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LeFloids Falschmeldung in LeNews – Bildblog, Buzzfeed & Tilo Jung

Bildblog nimmt LeFloid auseinander

YouTuber ernst nehmen, dazu hatte vor kurzem schon Jan Böhmermann aufgerufen und es auch direkt wahr gemacht. Jetzt dringt auch LeFloid in Spähren vor, die bislang klassischen Massenmedien vorbehalten waren: In seiner Show LeNews hat er vor kurzem berichtet das Putin Beweise veröffentlichen will, die zeigen sollen, das 9/11 ein Inside Job war. Diese Falschmeldung in LeNews und die mangelnde Recherche nimmt jetzt das Bildblog auseinander.

#LeFloid lässt Putins 9/11-Bombe auf Youtube hochgehen

Update: LeFloid hat auf Facebook auf den Fehler reagiert

 

Jung & Naiv ohne Ahnung & Haltung

Tilo Jung stellt seine naiven Frage nicht nur in länglichen Interviews an die Politiker, sondern auch direkt in der Bundespressekonferenz. Davon haben sich nun einige Kollegen genervt gefühlt, worüber sich Tilo Jung wiederum beschwert hat. Nun hat Falk Steiner in einem differenziertem Text erklärt, was die Bundespressekonferenz eigentlich sein und ausmachen soll und warum einige Kollegen eben genervt sind, wenn jemand ahnungslos dort hineintappt und Fragen stellt, die kurz vorher schon beantwortet wurden. #Der kleine Unterschied: Ahnung und Haltung

Wie BuzzFeed Video arbeitet

ZeFrank ist so etwas wie Webvideourgestein und inzwischen President der Buzzfeed Motion Pictures, d.h. er ist auch für die 50 Videos die Woche verantwortlich, die Buzzfeed so auf allen möglichen Kanälen raushaut. John August dagegen ist Drehbuchschreiber für klassische TV-Shows und Filme und die beiden saßen bei der Recode Media zusammen auf der Bühne. Einmal ist es total spannend von ZeFrank zu hören, wie sie arbeiten und das er eine ganz neue Art von Talent entdeckt und fördert: Statt strenger Arbeitsteilung eher Multitalente, die ein Video von Anfang bis Ende begleiten. Dann unterhalten sie sich noch über das Video “Wierd things all Couples fight about” und John August bemerkt, dass es sich dabei an sich auch um eine Szene aus einer Sitcom handeln könnte, nur das es an allem fehlt was eine Sitcom ausmacht: Dem Kontext, der Backstory, Eigenheiten der Charaktere: Die zwei sind einfach da und unterhalten sich. Der Kontext entsteht erst im Nachhinein: Wenn Pärchen sich gegenseitig das Video auf Facebook schicken und sagen: Guck so sind wir auch. Und schon hat das Video massig an Backstory. #Ze Frank Shares the Secrets of BuzzFeed’s Video Success at Code/Media Die morgenlinks genießt man übrigens am besten wöchentlich als Newsletter [mc4wp_form]

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Bewegen & Beschäftigen Gesellschaft

Warum wir uns gerne Spitzel ins Haus holen

[dropcap type=“2″]B[/dropcap]esprechen sie private Dinge auf dem Sofa? Dann hört ihr Fernseher vielleicht schon zu. Die aktuellen Nutzungsbedingungen der Samsung SmartTVs warnen davor sensible Gespräche im Wohnzimmer zu führen, denn die Sprachsteuerung der neuen Geräte lädt all das in die Cloud, um es zu analysieren. Es könnte ja ein Umschaltbefehl dabei sein.

Das Wohnzimmer ist nicht mehr privat

Vor ein paar Jahren machte Martin Sonneborn in der heute-show den Gag, den Menschen zu Hause „Google Homeview“ installieren zu wollen. Kleine Kameras und Mikrofone wollte er den Leuten dabei ins Wohnzimmer stellen. Und während es gegen Google Streetview übertriebene Protest gab, weil ein Konzern den öffentlichen Raum für bessere Straßenkarten fotografierte, holen wir uns inzwischen die Wanzen freiwillig ins Haus.

Siri lauscht neben dem Bett auf Befehle

Mit dem Smartphone haben wir sogar permanent ein Mikrophon in der Tasche. Und so liegt nachts nicht nur meine Freundin neben mir, sondern auch Siri und wartet bereitwillig auf Befehle. Zum Beispiel auf wie viel Uhr sie den Wecker stellen soll.

