2016 soll ja irgendwie das Jahr der Messenger werden. Das stellt Medien also wieder einmal vor die Herausforderung, wie kann man Inhalte über Messenger sinnvoll verbreiten. Eine Idee hat nun Quartz vor gestellt: Ihre neue iPhone App folgt einem Messenger Layout und neue Nachrichten und Schlagzeilen erreichen einen in einer Chat-Bubble.

Und das hat einige interessante Effekte:

1. Nachrichten, als würde sie mir ein Freund erzählen

Die Nachrichten wirken tatsächlich so, als würde sie mir ein Freund erzählen. Vor allem weil Quartz nicht vor Emojis, GIFs oder jeder Menge popkulturellen Anspielungen zurückschreckt.

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2. Ich lese die Nachrichten wirklich

Dadurch lese ich die Nachricht auch tatsächlich durch. Sie ist ja nur eine Chat-Bubble lang und kommt wie eine Unterhaltung daher.

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3. Ich kann mich schlagfertig fühlen

Ich selbst kann mich schlagfertig fühlen. Denn als Nutzer kann ich auch jeder Nachricht antworten. Mit vorgefertigten Nachrichten und mir stehen immer zwei zum anklicken zur Auswahl. Eine davon erzählt mir mehr zu der Nachricht, die andere lässt den Chatbot zur nächsten Nachricht springen.

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4. Ich fühle mich informiert

Ich fühle mich informiert. Nach ungefähr vier Nachrichten hat der Chatbot fertig erzählt, sagt das ist alles und ich soll später wiederkommen. Ich habe einen Nachrichtenüberblick bekommen und mich sogar intensiver damit beschäftigt, als wenn ich einmal die Startseite der einschlägigen Nachrichtenportale überfliege. Mit dieser Form des Nachrichtenkonsums sollte man die Chat-App von Quartz auch vergleichen, nicht mit den intensiven Lesen einer ganzen Zeit ePaper-Ausgabe. Ich kann übrigens auf jede einzelne Chat-Nachricht klicken und komme dann auf den kompletten Artikel auf qz.com zu dem Thema. Allerdings enthält der oft gar nicht viel mehr Infos als tatsächlich in den Chats stehen, es ist nur anders aufbereitet.

Messenger Journalismus

5. Ich gucke mir sogar die Werbung an

Ich nehme die Werbung wahr. Quartz hat schon mit dem Start seiner Webseite interessante neue Werbeformen ausprobiert, die weniger stören als Banner-Overlays und trotzdem besser wahrgenommen werden. So auch mit der Chat-App: Wenn der Bot fertig erzählt hat erscheint eine gesponserte Nachricht. Klar erkennbar, aber ich nehme sie natürlich ganz anders war, weil ich ja gerade im “Ich chatte mit Freunden”-Modus bin. Wirklich clever und nicht zu aufdringlich.

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Bonus: Quartz bekommt Daten über Nachrichtennutzung

Als kleinen Bonus bekommt Quartz natürlich jede Menge Informationen darüber, wie die Nutzer Nachrichten wahrnehmen. Welche Nachrichten finden sie wirklich interessant? Wo wollen sie mehr erfahren? Welche News überspringen sie einfach und wann klicken sie weiter auf die Webseite? All das kann Quartz aus der Reaktionen der Nutzer erfassen und damit das eigene Angebot verbessern.

Eigene App gegen andere Messenger

Das große Problem: Es ist eine App

Und nun kommen wir zum großen Problem der Quartz Nachrichten App: Es ist eine eigene App. Die Chats finden eben nicht in dem Umfeld statt in dem ich mit meinen Freunden chatte. Sie sind nicht in WhatsApp, dem Facebook Messenger oder iMessage, sondern ich muss gezielt die App öffnen und sagen: Ja, jetzt will ich mich durch Nachrichten klicken und nichts anderes. Sicher hat Quartz das genutzt und einige interessante Funktion einprogrammiert (Zum Beispiel, das jede Chatnachricht verlinkt ist zum Artikel und die vorgegebenen Antworten), aber es stellt Quartz vor die Herausforderung Menschen erst einmal dazu zu bringen die App zu installieren und dann täglich zu nutzen. Sicher, WhatsApp hat sich in letzter Zeit nicht gerade begeistert von Medienpartnerschaften gezeigt und viele wieder rausgeschmissen. Aber alle Medien, die WhatsApp bislang nur als Push- und Eilmeldungskanal missbrauchen, können sich von der Quartz-News App einiges abschauen.

2016: Das Jahr des Messenger Journalismus

Die zweite große Frage ist: Wäre so etwas nicht auch im Facebook-Messenger möglich? Es ist bekannt, das Facebook seinen Messenger zur Plattform ausbauen will und Firmen ermöglichen möchte, darüber Kundenkontakt abwickeln. Und Bild.de experimentiert mit seinen Transfernachrichten bereits mit der Messenger API. Hier wird sicher noch einiges kommen. Und nehmen wir noch all die aktuellen Snapchat-Experimente der Medien hinzu wird 2016 sicher das Jahr des Messenger Journalismus, in dem Medien versuchen, wie sie Teil der privaten Kommunikationskanäle werden.

 


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