John Oliver hat sich mal wieder der Medienbranche selbst angenommen und den miserablen Status, in dem sich der Journalismus befindet, auf epischen 19 Minuten ausgebreitet. Natürlich taucht er darin nicht ganz so tief ab, aber er zeigt deutlich das Dilemma.
Ohne Printjournalismus hätte CNN wenig zu erzählen
Ausgerechnet den ewig totgesagten Printjournalismus hat John Oliver in seinem Segment als Fundament des Journalismus ausgemacht. Schließlich kümmern sich nur Printjournalisten in ihrer mühsamen Kleinarbeit um die viele Lokalpolitik, die örtlichen Skandale in mittelgroßen Städten.
„Da ist kein Ruhm drin in dieser Art von Journalismus“, wird David Simon, Ex-Journalist der Baltimore Sun und Autor der Serie „The Wire“ zitiert. Aber ohne diese Art des Journalismus werden die nächsten Jahre eine Freude für korrupte Politiker und Unternehmer sein.
Die nächsten Jahre werden eine Freude für korrupte Politiker
Schuld ist natürlich das Internet – und das fehlende Geschäftsmodell darin für Journalismus. Lesern dieses Blogs muss ich das Grundproblem wohl kaum näher erklären, aber auch in John Olivers Stück wird deutlich, mit wie wenig Strategie und wie viel Augenwischerei Verlage sich ins Netz stürzen. Die fehlenden Erlöse im Netz machen den Journalismus anfällig. Anfällig dafür, sich keine ausgiebige Recherche mehr zu leisten, anfällig für Einflussnahme durch Verleger, Unternehmen und Eigentümer. Anfällig für Klickoptimierung und Clickbait.
John Olivers Aufruf: Bezahlt für Journalismus!
Wenn gleich John Olivers Strategieanalyse etwas oberflächlich bleibt – es ist ja immer noch eine TV-Show – so eindeutig ist sein Aufruf: Bezahlt für guten Journalismus und gebt Geld aus, ansonsten bezahlt ihr an anderer Stelle für die Folgen fehlender Aufklärung. Und er macht nochmal deutlich, dass seine Show für ihn kein Journalismus ist. Auch er verlässt sich größtenteils auf die Recherche lokaler Zeitungen für seine Sendung. Ohne Journalismus also auch kein John Oliver.
Journalistenthriller in Zeiten des Clickbait
Natürlich gibt es am Ende auch noch einen Trailer für „Stoplight“, einen Journalistenthriller in Zeiten des Clickbait. Also im Prinzip genau das, was wir uns in unserem Artikel zu Spotlight gewünscht haben
Ich weiß noch, wie ich unbedingt “All the President’s Men” (auf deutsch: “Die Unbestechlichen”) sehen wollte. Ich meine, ich studierte Publizistik und Filmwissenschaften. Und der Film wurde in die Liste der besten 100 Filme der letzten 100 Jahre aufgenommen, hält bei Rotten Tomatoes konstant um die 93% und behandelte die zwei Journalsiten, die einen der größten politischen Skandalen aufdeckte und damit am Ende den amerikanischen Präsidenten zum Rücktritt zwangen.
Ich bin beim ersten Mal eingeschlafen
Als ich den Film dann zum ersten Mal sah, schlief ich ein. Gut vielleicht hätte ich ihn nicht nachts um 02:00 Uhr anfangen sollen, schließlich hat er 138 Minuten auf der Uhr. Beim zweiten Mal schaffte ich es und war elektrisisert. Ich verstand, die Macht der Medien, die Wichtigkeit von Journalisten, von guter Journalistischer Arbeit und ich verstand, warum der Film eine ganze Generation inspirierte Journalisten werden zu wollen.
Und ich verstand warum ich eingeschlafen war. So sehr der Inhalt noch immer zieht, das Pacing, die Geschwindigkeit, des Filmes reißen einen heute kaum noch mit. Ich mein: Der Film ist von 1976. Die Menschen in dem Film rauchen noch.
Eine Inspiration für die nächste Generation Journalisten
Journalismus braucht also einen neuen Film, der die Menschen für den Beruf begeistert und mitreisst. Dieser Film könnte Spotlight sein.
Spotlight erzählt die Recherche des Investiagtivteams des Boston Globes rund um die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. Ähnlich wie “All the Presidents Men” schafft es der Film, die Recherche spannend zu machen. Die Vielschichtigkeit eines Problems zu zeigen. Und das alles mit toll gezeichneten Charakteren. Und er zeigt, wie guter Journalismus einen Unterschied machen kann. Richard Gutjahr schrieb schon auf, warum jeder Journalist „Spotlight“ sehen sollte. Er weckt den Detektiven in jedem Jouranlisten, ohne die harte und langwierige Arbeit zu verschweigen.
