservatives Blog und verfügen über enge Kontakte in die etablierten Parteien, wie die CSU. Auch Hetz- und Beleidigungskampagnen werden regelmäßig organisiert, wie niveualos und rassistisch beschreibt Mely Kiyak hier.

This really might be the greatest speech ever made
(thenextweb.com)
Gegen diesen Rassismus hielt Charlie Chaplin in seinem Film eine bewegende Rede, die bis heute kein Stück an Aktualität eingebüßt hat. Wie thenextweb anmerkt: „This really might be the greatest speech ever made“

Bild: Some rights reserved by oosp 

In den Morgenlinks sammeln wir spannende, interessante & bemerkenswerte oder besonders gute Artikel, Links und Videos. Gerne auch mal etwas länger, gerne etwas über den Tellerrand hinaus, eben um etwas Lesestoff für zu haben. Wer nicht immer bis zur nächsten Ausgabe auf spannende Links warten möchte, der folgt  @morgenlinks auf Twitter oder “Liked” uns auf Facebook und erhält dann die Links immer direkt, wenn wir sie entdecken. Auf diesem Wege sind wir auch gerne für Hinweise offen, ebenso über Kommentare, Mail oder auf anderem Wege.

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Politik Video

Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus – Interview mit dem Vorsitzenden Rheinhessen

Passend zum „Talk Like A Pirate-Day“ zieht die Piratenpartei mit 8,9% ins Berliner Abgeordnetenhaus ein.
Ich war gestern beim Wahlwatching der Piraten Mainz, die gespannt den Einzug ihrer Berliner Kollegen ins Abgeordnetenhaus verfolgten und habe mich mit dem Vorsitzden Rheinhessen unterhalten.
Welche Themen meint er waren wichtig für die Entscheidung, wo gibt es Überschneidungen mit den Grünen und wären sie bereit der FDP Obhut gewähren würden, wenn diese weiter abschmiert:

Was meint ihr zum Einzug der Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus? Und was erhofft ihr euch von ihnen?

Achja, und ihr seid übrigens alle herzlich eingeladen unseren Youtube-Channel zu abonnieren.

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Bewegen & Beschäftigen Video

Ein Sommer_Nacht_Traum in Frankfurt

Im Römer9 in Frankfurt findet gerade die Ausstellung „Sommer_Nacht_Traum“ statt. Ich hatte Gelegenheit den Künstlern vorab bei der Arbeit zu zu sehen und konnte an der Preview, einige vors Mikrofon zerren.

Mit dabei sind die Zeichnerin Bea Emsbach und der Zeichner Edwin Schäfer, die für die Ausstellung eine Wand gestaltet haben. Und zwar direkt auf der Wand. Mit farbenfrohen Figuren, die sich in Details verlieren und fantastische Wesen irgendwo zwischen Abendrot und Alptraum formen.

Der Maler Benajmin Nachtwey hat viele Tankstellen und Raststätten auf Leinwand gebannt und dort umgibt diese eigentlich alltäglichen Orte eine ganze besondere Stimmung ein einen bestimmten Flair. Lichtinseln in der Dunkelheit.

Christopher Winter wiederum spielt in seinen Werken mit der trügerischen Realität. Oft zeigen sie scheinbar unschuldige Kinder, erst auf den zweiten Blick wird offenbar, dass hier etwas nicht stimmt. Nicht stimmen kann.

 

Im Video nicht zu sehen sind die Werke von Peter Bialobrezski. Dabei sind sie ganz auߟerordentlich, mit Langzeitbelichtung hält der Fotograf Szenen fest in der Natur auf den Menschen trifft und durch den Effekt, erscheint ein sich drehender Kran schon mal wie ein Ufo, dass über dem Urwald schwebt. Deshalb unbedingt mal seine Webseite besuchen oder eben hingehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. Juni in der Evangelischen Stadtakademie Römer9
Römerberg 9, Frankfurt am Main
Geöffnet: Dienstags bis Freitags, 14 bis 18 Uhr.

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Bewegen & Beschäftigen Gesellschaft Video

Halbnackte Muslime in der Innenstadt – Ashura

Am Samstag überraschte mich auf dem Goetheplatz in Frankfurt eine shiitische Tradition. Es war nämlich Ashura (oder Aschura), der wichtigste Tag im Trauermonat Muharram. Was dahinter steckt, verrate ich hier:


Direkt zu Youtube

Mehr zu Ashura gibt es in der Wikipedia zu erfahren und hier. Auch Interessant, dass man in den klassischen Medien nicht zu einem wohl im Islam, oder zumindest den Shiiten, sehr wichtigen Feiertag erfährt.

