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TikTok mit über 4 Millionen Nutzer in Deutschland

Es gibt Nutzerzahlen für TikTok in Deutschland: 4,1 Millionen monatliche aktive Nutzer will der Dienst aktuell in Deutschland haben. Das geht aus einem an Digiday geleakten Pitchdeck hervor.

Geleakte TikTok Zahlen

Darüberhinaus lässt sich auch etwas über das Nutzerverhalten aus den Folien ablesen. So verbringen deutsche Nutzer im Schnitt 39 Minuten auf der Plattform und öffnen die TikTok App im Schnitt 8x am Tag. Das spricht schon für ein immenses Nutzerengangement. Zumal die Videos in der App maximal eine Minute, häufig aber nur 15-30 Sekunden lang sind. Mit diesen Zahlen kommt TikTok auf insgesamt 6,5 Milliarden Video Views / Monat. Durch die Kürze der Videos lassen sich diese Video Views natürlich schlecht mit anderen Plattformen vergleichen.

TikTok Nutzer in Deutschland
TikTok Nutzer in Deutschland. Quelle: Digiday

Außerdem sind die TikTok Nutzer in Deutschland zu 54% weiblich und nur zu 46% männlich.

Die Nutzerzahlen von TikTok sind wohl aus dem November 2018 und damit recht aktuell. Das Pitchdeck wurde über eine große Werbeagentur geleakt und präsentiert außerdem die verschiedenen Werbeformen, die TikTok anbietet.

Deutschland ist wichtigster TikTok Markt in Europa

Aus den Nutzerstatistiken geht auch hervor, dass Deutschland für TikTok der bislang stärkste Markt in Europa ist. So liegt man hierzulande mit 4,1 Millionen monatlichen Nutzern vor Frankreich (4 Mio.), UK (3,7 Mio und noch Europa) und Spanien (2,7 Mio.).

Um das mit anderen Plattformen zu vergleichen: Tik Tok ist damit durchaus in Reichweite von Snapchat. Die meldeten für Ende 2018 fünf Millionen aktive Nutzer in Deutschland. In der Verweildauer ist man aber schon vor der gelben Geister App. Dort halten sich Menschen im Schnitt nur 30 Minuten auf.

Leider haben wir keine durchschnittliche Altersangaben zu den TikTok Nutzer in Deutschland. Ich würde aber behaupten, dass es sich um die aktuell jüngste Social Media Plattform handelt. Sicher auch noch mal jünger als Snapchat.

Natürlich dürfte der stärkste Markt für TikTok weiterhin Asien sein. Dort hatte die App angeblich schon über 500 Millionen Nutzer, bevor TikTok und musical.ly zusammengelegt wurden. Musical.ly soll vor der Zusammenlegung der beiden Apps auf rund 150 Millionen Nutzer weltweit gekommen sein.

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Mein Lieblingspodcast Politik

Machiavelli – Was hat denn Rap mit Politik zu tun?

Als ich zuerst vom Start von „Machiavelli“ gehört habe dachte ich: Was ist denn das für eine seltsame Kombi? Ein Podcats zu Rap und Politik? Aber da ich Vassili noch von einem Workshop kenne dachte ich, ich höre mal rein.

Ein Podcast zu Rap und Politik

Und was soll ich sagen: Die Verbindung ist genial. Schließlich deckt so ein Podcast gleich zwei meiner Interessensgebiete gleichzeitig ab: Rap und Politik. Das Format funktioniert vor allem durch die geniale Kombi der Hosts: Vassili, dem Politik-Experten und Jan, dem Rap-Liebhaber. Beide erklären sich jeweils gegenseitig einen Aspekt und welche Rolle dieser im eigenen Themengebiet spielt. Zum Beispiel der Name: Machiavelli ist auf der einen Seite der Name des wichtigen Politiktheoretikers Niccolò Machiavelli („Der Fürst“), auf der anderen das Pseudonym des größten Rappers ever: 2Pac.  

Ich lerne immer was dazu

Dabei schaffen es Vassili und Jan, dass ihr „Unwissen“ am Thema des anderen nicht gespielt wirkt, sondern eine glaubhafte, interessierte Unterhaltung ensteht. Als jemand der beide Themen ein Stück weit verfolgt, lerne ich immer noch was dazu.

