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Politik im Netz – Ein Gedicht

Die politische Zielgerade scheint überholt und die Gemüter kochen auf allen Seiten. Vorwürfe machen täglich die Runde und zwischen allem Hin- und Her führt kein klärender Dialog zu echten Kompromissen. Als Bilanz der Exkursion beider Fronten entstand dieses Gedicht über die Stimmungsbilder und ihre Verantwortlichen.

Die Diskussion der Wände

Achje, Zensur rufen sie stur,
die Seeräuber auf ihren Brettern,
doch stürmen sie nur,
Protest in 140 Lettern.

Höhnisch lacht sie, die Dame,
die Kinder weinen leise,
und schon wechselte ihr Name,
und zieht doch nur die selben Kreise.

Die Frust im Geflecht ist mächtig,
über die ahnungslosen Alten,
doch machen sich selbst verdächtig,
die tauben Tastaturgestalten.

Mit all den gleichen Phrasen,
schlendern sie auf beiden Seiten,
ach, nicht nur die alten Hasen,
dem Dialog doch entgleiten.

Doch an was sie sich störten,
ignorierten die großen Spitzen,
von hunderttausend Empörten,
ließen sie alle sitzen.

Selbst ihre Helden versäumen alle Skeptik,
als wollten sie übel scherzen,
schaffen es in aller Hektik,
kaum den Leugner auszumerzen.

Da spricht der ehemalige Verräter,
mögen die Roten ihn vermissen,
so will der vermeintliche Täter,
nun auch den Totenkopf hissen.

Und das Schild in aller Breite,
halten die Alten schützend in den Händen,
als flüchteten sie in aller Weite,
vor den Flaggen an den Kabelenden.

Ach, welch Traum sie doch leben,
von behüteten Kindern,
wenn sie die Schilder heben,
keinen Schmerz, sie lindern.

Aber auch die Krieger im Trubel,
doch nur menschliche Figuren,
hysterisch blind im Jubel,
verlassen sie bald ihre Spuren.

Wo sind die Bombenleichen,
aus all den Datenfluten?
Es ist leicht zu erbleichen,
wenn Schüler wieder bluten.

Und all die große Kunst,
stirbt noch vor der Zeitung,
denn im digitalen Dunst,
verkauft der Künstler Kleidung.

Ach je, ihr Großen und Kleinen,
ihr allseits Guten und Bösen,
wann wollt ihr euch vereinen,
und endlich Probleme lösen?

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Dieses Gedicht steht unter folgender CreativeCommons-Lizenz.
Das Foto ist von Hanadi Traifeh und steht unter dieser Lizenz.

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Blumentopf: Beweg dein Arsch, Geh zur Wahl!

Das hört sich doch wesentlich besser an als das massive „Geh nicht hin!“-Gelaber und ist dabei auch noch, ganz ohne Vorschlaghammer, lustiger.                         [via]

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Gewalt? Ohne mich!

Bild: CVJM Würzburg (c)

Bild: CVJM Würzburg (c)

Gewalt breitet sich unter Jugendlichen – nicht zuletzt durch das Internet und Neue Medien – auf immer mehr Bereiche aus. Warten, bis etwas passiert und dann reagieren? Oder doch vorher agieren und präventiv handeln? Doch was ist sinnvoll und hilft? „Zammgrauft“ ist ein Gewaltpräventionsprojekt, das Jugendliche für Gewaltsituationen sensibilisiert und Handlungsalternativen aufzeigt – mit beachtlichem Erfolg.

Es ist Abend, Sie sitzen im Bus, mit Ihnen ein paar andere Leute. Dazu einige Reihen vor Ihnen ein einzelner Jugendlicher. Um ihn herum stehen zwei weitere, die ihn offensichtlich belästigen und seinen Geldbeutel sowie sein Handy fordern. Als dieser der Aufforderung nicht nachkommt, bedrohen sie ihn, woraufhin er den beiden doch die Gegenstände ausliefert. Die Jugendlichen verschwinden.

Eine Situation, wie sie täglich in Bussen, Bahnen und auf offener Straße vorkommt. Gerade in Schulen werden Mobbing und Gewalt in immer anderen und neuen Art und Weisen zum zunehmenden Problem. Auch unter Mädchen, die immer mehr ebenfalls auf körperliche Gewalt zurückgreifen. Dazu stellt das so genannte Cybermobbing eine neue Art des Mobbings dar, auf die Lehrer wie Eltern zumeist noch hilfloser reagieren als bisher eh schon, sofern es überhaupt bekannt wird. In diesem Punkt sind sich Pädagogen, Lehrer und Polizei einig: Zeit, sich zu überlegen, was sinnvoll getan werden kann, um die Gewalt einzudämmen und sogar präventiv zu agieren anstatt erst hinterher zu reagieren. Streetwork, wie es schon seit Jahren gemacht und stetig weiter ausgebaut wird, und Schulsozialarbeit bieten hier bereits adäquate Optionen. Ebenso geeignete Anlaufstellen für Jugendliche und deren Eltern in allen möglichen Lebenslagen, um nur Beispiele zu nennen. Doch das reicht nicht.