 

Wer noch mehr dazu weiß ist herzlich in die Kommentare eingeladen. Man verzeihe mir übrigens Aussprachefehler oder ähnliches.

 

Hakantee und Samir erklären in den Kommentaren, dass diese Art Aschura zu feiern wohl vor allem bei den Shiiten eine große Rolle spielt, bei den Suniten dagegen nicht.

Gleichzeitig sind das oben mit die ersten videoralen Gehversuche im Netzfeuilleton. Da wird in Zukunft sicher noch mehr kommen. Über ein bisschen Feedback würde ich mich freuen.

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Bewegen & Beschäftigen

Morgenlinks mit Lobbying, Lifestyle & #spanishrevolution

Yes, we camp
(Bernardo Gutiérrez, tagesspiegel.de)
Wie erklärt man einem Deutschen die #spanishrevolution? Das fragt sich der Spanier Gutiérrez und erläutert im Text die Hintergründe zu den Protesten in Spanien, wie es dazu kam und um was es geht.

Der Widerstand der Wenigen
(taz.de, Meike Laaff)
Nicht nur im Falle der Netzsperren: Das Lobbying in Brüssel ist ziemlich einsam, dabei werden hier eigentlich die wichtigen Entscheidungen gefällt.

Eine Katastrophe, diese Kommunikation
(Tom Hillenbrand, SpON)
Vom Unwort PR-Desaster. Beispiel BP: „‚Alle taten so, als ob das eine PR-Krise wäre. Aber die war nie der Kern.‘ Kern des Problems war vielmehr ein sprudelndes Leck, 1500 Meter unter dem Meer.“

“Als Journalist kannst Du überall sein – Du hast immer einen Grund dafür.”
(DJS-online.de)
Interview mit dem Journalisten Michalis Pantelouris über Journalismus in und ausserhalb der Krise und warum er Lifestyle-Journalismus bevorzugt: „Durch Lifestyle-Entscheidungen kann ich die Welt wirklich verändern“

Strauss-Kahn: Trug sie ein weißes Bändchen?
(feynsinn.org)
Das würde natürlich eine Menge erklären: „Strauß-Kahn dachte, die Dame sei im Auftrag der Ergo-Versicherungsgruppe unterwegs, und hätte ein weißes Bändchen getragen.“

Bild: Bestimmte Rechte vorbehalten von ciccioetneo

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Bewegen & Beschäftigen Netz &

Wenn du kein iPhone hast…

War das nicht schön früher als Apple-User? Als hip und alternativ konnte man sich gerieren, ja sogar als Widerstandskämpfer gegen den bösen Monopolist Microsoft konnte man sich fühlen. Mit jedem Apple-Produkt kaufte man einen Lifestyle, verknüpft mit einem Stück guten Gewissen.

Alternativ ist man mit eine Apple schon lange nicht mehr. Die Macbookanteile im Hörsaal liegen locker bei 30% (einizg ernstzunehmender Konkurrent waren kurz mal die Netbooks) und die charakteristisch weißen Kopfhörer gehören längst zum Interieur jeder Regionalbahn. Apple ist selbst längst auf dem Weg zum Monopol, bei Tablets, Smartphones und Mp3-Spielern. iPod, iPhone und iPad sind schon Synonym für ihre Gattungen.

Ein gutes Gewissen kauft man schon lange nicht mehr mit ein. Zu groß sind die Belastungen geworden, auf den mangelhaften Greenpeace Report reagierte die Technik Firma aus Cupertino und versucht nun jährlich ihre silber oder weiß strahlenden  Macs „grüner“ zu machen. Dunkler wird es dann bei den Herstellern und Zulieferer für all die iProdukte. Selbstmordserien und Schwermetallvergiftungen gehören fast schon, so scheint es, zur Tagesordnung.

Irgendwie hat man aber geschafft das zu verdrängen. China ist weit weg und Umwelt ja ist wichtig, aber andere machen das ja genauso. Und dieses idealistische Gefasel vom freien Web in Gefahr wegen den paar Zeitungsanachronismusapps. Die Kontrolle die der Apple Konzern auf seine „Post-PC“ Devices auch in der hand des Users noch ausübte, wurde immer größer, aber als User bekam man dafür eben eine 1A User Experience, eine flüssige Bedienbarkeit, ein tolles Design und weitgehende Virenfreiheit.