Wie spannend wäre eine gefilmte Google-Suche?
Aber hier stimmt das Pacing. Nur etwas anderes macht den Film aus der Zeit gefallen: Er spielt im Jahr 2001 und 2002 – und oh man hatten wir damals wenig Internet. Journalismus hat sich seither noch einmal radikal geändert. Ich frage mich, wie viele in ihrer täglichen Arbeit noch in Akten wühlen, gedruckte Archive vergleichen und an verschlossene Gerichtstüren hämmern und wieviele sich mit einer Google-Suche zufrieden geben.
Und während der Film zeigt wie wichtig es ist, sich nicht mit einer Google-Suche zufrieden zu geben, sondern an einem Thema dran zu bleiben und es durchzurecherchieren und damit doch einen erstaunlich aktuellen Spiegel vorhält, warte ich trotzdem auf den ersten Film, der es schafft Digitaljournalismus zu einem inspirierenden, heldenhaften Beruf zu stilisieren.
Aber vielleicht braucht es die Geschichte dahinter überhaupt erst noch. Vielleicht braucht es eine nächste Generation Journalisten, die die Tugenden aus „Spotight“ hochhält und ins Digitale übersetzt.
Denen empfehle ich den Spotlight Download – also den Film in seiner digitalen Form. Und allen die wissen wollen was sich unter dem ausgedachten Begriff „Qualitätsjournalismus“ verbergen könnte.
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Das letzte Snapchat Update hat den Story-Bereich der App massiv verändert. Seit dem letzten Snapchat Update sieht der Screen mit den Geschichten anders aus. Die Discover Storys werden mit dem Snapchat Update auf 9.32 nicht mehr als Kanäle angezeigt, sondern direkt mit den einzelnen dahinter Geschichten angeteasert. Bislang hatten die einzelnen Discover Partner eigene Kanäle mit aufeinander folgenden Storys und tagesaktuellen Ausgaben, die sich nach 24 Stunden geändert haben – und die durch ein einfaches Logo repräsentiert wurden.
Nun wird in der Vorschau direkt eine der Geschichten mit einem kleinen Bild und Überschrift angeteasert. Ein Klick darauf führt aber weiterhin in den gesammelten Kanal des Discover-Kanals. Ich vermute, dass dies eine Massnahme ist, um weitere Partner in den Discoverbereich zu integrieren. Schließlich ist der Discoverbereich bei etlichen Medien perspektivisch begehrt und Snapchat lässt sich den Zugang teuer bezahlen.
Snapchat Update macht Discover zum Magazin
Der eigene Discover-Screen wurde in Gerüchten vor dem Snapchat Update oft als Instagram ähnlich bezeichnet, mich erinnert er eher an die Ansicht von Flipboard oder Apple News. Hier kacheln sich die Vorschaubilder in verschiedenen Größen aneinander.
Außerdem lassen sich die einzelnen Discover-Kanäle nach dem Snapchat-Update abonnieren und die Geschichten lassen sich innerhalb von Snapchat teilen inklusive einem Link zurück zur Geschichte.
Snapchat Live-Storys werden Teil von Discover
Je nach Ansicht haben die Live Storys ein Up- oder Downgrade bekommen. Der eigene Bereich für die Livestorys ist von der oberen Bildschirmhälfte verschwunden. Dafür finden sich die Livestorys nun im Story-Screen gleichberechtigt mit den Discoverstorys. Der eigene Bereich für Livestorys findet sich nach dem neusten Snapchat Update unter den “normalen” Storys der eigenen Freunde. Dafür ebenfalls mit großen Kacheln und Vorschaubildern.
Neue Snapchat Icons
Auch geändert haben sich die Icons auf dem Startbildschirm von Snapchat: Die Chatbenachrichtigung ist nun nicht mehr ein einfaches Quadrat, sondern ein Kreis mit Sprechblase. Und der Discoverbereich wird mit drei Punkten gekennzeichnet. Wie wir sie hier von Blindenabzeichen kennen.