Die Überschneidung von zwei Themen funktioniert erstaunlich gut. Aber darauf hätte ich auch gleich kommen können, als jemand der einen Podcast zu Filmen und Cocktails macht.

Könnte jetzt noch jemand einen Podcast zu Wein & Social Media machen?

Machiavelli hören

Macher: Jan Kawelke, Vassili Golod, Cosmo

Homepage |iTunes | RSS

Am besten anfangen: Makiaveli vs. Machiavelli

Für Fans von Rap, Politik

Sprache: Deutscher Podcast

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Goodbye Robert – Ein Nachruf für Robert Basic

Robert Basic ist gestern, am 01.11.2018 verstorben. Das berichtet Don Dahlmann. Robert Basic war Gründer von Basic Thinking, dem lange erfolgreichsten Blog Deutschlands. Auch darüberhinaus war Robert ein Pionier des deustchen Internets und der deutschen Bloglandschaft. Doch für mich war Robert noch viel mehr.

Für mich war Robert mehr als Blogger

Robert war für mich ein persönlicher Mentor, ohne den ich heute sicher nicht da wäre wo ich bin.

Dazu muss man zurückgehen in das Jahr 2009. Ich hatte gerade netzfeuilleton.de gestartet (Wir werden dieses Jahr 10!) und schrieb einen meiner ersten Artikel über den Twitterwahlkampf von Thorsten Schäfer-Gümbel in Hessen. Damals trat „TSG“ zum ersten Mal bei einer Landtagswahl für das Amt des Ministerpräsidenten an. Und zu eben diesem Artikel bekam ich plötzlich einen Link von basicthinking.de. Als frisches Blog wurde ich vom größten Blog Deutschlands verlinkt!

Einen Pingback nannte man das damals, in einer Zeit als soziale Netzwerke, wie Twitter noch in den Kinderschuhen steckten. Diese Links verbanden die deutschen Blogs untereinander und ich fühlte mich in diesem Moment willkommen in der deutschen Blogosphäre. Wer weiß ob ich sonst 10 Jahre durchgehalten hätte.

Das erste Treffen mit Robert Basic

Kurz darauf ging ich auch zu einem Bloggertreffen, dass Robert in Frankfurt veranstaltet. Erst letztens war ich wieder im selben Cafe und dachte an das erste Treffen mit Robert zurück. Der Wahlkämpfer von Thorsten Schäfer-Gümbel war auch da. Und eine erhöhte Medienaufmerksamkeit: Robert hatte angekündigt sein Blog BasicThinking.de auf ebay zu verkaufen. Das kam damals mitten in einer Debatte um die Monetarisierung und Kommerz in deutschen Blogs. Alles harmlos im Vergleich zu desm, was heute Gang und Gäbe ist.

Roberts Ideen für die Zukunft

Das war bei weitem nicht das einzige Mal, das Robert mit seinen Ideen für Wirbel sorgte, weil sie weit in die Zukunft zeigten. Später finge er zum Beispiel an erst exklusiv bei Google+, dann bei Facebook zu bloggen. Robert ging immer mit 100% an eine Idee heran. Diese direkte Art mochte manche verschrecken, doch sie schaffte immer eine spannende Diskussion. Und am Ende waren alle einen immensen Schritt weiter.

Für mich folgten viele weitere Treffen, tagelange Workshops zu „Buzzrider“ und Wiedersehen auf etlichen Konferenzen. Dabei gab Robert mir wichtige persönliche Ratschläge, stand mir bei und zögerte nicht, mich mit gerade mal Anfang 20 anderen als Berater oder Social Media Stratege zu empfehlen.

Robert Basic brachte Menschen zusammen

Bei unserem letzten Treffen holte er mich mit einem Auto ab, dass er zum Testen dabei hatte. Wir holten Ella von Coultique und Theo ab, fuhren einfach nur durch die Gegend, sprachen über Gott und die Welt und verbrachten einen wunderschönen Tag in Ladenburg.

Darin war Robert wohl am besten: Unterschiedliche Menschen zusammenzubringen und daraus ein spannendes Gespräch entstehen zu lassen.
Ohne ihn hätte es die deutsche Blogosphäre so wohl nie gegebene – und ich wäre kein Teil von ihr.

Danke Robert.