Seit 2001 gibt es in München und Umgebung ein Gewaltpräventionsprojekt mit dem Namen „zammgrauft – Ein Polizeikurs von Anti-Gewalt bis Zivilcourage“ (hochdeutsch: zusammengerauft). Wegen des großen Erfolges wird dieses Projekt seit letztem Herbst nun auch in Würzburg angeboten. Hier kooperieren die Polizei, der CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen), der Jugendarbeit in Würzburg macht, und das Jugendamt miteinander, was sich sehr positiv auf die Zielsetzung und Durchfühung auswirkt. Der zweitägige Kurs, der von ausgebildeten Multiplikatoren zusammen mit Jugendbeamten der Polizei durchgeführt wird, ist besonders für Schulklassen aller Schularten, z.T. aber auch für Jugendgruppen konzipiert. Er hat das Ziel, die Jugendlichen auf Gewaltsituationen vorzubereiten, Anti-Gewalt-Strategien zu vermitteln und Gemeinschaft sowie (Selbst-) Vertrauen und Zivilcourage zu entwickeln. In interaktiven Trainingseinheiten und Rollenspielen verbunden mit ständiger Reflexion entsteht eine Gruppendynamik, so dass sich alle Teilnehmer intensiv mit Gewalt auseinandersetzen, um am Ende auf einen gemeinsamen Nenner für den Umgang mit Gewaltsituationen zu kommen. Zur Erinnerung und Verinnerlichung werden die gemeinsam erstellten Verhaltensregeln aufgeschrieben und können später ins Klassenzimmer gehängt werden. Besonders an zammgrauft: Es ist davon auszugehen, dass sich in entsprechend großen wie zufällig zusammengewürfelten Gruppen wie Schulklassen jeweils Täter wie Opfer von Gewalt befinden, die zusammen das gleiche Programm durchlaufen. So ist es für beide Seiten möglich, in spielerischen Aktionen und nicht im Kontext einer Konfliktsituation von ihren Rollen Abstand zu nehmen, neue Verhaltensweisen auszuprobieren und die eigenen sowie die Grenzen anderer wahrzunehmen.

Die Vermittlung von Anti-Gewalt-Strategien soll besonders durch die Sensibilisierung für verschiedene Formen von Gewalt (nicht nur körperlicher), Opfer und die Verletzlichkeit des Körpers erfolgen. Auch sollen Faktoren für die Eskalation einer Auseinandersetzung sowie Handlungsalternativen (ohne Gegengewalt) aufgezeigt werden. Beispielsweise wird eine Situation simuliert, in der ein Opfer verletzt am Boden liegt und andere Menschen stehen um es herum und schauen es an. Hier erfahren die Schüler einmal am eigenen Körper, wie es ist, hilflos zu sein. Und auch im genannten Bus-Beispiel wird das bestohlene Opfer durch einen Schüler gespielt.

Im Bereich der Zivilcourage wird ein optimales Opfer- wie Helferverhalten erlernt und ein adäquates Zeugenverhalten nahe gebracht. Worauf sollte man als Zeuge einer Gewaltsituation achten? Wie sollte man sich als Helfer am besten verhalten? Wie sinnvoll sind Waffen wie Messer zur Selbstverteidigung? Und was bedeutet zivilcouragiertes Verhalten eigentlich?

Immer wieder berichten Lehrer auch Wochen und Monate nach dem Kurs von einer wesentlich verbesserten Klassengemeinschaft und veränderten Rollen einzelner Schüler innerhalb der Gruppe. Außenseiter konnten integriert werden und Jugendliche, die besonders durch delinquentes Verhalten auffielen, schafften es teilweise, Abstand von gewalttätigem Verhalten zu nehmen. Allein durch die Kommunikation innerhalb der Gruppe, die für die Rollenspiele nötig ist, veränderte sich schon die bisherige Gruppendynamik. Zudem wird gemeinsam ein akzeptierter Regelkatalog erarbeitet. Und nicht zuletzt die verbesserte oder erstmals erarbeitete Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, mit anderen mitzufühlen und sich in andere hineinzuversetzen, trägt ihren Teil dazu bei, Gemeinschaft zu schaffen.

Dadurch wird auch Vertrauen geschaffen: Es werden gemeinsame emotionale Erfahrungen gemacht, die Schüler erleben körperliche wie psychische Grenzsituationen und verlieren kurzzeitig die Selbstkontrolle. Dadurch müssen sie auch gegenseitig Verantwortung für sich übernehmen, da sie aufeinander angewiesen sind. Erfahrungen, die für viele bereits eine große Schwierigkeit darstellen.