Die neuen Icons könnten durchaus ein Versuch sein, das Nutzerinterface und den Startbildschirm verständlicher zu machen und die Navigation zu erleichtern. Eine komplette, einfache Anleitung für Snapchat und sein Interface gibt es hier:
Snapchat Sticker: Jetzt auf deutsch
Während es statt Geschichten nun Storys heißt, wurden auch die Snapchat-Sticker mit dem Update ins Deutsche übersetzt, mit gemischtem Erfolg. Aber die Snapchat Sticker waren ja sowieso noch nie die schönsten.
Ist „The Force Awakens“ nur ein Star Wars Remix? Kirby hat einen neuen Teil seiner „Everything is Remix„-Reihe vorgelegt und sich diesmal monothematisch mit Star Wars Episode 7 – The Force Awakens auseinandergesetzt.
Star Wars 7 ist nur ein Remix von „A New Hope“
Denn obwohl der Film von den meisten Fans begeistert aufgenommen wurde, gab es an manchen Ecken Kritik, dass es dann doch nur eine Aufwärmung des Original Star Wars Filmes sei: Noch ein Todesstern, noch ein Waisenkind auf einem Wüstenplanet, noch ein Bösewicht mit Maske…
Kirby Ferguson zeigt in seinem Video, dass es schon immer der Stil von Regisseur J.J. Abrams war bekannte Elemente zu kombinieren. Das war sicherlich auch einer der wichtigsten Gründe, weshalb er als Regisseur ausgewählt wurde, schließlich hat er es mit Star Trek bereits geschafft, das Franchise wieder zu beleben ohne alte Fans zu verprellen.
Auch der erste Star Wars war ein Remix
Wobei auch der erste Star Wars bereits etliche Remix Inhalte enthielt: Angefangen bei der klassischen Heldenreise-Struktur und Figuren aus Flash Gordon, ja selbst. Das hat Kirby Ferguson auch schon in der ersten Remix Reihe behandelt.
https://vimeo.com/139094998
Während George Lucas aber vor allem Figuren, Einstellungen und Looks remixt, neigt Abrams dazu ganze Storyelemente zu übernehmen. Klar, sind Luke und Rey beide nur knapp im Millennium Falken den Stormtroopers entkommen, schauten in einer Cantina voller merkwürdiger Wesen und eingängiger Melodien vorbei und mussten einer älteren Führerfigur folgen und sie verlieren.
Das Neue am Star Wars Remix „The Force Awakens“
Auf der anderen Seiten sind es die neuen Elemente, die den neuen Star Wars so gut machen: Ein übergelaufener Stormtrooper, ein zweifelnder, unsicherer Bösewicht und eine starke weibliche Hauptfigur.
Fazit: „Star Wars – The Force Awakens“ is a remix. But so is everything else.
“TTIP ist zu weiten Teilen intransparent. Das hat sich heute Nacht geändert.” So wurde die erste Session heute auf der re:Publica eröffnet. Dahinter stecken die #TTIPLeaks, die Veröffentlichung der bislang geheimen Verhandlungsdokumente zum transatlantischen Freihandelsabkommen.
Greenpeace hat heute Nacht die Originaltexte auf den Reichstag gebeamt mit einem Lichtbeamer, einen öffentlichen Leseraum vor dem Reichstag eingerichtet und unter ttip-leaks.org alle Dokumente zum download bereitgestellt.
Wer ist die Quelle der TTIP Leaks?
Nicht die Originaldokumente wurden veröffentlicht, sondern Abschriften, für den Quellenschutz. Die Originale sind gekennzeichnet und so wäre ein Rückschluss auf die Quelle möglich.
SZ, WDR und NDR haben mit ihrer Recherche die Echtheit der Dokumente überprüft.
Die Texte spiegeln den Stand aus dem April 2016, vor der letzten Verhandlungsrunde wieder. 13 Kapitel wurden veröffentlicht, nach neustem Stand gibt es wohl 17 konsolidierten Texte.
Kommt mit TTIP das Chlorhünhchen?
Das Chlorhünchen wird man wortwörtlich im Text nicht finden. Aber man findet Vorschläge der Amerikaner, wie in Zukunft Regulierung passieren soll. Die EU hat eine andere Vorgehensweise Gefährdungen festzustellen als die Amerikanische Seite. Während die EU nach dem Vorsorgeprinzip handelt, lassen die Amerikaner ein Verbot oder Einstellung von Handelsgütern nur zu, wenn eine Schädlichkeit eindeutig nachgewiesen wird – und fordert die Übernahme dieser Herangehensweise durch das Freihandelsabkommen.
Keine Abmachungen zu Klimawandel, obwohl Obama sich das zum Abschied seiner Präsidentschaft auf die Fahnen geschrieben hat.