Bild: CC BY-NC-SA 2.0 Timo Heuer

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Medien Politik Video

FOX News & Die beschissenste Verschwörungstheorie aller Zeiten

Mit Hilfe von FOX News baut Donald Trump und die Republikaner eine Verschwörungstheorie auf, um die Muller Investigation in Misskredit zu ziehen.

Die Muller-Investigation gegen Donald Trump läuft mittlerweile seit über einem Jahr. Hat aber nicht an Brisanz verloren. Im Gegenteil. Das FBI ermittelt noch immer, ob es eine unerlaubte Zusammenarbeit zwischen russischen Kräften und dem Trumpwahlkampf gegeben hat. Zuletzt sah Trump sich genötigt schon mal im Voraus klar zustellen, dass er sich zur Not selbst begnadigen kann.

Die Trump-Ermittlungen: Zwischen Hexenjagd und Verschwörungstheorie

Dementsprechend läuft auch an anderer Stelle seine Verteidigungsstrategie. Wie auch dieser Tweet zeigt, wird die Ermittlung an jeder möglichen Stelle von Trump, Fox News und anderen Republikanern als „Hexenjagd“ betitelt. Damit will man Zweifel sähen.

John Oliver zeigt nun mit welcher Konsequenz vor allem Fox News sich haarsträubende Strohmänner, Zusammenhänge und Verschwörungen zusammen dichtet, um Trump in Schutz zu nehmen. Ziel ist vor allem die Bevölkerung zu überzeugen, dass dahinter nur ein Vorstoß der Demokraten ist, um den ungeliebten Trump loszuwerden. Abgeschaut haben könnte Trump sich das ausgerechnet bei Bill Clinton, der es damals ebenfalls schaffte sein Impeachment Verfahren entlang der Parteilinien zu organisieren.

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Gesellschaft

Warum man keine Menschen ausgrenzen darf – in einem einfachen Farbbeispiel

Wir sollten niemals Menschen ausgrenzen, egal wie so. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um die Hautfarbe, Religion oder Gesinnung geht – es hat immer dieselben Folgen. Menschen, die aufgrund eines einzelnen Merkmales ausgegrenz werden bleibt nichts anderes übrig, als sich mit „ihresgleichen“ zusammen zu tun. Und dadurch führt Ausgrenzung zwangsläufig zu einer Radikalisierung. Wenn man auf ein Merkmal beschränkt wird, bleibt einem gar nicht viel anderes übrig als genau darin eine Stärke zu suchen, den als etwas anderes wird man ja sowieso nicht mehr wahrgenommen.

Ausgrenzung mit Farben erklärt

Um das ganze erst Mal abstrakt und universell zu machen, habe ich versucht Diskriminierung mal mit Farben zu erklären. Eine bunte Gesellschaft, in der sich eigentlich alle vertragen. Bis eine Farbe ausgestoßen wird.

Du sollst keine Facebook-Freunde löschen

Zusätzliche Brisanz bekommt das ganze in Zeiten von Filterblasen und Newsfeeds: Wenn ich hier einzelne Menschen ausgrenze, also zum Beispiel als Freund löschen, weil mir ihre Meinung nicht passt zwänge ich sie noch mehr in diese Meinung. Denn meine Gegenmeinung und mein Gegengewicht sehen sie damit auch nicht mehr. Sie sind nur noch unter ihresgleichen. Deshalb: Du darfst keine Facebook-Freunde löschen. 

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Politik Satire Video

Trump Prayer Day Video Meets THE EXORZIST [Remix]

Vor ein paar Tagen ging dieses Video zum „Trump Prayer Day“ viral, in dem Trump und seine Vizepräsident Mike Pence im Oval Office ein Gebet für die Opfer des Hurricane Harvey veranstaltet. Wobei man sagen muss, dass die evangelikalen Führer, eher für Trump und Pence beten als die Opfer. Und um das auszudrücken, legen sie jeweils ihre Hände auf den Präsidenten Trump und seinen Vize.

Die Geste erinnerte einige auf Twitter stark an Vodoo, während andere die Trennung von Church und State in Gefahr sahen. Jedenfalls schlug in diesem ganzen Trubel jemand vor, doch die Szenerie mit der Teufelsaustreibungsszene aus „The Exorzist“ zu mischen. Dem habe ich mich mal angenommen, es synct zwar nicht perfekt und ich hatte nur die Mittagspause Zeit, aber es passt dann irgendwie doch.