Im vorliegenden Bus-Beispiel wäre also das Ziel, die Bedrohungssituation zu erkennen, Handlungskompetenzen zur Deeskalation aufzuzeigen und sinnvolles Opfer- und Helferverhalten zu erlernen. Zivilcourage durch Handlungssicherheit zu gewinnen, ebenso. Schon als Opfer gilt es, die Bedrohung frühzeitig zu erkennen und so die Situation eventuell schon verlassen zu können. Sollte das nicht möglich sein, ist es wichtig, die Täter zu siezen, nicht anzufassen oder zu provozieren und eine Öffentlichkeit herzustellen, indem man den Busfahrer oder andere Menschen direkt anspricht, Hilfe zu holen. Der Helfer muss lernen, sich niemals selbst in Gefahr zu begeben oder den „Helden“ zu spielen, immerhin könnte es auch noch möglich sein, dass die Täter Waffen bei sich tragen. Außerdem kann auch er direkt den Busfahrer ansprechen oder die Polizei anrufen. Mehrere zusammen könnten eine Überzahl herstellen und so das Opfer gegebenenfalls aus der Situation herausholen. Was in der Aufregung oft vergessen wird: Wie sehen die Täter aus? Welche Klamotten tragen sie? Gibt es besondere Merkmale oder Auffälligkeiten? Und sich dann natürlich hinterher als Zeuge zur Verfügung stellen!

Anschließend wird das Rollenspiel gemeinsam reflektiert und es wird über vertiefende Fragen gesprochen: Wie hat sich das Opfer gefühlt und verhalten und wo hat es sich hingesetzt? Was haben die Fahrgäste empfunden? Wie sind die Täter vorgegangen?

Mal ehrlich: Hätten Sie das gewusst und so gehandelt?

Bleibt zu fragen, ob solch ein zweitägiger Kurs auch nachhaltig Veränderungen erzielen kann. In München ist seit Projektbeginn vor acht Jahren der Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Uni München mit der Evaluation des Projekts vertraut. In Würzburg übernimmt die Soziologie diese Aufgabe. Mit Hilfe von Fragebögen, die die Schüler vor, direkt nach und noch einmal 6 Wochen nach dem Kurs ausfüllen, wird die Wirksamkeit und Effektivität des Trainings empirisch überprüft. Und tatsächlich: Die Zahl derer, die meinen zu wissen, was im Ernstfall zu tun sei und was nicht, ist 6 Wochen nach dem Kurs im Gegensatz zu voher durchschnittlich um knapp 20 % gestiegen. So ist zu erwarten, dass zammgrauft auch in Würzburg über die einjährige Testphase hinaus bestehen bleibt und das Jugendamt hat sogar zugesagt, ab diesem Sommer eine Praktikantenstelle dafür einzurichten.

Doch auch andere Projekte und Aktionen können sich sehen lassen. So bietet eine bayerische Grundschule als erste in Deutschland Schulsozialarbeit für verhaltensauffällige Kinder an. Und Ende letzten Jahres organisierten zwei geschlossene Heimgruppen der Würzburger Diakonie einen Tag der offenen Tür für die Polizei. Bei diesem hatten die Jugendlichen auch mal ohne eine bestehende Konfliktsituation die Möglichkeit, in persönlichen Kontakt mit der Polizei zu kommen und Vorurteile abzubauen. Und als Revanche lud die Polizei die Heimgruppen kurze Zeit später zu sich ein – um schlussendlich in einem spannenden Fußballspiel doch als knapper Sieger vom Platz zu gehen.

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Ein Hoch auf die Wunder der Technik

Eigentlich hätte ich gedacht, mich könnte das Internet nicht mehr übermannen. Den Flash durch das Internet und seine eigentliche Hochzeit haben wir doch schon lange hinter uns. Eigentlich.

Hätte man mir vor 10 Jahren gesagt, dass ich heutzutage überall wo ich bin und wann ich will surfen kann…ich weiss nicht ob ich das überhaupt verstanden hätte. Denn damals war der Horizont ein 56 kbit/s Modem mit 250 MB Volumen-Tarif per AOL-Dial-up für ein Haufen Kohle im Monat und das über die Telefonleitung.
Wireless LAN, DSL16000, UMTS und Co waren Begriffe, die es noch nicht gab.
Damals war es schon wunderschön und überhaupt ganz groß, dass man bei einem Kumpel, der ISDN hatte, mit beiden Leitungen des Anschlusses mit fast 128 kbit/s surfen konnte. Generell war das Internet eigentlich keine Musiker-Promoplattform und Verkaufsbazar für große Firmen, sondern ein Kommunikationsmittel. EMail, Instant-Messenger und Chat lebten auf. Internet hatte nicht jeder, man nutzte es nicht so oft und nicht so intensiv. Irgendwie war es nebensächlich. Ein PC ohne Internetanschluss findet man heute seltener. Schließlich sind Preis/Anschaffung nicht mehr so aufwendig. Die Gebühr und Technik sind für Otto-Normal-Bürger erschwinglich und verständlich. Doch um die Jahrtausendwende war das nicht so. Da war jede Minute im WorldWideWeb eine Besonderheit und Abenteuer. Ein Abenteuer, das mit der Zeit zum Alltag wurde und gar nicht mehr so begeisterte.

10 Jahre später liest man auf einer ICE Fahrt mit Tempo 2xx km/h nicht mehr seine Zeitung, man surft im Internet. Zwar habe ich schon im Auto, natürlich als Beifahrer, mit meinem Handy gesurft und auch schon per Laptop mit UMTS-Modem meine eMails abgerufen. Aber eine längere Strecke bequemst surfend am Notebook im Internet zuverbringen war so nah, doch so fern.