Ist TTIP nach den TTIP Leaks noch zu retten?
Greenpeace hält TTIP für nicht zu retten, sondern fordert einen Neustart der Verhandlungen unter transparenten, demokratischen Bedingungen.
Greenpeace glaubt, dass sich durch das Leak die Debatte verändern wird. “Ein weiter so kann es nicht geben.”
Autozölle gegen Gentechnik
Jetzt kennt man auch die Positionen der Amerikaner. Und ihre Verhandlungstaktik ist an einer Stelle recht offensichtlich: Gerade bei den Autozöllen, wo die Europäer auf mehr Zutritt zum amerikanischen Markt hoffen, wollen die USA nur nachgeben, wen sie ihm Gegenzug ihre “modernen Landwirtschaftsprodukte”, wie hormonbehandeltes Rindfleisch einführen dürfen.
Nach Einschätzung von Greenpeace sind die umstrittenen Schiedsgerichte nicht endgültig vom Tisch, sondern Konzerne sollen weiterhin das Recht bekommen sich zusätzlich zur normalen Gerichtsbarkeit Gehör und Sonderrechte zu verschaffen.
Facebook hat auf seiner Entwicklerkonferenz f8 wieder viele interessante Neuerungen vorgestellt, einige davon verändern auch, welche Möglichkeiten Medien auf der Plattform haben.
Der Messenger wird zu Plattform
Der Facebook Messenger hat mittlerweile 900 Millionen monatlich aktive Nutzer, genug für Facebook um ein eigenes Ökosystem drumherum zu entwickeln. Deswegen öffnet man nun, wie bereits letztes Jahr angekündigt, den Messenger für Business. Für Medien interessant: Es sind auch Nachrichtenbots möglich, die den Nutzer automatisch mit aktuellen Stories versorgt und auf Nachfrage eine gezielte Auswahl präsentiert. Wer das mal ausprobieren möchte: CNN und das WSJ haben bereits einen solchen Bot. Dazu einfach die Messenger-App auf dem Handy öffenen und ins Suchfeld klicken. Hier werden einem neben menschlichen Freunden auch gleich einige Bots vorgeschlagen oder man kann nach ihnen suchen. Im Moment ist das ganze noch eindeutig Beta, so fidne ich persönlich momentan den lediglich simulierten Bot von Quartz noch wesentlich charmanter.
Eigenes Video Tab
Video ist weiterhin Facebooks wichtigstes neues Medium und besonders mit den Livevideos haben sie einen Glücksgriff gelandet. So bleiben die Leute bei Livevideos länger dran und kommentieren auch 10x mehr als bei normalen Videos. Deshalb spendieren sie den Videos nun auch ein eigenes Tab in der Facebook-App.
Die Facebook Live API
Aber nicht nur der Zugriff auf die Facebook Live Videos wird einfacher, auch die Produktion wird besser und professioneller. Bislang konnt man nur aus der App heraus und damit mit einer einfach Handykamera streamen. Mit der Ankündigung der Facebook Live API werden aufwändigere Livestreams möglich – inklusive Regiearbeit. Facebook geht dazu aber auch mit Kameraherstellern zusammen, zum Beispiel soll die DJI Phantom Drohne* direkt livestreamen können und die Mevo Webcam mit einem Knopfdruck gleich merehre Perspektiven liefern. Wir können uns also auf mehrere Kamerawinkel, Einblendungen und Interaktionen einstellen. Früher kannte man das aus Fernsehen.
Die Antwort auf Freebooting: Facebook liefert eine Art Content ID
Nicht direkt in der Keynote, aber auf der Webseite kündige Facebook den Rights Manager an: Eine Software mit der Medien die eigenen Inhalte und Urheberrechte auf Facebook schützen können. Damit reagiert Facebook auf die anhaltende Kritik, das viele Seiten einfach Videos geklaut und damit Reichweite generiert haben. Noch ist man auch hier im Beta Stadium, so funktioniert das Uploaden großer Mengen noch nicht direkt und auch die Bedienung hört sich weiterhin nach viel Handarbeit an. Aber man wollte wohl vor allem viele der YouTuber ruhigstellen, die sich über entgangene Einnahmen wegen geklauter Videos beschwerten.