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Bewegen & Beschäftigen Mein Lieblingspodcast

Endlich Podcaster: Hört Gucken & Trinken!

Ich weiß noch, wie ich 2012 während der CeBit in irgendeinem komischen Gästezimmer im Vorort von Hannover saß und plötzlich Podcastfan war. Also richtiger Fan.

Plötzlich war ich Podcast-Fan

Ich habe schon länger Podcast gehört, über Tim Pritlove und seine Metaebene, Alternativlos, Holger Klein, aber in diesem Moment war ich tief im 5by5-Universum. Dem Technik Podcast-Label, das damals noch vielen großen Tech-Shows, wie der Talkshow, Hypercritical oder Build & Analyze eine Heimat bot. Eine ganze Welt tat sich mir auf. Ähnlich, wie bei YouTube. Ein Medium mit einer ganz eigenen Herangehensweise und Mechanismen, mit Verknüpfungen zwischen Menschen und Shows.

Plötzlich will ich Podcaster werden

Inzwischen höre ich weniger 5by5 und viele Shows vom Relay.fm. Aber wie das so bei mir, wenn ich von einem Medium fasziniert bin, will ich es immer auch selbst ausprobieren. Verstehen, was es braucht um es zu produzieren und was es wirklich braucht um auf Publish zu drücken. Natürlich habe ich mich viel zu lange mit der Technik beschäftigt. Das Podcastingmic steht hier schon seit ein paar Jahren und mit ihm kamen und gingen Podcast-Ideen. Interview-Shows oder doch Social Media News? Aber das mache ich doch schon überall. Und dann bin ich immer wieder vor Organisation und Aufwand zurückgeschreckt.  Doch jetzt ist es soweit.

Cocktails & Filme -> Gucken & Trinken

Warum nicht mal Abstand von Social Media gewinnen und zwei ganz andere Leidenschaften miteinander verbinden? Meine lange laienhafte Bestrebung Film und visuelle Medien zu verstehen und der wachsende Geschmackssinn für gute Drinks. Beides habe ich mir zeitweise sogar zur Hauptaufgabe gemacht. Ich habe Filmwissenschaften studiert und viele Jahre als Barkeeper in mehreren Bars angeheuert. Jetzt verbindet sich beides zu einem Podcast: Gucken & Trinken. Ergänzt durch die wunderbare Marina von meinvorgestern.de, die einen eigenen Blick für das alte Hollywood, dessen Diven und die Eleganz mitbringt, die zu einem guten Cocktail gehören.

A Big Tall Martini -Cocktail PodcastGucken & Trinken: Ein Podcast über Hollywood und seine Drinks

Und deshalb gibt es jetzt Gucken & Trinken, einen Podcast, der sich den Drinks in Filmen widmet, der deren Geschichte und Rezept verrät und gleichzeitig den Film verspricht. In der ersten Folge tauchen wir direkt ins klassische Hollywood ab und trinken mit Marylin Monroe einen „Big, tall, Martini!“ gemäß ihrer Bestellung in „Das verflixte 7. Jahr“.

Abonnieren kannst du den Podcast direkt hier und natürlich freuen wir uns über Feedback und Filmvorschläge.

Alles weitere zu dem Podcast findet ihr unter gucken-trinken.de. Viel Spaß und Danke fürs Hören.

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Bist du Teil des Systems?

Warum war Hillary Clinton für so viele unwählbar? Weil sie als Teil des System Washintons galt. „Lügenpresse“-rufer gehen von einer Systempresse aus. Und alles, was zum System gehört ist für sie unglaubwürdig.

Wie kann die „Lügenpresse“ Vertrauen zurückgewinnen?

Die Frage ist wie kann man dieses Vertrauen zurückgewinnen? Was tun wenn es plötzlich ein Nachteil wird seriös zu sein? Erfahrung und Standards zu haben? Wie kann man sich überhaupt gegen solch einen Vorwurf behaupten, wenn alles – fast schon verschwörungstheoretisch – dann doch nur zum Teil des Systems gehört?

Mit diesen Fragen habe ich mich heute auf meinem Livespaziergang beschäftigt. Wer beim nächsten Mal mit dabei sein möchte, folgt am Besten meiner Facebookseite. Normalerweise laufe ich da so morgens um 08.00 Uhr los.