Obwohl die Preise bei diversen Anbietern noch sehr hoch sind, gibt es für wenig Geld schon eine Möglichkeit sporadische Internet-Besuche von unterwegs aus. Für irgendeine Firma jetzt hier aber Werbung zumachen – AOL zählt nich, die sind tot – fällt mir gar nicht ein. Doch gemerkt sei: Macht nicht jeden Preis mit. Im nahen EU-Aus- und Umland ist es mittlerweile schon viel viel günstiger als hier zu Lande.


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Ein Hoch auf die Technik und die Zukunft. Wer weiss, vielleicht sehen wir das Internet bald auf ganz andere Weise.

Bild by Blackbutterfly

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Obamas Change in Gefahr

Obamas Gesundheitsreform wird zum beissenden Konflikt seiner jungen Präsidentschaft. Zwischen Fehlinformationen und falscher Kommunikation schürt sich Dank der Berichterstattung von Fox News großer Hass inmitten der Bürger.


Die Vereinigten Staaten haben als einziges westliches Land kein freies Gesundheitssystem für alle Bürger und bauen auf dem Angebot privater Unternehmen auf. Da eine Versicherung nicht zwingend ist, sind rund 45 Millionen US-Bürger unversichert und müssen ihre Arzt- und Medikamentenkosten selbst bezahlen. Dieser Umstand ist seit langer Zeit in der Kritik und wird auch nicht durch die staatliche Gesundheitsfürsorge „Medicaid“ kompensiert. Diese richtet sich zwar mit ihrem Hauptangebot an Familien mit schwachen Einkommen und mit dem zweiten Angebot „Medicare“ auch an Rentner, ist aber in der Praxis keine universelle Hilfe, da die Gelder nur zum Teil von der Regierung getragen werden und die restlichen finanziellen Mittel von den Bundesstaaten geregelt werden, sodass eine landesweite Qualität nicht gewährleistet ist. Zu dem ist nicht jeder berechtigt, Medicare in Anspruch zu nehmen. So verdienen einige Menschen zu viel für Medicare, aber doch zu wenig, um sich privat zu versichern.

Doch auch die Angebote der privaten Krankenversicherungen werden vielfach kritisiert. Beispielsweise behauptet Michael Moore in seiner umstrittenen Dokumentation „Sicko“, dass viele Schicksale aus Profitgier der Unternehmen tragische Verläufe nehmen. So würden einige Menschen wegen Vorerkrankungen abgelehnt, andere im Krankheitsfall durch verschiedene Klauseln aus dem Vertrag gedrängt. Durch die Finanzkrise werden zu dem viele Menschen ihre Versicherung verlieren, da mit 59% die Mehrheit durch ihren Arbeitgeber versichert ist. Dennoch gibt es auch Befürworter des Systems, die gerade die freiwilligen Optionen als Vorteil hervorheben.

Lässt man Zahlen sprechen, sind vor allem die Preise für Medikamente im Vergleich mit anderen Ländern sehr viel höher. Laut einer Studie der OECD bezahlt der durchschnittliche US-Bürger über $700 für Medikamente und braucht jährlich 10 Rezepte. In Kanada werden hingegen 12 Rezepte ausgestellt, aber $200 weniger bezahlt. Eine weitere Statistik behauptet außerdem, dass die USA mit ca. 16% den meisten Anteil aus dem Bruttoinlandsprodukt für medizinische Hilfe im weltweiten Vergleich beziehe. In der finanziellen Fairness steht sie dennoch auf Platz 55, weit unter Deutschland und Kanada, auch wenn die Qualität der Fürsorge auf dem fordersten Rang sitzt.

Im Sinne der „Change“-Parole versprach Barack Obama ein neues Gesundheitssystem, das niemanden mehr benachteilige. Doch die Pläne sind aufgrund widersprüchlicher Aussagen in scharfe Kritik geraten. Neben unglaubwürdiger Aussagen zur angetasteten Steuerpolitik, werden vor allem lange bürokratische Wege gefürchtet. Die gesamte Debatte droht jedoch immer willkürlicher zu werden und ist bisher hauptsächlich von Fehlinformationen und polarisierenden Aussagen geleitet. Diese finden vor allem beim rechten Nachrichtensender Fox News ihr Wachstumspotential.

So wurde bereits mit der Ernennung der neuen Richterin des Obersten Gerichtshof Sonia Sotomayor ein starkes Fundament für weitere Vorwürfe gelegt. Die Juristin steht seit einiger Zeit in der Kritik vieler Republikaner, allen voran Newt Gringrich, dem ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses und führenden Aggregator in der gescheiterten Amtsenthebungs Clintons. Er behauptete unter anderem, dass sie eine Rassistin sei und weiße Männer hasse. Im Kreise dieser Aussagen spitzte sich die Situation zu, als Obama bei einer Pressekonferenz die Verhaftung des schwarzen Harvard-Professors Henry Louis Gates anprangerte und das Verhalten des betroffenen Polizisten als dumm bezeichnete. Da ihm laut Medienberichten zu dieser Zeit keine weiteren Informationen vorlagen, war die voreilige Reaktion ein gefundenes Fressen für Fox News. Glenn Beck, ein bekannter Moderator des Nachrichtensenders, nannte Obama darauf hin einen Rassisten, der etwas gegen Weiße oder speziell die weiße Kultur habe. Wenige Sekunden später widersprach er dieser Aussage, bestätigte sie allerdings später in seiner eigenen Radioshow erneut. Bereits zuvor konnte man fragewürdige Sätze im Zusammenhang mit Barack Obama von ihm hören. Unter anderem sagte er, dass die Amerikaner Dank Obama einer „Heroinsucht“ der Sklaverei verfielen.