Facebook Videos auf mehreren Seiten veröffentlichen
Eine weitere Video-Neuerung, die für viele Medien mit mehreren Facebookseiten interessant wird ist die Möglichkeit Videos zentral auf mehreren Seiten zu veröffentlichen. Über den Facebook Business Manager kann man ein Video nun einmalig hochladen und dann für mehrere Facebookseiten zur Veröffentlichung freigeben. Das erleichtert, welche Seite im Unternehmen das Knallervideo hochladen darf und wer dann von da teilen muss und es ermöglicht zentrale Analytics, die Views werden nämlich alle zusammen gezählt.
Zitate teilen und Artikel speichern
Zwei kleinere Neuerungen, die aber dennoch für viele Medien interessant sein dürfte ist die erweiterung der Speichern Funktion und der Einführung von Zitaten. Der „Teilen“-Dialog soll es nun auch ermöglichen Zitate aus einem Artikel, Text oder Buch direkt mitzugeben, ähnlich wie Medium das schon für Twitter realisiert hat. Außerdem soll die „Speichern“-Funktion mit der man sich bislang auf Facebook selbst Artikel oder Posts für später merken konnte für das gesamte Web ausgerollt werden. So das sich Nutzer auf Webseiten Artikel in ihre Facebook-Liste speichern können. Damit wird Facebook zu einem echten Instapaper oder Pocket Konkurrenten. Ausprobieren kann man das hier mal mit diesem Artikel:
Instant Articles für alle
Auch das die Facebook Instant Articles für alle geöffnet werden war schon vor der f8 bekannt und bekam deshalb gar keine Erwähnung in Zuckerbergs Keynote. Seit heute können sich Publisher – vom Blogger bis zur Sendeanstalt – bei Facebook für Instant Articles anmelden. Facebook nutzt die Möglichkeit aber um nochmal Argumente nachzulegen und sagt, dass Instant Articles mehr Interaktionen und 30% mehr Shares aufweisen, versichert gleichzeitig, dass sie gegenüber Link Posts nicht vom Algorithmus bevorzugt werden. Ich prophezeie, dass die meisten deutschen Medien sich auf Instant Articles stürzen werden – egal ob es zur Strategie passt oder nicht. Aber welches deutsche Medium hat schon eine Strategie?
Der Roboter liest den Newsfeed
Facebooks künstliche Intelligenz wurde ebenfalls als wichtiges Feld für die nächsten 10 Jahre vorgestellt. Präsentieren konnte man bereits eine Bildererkennung, bei der automatisch eine Beschreibung dessen erstellt wird, was auf einem Bild zu sehen ist, um sie Beispielsweise Blinden vorzulesen. Aber man will diese Technologie auch einsetzen um den Algorithmus im Newsfeed zu verbessern. Der Roboter liest also die Texte und betrachtet die Bilder um besser zu identifizieren, welche interessant sein könnten.
Sicher erinnern sich noch ein paar, an den schüchternen Pullunderträger mit Halbglatze,der umsorgt von seiner Mutter, die Habanera Arie aus Carmen anstimmt. Plötzlich wird ein Mann mit Gagball im Rollstuhl herein geschoben und ein Cellist im Ganzkörperlatexoutfit greift zum Bogen. Aus der aus der Opernarie wird eine wilde Party.
Aus der Opernarie wird eine wilde SM-Party
Für dieses Werk voller Spezial Effekte und geschicktem Timing wurde MeTube 2013 mit dem Deutschen Webvideopreis in der Kategorie EPIC ausgezeichnet. Eine Crowdfunding-Kampagne später sind sie mit dem zweiten Teil zurück.
Insgesamt hat Regisseur Daniel Moshel auf Indiegogo über 25.000$ gesammelt um gemeinsam mit der Bayrischen Staatsoper den zweiten Teil zu realisieren.
Oper auf Acid
Diesmal spielt das ganze nicht im trauten Heim, sondern mitten auf einem Marktplatz. Elfie und August, die zwei oben beschriebenen Charaktere aus Teil 1, verdingen sich als Straßenmusiker und kaum wirft ein junge ihnen eine Münze in den Hut startet das Spektakel von neuem. Diesmal wird Karl Orffs „Carmina Burana“ zum Soundtrack für einen Acid-Trip, wie sie selbst ihre Arbeit beschreiben.
Imagine a flashmob that is the love child of Opera, Pulp Fiction and Grumpy Cat!
Oper trifft Pulp Fiction, Flashmob und Grumpy Cat
Als Opernflashmob bezeichnet Moshel das ganze, mit einer Prise Pulp Fiction und Grumpy Cat. Gleichzeitig ist dem Team ein weiteres Webvideomeisterwerk gelungen. VFX, Kamera und Viralität in dieser Perfektion sieht man in Deutschland leider selten. Ganz großes Kino.
