Regionale Nachrichten auf YouTube in einem kurzen, ansprechenden Format, dass ist der Versuch hinter Spundekäs.
Ich bin ja derzeit teilzeit für die Verlagsgruppe Rhein-Main tätig, die unter anderem die Allgemeine Zeitung in Mainz aber auch den Wiesbadener Kurier herausbringt. Darüberhinaus hat man hier auch im Haus eine eigene Magazin-App entwickelt und die „Äppsch“ veröffentlicht, die wöchentlich regionale Themen auf Tablet und Smartphone präsentiert. Als multimedialeweb 2.0cross-transmediale Erweiterung haben wir uns außerdem ein regionales YouTube Nachrichten Format überlegt:
Das Spundekäsblatt, benannt nach der regionalen Spezialität Spundekäs, soll alle zwei Wochen regionale Themen aufgreifen und eben in einem YouTube- und webvideogerechten Format behandeln. Etwas kürzer, ein bisschen frecher und diskussionsfreudiger, als man das vielleicht sonst aus dem Lokaljournalismus gewohnt ist, versuchen Ulla Niemann und ich dort darin Themen zu präsentieren die Mainz & Wiesbaden betreffen, aber auch über die Region hinausstrahlen. Zuletzt zum Beispiel berichteten wir über der Bau einer neuen Geheimdienstanlage in der Clay Kaserne in Wiesbaden-Erbenheim, von der es heißt, dass auch die NSA es sich dort gemütlich machen könnte.
(Da Ulla derzeit im Urlaub ist, habe ich darin alleine vor der Kamera herumgehampelt).
Ansonsten geht es oft um Bauvorhaben in der Region, zum Beispiel um das geplante ECE-Einkaufszentrum in Mainz. ECE betreibt in ganz Deutschland gläserne Konsumtempel und hat nun auch der Stadt Mainz versprochen für mehr Kundschaft zu sorgen. Ein Thema über das man wunderbar diskutieren kann.
Gedreht & geschnitten wird das Ganze übrigens von einem YouTuber: Aidien von thePort. Das Ziel dahinter ist klar: Eine Zielgruppe erreichen, die vielleicht nicht mehr ganz so oft eine Zeitung in die Hand nimmt. Deshalb haben wir als Social Media Begleitung auch tumblr gewählt. Einmal, weil wir dort im Gegensatz zu Facebook noch nicht präsent sind und man ja immer mal Neues ausprobieren sollte. Außerdem ist genau dort auch eine Zielgruppe unterwegs, die man guten Gewissens als zeitungsfern bezeichnen kann. Es ist dabei gar nicht so einfach auf tumblr Kontakte aus der Region zu finden, geschweige denn Inhalte. Diese bestehen nämlich tatsächlich oft aus Pornografie und Nacktfotos. Aber es gibt auch tolle Fotografen und Geschichtenschreiber in der Region, die man aufgreifen und ansprechen kann.
Das Schöne ist, dass wir ausprobieren und uns sicher noch verbessern können, aber uns schon ganz gut an ein Format herangetastet haben, das auf YouTube funktioniert und nicht nur Boulevard-Themen spielt. Die Abrufzahlen sind zwar noch keineswegs astronomisch, in welche Höhe die mit rein regionalen Inhalten klettern können, steht aber auch nochmal auf einem eigenen Blatt.
(Dirk von Gehlen, dirkvongehlen.de)
BuzzFeed ist mal wieder Thema. Ist das nun Journalismus oder nicht und wenn ja wieviel? Dirk von Gehlen geht mal zwei Schritte zurück und sagt das Wichtigste: Es geht um digtale Verbreitung und hier hat BuzzFeed eben eine neue Währung gefunden. Außerdem schaffen sie es sehr genau Nischen mit viralem Content zu bedienen.
(David Segal, NYtimes.com)
Die New York Times portraitiert Gary Vaynerchuk, der einmal die Woche seine rund eine Millionen Twitter-Follower fragt: „Is there anything i can do for you?“. Ausserdem ist er Gründer von VaynerMedia, die verantwortlich sind für eine große Menge von Ads, die nahe am Content liegen oder irgendwo dazwischen. Spannendes Stück zu Social Media Marketing und wie es einfacher wird mit Facebook zielgenau immer günstiger Zielgruppen zu erreichen und das die Werbebudgets wandern lässt.