Einseitige Berichterstattung, fragewürdige Standpunkte, parteiisch finanzierte Sendungen – Fox News befindet sich seit langer Zeit in heftiger Kritik. Gerade mit der Bush-Ära wuchs eine liberale Front gegen den Sender, der sich jedoch stets auf seine Neutralität beruft. Dennoch ist ein starker Hang zur rechten Seite kaum zu übersehen. So wurde der Irakkrieg und der „War on Terror“ in den wichtigsten Polit-Shows des Senders stets mit allen Mitteln verteidigt. Wenn Argumente gar nicht mehr helfen, kontert beispielsweise das Sendergesicht Bill O‘ Reilly in seiner Sendung „The O‘ Reilly Factor“ mit wütenden „Shut Up“s oder der Abschaltung des Mikrofons seines Gastes. Dieser verglich Obama während seinem Wahlkampf zu dem häufig mit Adolf Hitler und schreckt auch jetzt nicht davor zurück. Doch auch bei seinen Kollegen ist es nicht all zu schwer mit ähnlichen Gleichsetzungen konfrontiert zu werden. Die amerikanische Abwrackprämie „Cash for Clunkers“ wurde vom Sender als eine weitere Maßnahme in Richtung Sozialismus verstanden und trotz ihrer positiven Resultate kritisiert.


Ein Schilderwald soll die Bürokratie der Reformen verdeutlichen.

Inmitten des amerikanischen Nachrichtendschungels braucht es sicherlich auch eine Opposition mit kritischen Blicken auf die Politik der Demokraten, denn gerade während dem Wahlkampf wichen einige Konkurrenten bei der Kritik gerne lieber auf McCain aus und erhoben Obama zu einer Messiasfigur. Als derzeit meistgesehener Nachrichtensender ist Fox News aber sehr stark für die Meinungsbildung verantwortlich und schafft es nicht zuletzt mit standfesten, wenn auch häufig nicht zu begründenden Ansichten, Zweifler auf die eigene Seite zu hieven. Oftmals erhalten viele Theorien gerade dort ihr erstes Publikum und schaffen es dann auch bei der Konkurrenz. So wurde die Birther-Bewegung, die Obamas Geburt in den USA anzweifelt, auch bei CNN mit einer starken Ernsthaftigkeit behandelt, obwohl die hawaiianischen Behörden kurze Zeit darauf ein Foto der Geburtsurkunde, so wie eine Kopie einer Zeitungsausgabe mit einer Glückwunschsannounce zu Obamas Geburt veröffentlichten.

Dabei verliert sich die eigentliche Diskussion immer weiter. Ex-Gouverneurin Sarah Palin konnte so beispielsweise leicht ihre Behauptungen über geplante „death panels“ aufstellen, die entscheiden sollen, ob zum Beispiel ihr Baby mit Down-Syndrom oder ihre Eltern weiterleben dürften. Obwohl dieser Aussage jegliche Grundlage fehlte, fanden sich schnell ihre Verteidiger. Das britische Gesundheitssystem als Ebenbild dieser bürokratischen Entscheidung über Leben oder Tod wurde so schnell zur absoluten Tatsache erklärt, was den englischen Premierminister Gordon Brown dazu veranlasste, von seinem Urlaub aus via Twitter gegen die Vorwürfe zu argumentieren.

Doch auch Obama selbst schafft es kaum, die eigene Argumentation glaubwürdig erscheinen zu lassen. Wieso die privaten Versicherungsunternehmen nicht beeinträchtigt seien, wollte er anhand der amerikanischen Post erklären, die auch schlechter liefe als Konkurrenzangebote wie „Fed Ex“. Ein mangelhaftes Staatsunternehmen ist nun nicht gerade die bester Werbung für staatlich organisierte Gesundheitsversorgung.  Auch auf die Fragen zu möglichen Steuererhöhungen ging er auch eher ausweichend ein. Die würde es vermutlich bei der Einführung des Health Care Plan geben und auch Verschlechterungen der Qualität wären bedingt durch deutlich höherer Nachfrage in erster Zeit in Kauf zu nehmen. Zusätzlich würde die Reform sehr viel Geld kosten und darum ist es in den Vereinigten Staaten dieses Jahr eher schlecht bestellt.

Die Opposition verfolgt jeden Schritt Obamas und seine Umfragewerte sind auf seinem persönlichen Tiefststand. Laut Ap-Gfk sind im August nur noch 55% der Befragten mit ihm zufrieden. Nach sechs Monaten lag George W. Bush auf dem gleichen Wert. Zwischen Hasskampagnen mit der Aufschrift „socialism“ und bewaffneten Zuschauern bis hinzu Vergleichen mit Adolf Hitler, muss Obama diesen Konflikt nun lösen und das Vertrauen vieler Menschen wieder gewinnen. Er ist gewillt, Kompromisse einzugehen und hat bereits jetzt die Reformideen zurückgeschraubt. Die nächsten Wochen werden den Ausgang zeigen und wieviel von seinem Change-Versprechen er letzendlich aufrecht erhalten kann.