Ein Vergleich zwischen Samsungs SmartTV Nutzungsbedingungen und George Orwells „1984“

Doch warum protestieren wir gegen einen Kartendienst, holen uns aber andere Spitzel gerne ins Haus? Ich würde auf den individuellen Nutzen tippen. Wenn ich Google verrate wohin ich verreise, kann es mich sofort mit dem aktuellen Wetter, Flugdaten und dem elektronischen Ticket versorgen und mir schon im Voraus ein Bild vor Ort vermitteln – wenn nicht alle ihre Häuser verpixelt haben. Wenn Facebook weiß, wann ich zur Schule gegangen bin und wo ich gearbeitet habe, desto besser kann es mir Freunde aus diesen Zeiten vorschlagen. Und mit den Händen voller Pizzateig ist es leichter Siri zu bitten einen in sieben Minuten daran zu erinnern in den Ofen zu schauen, als mit klebrigen Fingern eine Eieruhr zu stellen.

Es war noch nie so vorteilhaft Privatsphäre aufzugeben

Tatsächlich hatte man noch nie zuvor so viele direkte, individuelle Vorteile davon persönliche Daten preiszugeben. Wo früher Daten noch über Gewinnspiele mit geringen Chancen oder über Zeitungsabonnements abgegriffen wurden, sind sie heute Teil des Produktes. Das Produkt verbessert sich für mich sogar immer weiter, je mehr Daten ich zur Verfügung stelle. Auch heute bekomme ich dafür unerwünschte Werbung zu sehen. Diese orientiert sich online aber zumindest an meinen Interessen, im Gegensatz zu den Telefonanrufen von Gastarifvergleichsportalen. Auch die Totalüberwachung durch die Geheimdienste bringt mir keinen individuellen Nutzen. Das mit dem Terroranschläge verhindert klappt ja nicht so gut. 

Ein ständig lauschender Fernseher erspart mir zumindest das Suchen nach der Fernbedienung.

Bild: CC BY 2.0 Jason Rogers
Dieser Text erschien zunächst als Kolumne in der Allgemeinen Zeitung

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Großes Kino Video

5 Gründe warum Pornostars „50 Shades of Grey“ hassen (NSFW)

Die Pornorstars Nadia Styles, Mercedes Carrera, und Nina Elle erklären für „Funny or Die“ warum sie „50 Shades of Grey“ unter aller Kanone finden. Und was sie alles besseres vorschlagen könnten, als sich einen stupiden Film mit einem dominanten Kerl in der Hauptrolle anzuschauen.

„Why would you spend 15$ to watch simulated sex, if you could just type my name in to google and watch me do everything they pretend to do for free.“

 

 

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Politik

Folgen von Freihandelsabkommen: Tabakkonzerne verklagen ganze Länder

John Oliver ist endlich mit einer neuen Staffel „Last Week Tonight“ zurück und nimmt sich gleich mal die Tabakkonzerne vor. Diese haben nämlich so langsam ein Problem mit den immer größeren Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln, vor allem seit dem ein neues Gesetz in Australien diese so groß gemacht hat, dass der eigene Markenname nur noch ganz klein auf die Packung passt.

Philip Morris verklagt Australien aufgrund von altem Handelsabkommen

Was folgt ist ein Paradebeispiel dafür, weshalb TTIP und andere Handelsabkommen so gefährlich sind: In Reaktion will Philip Morris International nun Australien Aufgrund irgendwelcher Handelsabkommen verklagen. Dafür hatte PMI sein Australiengeschäft extra vorher nach Hongkong verlegt, weil ein Abkommen von Australien und Hongkong vorsieht das die Markenrechte untereinander geschützt werden und Philip Morris sieht diesen Punkt jetzt eben als verletzt an. Und kann in der Folge Australien vor ein internationales Gericht ziehen.

Große Konzerne gegen kleine Länder

Nun ist Australien nur ein Beispiel und zumindest nicht das kleinste oder ärmste Land der Erde. Anders als Togo. Auch das sieht sich einer Flut von Klageschriften von verschiedenen Tabakkonzernen gegenüber, die gegen den Plan vorgehen wollen grafische Warnhinweise auf Zigarettenschachteln anzubringen. Dabei helfen nur diese bei der hohen Analphabetenquote in Togo. Der Vergleich zwischen dem BIP Togos und der Einnahmen von Philip Morris zeigt, wie schnell sich hier Gleichgewichte verschieben und was es heißen kann wenn ein Milliardenkonzern ein Land verklagt.