Ihr könnt helfen auch abseits der Werbebudgets die morgenlinks zu verbreiten, in dem ihr sie euren Kollegen & Bekannten empfehlt. Habt ihr doch ein Werbebudget, könnt ihr noch mehr helfen und Sponsor werden.
(Hakan Tanriverdi, kleinerdrei.org) @HakanTee ist junger Journalist und nach der DJS nun bei der Süddeutschen. Er hat aber auch das Blog kleinerdrei mitgegründet und schreibt dort auf, wie es ist nach jeder Artikelveröffentlichung sich vor Fehlern zur fürchten. Dem kleinen Korrektursternchen am Ende des Satzes.
Kurz nach dem Start seines Neo Magazin feierte Jan Böhmermann nicht seine Quote, sondern dass er in der Mediathek fast doppelt so viele Abrufe hatte.
#NeoMagazin-Premierenzahlen: 60.000 TV-Zuschauer, 115.000 Mediathek-Abrufe in 72h, Nr. 1 in Podcast-Charts. Sieh’s mal neo! @ZDFneo@zdf— NEO MAGAZIN ROYALE (@neomagazin) 4. November 2013
Damit kokettiert Böhmermann auch schon zuvor. So auch in einem Neon-Interview zur Talkshow Roche & Böhmermann in zdf-Kultur:
Sie werden nicht müde zu erwähnen, wie wenige Zuschauer Sie haben. Nur 0,3 Prozent Marktanteil. Aber ist es nicht auch wahnsinnig befreiend, nur im Nischenfernsehen zu sehen zu sein?
Das ist natürlich Koketterie, wir haben im Internet bis zu 290 000 Views pro Folge, das ist sehr gut. Wir stehen in den Podcastcharts auf Platz eins oder auf zwei. Für meine Generation sind wir da wo es wichtig ist. Deswegen kann ich über die klassische Quote Witze machen: Weil sie letztlich für uns nicht relevant ist.
Online First
Die Fernsehquote ist nur ein kleiner, wenn auch im geschäftlichen Sinn entscheidender, Teil, wenn für Formate immer öfters gilt: Online First. Während einem Seminar vor einem Jahr berichtete der Redaktionsleiter von Zapp, dass inzwischen die wütenden Beschwerden nicht mehr nach der Sendung eingehen, sondern erst im Laufe des nächsten Vormittags, wenn das Publikum sie in Ruhe in der Mediathek geschaut hat. Deshalb gehen einzelne Sender soweit, ihre Inhalte oder einzelne Sendungen sogar schon vorab online verfügbar zumachen. Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, bestätigte dies im Interview: „Wir sind bei einem Online First insofern, dass wir viele Dokumentationen auf unsere Internetplattform stellen, bevor sie dann im Fernsehen sind.“
Kanal nicht nur spielen, sondern denken.
Eine zeitlich frühe Verfügbarkeit auf dem Online-Kanal allein macht jedoch noch kein Online First. Dazu gehört viel mehr, wie die Präferenzen in der Produktion gesetzt werden und auf welchen Kanal ein Format angepasst wird. Darum ging es mir auch, als ich etwas provokativ forderte: „Statt Jugendsender: Ein Öffentlich-rechtliches YouTube-Netzwerk“. Es geht darum die Gesetzmäßigkeiten des Medium in die Produktion einzupreisen und die Nutzungsgewohnheiten zu berücksichtigen. Die Zeitungen haben dafür auch lange gebraucht, zwar sind inzwischen Nachrichten selbstverständlich sofort online verfügbar, die passenden Erzählformen sind aber erst im Nachhinein entstanden und es kommen weiter neue hinzu, die die Möglichkeiten des Mediums umarmen. Ich sage wohlgemerkt nicht, dass man nur noch fürs Internet produzieren soll, sondern kanalspezifisch. Wenn man trennt, was gut im Netz funktionieren soll, kann man sich im Fernsehen auch wieder auf das konzentrieren, was Fernsehen toll kann.