Ich will sagen: Bislang hat Apple dem einzelnen User nichts böses getan, der war immer happy ob dieses atemberaubenden glatten Produkt, das streichel mich rief, so dass die eigenen idealistischen Ansichten schnell in den Hintergrund gerückt sind. Die Welt kann ich auch noch retten, wenn ich Angry Birds durchgespielt habe, der Gedanke. Einen direkt persönlichen Nachteil, der das Gefühl überlagern würde Teil der Apple-Gemeinde zu sein, gab es nicht. Bis letzte Woche.

Da haben Pete Warden und Alasdair Allen ein kleines Programm geschrieben. Nur 130kb und doch erschütterten sie die Grundfesten der Jobschen Kirche: Das Programm macht sichtbar, dass euer iPhone jederzeit und überall euren Aufenthaltsort aufzeichnet und unverschlüsselt auch auf eurem Computer abspeichert.
Zwar ist die Existenz dieser Datenbank unter Fachiphonern schon länger bekannt, zum Aufschrei kommt es aber eben erst jetzt.
Und es ist eine Wende, weil nun der iPhone-User selbst im Kreuzfeuer steht. Will er das sein Aufenthaltsort genau nachvollziehbar ist? Angeblich werden keine Daten weitergegeben, trotzdem erscheint es gespenstig, ist man nicht grade Teil der Post-Privacy-Spacken.

Vor diesem Hintergrund hat sich @dretep mal den aktuellen, leicht überheblichen, Apple-Werbespot vorgenommen.

„Wenn du kein iPhone hast…“ [DirektiPhone]

Bild: Bestimmte Rechte vorbehalten von SimonDoggett

Wenn du kein iPhone hast, hast du kein schlechtes Gewissen.

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Experten allein auf weiter Flur: Mehr AKWs für Deutschland

Selbst ein politisch seit 55 Jahren unabhängiges Fachmagazin für Personen in geschlechtsreifendem Alter kann die Zeichen der Zeit nicht mehr ignorieren: Die Bravo fügt ihrer Ausgabe ein Anti-Atomkraft-Poster bei. Die Begründung dazu ist schlüssig, schließlich erreicht diese Zeitschrift eher die bis in weiter Zukunft betroffenen Generationen. Soweit diese zukünftigen Erdenbürger überhaupt schon lesen können oder geboren sind.

Andere Magazine widmen sich dem Thema eher wissenschaftlich, wobei die Gefahr hoch ist, dass man Dinge unreflektiert in die eigene Meinung übernimmt. Schließlich muss das ja ein kluger Kopf sein, dieser Experte, der da schreibt.

Wenn man dann in der aktuellen Lage auf das Interview von Barry Brook, australischer Klimaforscher und Nuklearexperte, verwiesen wird, muss man es mindestens zweimal lesen, um zu verstehen, dass seine Aussagen wirklich nicht zynisch gemeint sind. Hauptthese und Überschrift des Artikels „Deutschland muss mehr Atomkraftwerke bauen“ würde ich, ohne den Inhalt zu kennen, eher vom Titanic-Magazin erwarten. Doch es wird noch besser:

Trotzdem haben die Kraftwerke bisher kein einziges Menschenleben gefordert. (…) Wie gesagt, der Bevölkerung droht zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Gefahr – abgesehen vom der Zusammenbruch ihrer Stromversorgung.

Sollten in 9 Monaten vermehrt verkrüppelte Kinder in Japan geboren werden, kann auch kein Kausalzusammenhang zu einer (im übrigen bestrittenen) längst vergangenen Störung in einem AKW hergestellt werden.

Allein die Null-Risiko-Windkraft kostet jedes Jahr Menschenleben, weil Arbeiter bei der Wartung abstürzen.“

AKW’s werden nämlich nicht gewartet. Arbeitsunfälle sind nur für regenerative Energien typisch.

Japan hatte über Jahrzehnte eine sichere, emissionsfreie Versorgung. Das Land sollte die Vorteile nicht wegen eines Jahrtausendereignisses opfern.

Erdbeben und Tsunamis sind Ereignisse, die erst seit kurzem bekannt sind. Beides in Kombination wurde erst vor ein paar Jahren im pazifischen Raum erfunden. Und außerdem werden die Folgen des jetzigen Ereignisses ja noch tausende Jahre anhalten. Ein Neues wäre also vollkommen uneffizient und deshalb abzulehnen.

Moment, der Schaden in Japan ist nicht im geringsten vergleichbar mit Tschernobyl. Die Ursache von Fukushima war auch kein menschliches Versagen. Ganz anders Tschernobyl, dessen Reaktor schlecht designt und schlampig gewartet war.