Snapchat verstehen, soll hier das Thema sein, denn ich habe ja versprochen in meinem Newsletter monothematischer zu werden. und aktuell bin ich, wie gefühlt die gesamte Medienbranche, fasziniert von Snapchat. Ich bin etwas genervt, von Journalisten, die sich immer noch hinstellen und sich fast damit brüsten die Plattform nicht zu verstehen. Ja, 2014 habe ich mich damit auch schwer getan, aber seit her habe ich an meinem Verständnis gearbeitet. Gemerkt, dass sich hier ein Soziales Netzwerk in Stellung bringt und finde jetzt, dass Snapchat viele spannende Möglichkeiten bietet. Deswegen sammle ich hier mal, was ich so gelernt habe und lasse Dich daran teil haben.
Snapchat verstehen: So benutzt die Jugend Snapchat
Interview mit dem 17-Jährigen Georg über seine Snapchat-Nutzung
Um Snapchat zu verstehen, habe ich mich mit dem 17-jährigen Georg zusammengesetzt. Schließlich hört und liest man überall, dass die Nutzer von Snapchat vor allem sehr jung sind. Deshalb habe ich ihn gefragt, wie Jugendliche Snapchat benutzen. Interessanteste Erkenntnis: Es geht im die Kommunikation von Momenten. Weniger um Absprachen, sondern das Teilen des Moments, deshalb ist auch nicht schlimm, wenn dieser dann wieder verschwindet. Auf Medieninhalte wartet Georg dort erstmal nicht.
Das hindert mich aber nicht, nicht trotzdem darüber nachzudenken, wie „professionelle“ Medieninhalte für diese Plattform aussehen können. Denn ein theoretisches „Snapchat verstehen“ reicht mir nie aus, ich will immer auch selbst die Plattform erleben. Zu mal, ganz pragmatisch, mein Freundeskreis erst so nach und nach auf Snapchat stößt und so die direkte Kommunikation über die Plattform erst langsam in Schwung kommt. Deshalb habe ich eine eigenes Snapchatformat entwickelt: „#TIL – Heute habe ich gelernt“, in dem ich versuche interessante Fakten auf Snapchat zu transportieren. Für die Nachwelt gibt es das ganze dann auch noch auf YouTube. Warum erst Snapchat und dann YouTube erkläre ich im Artikel.
Für alle die jetzt neugierig geworden sind, die App gern ausprobieren wollen, aber mit der App selbst Probleme haben, habe ich ein Videotutorial gemacht, dass durch Snapchat führt. Denn das ist das dritte Hindernis Snapchat mal auszuprobieren: Das User Interface, Benutzerführung und Selbsterklärung sind quasi nicht vorhanden. Deswegen hier eine Schritt für Schritt Anleitung für Snapchat und wo sich was in der App verbirgt.
So, jetzt gibt es eigentlich keine Ausrede mehr für dich, Snapchat nicht auszuprobieren. Ich denke Snapchat wird noch weiter wachsen und interessanter werden. Alle reden über Messenger als Zukunft des Netzes und da ist Snapchat gestartet. Gleichzeitig haben sie mit den Stories ein spannendes Feature, bei dem die ersten schon die Fernsehvergleiche auspacken. Da ich wenig Fernsehnutzung habe, knabbert Snapchat bei mir vor allem an der YouTube-Nutzung.
Und der persönliche Relevanzcheck: Auf dem Weg zum Supermarkt unterhielten sich die Jugendliche vor mir ob der eine den Snap des anderen bekommen hätte. Wenn ich Social Media Plattformen im Real Life, außerhalb der Bubble, begegne werde ich immer hellhörig.
P.S.: Achso und falls du mir auf Snapchat folgen willst:
Eine Snapchat Anleitung ist gar nicht verkehrt: Die Snapchat-App hat viele versteckte Gesten, vertraut auf das Wischen und wimmelt vor Funktionen. Obwohl Snapchat steigende Nutzerzahlen vermeldet geben viele an die App nicht zu verstehen. Deshalb dachte ich mir ich mache eine Anleitung für erste Schritte mit Snapchat.
Eine Snapchat Anleitung fehlt
Die App lässt einen zu Beginn erstmal alleine, eine Snapchat Anleitung fehlt und man wir direkt von einem Kamerabildschirm mit allerhand Symbolen begrüßt. Die meisten davon führen einen gleich zu anderen Bildschirmen. Deswegen erklärt meine Snapchat Anleitung: Wie nehme ich ein Snapchat Video auf? Wie nehme ich einen Snap auf? Wo finde ich die Snapchat Filter? Wo finde ich den Ortsfilter bei Snapchat? Und diese lustigen Selfiefilter bzw. Linsen bei Snapchat erkläre ich auch.