Hier hat das Fernsehen noch einen weiten Weg vor sich. Schon einen Schritt gegangen ist darauf Jan Böhmermann mit seinem „neo magazin“. Nicht nur setzte er im Voraus massiv auf Trailer in den sozialen Netzwerken, sondern hat in der Sendung auch Einspieler die im Nachhinein überdurchschnittlich gut auf YouTube funktionieren. Immer wieder betonte Böhmermann in der letzten Ausgabe des neo magazin, das man keine Internetsendung ist. Dazu sagt die Fernsehquote etwas anderes.
p style=“text-align: left;“>Mehr zum Medienwandel gibt es einmal die Woche gesammelt in den morgenlinks. Bequem als Newsletter. Also nichts, wie abonnieren!
Wie schnell ist der Medienwandel? In den morgenlinks gebe ich mir zumindest alle Mühe ihn gebührend zu begleiten und habe deshalb auch das Studio mal ordentlich verbessert. Seht selbst:
Wie gefällt euch das neue Studio soweit? Ich freue mich über Feedback oder ihr sagt einmal [like xfbml=false action=like layout=button_count]
Der Medienwandel beschleunigt sich (holgeschmidt.tumblr.com, Holger Schmidt)
Holger „Der Netzökonom“ Schmidt zitiert aus der aktuellen Allensbacher Computer- und Technikanalyse, passenderweise Acta abgekürzt, die zeigt wie sich der Medienwandel beschleunigt: Die alten Medien fallen schneller, zugunsten der neuen. Darüber hinaus, zieht er Schlüsse wie Journalisten sich darauf einstellen müssen auch im Hinblick auf Paid Content.
Zu viel Inventar, zu wenig Sales. Youtubes Vermaktungsproblem. (tv2summit.ch, Bertram Gugel)
Youtube hat ein Vermakrungsproblem, so fasst es Bertram Gugel sehr schön zusammen. Der Auslöser: Inzwischen erlaubt Google fast allen Nutzern ihre Videos zu monetarisieren. Die Folge: Die Erlöse für die einzelnen Videos sinken immer weiter und selbst recht große YouTuber haben Probleme sich zu finanzieren. Die Konsequenz: Immer mehr setzen auf Product Placement, das bringt höhere Einnahmen und man muss Youtube nichts davon abgeben.
-Sponsor gesucht-
Fast so rasant wie der Medienwandel wachsen auch die Abonnenten des Newsletter. Deswegen freue ich mich, wenn sich jemand findet, der das unterstützten möchte und interessierte Medienmacher & Journalisten als Sponsor erreichen möchte.
What tools does Upworthy employ to test its headlines? (Quora.com, Adam Mordecai)
15 Tipps für 25 bessere Überschriften, könnten man diesen Quora-Thread überschreiben. Denn darin beantwortet UpWorthy-Gründer Adam Mordecai wie sie bei UpWorthy Überschriften. Größter Erfolgsfaktor: Zu jedem Artikel/Video werden erst einmal 25 Überschriften gesschrieben in der Hoffnung, dass eine Gute dabei ist, die den Content viral werden lässt. Auch interessant und darin verlinkt: Mordecais Einschätzung was DInge viral werden lässt.
[alert bg_color=“blue“ text_color=“white“]Wer die morgenlinks aus dem schicken neuen Studio in Zukunft nicht verpassen will und sehen möchte wie es sich weiterentwickelt (Studio & Medienwandel), der abonniert am besten den Newsletter. Sofort.[/alert]
Das Fernsehen war lange das am Besten untersuchte Medium. In der alten Medienwelt sah es so aus: Das Radio hat nur Zahlen aus einer zweimal jährlichen Telefonumfrage, in der wild Haushalte angerufen werden, die in der gleichen Zeit von den Sender mit möglichst astronomischen Gewinnspielen gelockt werden, damit sie sich doch bitte an den Namen erinnern. Zeitungen jonglieren mit einem Mix aus Weitestem Leserkreis, Leser pro Nummer und Leser pro Ausgabe. Den Unterschied zu lernen hat circa vier Semester meines Bachelors in Publizistik in Anspruch genommen. Dagegen hat das Fernsehen einen echten Luxus: Ein repräsentativen Panel aus 5.000 Fernsehhaushalten, die täglich ihre Fernsehgewohnheiten theoretisch sogar sekundengenau abfragen lassen. Doch auch diese Daten sind in erster Linie nur für Werbekunden gedacht, Programmplanung lässt sich damit nur begrenzt machen. Höchstens in dem Umfang, dass ein gut laufendes Genre vom Nachbarsender kopiert wird.