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Vera Lengsfeld Tittenkampagne bei Stephen Colbert


Vera Lengsfelds Plakat hat für einige Aufregung gesorgt, und das nicht nur Deutschlandweit. Ihre Oberweite schaffte es nun noch weiter, einmal über den Teich in die Show von Jon Stewarts Kollegen Stephen Colbert.    |Kommentieren

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Wir sind nicht das Internet

Am Wochenende vibrierte es in den Micro-, Macro- und Sonstwo-Blogosphären: Am Montag wird der Spiegel das Internet auf den Titel gehoben. “Netz ohne Gesetz – Warum das Internet neue Regeln braucht”, so die Schlagzeile.

Und alle erwarteten feinstes CDU-Sprech. Doch dann kam der Montag und die Sphären waren verwirrt bis überrascht.

Überrascht, dass der Spiegel gar nicht so einseitig berichtet und versucht differnziert das Thema zu beleuchten. Thomas Knüwer weiß bis heute nicht, was ihm der Spiegel sagen will und fragt: “Häh?!”

Welcher Fehler wurde hier gemacht? Nun es wurde gedacht: Es geht ums Internet, d.h. um “uns”! Alle erwarteten, dass wieder geschrieben würde, wie schlecht und verdorben das doch alles sei und dort im Netz überall nur Müll geschrieben stehe.  Die Blogosphäre begreift sich inzwischen als Stimme des Internets, bzw. als das Internet und übersieht dabei, was sie selbst anderen immer wieder vorhält: Das Internet ist viel größer und bietet unendliche Möglichkeiten

Der Abwehrreflex ist in soweit verständlich, als das das Internet für viele von uns ein Lebensraum geworden ist, unser alltäglicher Tummelplatz in dem soziale Interaktion, Privatleben und Beruf zu weiten Teilen stattfinden. Aber das Internet ist größer als das. Natürlich gibt es da die dunklen Ecken und es niemand würde diese verleugnen. Denn das Internet ist ein Abbild der Gesellschaft, mit all ihren Licht- und Schattenseiten. Das Besondere: macht die verschiedenen Elemente weltweit sichtbar. Das ist genau der Aspekt, denn wir alle uns täglich zu nutze machen. Wenn ich blogge, dann tue ich das mit der Aussicht ein Publikum nicht welt-, aber wenigstens Deutschlandweit erreichen zu können.

Das tun aber Andere ebenso. Hat ein Kinderschänder früher „nur“ den Nachbarsjungen missbraucht, kann er heute diesen Missbrauch weltweit teilen und sich mit anderen Pädokriminellen austauschen.

Dadurch werden eben auch Probleme sichtbar, die sonst unter dem Teppich blieben. Natürlich sind das keine Probleme des Internets, sondern der Gesellschaft, die hier sichtbar werden.

Die Blogosphäre muss aufhören sich mit dem Internet gleichzusetzen und immer sofort hier zu schreien wenn jemand das Wort Netz in den Mund nimmt. Damit diskreditiert sie sich im Endeffekt nur selbst.

Twitter.com/sheephunter

Damit will ich keineswegs die Anti-Zensursula-Bewegung kritisieren, sie ist gut und sehr wichtig. Es ist sogar unsere Pflicht, als diejenigen die Ahnung von der Materien haben der Gesellschaft zu erklären, was hier in diesem WWW so vor sich geht und möglich ist und ebenso Fehlentwicklungen in der Poltiik, aber auch dem Netz selbst diesbezüglich anzuprangern. Dies geht aber nur in einem Dialog.

Und ein Dialog mit Vorurteilen ist nicht möglich. Dies zeigt sich nicht nur beim Spiegel, dessen Artikel-Aussagen vor Erscheinen vorweg genommen wurden, sondern auch bei dem Abendblatt Interview von Zensursula von der Leyen letzte Woche. Dort wurde, befeurt von dpa Meldungen und dem Meinungsführer in solchen Fragen die Aussage interpretiert mit: „Zensursula fordert Ausweitungen der Internetsperren“. Dabei gibt das Originalinterview dies nicht her. Darin sagt Ursula von der Leyen:

Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt. (Zum Interview)

Sie fordert lediglich Diskussionen. Genau die Diskussionen, die „intern“-et schon geführt werden. In der Causa Thiesen wurde massiv Anfang und Ende des Rechts auf Meinungsfreiheit diskutiert. Fragt man schnutinger, dann fühlt sie sich sicher gemobbt und zwar im Netz. Und als Cem Basman daraufhin daraufhin das Verhalten anspricht wird er nicht nieder gemacht, sondern gefeiert.

Die Problemem, die die Politik hier angesprochen hat, sind der Blogosphäre durchaus bekannt. Allein, das sich jemand von außen darin einschaltet wird nicht akzeptiert.