Daraus lässt sich auch nicht folgern, dass der technische Fortschritt den Risiken der Atomkraft einfach (noch immer) nicht gewachsen ist.

Danach sind die Fragen so gut, dass es echt keinen Spaß macht, die zu kommentieren. An diesem Punkt war ich vom Interview enttäuscht.

Brook macht dann jedoch Vorschläge für sichere AKWs:

Mit modernen Technologie („fast reactor technolgy“) wird der Brennstoff kontinuierlich recycelt. So lässt sich Uran und Plutonium viel effizienter nutzen, infolgedessen sinkt die Strahlung der Abfälle rapide. Abfälle aus „fast reactors“ müssen nicht 100.000 Jahre lagern, sondern 300. Dann strahlen sie nicht mehr als ein Felsbrocken.

Die von Brook favorisierte Variante der Reaktoren wird mit Natrium gekühlt. Dieses reaktionsfreudige Element ist vollkommen ungefährlich. Genau wie Atomkraft bekanntlich im Allgemeinen. Beides in Verbindung beruhigt mich zutiefst, da unvorhergesehene/unvorhersehbare Ereignisse praktisch ausgeschlossen sind.


Da Physik aber, ähnlich wie Stuttgart21 ein Thema ist, von dem ich keine Ahnung habe, musste ich mich mühsam mit der radioaktiven Materie befassen. Das dürften wohl die Wenigsten derjenigen getan haben, die solche zukünftigen Reaktoren für Deutschland fordern.

Die Problematik mit den Argumenten der Atomkraftbefürworter liegt im Übrigen in sich selbst, wie die „Zeit“ deutlich aufzeigt.
Da der Super-GAU nur mit sich selbst vergleichbar ist, würde ich diesen Vergleich in der Praxis lieber scheuen und mich nicht auf Erfahrungswerte einlassen wollen. Sowohl mir als auch den Sympathisanten würden im Fall des Falles die Stimme versagen.

Den „neun Gemeinplätzen des Atomfreunds“ widmet sich auch abschließend die FAZ noch einmal selbst und Frank Schirrmacher entkräftet dabei auf sympathische Art und Weise die Argumentation des „eigenen“ Experten.

Das größte Problem an der Sache ist, dass auch die regenerativen Energien schlechten Einfluss auf die Umwelt haben, das kann nicht so ganz bestritten werden. Vielleicht ist in 55 Jahren ja auch wieder ein Poster in der Bravo: Windkraft, nein Danke!

Bild: Bestimmte Rechte vorbehalten von MarcelG

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Morgenlinks mit Wahlkreiseln, Hulkbürgern & Nicht-Fliegern

In den Morgenlinks sammeln wir spannende, interessante & bemerkenswerte oder besonders gute Artikel, Links und Videos. Gerne auch mal etwas länger, gerne etwas über den Tellerrand hinaus, eben um etwas Lesestoff für  zu haben. Diese Woche mit:

Die Volkswählhilfe
(wittileaks.posterous.com, Stephan Witt)
Wir basteln uns einen Wahlkreis: Stephan Witt entwickelt eine praktische Hilfe für alle die zur Landtagswahl müssen, aber noch unentschlossen sind.

JU-Menschenkette um den Stand der Grünen
(twitpic.com, Junge Union)
Ebenfalls Wahlentscheidungshilfe, aber wohl anders als gedachtet, leistet die Union mit ihren peinlichen Wahlkampf-Aktionen. In versucht sich die Junge Union mit einer Menschenkette vor den grünen Wutbürgern, den Hulks aus der Bevölkerung zu schützen. Sieht so Verzweilfung aus?

Im Toten Winkel
(spreeblick.com, Frédéric Valin)
@Freval schreibt über den deutschen Boykott einer No Fly Zone über Lybien. Zwar hat sich die Geschichte schon weitergedreht, die Gedanken bleiben aber lesbar, schließlich verharrt Deutschland, repräsentiert durch Westerwelle, weiter in einer Blockade-Haltung.

Atomhysterie – das Internet potenziert auch Halbwissen
(presseschauer.de, Daniel Schultz)
Letzte Woche hatten wir ihn auch hier, den Bericht des SWR über das Seekabel von Norway nach Deutschland, das angeblich von der Regierung blockiert wird. Der Presseschauer hat mal nachgefragt und die Blockadehaltung hat sich inzwischen ausgelöst, oder gab es so nie. Gute Nachricht.

Bild: Bestimmte Rechte vorbehalten von Stepheye

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