Auftritt Netflix
Auftritt Netflix. Das Start-Up aus den USA, das all unsere Fernsehgewohnheiten verändert, ändert auch die Art, wie Programm gemacht und geplant wird. Mit „House of Cards“ sind sie zum ersten Mal selbst in die Produktion einer Serie eingestiegen, 100 Millionen Dollar haben sie für die TV-Serie ausgegeben, zu einem Zeitpunkt als das Unternehmen selbst in einer Krise steckte. Doch Netflix, wusste sehr wohl worauf es sich einlässt, schließlich hatte es die genauen Nutzungsdaten seiner Kunden. Und darin zeigte sich, dass eine Miniserie der BBC aus dem Jahre 1990 erstaunlich populär war, das selbe Publikum mochte Filme von David Fincher und mit Kevin Spacey. Perfekte Vorraussetzungen für ein Remake der Serie „House of Cards“ von David Fincher mit Kevin Spacey in der Hauptrolle.
Wir können das Publikum vorhersagen
Dahinter steckt Big Data, um ein Buzzword zu nutzen. Netflix kann das Verhalten jedes einzelnen ihrer 29 Millionen Kunden analysieren. Wonach sie suchen, was sie anschauen, ja sogar an welcher Stelle sie Filme pausieren, zurückspulen oder ganz abbrechen. Daraus lassen sich hervorragende Muster generieren die Netflix einiges an Sicherheit geben. “We know what people watch on Netflix and we’re able with a high degree of confidence to understand how big a likely audience is for a given show based on people’s viewing habits.”, sagte der Unternehmenssprecher letztes Jahr der WIRED.
Netflix behauptet also für sich den Erfolg einer Serie oder Produktion voraussagen zu können. Wie weit sind hier die deutschsprachigen Sender? Analysieren sie das Such- und Surfverhalten der Nutzer in ihren Mediatheken? Sind sie in der Lage aus den Metadaten Rückschlüsse auf Erfolge zu ziehen? Oder fällt die meisten Entscheidungen nicht doch immer noch ein Fernsehredakteur nach eigenen Vorlieben und begründet sie mit vagen Erfahrungen?
Ehre die Daten
Auch Richard Gutjahr gab in seinem jüngsten Blogpost über die TV-Revolution, die Prognose ab, dass in Zukunft die Daten entscheiden werden:
„Ehre die Daten! Auch wenn der Datenschutz in Deutschland strenger als in anderen Ländern reguliert ist; über kurz oder lang führt kein Weg vorbei, anonymisierte Daten für individuelle Programmangebote zu nutzen. Dank Web-Anbindung lassen sich viel präzisere Aussagen über die Sehgewohnheiten der Zuschauer gewinnen, als das über das GfK-Meter je möglich war.“
Drehbuch schreiben mit Daten-Milestones?
Die Frage ist in wie weit diese Daten genutzt werden um Eingriff in die kreative Freiheit der Künstler zu nehmen. Wenn sich zeigt, dass ein Story-Twist unbeliebt ist, werden die Produzenten dann Anpassung fordern? Werden Drehbücher nicht mehr in einem kreativen Prozess geschrieben, sondern indem man Daten-Milestones abarbeitet?
Ausgerechnet Kevin Spacey war es, der bei seiner vielbeachteten Rede zum Edinburgh TV-Festival ein flammendes Plädoyer auf die Freiheit der Kreativen hielt. Tenor: Wir Kreativen wissen was das Publikum will! Entscheider lasst uns an den Ball.
Wie war das denn nun bei „House Of Cards“? Wer hatte den entscheidenden Einfluss? Wusste Kevin Spacey was die Leute wollen oder der Datensatz von Netflix?
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Was macht eigentlich ein Videospielcharakter, wen das Release seines Videospiels verschoben wird? So geschehen ist das Aiden Pearce, dem Hauptcharakter in „Watch Dogs„. WatchDogs sollte eigentlich einer der Launchtitel für die Sony Playstation 4 werden und hat schon vor erscheinen eine große Fangemeinde. Kein Wunder, hat es doch einen neuen Ansatz: Der Hacker Aiden Pearce läuft durch eine offene Welt und kann sich mit seinen Geräten überall und gerade in die Infrastruktur der Stadt hacken. Bis er damit anfangen kann, dauert es nun aber noch bis zum nächsten Frühjahr, denn Ubisoft musste den Launch des Spiels verschieben. Solang hat Aiden Pearce erstmal nicht so viel zu tun.