TTIP - Tabak

Neben der großartigen Vermischung von Information, Unterhaltung und Aktivismus durch John Oliver ein anschauliches Beispiel, warum die Schiedsgerichte die uns hierzulande mit TTIP drohen so eine fiese Sache sind.

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Youtube News & TV 2.0

„YouTuber wollen nur das Taschengeld von 13-Jährigen“ – Jan Böhmermann

[dropcap type=“2″]J[/dropcap]an Böhmermann hat sich nun schon wiederholt YouTuber wie Dner, Simon Unge und Sami Slimani vorgenommen. Direkt in seiner ersten Sendung des Neo Magazin Royale im Hauptprogramm verkündete er zunächst den Hashtag #ungefickt mit Anspielung auf Simon Unge. Davor lieferte er sich schon einige Twittersticheleien mit Dner wegen seines früheren AfD-Engagements.

Mit Sami Slimani gab es sogar schon juristische Spielereien als dieser einen Böhmermann Clip auf YouTube löschen ließ.

[quote_center]“Eine Mischung aus der Coolness von QVC und der Seriosität von 9Live“[/quote_center]

Doch in der aktuellen Sendung holt Böhmermann noch mal zum großen Schlag aus und zielt vor allem auf die Produktplatzierungen und das Management der YouTuber dahinter. Namentlich den Musiker Tom Beck der mit seiner Check12Perfect GmbH unter anderem Bibis Beauty Palace Vertrag hat. Bibi heißt eigentlich Bianca Heinicke und ist mit 1,6 Millionen Abonnenten die größte YouTuberin in Deutschlands.

Böhmermann über die YouTuber Dner, Unge, Bibi und Sami Slimani

Er wirft den YouTubern vor allem vor mit verschleierten Werbepraktiken ihren jugendlichen Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen und für Produkte zu werben, die sich die Teenager gar nicht leisten können. In ihren Videos spielen Dner, Unge und Co. dabei die authentische Jungs von neben an, die nur versuchen ein bisschen Geld zu verdienen.

Böhmermann hatte breits in einem Interview mit zqnce angekündigt in Zukunft die YouTuber häufiger ins Visier zu nehmen. Schließlich sind daraus echte Stars geworden, die oft eine größere Reichweite als die meisten deutschen Tageszeitungen hinter sich versammeln und deshalb genauso durch den Kakao gezogen gehören, wie andere Stars.

 

Mehr zu #YoutubeDeutschland und aktuellen Entwicklungen in den Medien gibt wöchentlich per Newsletter:
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Facebook als Steve Jobs des Journalismus

This is the publishing industry’s iTunes moment — and we’re blowing it.

Als die Musikindustrie in der Krise steckte kam Apple mit iTunes als Retter um die Ecke. Gleichzeitig konnte Apple zu dem Zeitpunkt aber auch die Konditionen diktieren: Tracks wurden einzeln verkauft und zu einem festgelegten Preis. Der Journalismus steht an einer ähnlichen Schwelle: Die Inhalte werden ungebündelt verteilt und konsumiert und Facebook bietet sich in der Krise als Plattform an. Kann aber nach gutdünken die Regeln ändern, zum Beispiel in dem es die eigene Video Funktion pusht.

Diesen spannenden Vergleich zieht Mat Yonan, Audience Developmer bei der New York Times und stellt einige interessante Fragen auf die wir in nächster Zeit wohl Antworten suchen werden.

#Please, (Insert Tech Platform) Here, Take My Business!

10 Jahre YouTube – und mehr Konkurrenz als je zuvor

YouTube feiert gerade sein 10-Jähriges steht im Mittelpunkt wie nie zuvor, gleichzeitig tauchen aber an allen Enden auch neue Konkurrenten auf. Vor allem weil YouTube selbst Lücken geschaffen hat: Durch die gezielte Professionalisierung der Plattform wandern die wirklichen Amateur-Inhalte eher zu Facebook oder Snapchat. Aber so hat YouTube selbst ja auch angefangen.

Betram Gugel hat einen spannenden Marktüberblick verfasst:

#YouTube im Kreuzfeuer. Facebook, Twitter, Twitch und Snapchat greifen an.http

Print als Abfallprodukt

Der Nordbayerische Kurier setzt ab sofort auf das Modell “Online to Print”. Also alle Inhalte werden zunächst einmal gezielt für online erstellt und daraus wird dann im Nachhinein die Zeitung zusammengestellt. Als ich vor einem Jahr in den USA verschiedene Medienhäuser besichtigt habe, haben die bereits alle so gearbeitet. Hier macht das meines Wissens bislang vor allem die Welt und eben der Nordbayerischen Kurier. Ralf Heimann hat die Regionalzeitung besucht:

#Umblättern in Kopf – Ein Besuch beim nordbayerischen Kurier

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Warum YouTube MusicKey sich nicht für kleine Künstler lohnt

Warum YouTube Musik Key sich nicht für kleine Künstler lohnt

– Und wie sie trotzdem im Netz Geld verdienen können 

Zoë Keating hat mit ihrem Protest gegen Youtube Music Key einiges an Aufmerksamkeit erhalten. Youtube zwingt sie quasi ihre Videos zum Teil des eigenen Musikstreamingdienstes zu machen oder sie nicht länger monetarisieren zu können.
Ben Thompson von Stratechery schreibt auf, warum es für Zoe eine ganz schlechte Idee da mitzumachen. Und da macht er selbst eine ganz Interessante Rechnung für alle Medien auf:

Onlinegeschäftsmodelle

Das bedeutet, dass es vor allem der Werbeansatz für kleine Nischenproduzenten, seien es nun Medienmacher oder Musiker, weniger funktioniert. Vor allem in Zeiten von fallenden Werbepreisen sollten diese sich eher darauf konzentrieren von ihren echten Fans direkt Geld einzusammeln.

#Ben Thompson, Stratechery.com: Dear Zoë Keating, tell Youtube to take a hike.

Ben Thompson fährt das Modell übrigens selbst mit seinem Blog und verlangt für eine Abonnement seiner täglichen Mails 10$ im Monat. Die ich gerne bezahle.

Kriegsziel Kunde: Onlinewerbung im Jahr 2015

Noch jemand, der es versteht sein Blog gezielt zu monetarisieren ist Richard Gutjahr, er hat gerade einen neuen Zugang über Zeitpässe gestartet. Und er hat Werbepapst Amir Kassei zum Gespräch gebeten über die andere Geschäftsstrategie der Medien: Werbung. Warum ist gerade Onlinewerbung im Jahr 2014 immer noch furchtbar Pop-up, under, over? Was bringen Wearables und Facebook Video?

#Richard Gutjahr, Amir Kassei, gutjahr.biz: Kriegsziel Kunde: Zum Zustand der Online-Werbung 2015

Ich empfehle die Audioversion des Interviews.

Wie Facebook sich Redakteure outsourced

Apropos Facebook Video: Die Bevorzugung der eigenen Videofunktion war ein erster Schritt Inhalte direkt zu sich auf die Plattform zu holen. Das könnte sich aber ausweiten und auch für andere Inhalte immer wichtiger werden. Auf diese Art und weise holt sich Facebook Journalismus und hochwertige Inhalte ins Haus, ohne selbst Redakteure beschäftigen zu müssen. Andersherum sind die meisten Medienhäuser längst süchtig nach der Reichweite auf Facebook und tuen alles um diese zu erhöhen. LousyPennies hat dies nun nochmal zusammengefasst:

#Karsten Lohmeyer, Lousypennies.de: Facebook baut gerade einen Todesstern – und könnte den Journalismus verändern

Martin Giesler hat auch schon etwas zu dem Thema geschrieben und wenn alles glatt läuft halte ich mit ihm dazu auch einen Vortrag auf der #rp15.

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Youtube News & TV 2.0

Revolution in #YoutubeDeutschland

Kurz vor Weih­nach­ten ver­fass­ten et­li­che Ju­gend­li­che Tau­sen­de Posts auf dem Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter mit dem Hash­tag #Frei­heit. In die­sen Tweets ging es nicht et­wa da­rum, für un­ter­drück­te Völ­ker Be­frei­ung von ih­ren Des­po­ten zu for­dern – oder die in­haf­tier­te Whist­le­blo­we­rin Chel­sea Man­ning zu be­frei­en. Statt­des­sen ging es um ei­nen You­tu­ber. Si­mon Un­ge spielt vor der Ka­me­ra Vi­deo­spie­le oder fährt mit dem Long­bo­ard durch ganz Deutsch­land. Er hat­te ei­nen Ver­trag mit sei­nem Netz­werk Me­dia­kraft un­ter­schrie­ben, aus dem er jetzt vor­zei­tig ent­las­sen wer­den woll­te. Öf­fent­lich be­ging er den Ab­schied aus sei­ner selbst ver­schul­de­ten Un­mün­dig­keit. Er be­schim­pfte Me­dia­kraft als „Scheiss­hau­fen“ und pran­ger­te Me­dia­krafts Ge­schäfts­ge­ba­ren an.

Für Mediakraft geht es steil bergab

Und sei­ne Fans spran­gen ihm scha­ren­wei­se bei. Für das Netz­werk Me­dia­kraft, das vor al­lem die Wer­bevermark­tung für Un­ge und an­de­re You­tu­ber über­nimmt, geht es seit­her steil berg­ab.
Nach­dem noch wei­te­re You­tu­be-Grö­ßen ih­ren Weg­gang be­kannt ga­ben, ha­ben erst der Ver­mark­tungs­chef und kurz da­nach der Prä­si­dent des Un­ter­neh­mens, Christ­oph Krach­ten, ih­re Pos­ten nie­der­ge­legt.
Das ist in et­wa so, wie wenn ei­ni­ge gro­ße Mu­si­ker ihr Mu­sik­la­bel ver­las­sen und da­nach die Un­ter­neh­mens­füh­rung aus­ge­tauscht wer­den muss. Christ­oph Krach­ten hat­te mir ge­gen­über in ei­nem In­ter­view we­ni­ge Wo­chen zu­vor Me­dia­kraft noch als „Ma­jor­la­bel“ im You­tu­be-Be­reich be­zeich­net. Das zeigt die Kraft die­ser You­tu­ber: Si­mon Un­ges Ab­schieds­vi­deo wur­de in­zwi­schen drei Mil­lio­nen Mal auf­ge­ru­fen. Auf You­tu­be sind Stars her­an­ge­wach­sen ab­seits des Mains­tre­ams.

Stars ohne jemals im Fernsehen aufgetaucht zu sein

Hier wird die wah­re Re­vo­lu­ti­on deut­lich: Wäh­rend im aus­tra­li­schen Dschun­gel Pro­mis sit­zen, für die sich im­mer we­ni­ger Zu­schau­er in­te­res­sie­ren und de­ren Pro­mi­nenz le­dig­lich aus der Teil­nah­me in an­de­ren Fern­seh­sen­dun­gen be­steht, ist ei­ne jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on so­zu­sa­gen aus ih­ren Kin­der­zim­mern her­aus be­rühmt ge­wor­den. Oh­ne zu­vor je­mals im Fern­se­hen auf­ge­taucht zu sein.

You­tu­ber haben ihr ei­ge­nes Me­die­nim­pe­ri­um er­schaf­fen

An den Mas­sen­me­dien vor­bei ha­ben sie sich ih­re ei­ge­ne treue Fan­ba­sis auf­ge­baut. Mit ei­ner Bin­dung, die viel nä­her und in­ti­mer ist als die zu ei­nem Stern­chen, das sich im Dschun­gel die Blö­ße gibt.
Si­mon Un­ges neu­er You­tu­be-Ka­nal hat­te in­ner­halb von 24 Stun­den über 400 000 Abon­nen­ten ver­zeich­net. Als der Fern­seh­sen­der WDR vor Kur­zem ei­nen neu­en You­Tu­be-Ka­nal star­te­te, brach­te er es in 24 Stun­den auf ge­ra­de mal rund 400 Abon­nen­ten. Und Un­ge braucht für sei­nen You­tu­be-Ka­nal we­der ein von ei­nem In­ten­dan­ten un­ter­zeich­ne­tes For­mu­lar noch ei­nen kom­plet­ten Fern­seh­sen­der im Rü­cken, um für ein gro­ßes Pu­bli­kum zu pro­du­zie­ren. So ha­ben er und vie­le an­de­re You­tu­ber ihr ei­ge­nes Me­die­nim­pe­ri­um er­schaf­fen – und sie al­lein sind da­rin die trei­ben­den Kräf­te.

Dieser Artikel erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung
Bild: Revolution von 
Alessandro Pautasso (CC BY-NC-ND 2.0)

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Politik

Die Satire der Vorratsdatenspeicherung

[dropcap type=“2″]G[/dropcap]lauben Sie, dass es einen Terroranschlag verhindern könnte, wenn die Polizei genau wüsste wann Sie mit wem vor sechs Monaten telefoniert haben?

Falls ja, sollten Sie sich schleunigst bei der Polizei melden. Falls nein, sollten Sie sich schleunigst bei der Politik melden. Denn diese plant gerade in einem weiteren Anlauf die Vorratsdatenspeicherung einzuführen.

Wohlgemerkt geht es bei der Vorratsdatenspeicherung nicht darum nur die Kommunikation irgendwelcher Islamisten zu überwachen, sondern auch zu speichern wann genau Sie mit wem telefoniert, gemailt oder gesimst haben. Für ein halbes Jahr.

[quote_center]Glauben Sie, dass Ihre Telefonate einen Terroranschlag aufdecken?[/quote_center]

Es ist schon eine ganz eigene Form der Satire, wie die CDU/CSU nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo der AfD vorwerfen, den Terrorvorfall für die eigene Politik zu missbrauchen und im selben Atemzug für sich die Vorratsdatenspeicherung zu fordern.

Erschreckender Weise stimmt nun auch die SPD mit ein, die vor der Wahl noch Vorbehalte anmeldete. Zwar sträubt sich Justizminister Heiko Maas weiterhin tapfer, aber die Parteispitze mit Sigmar Gabriel zeigt sich durchaus offen unsere Freiheit zu opfern. Der Vorschlag dazu sollte nur möglichst verfassungskonform sein und einen Richtervorbehalt beinhaltet.

Wir erinnern uns: Das letzte Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wurde trotz Richtervorbehalt vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig einkassiert. Wie so ein grundrechtskonformer Gesetzesentwurf also aussehen soll steht in den Sternen oder geheimen EU-Verhandlungen.

Vorbehalte gegen Vorratsdatenspeicherung

Letztendlich ändert auch der Richtervorbehalt nichts daran, dass die Daten aller Bundesbürger gespeichert werden. Was mit solchen anfallenden Daten geschieht, wissen wir seit Snowden sehr genau. Hier träumen sich die Sicherheitsextremisten der deutschen Politik endlich eine anlasslose Massenüberwachung nach Vorbild der NSA herbei. Denn was anfangs mit der Terrorprävention gerechtfertigt wird, wird schnell auf andere Felder ausgeweitet, wenn die Daten schon mal da sind. Es ließe sich sicher auch der ein oder andere Steuer- und Verkehrssünder ermitteln.

Wobei ein grundsätzlicher Beweis für die Wirksamkeit der Vorratsdatenspeicherung noch aussteht. Gerade die Anschläge in Paris sind ein schlechtes Beispiel: Frankreich verfügt über die Vorratsdatenspeichung und vermochte dennoch keine der Gräultaten zu verhindern. Massenüberwachung taugt also eher zur Kontrolle der Bevölkerung, nicht zur Terrorbekämpfung.

„Je Suis Charlie“ als reines Lippenbekenntnis

Der Ruf „Je Suis Charlie“ ist für die Politiker nur ein Lippenbekenntnis: Statt dem Versprechen nachzukommen, unsere Freiheit auch im Angesicht des Terrors zu verteidigen, nutzen sie es, um unsere Freiheit einzuschränken. Wahre Realsatire.

Titelbild: CC BY-SA 2.0 Jonathan McIntosh

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Medien Politik

Journalisten, ihr seid unsere Augen!

Vergangene Woche gerieten einige oder schlicht die Medien in die Kritik für die Darstellung des Trauermarsches in Paris. Das meistverbreitete Bild erweckte den Eindruck die Staatschefs aus aller Herren Länder hätten den Gedenkzug durch die französische Hauptstadt angeführt.

Die etwas andere Perspektive

Eine etwas andere Perspektive zeigte, dass sich Merkel & Co. in Wirklichkeit getrennt vom Volk aufgestellt hatten und der übrige Pöbel erst sehr viel später die Straße entlang lief.

Natürlich machte das Aufklärungsbild mit zahlreichen Lügenpresse-Rufen die Runde.