Denn nichts anderes hatte der Spiegel versucht. Er hat, tatsächlich erstaunlich differenziert, versucht die Probleme des Netzes aufzuzeigen und überlegt, wie man sie lösen kann. Das man dabei, spiegeluntypisch, nicht zu einer klaren Lösung kommt, zeigt nur, wie groß die Herausforderung ist.

Vielleicht ist es das, was Thomas Knüwer so verwirrt, dass selbst der Spiegel keine Lösung weiß. Es sollte uns aber nur klar machen, dass wir für jeden Anreiz von Aussen dankbar sein können. Wie können wir das Internet besser, schöner, sicherer und dabei nicht weniger frei machen? Wie die Regeln, die offline und online gelten, online durchzusetzen sind. Ideen dafür können von allen Seiten kommen. Ein Internetausweis für alle? Man sollte zumindest mal darüber sprechen dürfen.

Denn das Internet ist ein Abbild der Gesellschaft und geht uns damit alle an.

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P.S.: Um die eigene Abwehrhaltung gegenüber des Spiegels aufrecht zu erhalten, wird übrigens beständig auf dieses Youtube-Video verwiesen. Dort erklärt eine reichlich unwissende SpiegelpraktikantinRedakteurin recht verworren die Story. Legt nahe, dass weder sie die Praktikantin, noch die meisten Daraufverweiser den Artikel ganz gelesen haben. Verständlich er ist ja auch ganze 13 Seiten lang und nicht nur 140 Zeichen. Und es gibt ihn nur als Paid-Content auf ausgedrucktem Papier.

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Bist du der überzeugendere Massiv? Mitmachen beim „Geht wählen“-Spot

Der Spot „Geh nicht hin!“ hat ja bereits für einige Diskussionen gesorgt hat, weil er maximal mangelhaft klar macht, warum man nicht wählen gehen sollte. Nachdem es aus Bloggerkreisen bereits eini Antwort in Form der Parodie „Geh nicht raus!“ gab, folgt nun ein ernsthafterer Versuch es besser zu machen.

Massiv - Geh nicht hin
Massiv: „Geh nicht hin“ |  Screenshot

Jens Scholz ((Beitrag von ihm zum Thema Netzzensur)) ruft dazu auf, ihm eigene Clips zu schicken, mit der einfachen Aussage „Ich geh wählen, weil…“ + einem knackigen Argument. Wenn ihr also der schönere Bernhard Brinck oder überzeugendere Massiv seid, dann nichts wie Webcam angeworfen und den Clip, entweder bei Youtube, Vimeo oder sonstwo hochgeladen oder direkt an „jensscholz bei gmail punkt com“ geschickt.

Einsendeschluss ist nächstes Wochenende und genauere Infos gibt es hier.

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Geht nicht wählen – oder doch?!

Was die Amerikaner können, können wir schon lange nicht. Neustes Beispiel ist wohl die Adaption des amerikanischen „Don’t Vote“-Spots, der mit vielen namhaften Prominenten besetzt wurde. Was in den USA durch gekonnte Inszenierung, verständlichen Sarkasmus und intelligenter Regie (Steven Spielberg) für viel Zuspruch sorgte, will in der deutschen Fassung nicht wirklich gelingen. Deshalb könnte man, diesen Spot auch einfach ignorieren, hätten sich die Macher nicht eines genialen Kniffs bedient: Vor Start der eigentlichen Kampagne stellten sie nur eine Teil der Kampagne online. In diesem fehlt der entscheidende Umschwung vom “Geht nicht wählen!”  zu “Geht doch Wählen!” und besonders die Aussagen von Tagesschau Sprecher Jan Hofer sorgten daher für Diskussionen.  (Besonders widerlich wird diese PR-Maßnahme, bedenkt man, dass nicht gewährleistet ist, dass alle die bis jetzt den Wahlboykott-Aufruf ihrer “Testimonials” gesehen haben, auch den zweiten Teil zu Gesicht bekommen.) Nun ist der zweite Teil, da und was soll man sagen?


Geht nicht hin – oder doch?

Vielleicht müssen die Verantwortlichen noch ein bisschen üben, wie man einen ironischen Satz mit einer gewissen Tonlage als solchen kennzeichnet oder ganz auf völlig andere Leute setzen. Den allermeisten Mitwirkenden will man nämlich nicht so ganz abkaufen, dass sie politisch engagiert und interessiert sind. Würde man jeden teilnehmenden Prominenten zu derzeitigen politischen Themen ausfragen, so würde die Hälfte ein sehr peinliches Bild preisgeben müssen. Das amerikanische Original sieht da schon anders aus. Vielleicht liegt es daran, dass in den USA persönliche Geschichten genauso wie eigene Meinungen sehr viel gefragter sind. Huscht also Ellen DeGeneres durch die Kamera, ist klar, dass sie kein Experte für Wirtschaftspolitik ist, dennoch steht sie beispielsweise für Aussagen zur gleichgeschlechtlichen Ehe. In der deutschen Variante sind die Wenigsten für politisches Engagement bekannt, wenn sie denn überhaupt bekannt sind. Denn der zweite Kritikpunkt ist die Besetzung aus Menschen, die nur bestimmten Nischen einen Begriff sein sollten. Beispielsweise Rapper Massiv, der ehemalige MTV-VJ Patrice oder Vodafone-Laufjunge Sascha Lobo1.