Watch Dogs Release Delayed: Bored Aiden Pearce
Das Video ist übrigens der Auftakt der 4. Staffel von YouJustDon’tDo, dem Kurzfilm YouTube-Kanal, den ich zusammen mit David mache. Wenn ihr das noch nicht kennt schaut doch mal auf dem Kanal vorbei (oder Facebook) und wir freuen uns, wenn ihr uns die nächsten Wochen begleitet.
(Sebastian Langer, sebastian-langer.net)
Aktuell ist es wieder in Thesem zur Zukunft des Journalismus zu formulieren, der DJV und auch die spannende Veranstaltung #vololab sahen sich jüngst dazu befähigt. Sebastian Langer hat mal noch einen Blick zurückgeworfen und die bisherigen erschienen Thesen zur Zukunft des Journalismus in ihrer Gänze erfasst. Ich würde mir ja wünschen, dass sich langsam mal aufmacht und diese Thesen überprüft. Dazu sind Hypothesen in der Wissenschaft gemacht: Man formuliert Sie, um sie dann zu validieren oder zu verwerfen. Wir haben da erstmal noch ein paar aufzuholen, bevor wir weitere Thesen aufstellen.
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
„Es wird Zeit, dass die Zeitung etwas wieder eröffnet, was an ihrer Wiege stand: den Salon des 18. Jahrhunderts. Damals, zu Beginn der Aufklärung, zeichnete sich ein Salon dadurch aus, dass er die interessanten Köpfe sammelte, unabhängig von Titel und Stand.“
(tageswoche.ch)
Ein Interview mit dem Geschäftsführer von reddit. Einem Netzwerk, das nich immer unterschätzt wird und das man wohl nur verstehen und schätzen kann, wenn man sich hineinstürzt (wie bei allen?). Die Größe von reddit verdeutlicht das hier aber ganz gut:
«Das ‚AMA‘ (Ask me anything) mit Barack Obama war nur für fünf Prozent des Traffics verantwortlich, den wir an diesem Tag hatten. Dieses mit Abstand populärste Ereignis, das wir je hatten, ist sehr klein im Vergleich zur Aktivität, die wir sonst auf der Seite haben.»
[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Die morgenlinks zu Medienwandel & Netzkultur gibt es auch einmal die Woche als Newsletter. Jetzt abonnieren! [/alert]
In Deutschland entsteht mit dem Youtube-Netzwerk Mediakraft gerade ein neuer Meinungsführer. Die PR-Branche, die eben erst gelernt hat auch Blogger ernst zu nehmen, muss sich schleunigst neu ausrichten.
Youtube – Industrie & soziales Netzwerk
“Youtube? Da gibt es doch nur Katzenvideos!” lautet eines der gängigsten Vorurteile über Googles Video-Plattform. Youtube, ein Sammelbecken kurioser Clips: das lachende Baby, der verkleidete Hund, ein tanzender Jedi. Ein lustiges Video, schnell an die besten Freunde gemailt, kurz gelacht und dann vergessen.
Das hinter den lustigen Filmchen eine sich zunehmend professionalisierende Industrie steht (und damit ein riesiges Geschäft), das Youtube ein soziales Netzwerk wie Facebook ist (und sich ähnlich verhält) und das vor allem junge Menschen mittlerweile mehr Youtube als Fernsehen schauen (und damit für die TV-Werbeindustrie zunehmend verloren gehen), all das sickert hierzulande erst langsam ins öffentliche Bewusstsein.