 

 

 

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Wie das Silicon Valley Donald Trump vorbereitet hat

Disruption war die letzten Jahre das Mantra des Silicon Valley. Es konnte gar nicht genug disrupted werden: Geschäftsmodelle, Branchen, Vorschriften und Regeln. Uber wurde dafür gefeiert, das es seinen Service über alle Gesetze hinweg ausgebreitet hat. Genau in dieses Mindset tritt irgendwie auch Donald Trump: Ein Präsident der sich nicht um Gepflogenheiten und etablierte Abläufe oder diplomatische Etikette schert. Darüber spreche ich in meinem Weg zur Arbeit: Wie diese gesellschaftlichen Strömung mit dem politischen System kollabieren.

Täglicher Livestream auf Facebook

Und ich mache das jetzt regelmäßig. Wer live dabei sein möchte folgt mir am Besten auf Facebook.

 

Auf YouTube gibt es jeweils nur die Nachlese. Ich freue mich aber auch im Nachhinein über eure Kommentare und Gedanken, weil ich glaube, dass es diese braucht um den Wandel der sich hier manifestiert in seinen Auswirkungen zu verstehen.

 

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Das Ding mit der Wahrheit

Komisch – es ist 2017, die Menschheit und explizit unsere Gesellschaft in Europa ist so fortschrittlich entwickelt und immer wieder habe ich dennoch den Eindruck, dass wir in grundlegenden Dingen nicht vorankommen, nichts dazulernen und uns immer wieder in gleichen Verhaltensmustern suhlen. Wir haben Kleinstaaterei, Fürsten, Könige, Kaiser, Diktatoren, Präsidenten, Kanzler erlebt. Anarchie, Monarchien, Diktaturen, Sozialismus. Wir leben heute in der besten Staatsform, die wir kennen: in einer Demokratie, die allen Nationalitäten, Hautfarben, Gesinnungen und Glaubensrichtungen gleiche Freiheiten und Rechte zugesteht. Welch ein Triumph! Und dennoch kriselt es, Menschen zweifeln, rennen scheinbaren Wahrheiten hinterher und sind zunehmend unfähig, selbst zu entscheiden und zu bewerten, was eigentlich wahr ist, was Fakt ist. Schlimmer noch, sie wollen es nicht wissen und nehmen nur das als Wahrheit, was ihrer Weltsicht am zuträglichsten ist.

Was ist denn eigentlich Wahrheit?

Und es ist eine gute Frage: Was ist denn eigentlich Wahrheit? Für mich ist Wahrheit eine Summe von Thesen, belegbar durch Fakten. Zahlen. Zeugen. Bilder. Dokumente. Wahrheit ist keine Vermutung. Wahrheit schaut nicht auf ein Foto sondern betrachtet den Kontext, in dem es entstand. Wahrheit ist ausgewogen und betrachtet verschiedene Blickwinkel, ist unabhängig und kritisch. Wahrheit zensiert nicht, noch wertet sie. Wahrheit ist nicht subjektiv sondern immer etwas, was von unabhängigen Stellen belegt werden kann. Eine unabhängige Suche nach Wahrheit fragt Menschen außerhalb der eigenen Peer-Group, am besten ohne Interessen und Abhängigkeiten zum eigenen Thema aber eben mit genug Expertise, dennoch urteilen zu können. Möglicherweise kommt dort heraus, dass das, was ich gerne glauben möchte, Grundlagen entbehrt.

Wahrheit ist nicht immer das, was man gerne hören möchte. 🐦

Wahrheit ist also nicht immer das, was man gerne hören möchte.
Ein Raucher hört vielleicht nicht gerne die Wahrheit, dass er durchs Rauchen sein Leben ruinieren könnte. Ein dicker Mensch vielleicht nicht, dass die Süßigkeiten, die er so gern isst, ungesund sind. Ein kleines Kind nicht, dass früh schlafen zu gehen besser ist, als lang aufzubleiben. Wir haben eine Komfortzone und Wahrheit verschiebt deren Grenzen. Das kann unangenehm sein.