Den Ortsfilter findet man indem man auf dem fertigen Snap einmal nach links wischt, den Selfiefilter vorher im Kameramodus, indem man lange auf das Gesicht tippt.
Beachten sollte man die erweiterten Einstellungsmöglichkeiten von Snapchat, hier kann man Filter aktivieren und den Reisemodus aktivieren. Damit verbraucht Snapchat weniger Daten und Akku und lädt aktuelle Snapchat nur wenn man die App auch aktiv benutzt. Für die Ortsfilter braucht Snapchat natürlich auch Zugriff auf die Ortungsdienste.
Erste Schritte mit Snapchat
Auch wie Ihre euer Snapchat Profil bearbeiten könnt und den Namen eurer Freunde ändern könnt erzähle ich in meiner Snapchat Anleitung. Aber da die App tatsächlich recht kompliziert ist ist das Video auch gleich 17 Minuten lang, schließlich bekommt die App auch ständig neue Funktion. Neuerdings kann man auch mit Snapchat telefonieren.
Die neue Telefon und Videomessage Funktion versteckt sich in der Chatansicht von Snapchat.
Neue Snapchat Nutzer adden
Um neue Nutzer bei Snapchat hinzuzufügen gibt es gleich drei Möglichkeiten: den Nutzernamen eingeben, den Snapcode in der App abfotografieren oder gleichzeitig die „In der Nähe“ Funktion aktivieren. Außerdem kann man auch das eigene Adressbuch synchronisieren, damit wäre ich aber immer vorsichtig. Schließlich lädt man dabei auch die Telefonnummern und Adressen anderer hoch.
Nur eine Frage kann ich schlecht beantworten: Wem soll ich bei Snapchat folgen? Ich kann natürlich meinen Kanal empfehlen (Nutzername: netzfeuilleton) und da draußen gibt es viele Listen mit Snapchat Nutzern, denen es sich zu folgen lohnt. Aber in der App selbst tolle Snapchat Nutzer zu entdecken ist schwierig oder kaum möglich. Eine Möglichkeit versucht Snapgeist anzubieten, das Snapchat Nutzer in verschiedenen Kategorien vorschlägt. Inzwischen gibt es auch ganze Snapchat Formate, die Nutzer auf der Plattform verfolgen, andere nutzen sie als Tagebuch oder vor allem zur Kommunikation.
Snapchat ist noch immer in alle Munde und Hirne. Medienmacher, Marketeers und Journalisten grübeln ob und wie sie Inhalte für eine Plattform erstellen sollen, bei der nach 24 Stunden alles wieder verschwindet. Interessanterweise tun sich gerade Onlinejournalisten schwer damit, die es gewohnt sind, für ein ewiges Archiv zu arbeiten. Alte Journalisten sind da fast schon wieder im Vorteil, schließlich war es lange üblich, dass Fernsehbeiträge sich versenden und die Zeitung von gestern „old news“ ist. Aber auch von YouTubern erreicht mich die Frage: Wieso machst du dir den Aufwand, Inhalte für Snapchat zu machen? Du könntest das doch auch für YouTube tun.
Der Reiz von Snapchat
Also dachte ich mir, erkläre ich mal ein bisschen, was für mich aktuell den Reiz von Snapchat ausmacht, um dort auch journalistisch angehauchte Formate auszuprobieren. Es reicht mir nicht aus, eine neue Plattform nur von außen zu betrachten und schlimmstenfalls sogar zu belächeln. Dazu bin ich noch nicht „zu alt“ genug. Ich will selbst die Möglichkeiten ausprobieren, testen und versuchen zu verstehen, was den Reiz ausmacht. Speziell dann, wenn es so ein massives Nutzerinteresse aufweist, wie Snapchat. Auch wenn ich im Interview mit dem 17-jährigen Georg erfahren haben, dass die Jugendlichen nicht unbedingt auf Medieninhalte auf Snapchat warten, sondern vor allem auf Kommunikation untereinander setzen. Mir fehlen die Schulkameraden, die darüber kommunizieren, deswegen liegt mir der Zugang über ein mediales Format näher.