In den USA erreichen die großen der Szene, die Youtube-“Stars”, schon lange ein Millionenpublikum. Der größte Youtube-Channel weltweit (PewDiePie, Stand 30.09.2013) hat knapp 14 Millionen Abonnenten. In Deutschland bringen es die erfolgreichsten Filmemacher (Y-titty, Stand 30.09.2013) auf immerhin fast 2,4 Millionen Abonnenten. Wäre Youtube wie Fernsehen, dann wären die Abonnenten die Fans einer Serie. Und die Videoaufrufe (Views) wären die Quote. Die Views von Y-Titty schwanken irgendwo zwischen 50.000 und 17 Millionen (Gotye Parodie, Stand 30.09.2013). Längst schaut also nicht jeder Fan auch jedes Video. Doch manchmal schauen eben auch viel mehr Leute zu.
17 Millionen Menschen haben also ein Video gesehen, das drei Kölner Jungs in ihrem Wohnzimmer produziert haben. 17 Millionen Aufrufe. Das ist eine Quote, von der viele deutsche Vorabendprogramme nur träumen können (von den Mittagsprogrammen gar nicht zu sprechen).
17 Millionen, diese Quote hatte Gottschalk zur besten Sendezeit. 17 Millionen, das sind bald 21 Prozent der Bevölkerung. 21 Prozent, die nicht zappend vor dem Fernseher saßen, sondern die auf einen Link klicken mussten, um das Video zu sehen. Allein die aktive Handlung, der Wille der dadurch zum Ausdruck kommt, unterscheidet Youtube vom Fernsehen so massiv, dass die 17 Millionen bedeutender werden als jedes TV-Quotenorakel.
Meinungsführer Mediakraft
Doch hier wird es erst richtig interessant. Denn Y-Titty gehört einem Netzwerk an: Mediakraft. Mediakraft bündelt die größten deutschen Youtube-Kanäle. Allein die größten sechs Channels bringen es auf knapp 6 Millionen Abonnenten. Dazu kommen über 1 Milliarde Video-Aufrufe. Die Kanal-Betreiber werden mittlerweile als Stars gefeiert und füllen ganze Konzerthallen mit ihren Auftritten. Was RTL für die Fernsehwelt ist, ist Mediakraft für Youtube.
Kanal
Abonnenten
Video-Aufrufe
YTITTY
2.394.603
469.183.361
LeFloid
986.322
101.946.429
freshaltefolie
945.592
159.859.444
iBlali
797.554
85.495.520
ApeCrimeReloaded
768.358
93.356.422
AlexiBexi
488.430
119.139.508
Summe
5.941.272
1.028.980.684
Die sechs größten Kanäle von Mediakraft, Quelle:socialblade.com, Stand: 23.10.2013
Allein die Reichweite von Mediakraft ist bemerkenswert. Doch zwei weitere Aspekte machen das Netzwerk noch interessanter.
Erstens: Cross-Promotion. Sinn und Zweck eines Netzwerks ist es, dass sich deren Mitglieder gegenseitig unterstützen. Bei Youtube geht das über Empfehlungen. Man verweist aufeinander, verlinkt sich, animiert die eigenen Fans, doch auch mal beim Netzwerkpartner vorbei zu schauen. Das kann soweit gehen, das ein Netzwerk seinen Mitgliedern Regeln vorschreibt und bestimmt, wer wen an welcher Stelle wie erwähnen darf. Auch die digitale Währung für Aufmerksamkeit, die “Likes”, werden reglementiert. Man liked nur, wen das Netzwerk will. Dadurch bleiben die Fans im Netzwerk und die Mitglieder unter sich. Auch Mediakraft erlässt solche Regeln, schreibt also vor welche Kanäle bekannter gemacht werden sollen und welche nicht.
Zweitens: Eigene Marken. Mediakraft hat vor einigen Monaten begonnen, eigene Kanäle aufzubauen. Mit Hilfe der Stars im Netzwerk werden dabei neue, eigenständige Marken aufgebaut. Zum Beispiel der News-Kanal “Was geht ab?”, der am 03.07.2013 startete und in gut drei Monaten rund 150.000 Abonnenten und 7 Millionen Videoaufrufe auf sich vereinen konnte. Die Strategie dahinter ist klar: Man will weg von den personenzentrierten Youtube-Kanälen, hin zu einer eigenständigen Marke. Diese lässt sich auch dann weiterführen, wenn der Star das Netzwerk oder gar Youtube verlässt.