Wahrheit braucht Unabhängigkeit

Wahrheit braucht Unabhängigkeit. Das Ergebnis dieser Unabhängigkeit ist oft kontrovers, insbesondere für die, die ja eine andere Überzeugung und andere Glaubenssätze haben. Sicher hat Wahrheit auch immer wieder mit großen Graubereichen zu tun und kommt nicht sofort zu ihrem letzten Schluss. Wahrheit ist also oft nicht sofort ersichtlich sondern braucht Zeit. So, wie das Denken Zeit braucht. Oder das Malen eines Bildes. Wahrheit erfordert, zu recherchieren, nachzufragen, mit unterschiedlichen Strömungen zu sprechen und deren Fakten und Belege gegeneinander aufzuwiegen, zu dokumentieren und in Bezug zueinander zu stellen. Das braucht Zeit. Wahrheit verträgt keine kurzfristigen Urteile.

Wahrheit ist sehr verletzlich

Leider scheint Wahrheit sehr verletzlich. Sie war es wohl schon immer. Sie musste oft klein beigeben und kam hinter dem lauten Gerufe einer alternativen Wahrheit nicht zu Gehör. Immer wieder in der Geschichte haben Menschen ihre eigene Wahrheit als Machtmittel über andere missbraucht. Die Religionen und ihre Strömungen. Zahlreiche Diktatoren und Regierungen. Wahrheiten in Bezug auf die Fragen unserer Welt sind selten schön und noch seltener einfach. Klimapolitik: Ist nicht einfach. Sicherheitspolitik: Ist nicht einfach. Welthandel: Ist nicht einfach. Europa: Ist nicht einfach. Flüchtlingspolitik: Ist nicht einfach. Je unangenehmer und komplexer die Wahrheit ist, desto schwerer wird sie akzeptiert.

Je einfacher sie aber scheint, je kurzfristiger ihr Problemlösungsansatz und je schöner die rosigen Folgen für jeden einzelnen, desto dankbarer springen die Menschen auf. Wenn mit Mauern und Zäunen, Abschottung und Kontrolle, Eigenbrötlerei statt Kooperation, mit Kleinstaaterei und Fingerzeig eine Problemlösung daherkommt, wird sie nur zu gerne als einfache Wahrheit angenommen. Da unterscheidet sich die wahrgenommene Wahrheit wenig von einem Tipp zur immer schon gewollten Schlankheit mit der neuesten Diät. Nur hat der Nutzen einer scheinbaren einfachen Wahrheit keine Schnittmenge mit der nachhaltigen Lösung von Problemen durch ausgewogene, ehrliche und vielseitige Betrachtung, eben durch die wahre Wahrheit. Eine scheinbare, alternative Wahrheit ist nur eins: Eine Lüge.

Höchste Zeit die Wahrheit zu verteidigen

Perfide ist, eben diese ausgewogene, ehrliche, faktentreue und vielseitige Betrachtung als Lüge und die, die sie recherchieren, belegen und verbreiten als Lügner abzutun: die Reporter, Journalisten, Wissenschaftler, Zeitzeugen, Historiker. Wenn das nun nicht mehr nur die machen, die es nicht besser wissen, wenn sie montags in Dresden auf die Straße gehen sondern nun gewählte Staatsmänner und die, die es bei uns gerne werden wollen: wenn Unwahrheit salonfähig werden soll, wenn Kritiker ausgeladen werden, weil ihre Einschätzung die eigene Wahrheit stört – dann ist es höchste Zeit die echte Wahrheit zu verteidigen und für Freiheit, Unabhängigkeit und Offenheit einzustehen und scheinbare Wahrheiten an jeder Stelle jedem gegenüber zu enttarnen und offen zulegen.

Lasst es uns nicht dabei belassen, die zu verteufeln und abzulehnen, die einer alternativen Wahrheit anhängen. So schwer es fällt: Wir müssen kommunizieren. Uns erklären. Die Fakten darlegen. Immer wieder. Mit offenem Visier. Vielleicht 1000 mal. Nur dann bleiben wir das, was wir gerade noch sind: Frei im Handeln, frei im Denken, weltoffen, mitfühlend, solidarisch, europäisch. Andersdenkende, Wahrheit, Fakten und Beweise abzulehnen, weil sie einem nicht gefallen oder schlimmer noch, sich nicht einmal damit auseinanderzusetzen: Das ist töricht, des 21. Jahrhunderts unwürdig und brandgefährlich. Für uns alle.