Endlich bekannt – sogar für Wikipedia

So weit, dass Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, sich genötigt sah in harschem Ton einen Blogbeitrag auf tagesschau.de zu veröffentlichen. Dieser Blogbeitrag führte dazu, dass in seinem Wikipedia Eintrag nun steht:

[quote_box_center]Bekannt wurde Gniffke in den Medien Anfang 2015 durch einen ausfallenden Kommentar, als öffentlich wurde, dass die ARD bei ihrer Berichterstattung zu dem Terroranschlag auf das Redaktionsbüro von Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 verschwiegen hatte, dass das Foto, welches die Staats- und Regierungschefs beim Trauermarsch zeigte, eigentlich in einer Seitenstraße in Paris aufgenommen wurde, und nicht während des eigentlichen Trauermarsches.[/quote_box_center]

Es vor allem der Ton, der vielen an Gniffkes erstem Blogbeitrag aufstieß und so entschuldigte er sich dafür auch in einem zweiten. Mir macht aber eher etwas ganz anderes Gedanken: Das Selbstverständnis, das die tagesschau mit diesem Satz durchblicken ließ:

[quote_box_center]Aber es ist doch so:  Wenn sich Politiker vor eine Kamera stellen, ist das immer eine Inszenierung, jede Pressekonferenz ist eine Inszenierung. [/quote_box_center]

Wie Niggemeier es nannte: Die „Tagesschau“. Wo man schöne Inszenierungen nicht blöd hinterfragt.

Privatvorstellung im Medienzirkus

Natürlich setzen Politiker alles daran, sich in einem möglichst guten Licht zu inszenieren. Und natürlich wird ein Großteil des Zirkus überhaupt nur für die Medien veranstaltet. Aber es ist doch nicht die Aufgabe der Medien bei der Aufführung auch noch zu helfen. Vielmehr sollten Medien eine solche Inszenierung doch möglichst häufig hinterfragen und aufdecken.

Denn ja, jede Pressekonferenz ist eine Inszenierung, aber die meisten Zuschauer waren noch nie auf einer Pressekonferenz und werden es vermutlich auch niemals sein. Die absolute Mehrheit des Publikums weiß also nicht, wie eine Pressekonferenz überhaupt aussieht und was man daran inszenieren kann.

Der Journalist sollte sich doch nicht als Teil der Inszenierung verstehen. Ansonsten muss er sich auch nicht wundern, wenn die eigene Publikation als „Systemmedium“ beschimpft wird. Den in dem Fall wird er tatsächlich, unüberlegt oder nicht, zum Teil der Inszenierung und damit dem System der Politik.

Wie nah sind die Politiker

Natürlich zeigt kein Bild(ausschnitt) die ganze Wahrheit, aber jedes Bild transportiert eine andere Botschaft. Und dabei sollte man sich öfter Fragen: „Cui bono?“ – Wem nutzt diese Darstellung?

Und gerade die beiden Bilder oben, deshalb auch ihre rasante Verbreitung, könnten unterschiedlich nicht sein. Das „inszenierte“ Bild zeigt die Staatschefs, wie sie angeblich den Marsch der Millionen von Paris anführen, wie sie sich (fast schützend) vor die Bevölkerung stellen.

Aus einem leicht veränderten Winkel zeigt sich ein ganz anderes Bild: Eine Gruppe von Politikern unter sich, im wahrsten Sinne des Wortes distanziert vom Volk .

Der Journalist ist das Auge des Publikums

Warum dieser Ausschnitt in der 20 Uhr Tagesschau nicht gezeigt wurde erklärt Gniffke so:

[quote_box_center]In dem Bericht in der Tagesschau um 20Uhr war der Sicherheitsabstand nicht zu sehen, weil er normal ist, weil es diesen Sicherheitsabstand bei jedem Auftritt von so vielen Staatschefs gibt.[/quote_box_center]

Sorry, ich weiß nicht was bei einem Auftritt von so vielen Staatschefs normal ist. Ich war nämlich noch nie bei einem Auftritt von so vielen Staatschef dabei. Deshalb verlasse ich in dem Fall auf Journalisten und Korrespondenten. Sie sollten das Auge des Publikums vor Ort sein. Und ich hoffe, dass dieses Auge möglichst wachsam ist und sich gründlich umschaut.

Titelbild: CC BY-NC-SA 2.0 Jeremy Kunz