Amerikanisches Vorbild

Die Idee selbst ist eins zu eins kopiert worden. Im zweiten Teil erscheint die Kehrtwende als Aufruf zur Wahl wie eine Parodie auf das Original, ist aber ernst gemeint und wirkt insofern unglaublich lächerlich. Die einfallslosen Drehbuchautoren bedienen sich zwar dreist am Vorbild, schaffen es aber dennoch nicht, den Spin des Original-Spots überzeugend nachzustellen. Das Ziel der Selbstreflexion der Bürger ist absolut verfehlt. Letztendlich zeigt sich an diesem Beispiel nur wieder, dass eine Kopie amerikanischer Prinzipien nicht unbedingt zum gewünschten Ergebnis führen muss. Wenn die etabilierten Parteien ein bisschen Twitter und Facebook machen, dann heißt das noch lange nicht, dass sie dem Erfolg des Obama-Wahlkampfs nahe kommen werden. Lädt man Frau Merkel bei RTL ein und lässt sie vom Publikum befragen, so ist nicht unbedingt zu erwarten, dass sie im amerikanischen Stile grundlegende Antworten geben wird. Doch selbst wenn, würden diese Aussagen bei N24 und N-TV sicherlich nicht nach dem Vorbild amerikanischer Nachrichtensender erheblich diskutiert werden.

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Gesellschaft Kleines Fernsehen

Gina Lisa, unsere deutsche Paris Hilton

Paris Hilton, eine Frau die nichts kann und trotzdem berühmt ist. Wie hat uns das gefehlt in Deutschland! Aber zum Glück schickte sich letztes Jahr eine Dame an, diesen Umstand zu ändern:
Gina-Lisa Lohfink trat in der 3. Staffel von Germanys Next Topmodel an und flog raus. Die Zeit reichte aber, um sich mit Stefan Raabs Unterstützung und markiger Sprüche wie „Zack, die Bohne“, eine kleine Fangemeinde aufzubauen. Sie bekam sogar eine eigene kleine WebSerie „Gina-Lisas Welt“, in der sie naiv von ihrem neuem Leben als Superstar berichtete. Nun ist so eine junge Starkarriere aber ein zartes Pflänzchen, das gepflegt werden will und hier kam das erste mal Paris Hilton als Vorbild ins Spiel. Womit hatte es Paris Hilton geschafft aus dem Schatten der großen Hotels zu treten und Berühmtheit zu erlangen? Mit einem geleakten Sex-Tape von ihrem Ex-Freund. „One Night in Paris“, war Titel und das Gesprächsthema, das damals wochenlang die Schulhöfe beherrschte.

Nichts leichter als das. Schnell war auch ein enttäuschter Kohle/Berühmtheit witternder Ex-Freund jemand gefunden, der ein Sex-Video von sich und seiner Gina-Lisa Lohfink in Aktion ins Netz stellte. Und siehe da, schon das einfache Gerücht um die Existenz dieses pikanten Pornos lies die Suchanfragen bei Google und die Registrierung aller möglichen Domains mit Gina, Lisa, Sex & Porno im Namen in die Höhe schnellen.

Doch auch hier fehlte ein Nachfolgeprodukt, ein Musikkooperation mit Dj Tomek verlief im Sande, und so war es lang wieder still um die Blondine aus Seligenstadt. ((Oder sind die wichtige Stationen dazwischen meiner feinen Gossip Spürnase entgangen?)) Jetzt grade erfuhr ich bei einer kleinen bild.de Recherche, das sie anscheinend A) mit Marc Terenzi verbandelt ist und B) sich ihre Oberweite hat vergrößern lassen. Auch das durchaus klassische Muster, bekannt von C-Promis um sich im Gespräch zu halte. Wer konnte sich beispielsweise den wöchentlichen Schlagzeilen entziehen, die verkündeten wessen abgelegten Boyfriend Paris Hilton gerade wieder aufträgt?

Paris Hilton zum Selberbasteln

Die Strategie scheint erfolgreich, den ihr Haussender ProSieben hat sich entschlossen wieder eine neue Sendung mit unserem Busenwunder zu bestücken: „Gina-Lisa’s Best Buddy“. Und ja lieber Leser, sie ahnen es, auch diese Idee stammt von Amerikas skandalträchtiger Hotelerbin. Paris Hilton suchte, nachdem sie sich medienwirksam mit ihrer „dick & dünn“-Freundin Nicole Richie zerstritten hatte, 2008 mit Hilfe von MTV einen „New Best Friend Forever“.

Nach so einem Begleiter sucht nun auch Gina-Lisa, aktuell kann man sich bei ProSieben Online für ein Casting am 1. und 2. August bewerben. Vorraussetzung für den Fulltime Job als Gina-Lisas Best Buddy? „Du siehst heiß aus? Du gibst alles beim Feiern? Dir ist absolut nichts peinlich?“. Wenn diese Kriterien auf dich zutreffen, dann „ZACK, Die Bohne!“

Mich selbst beschleicht derweil die Befürchtung, das ich für Casting-Serien zu intelligent bin und aus mir wohl nie etwas anständiges werden kann.

Foto: Flick CC by DandyDanny

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