Mein Format: Heute habe ich gelernt
Mein Format heißt im Moment programmatisch „#TIL – Heute habe ich gelernt“. Darin teile ich in unregelmäßigen Abständen in einer Snapchat-Story für mich interessante Fakten und Zusammenhänge, die ich kürzlich erfahren habe. Ich habe schon über den ehemaligen Grenzstreifen zwischen BRD und Sowjetstaaten gesprochen, Lachskanonen, das Alkoholverbot in Irland an Karfreitag, ausgedachte Orte auf Straßenkarten und darüber, warum Piraten eigentlich Augenklappen tragen. Dafür nutze ich die snapchattypische Mischung aus kurzen Videoclips und Fotos mit Text, Emojis und Kritzeleien on Top.
Snapchat ist ein simples Video-Tool
Diese einfache Mischung aus Video und Foto fand ich von Anfang an spannend. Und ich finde, der Aufwand ist erstaunlich gering. Vor allem, wenn man es mit klassischer Postproduktion vergleicht. Da ist jede eingefügte Grafik oder Schrift ein Aufwand. Bei Snapchat bin ich im Prinzip zum Schnitt in der Kamera gezwungen und Special Effects entstehen tatsächlich mit einem Finger.
Wie aus Snapchats Schwächen Stärken werden
Das bedeutet einerseits, dass man seine Story etwas im Voraus planen muss, gleichzeitig veröffentlicht man sie aber schrittweise (Videoschnipsel können maximal 10 Sekunden lang sein) und kann so währenddessen noch auf Fragen reagieren, die Story länger oder kürzer machen. Zur Geschichte über das Alkoholverbot am Karfreitag in Irland habe ich beispielsweise abends noch ein Addendum gedreht und hinterhergeschickt, als ich doch noch ein Hotel gefunden habe, dass Alkohol ausschenkt. So haben sich für mich einige der Schwächen oder Begrenzungen von Snapchat im Nachhinein als Stärke erwiesen. Ich meine, im Vergleich zu einem YouTube-Video fällt die gesamte Postproduction weg. Dadurch ist es schon beinahe wieder weniger Aufwand. Aber das ist nur einer der Gründe, weshalb ich dieses Format auf Snapchat produziere und nicht auf YouTube.
Für ein Publikum, nicht einen Algorithmus
Denn tatsächlich erreiche ich auf Snapchat mehr Leute. Dabei mache ich YouTube mittlerweile seit mehreren Jahren, habe Click-Hits mit 100.000 oder 30.000 Aufrufen gelandet und 850 Abonnenten gesammelt. Trotzdem erreiche ich auf Snapchat momentan mehr Menschen. Denn von meinen 850 Abonnenten erreiche ich bei YouTube längst nicht mehr alle. So kommt es, dass ein reguläres YouTube-Video von mir innerhalb von zwei Wochen gerade einmal 140 Aufrufe erzielt. Ohne an dieser Stelle zu tief in die Probleme einzusteigen, die YouTube hat, liegt das vor allem am YouTube-Algorithmus. Längst bekommen nicht mehr alle Abonnenten alle Videos angezeigt und der Algorithmus belohnt vor allem Kanäle, die sehr regelmäßig produzieren. Bei Snapchat gibt es das (noch) nicht. Hier werden einem alle Stories angezeigt, lediglich nach Aktualität sortiert. Und ohne zu wissen, wie viele Abonnenten ich dort genau habe, kann ich sagen, das meine Stories dort hunderte Abrufe erreichen. In 24 Stunden.
Bei SNAPCHAT produziert man noch für ein Publikum, nicht für einen Algorithmus.
Snapchat wächst — und ich mit
Für mich ein weiteres Indiz dafür, wie intensiv die Nutzung von Snapchat derzeit ansteigt. Und ich würde lügen, würde ich nicht zugeben, dass dies nicht auch ein Teil der Überlegung ist, dieses Format jetzt zu probieren. Auf YouTube kann man mit einem neuen Format derzeit niemand hinter dem Ofen hervorlocken. YouTube als Plattform wächst auch nicht mehr so rasant, Snapchat dagegen schon. Hier hat man also noch die Chance, mit der Plattform mitzuwachsen.
Resonanz in den Medien
Auch die mediale Aufmerksamkeit liegt auf Snapchat. Und so führt das Format dazu, dass mein Account auf Medienportalen zum Folgen empfohlen wird oder die Themen darin von anderen Medien aufgegriffen werden.
Das alles bedeutet, dass Snapchat im Moment für mich die Plattform ist, um Neues auszuprobieren und ein junges Publikum zu erreichen. Und sogar von Georg habe ich schon ein Lob für meine Stories bekommen.