Statistik des News-Kanals „Was geht ab?“, Quelle:socialblade.com, Stand: 23.10.2013
Youtuber als Kommunikationspartner verstehen
In der Generation unter 25 ersetzt Youtube zunehmend das Fernsehen. Das Marketing hat Youtube bereits vor einiger Zeit entdeckt und platziert dort gezielt Produkte, vorallem in Kosmetik-Tests oder Schmink-Tutorials. Youtube-Kanäle sollten aber ebenso wie Journalisten oder Blogger als Kommunikationspartner verstanden werden. Denn wer sich seine Nachrichten nur über Youtube besorgt, ist für die klassischen Kommunikationskanäle verloren. Für die PR-Branche heißt das umdenken. Youtube-Kanäle und vorallem – Youtube-Netzwerke – müssen als Multiplikatoren verstanden werden.
Dabei sind weniger klassische Instrumente wie Pressegespräche oder -mitteilungen als vielmehr kreative Maßnahmen gefragt. In den USA unterstützen beispielsweise Computerspielfirmen große Youtube-Kanäle bei der Produktion ihrer Videos oder geben auch mal einen ganzen Werbespot in Auftrag.
Aufgrund der enormen Reichweiten und Bindungskräfte von Youtube kann das für Unternehmen mit jungen Zielgruppen entscheidend sein. Und Netzwerke wie Mediakraft sind gerade dabei, Meinungsführer in diesem noch sehr jungen Medium zu werden. Je früher die Unternehmenskommunikation hier Kontakte knüpft, desto eher wird sie Youtuber für sich und ihre Botschaften gewinnen können.
[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Die besten Artikel zu Medienwandel & Netzkultur im gesamten Interweb gibt es einmal die Woche gesammelt im morgenlinks Newsletter. Jetzt abonnieren! [/alert]
Wie wird man mit Bewegtbild im Web erfolgreich? Das zeigen ganz unterschiedliche Modelle von Buzzfeed und Vice. Und upcoming versucht als Webseite in Deutschland das Buzzfeed.Modell nachzuahmen. Auch ich habe für die morgenlinks wieder eine Bewegtbildstrategie:
Hurra, die Zukunft ist da: der Buzzfeed-Klon Upcoming.de startet in Deutschland (120sekunden.com, Martin Giesler)
Still und heimlich ist in Deutschland upcoming.de gestartet, ein aus den Niederlanden stammender BuzzFeed-Klon. Bislang ist er noch nicht in meiner Timeline aufgetaucht, dass kann vielleicht auch daran liegen, dass sie noch die richtige Sprache suchen. Denn:
“We’re still babies at it”: BuzzFeed Video’s strategy relies on identity, emotion, and sharing content as communication (niemanlab.com, Caroline O’Donovan)
Einer der zentralen Punkte von Buzzfeeds Strategie ist es mit ihren Artikeln eine Kommunikation zu ermöglichen. „29 Thruths about growing up in multiple cities“ berührt Betroffene einerseits emotional, gleichzeitig kann ich genau diese Emotion auch teilen, wenn ich den Artikel teile. Dasselbe versucht Buzzfeed auch auf seine Videos zu übertragen. Dazu haben sie sich ZeFrank an Board geholt, Webvideo Urgestein.
Kleine Anekdote am Rande: Bei YouJustDontDo haben wir ein Video über Duckfaces erstellt und das lief überdurchschnittlich gut, weil eben auch dieses Video als Kommunikation eingesetzt werden kann. Zum Beispiel als Kommentar, wenn man auf Facebook schon wieder ein Duckface Foto entdeckt.
-Sponsor gesucht-
Die morgenlinks suchen noch einen Sponsor. Bei Interesse, gerne melden.
VICE’s YouTube Success: Growing Sustained Viewership Through Breakout Videos (Google.com)
Nun zu einer ganz anderen Videostrategie, der von Vice. Die eher mit langen und aufwenidgen Dokumentationen aufwarten und damit sehr erfolgreich sind, auch auf YouTube. Google selbst stellt diese als Case Study vor und zeigt welche Ereignisse im Videoverlauf den Erfolg beschleunigt haben.
Ich war für die Allgemeine Zeitung beim Release des iPad Air dabei und habe die Nacht vor dem Apple Store in Frankfurt verbracht, zumindest von ca. 5 bis 9 Uhr morgens. Herausgekommen ist neben einer Begleitung auf Social Media auch dieses Video: