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“In letzter Zeit greif ich lieber zur RZ” – Was twittern einer Lokalzeitung bringt

Posted on 18 Januar 2010 by Jannis Kucharz

Seine Kollegen denken wohl immernoch, dass er einfach zu viel Zeit habe, meint Christian Lindner bei der Vortragsreihe “Das Leben im Netz” an der Uni Mainz. Christian Lindner ist Chefredakteur der Rhein-Zeitung und spricht im Rahmen seines Vortrags über “Das Schweizer Messer Web 2.0 – Die vielfältigen Effekte von Twitter bei der Rhein-Zeitung”. Er ist seit dem 23.01.2009 als @RZChefredakteur auf Twitter unterwegs und zählt damit bis heute zu den wenigen Chefredakteuren, die selbst Twittern.
Warum er damit angefangen hat? Twitter ist für ihn das optimale Medium für Journalisten, die ja gewohnt sind sich kurz und prägnant auszudrücken, damit ist auch die Zeichenbeschränkung für ihn kein Problem: “Ein erfahrener Journalist empfindet die 140 Zeichen geradezu als komfortabel.” Inzwischen hat seine Rhein-Zeitung über 30 redaktionelle Twitter-Accounts, die insgesamt auf über 12.000 Follower kommen1.

Der @RZChefredakteur beim Twittern
Der @RZChefredakteur beim Twittern. Foto von Senad Palic, geschossen an einem der Followerabende.

Doch die Follower folgen nicht nur, sondern interagieren mit dem Medium. Christian Lindners Credo lautet nämlich: Persönlich Twittern! Automatisierte Nachrichtenfeeds, wie sie bei den meisten Nachrichtenseiten noch State of the Art sind, kommen bei ihm nicht in Frage. Durch diese Ansprechbarkeit der einzelnen Autoren, Ressorts, und Regionalredaktionen ist es auch möglich, dass die Leser eigene Themen und Hinweise weiterleiten.

Der Journalist zählt auf: Unfälle, Einbrüche oder seltsame Unternehmenspleiten, auf viele Themen weisen die engagierten Follower hin und irgendwann verliert man den Glauben hier nur geschönte Einzelfälle präsentiert zu bekommen. Mehrere Themenhinweise am Tag bekäme die Rhein-Zeitung inzwischen, erzählt Lindner, und dabei ginge es keineswegs nur um solch triviale Geschichten. Auch der ein oder andere Tipp aus großen regionalen Unternehmen und der Hinweis auf ein politisches Skandälchen auf Landesebene soll schon dabei gewesen sein. Whistleblowing via Twitter.
Erstaunlich ist, dass hierbei nicht einmal auf Anonymität Wert gelegt wird, sondern diese Hinweise von personalisierten Accounts kommen. Die Erklärung findet Lindner leicht: Über Twitter geht der Kontakt schnell und einfach und die Leute haben Vertrauen zur Marke RZ.

Vor allem Menschen und Themen die man sonst nicht erreicht hätte würde die Rhein-Zeitung so stärker ansprechen. Das Image der sonst als recht verstaubt geltenden Lokalzeitung profitiert davon. Die Abonnenten der Printzeitung sind im Schnitt 51 Jahre, 46% über 50. Für eine Lokalzeitung normal, aber die Auflage schwindet. Noch seien die Zahlen zwar stabil, aber Lindner glaubt an ein weiteres Abnehmen der Abonnentenzahlen. Eines seiner Instrumente dagegen ist Twitter, hier erreicht die Zeitung jüngere Menschen und ein, der Zeitung sonst eher fernes, Klientel. Von dem bisherigen Erfolg dieses Weges zeugen zwar noch keine Eindeutigen Zahlen, aber einige Tweets:

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Umgekehrt ist der Rhein-Zeitung aber auch daran gelegen den eigenen Lesern Twitter näher zu bringen. So promotet die RZ, die eigenen Twitter-Accounts recht prominent auf der eigenen Seite übersichtlich aufgeteilt nach Region und Ressort. Und um neu Twitterern über Startschwierigkeiten hinwegzuhelfen, empfehlen sie auch gleich lesenswerte Twitterer aus der Region und haben das Projekt der Twitterpaten ins Leben gerufen, die Neulinge beim Microbloggingdienst versprechen an die Hand zu nehmen. Außerdem veranstaltet die Rhein-Zeitung ab-und-zu Followerabend, bei denen einige Follower in die Redaktion eingeladen und herumgeführt.

Fassen wir also zusammen, welche Vorteile hat die Rhein-Zeitung von Twitter:

  • Image-Gewinn gerade bei Jüngeren
  • Steigerung der Reichweite (bei einer Webevangelisten-Untersuchung landete die RZ noch vor der Tagesschau)
  • Verstärkung der Blatt – Leserbindung
  • Kontakt zu den Lesern
  • Besseres Bild der eigenen Leser
  • Verfügbarkeit des Wissens vieler, Stichwort Crowdsourcing. So fragt die RZ bei bestimmten Themen immer mal wieder die Follower nach Mithilfe. Zum Beispiel bei der Frage nach besonders kaputten Straßen oder den schönsten Schneebildern.
  • Ehrliche Kritik und direktes Feedback, sowie Fehlerhinweise.
  • Hinweise auf lokale Themen, die der Zeitung sonst vielleicht entgangen wären.

Das sind sicher keine neuen Erkenntnisse, und darauf hätte man auch mit etwas gesundem Menschenverstand von selbst kommen können, aber die RheinZeitung tritt eben den Beweis an, dass an all den schlauen Tipps der zahlreichen Social-Media Berater auch ab und zu ein Funken Wahrheit dran ist. Wie hat die Rhein-Zeitung das geschafft?

Christian Lindner hat dafür eine klare Erklärung: Für ihn mitentscheidend war, dass er als Chef damit angefangen hat und es so selbst in die Redaktion  hineingetragen hat und eben nicht zur Technikabteilung gegangen ist und gesagt hat “Macht mal was mit diesem Twitter.” Bei der Rhein-Zeitung twittern alle Redaktionsabteilungen selbst. Auf die Frage, wie denn die alt eingesessenen Redakteure auf die neue Aufgabe im Redaktionsalltag reagiert hat, sagte er, dass man niemanden zum Twittern gezwungen habe, man habe Ihnen das Werkzeug an die Hand gegeben und gesagt mach mal und wenn auf gefallen ist, dass jemand sich da zurück hält habe man angesprochen, wo die Probleme liegen. Bei den neu angekommenen Volontären besteht der Chef allerdings auf die Verwendung der Sozialen Dienste, schließlich nutzen die meisten das auch privat selbstverständlich und können das also auch gewinnbringend in die Redaktion einbringen.

Ob diesem Beispiel weitere Zeitungen folgen werden? Lindner ist sich sicher, dass Sie müssen um an zuzkünftige Leser, über welchen Verbreitungskanal auch immer sie dann die Zeitung konsumieren, überhaupt zu erreichen.

  1. Man darf hier von einigen Doppel-Followings ausgehen []

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How to gain 5000 Followers in just 11 days!

Posted on 18 Dezember 2009 by Jannis Kucharz

Was klingt wie das unseriöse Angebot aus der letzten SPAM-Mail oder den zwielichten Tipps im verwinkelten SEO-Blog ist tatsächlich ernstgemeint, denn er tut es schon wieder. Robert Basic verkauft, was andere als Teil seiner Seele ansehen, seinen Twitter-Account @RobGreen.

Es war erst Anfang des Jahres, dass Robert Basic sein früheres Blog BasicThinking gewinnbringend an den Mann brachte. 46.900 €uro brachte das A-Blog in einer ebay-Auktion. Nun ist eben der Twitter-Account dran.

Um die 5000 Follower hat der Account zur Zeit zu bieten. Die Auktion läuft diesmal über keines der großen Portale, sondern wird von Robert selbst via Mail abgewickelt.

Ich müsste lügen, würde ich sagen ich hätte nichts von der Auktion gewusst. Schließlich hänge ich hier und da mit ihm ab1 und er hatte mir schon von dem Plan berichtet, das Interessante ist, dass er dabei schon fast alle Reaktionen vorweggenommen hat.

Die sind nämlich genau gleich, wie beim letzten Mal. Während die einen ihm Vorwerfen eine “Social-Media Nutte” zu sein und andere meinen darin einen Ausverkauf für die PR erkannt zu haben, überlegen sich dritte wieviel denn so ein gemeiner Follower an sich wohl wert sein kann.

Das Robert Basic in seiner Beispielrechnung dafür die Nummer 50.000 in den Mund nimmt sorgt gleich für die nächste Aufregung. Dabei bin ich mir sicher, dass Robert selbst diese Summe als recht utopische Annahme dahin gestellt hat. Oder er hat seinen Verkaufstaktik seit dem letzten Mal extrem professionalisiert.

Die Argumente der Gegner sind über weite Strecken diesselben wie beim Verkauf des Blogs: Das Projekt sei viel zu sehr mit dem Menschen Robert Basic verbunden, und nach dem Verkauf und dem Abklingen des Wirbels werden die Zahlen in den Keller rutschen. Beim Blog hatten sie damit unrecht. Die Besucherzahlen sind nach allen Informationen, die man so hat gestiegen, dank einer Professionalisierung der Inhalte.

Wer sollte sowas kaufen?

Der theoretische Anreiz zum Kauf des Twitter Accounts ist der gleiche wie beim Blog. Angenommen, da sitzt irgendwo ein Unternehmen, dass sagt: “Mensch wir wollen jetzt auch mal was in diesem SocialWeb machen, ohne jahrelange Vorarbeit.” Angenommen da hat jemand eine “Social Media Kampagne” in der Schublade und will mit einem großen Knall starten, dann kann er nun Zuschlagen.

Und er muss auch keineswegs dann auf ewig als @RobGreen durchs Netz firmieren, der Name selbst steht nämlich nicht zum Verkauf, sondern lediglich der Account mit den Followern.

Und da schreien auch schon die nächsten: Sie fühlen sich “ungefragt verkauft“, ihnen bleibt ein einfaches Unfollow. Und tatsächlich scheinen in den ersten Studen des Angebots viele diese Möglichkeit gewählt zu haben, denn im Moment sind die Followerzahlen knapp unter 5000 gerutscht.

@RobGreens Followerzahlen

Allerdings ist der Hype Buzz ja auch nocht nicht richtig gestartet. Man darf sich sicher sein, dass diese Zahlen wieder steigen, sobald die Mainstreammedien und das Fernsehen wieder mit dabei sind.

Interessant ist zu sehen, dass sich die hochkochende Diskussion um den Verkauf dem Gegenstand anpassen. Wurden vor fast einem Jahr noch seitenweise die Blogs vollgeschrieben finden sich nun viele der hämischen Kommentare und Anspielungen ebenfalls auf Twitter.

Robert Basic sagt selbst, dass er sich jetzt ersteinmal entspannt zurücklehnt und die Reaktionen liest. Sein erstes Ziel ist ja auch schon erreicht: PR für sein aktuelles Projekt BuzzRiders und die am Sonntag startenden neue Talkshow auf evangelisch.de machen. Achso und wer zuschlagen will, findet hier noch einmale eine genaue Anleitung zum Weihnachsteinakuf.

BTW: Der Dienst TweetValue errechnet für @RobGreen einen Wert von 569$, Whatismytwitteraccoutnworth.com kommt hingegen auf $2,263.

  1. this was a disclosure []

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Sind wir reif für eine neue Zeitung?

Posted on 09 Dezember 2009 by Pell

Es herrscht wieder Aufbruchstimmung im Lande! Dieses Heilmittel in Krisenzeiten ist wie so oft den Medienmogulen des Axel Springer Verlags zu verdanken, die mit einer groß angelegten Marketingkampagne die Medienrevolution mit dem Relaunch von „Welt Kompakt“ in Gang setzen. Ganz Berlin ist zugepflastert mit den Plakaten und auch auf Münchens Werbetafeln so wie in anderen Großstädten will man sie schon gesichtet haben, die hübschen Fotografien mit ihren kessen Sprüchen, die den versierten Internetnutzer in der anonymen Masse sofort entlarven sollen.

Fühlt man sich angesprochen, etwa bei den Behauptungen, man melde seine Haustiere bei Facebook an oder brauche einen neuen Namen für seine echten Freunde, wird auch gleich eine der elementarsten Fragen der neuen Zeitgeschichte gestellt, die to be or not to be? völlig in den Schatten stellt: Sind wir reif für eine neue Zeitung? Ja oder nein? Ok oder Abbrechen?

Denn obwohl es großes Vergnügen bereitet, in öffentlichen Verkehrsmitteln mobil online zu sein und dabei eingedeutschte Bowie-Hits zu trällern, fehlte dem Anschein nach das geeignete Medium für den Internetsüchtigen. Eine Zeitung kommt da wie gerufen. Wo sonst könnte man die gestrigen Neuigkeiten, irgendwelche Tweets irgendwelcher Leute und Beschreibungen ominöser YouTube-Videos sonst finden?

Endlich ist sie nun also gefüllt die Lücke der Generation Upload. Seit diesem November haben sogar die verblassesten Nerds nun also einen Grund ans Tageslicht zu treten, um vor dem Kiosk Schlange zu stehen. Dort warten sie dann reihenweise auf ihre kompakte Welt, die nativen Digitalis.

Den Spot zur Kampagne gibt es hier und dem hat sich der Werber Nerger ebenfalls angenommen und gleich 4 Parodien davon veröffentlicht:

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Kommentare über eine Webseite auf einer Webseite

Posted on 02 Juni 2009 by Jannis Kucharz

TBUZZ ermöglicht es Twitterkommentare über eine Seite direkt abzugeben und gleichzeitig sehen, was in der Twittersphere aktuell über diese Seite gemeint wird. Sollte es sich durchsetzen, könnte es die Kommentierung auf Blogs weiter (r)evolutionieren.

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StudiVZ unter Beschuss: Alle gegen einen

Posted on 06 Mai 2009 by Pell

Kaum gibt es Änderungen in Deutschlands größtem Studentenportal “StudiVZ” und den Ablegern MeinVZ&SchuelerVZ, ist die Aufregung darüber nicht weit. Doch was steckt hinter den Vorwürfen und ist alle Kritik verständlich? Netzfeuilleton sah sich die Hintergründe genauer an und kommt zu einem etwas anderen Ergebnis. Verschwiegene Tatsachen und eine vergnügliche Massenbeschwerde kommen auf.

Was ich in der deutschen Blogosphäre immer wieder erkennen kann, ist eine unsensible Kopie von Aussagen. So bald eine größere Quelle eine Meinung propagiert, ist es ein Leichtes sie zu kopieren und in einer anderen Formulierung zu veröffentlichen. So schafft man beispielsweise schnell eine Mobilisierung, die im Internet sehr gelobt wird, aber häufig auch nur daran liegt, dass es genug ahnungslose Trittbrettfahrer gibt, die mitmachen. Diese virale Funktion kann auch gerne dazu benutzt werden, eine allgemeine Auffassung über eine Sache zu erstellen, die dann von der Mehrheit geschluckt wird und so weiter geplaudert wird. Es muss keine großen Begründungen geben, so lange genügend Leute mitmachen, werden die Kritiker in der Masse verstummen. Diese Publicity hat viele Vorteile, kann aber auch zum Gegenteil führen. Die StudiVZ Ltd. ist seit einiger Zeit großes Opfer dieser negativen PR – teilweise berechtigt, teilweise völlig ohne Sinn.

So startete das Studentennetzwerk heute eine neue Funktion, die dem Microbloggingdienst Twitter sehr ähnelt. Jeder User hat jetzt die Möglichkeit eine 140-Zeichen lange Nachricht zu verfassen. Genauso wie beim amerikanischen Vorreiter also. Im Gegensatz zu dem ist diese Funktion aber noch nicht interaktiv einzusetzen und auch nicht öffentlich einsehbar. Statt das Netzwerk einmal dafür zu loben, dass die langweilige Startseite einem neuen Bild gewichen ist, darf man jetzt von kunterbunten Kopievorwürfen lesen.

Dass die Funktion “ist gerade..” bei StudiVZ schon seit über einem Jahr existiert und jetzt einfach unter dem Titel “Buschfunk” vom persönlichen Profil auf die Startseite gewichen ist, wird verschwiegen. Dass StudiVZ sicher nicht das erste Portal ist, dass Twitter kopiert, scheint plötzlich auch nicht der Rede wert zu sein. Dass Facebook seit kurzer Zeit selbst versucht eine Art Twitter zu integrieren, ist auch nirgends zu lesen. Immerhin kupferte StudiVZ bei Facebook ab, was zu Recht zu viel Kritik führte, aber das amerikanische Pendant plötzlich unverwundbar macht?

Das frührere "Username is.." wurde in eine Phrase umformuliert, die auch auf Facebook zu twittern einlädt.

Dabei macht man es sich einfach: Was es bei Facebook so oder so ähnlich gibt, ist gleich eine Kopie. Die öffentlichen Profile in etwa die StudiVZ vor kurzer Zeit einführte. Bei Facebook gibt es diese schon lange, dabei bleibt unerwähnt, dass das amerikanische Netzwerk diesen “Fangedanken” deutlich von MySpace kopierte, die es mit ihren Musikerprofilen in die Herzen der User schafften. Sicher sind einige Plagiatvorwürfe berechtigt, auch wenn die Facebook-Klagen eher nach einem Kaufversuch aussehen, zu mal das Social Network selbst im Rechtsstreit stand und StudiVZ vor einiger Zeit vergeblich aufkaufen wollte.

Wer bei StudiVZ Innovation sucht, soll sie erst einmal bei der Konkurrenz finden. Das gegenseitige Kopieren ist dabei eine altbewährte Methode, um etwas weiterzuentwickeln. Im Grunde baut jedes heutige Startup irgendwo auf den Ideen anderer Vorgänger auf. Das war früher nicht unbedingt anders:

Wenn ein jeder StudiVZ nicht mag, wieso befinden sich dann immer noch so viele User dort? Ist es vielleicht wie beim Fernsehen, das auch den großen Hass schürte, als Ranicki sich öffentlich aufregte? Der “ja, voll doof”-Ruf bleibt eben immer ein einfaches Mittel der sozialen Interaktion. Übrigens eine Funktion die alle Netzwerke vereint. Aber wahrscheinlich hat StudiVZ das auch irgendwo gestohlen.

Alle Screenshots von mir. Titelbild unter CC von law_keven bearbeitet.
Dieser Artikel erschien zuerst auf idiotext.

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Taking you into the Twittersphere

Posted on 19 März 2009 by Jannis Kucharz

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Twitter, das Katastrophenmedium

Posted on 12 März 2009 by Jannis Kucharz

Was heute passiert ist, ist schrecklich und macht uns allen zu schaffen.
Unsere Gedanken sind selbstverständlich bei den Angehörigen der Opfer und den Überlebenden.


Das Phänomen Twitter ist eng mit Katastrophen verknüpft. Das erste Mal tat sich Twitter als Kanal für globale Ereignisse während der Terroranschläge in Mumbai auf. Augenzeugen berichteten via Twitteraccount was sie vor Ort von den Anschlägen erlebten. Gesteigert hat sich die noch Aufmerksamkeit zum Flugzeugabtsurz auf dem Hudson River. Denn hier war tatsächich Twitter, der Ort an dem als erstes davon zu lesen war, beziehungsweise sogar ein Bild vom Geschehen über den microblogging Dienst veröffentlich wurde. Lange bevor die klassischen Medien vor Ort waren, geschweige denn Bildmaterial hatten.

Seither dominierte Twitter die amerikanischen Medien, zu jedem erdenklichen Thema werden die “Meinung” auf Twitter eingeholt und berichtet.

Nur Deutschland hinkte hinterher.

Heute wurde klar warum: Es fehlte noch die passende Katastrophe.
Als hätten alle Medien nur darauf gewartet stürzten sie sich auf Twitter und veröffentlichten ihre Live-Ticker auf Twitter und speisten die Kanäle. Plötzlich twitterten alle möglichen Zeitungen die zuvor noch nie auf Twitter gesehen wurden über die Ereignisse in Winnenden.

Doch Twitter spielte noch eine größere Rolle in der heutigen Berichterstattung. So pflegten die Medien nicht nur ihre neusten Schlagzeilen, Erkenntnisse oder Vermutungen ein, sondern machten Twitter auch zum Inhalt ihrer Nachrichten. Besonders N-TV versuchte über “Schalten” zu Twitter immer wieder die Stimmungslage in der Bevölkerung abzubilden. Und Focus versuchte eine Art “Backstage”-Berichterstattung. Mit mäßigem Erfolg.

Und noch eine dritte Funktion erfüllte Twitter: Die Suche nach Augenzeugen.

Die Userin @tontaube war die erste, die eine Kurznachricht absetzte über den noch laufenden Amoklauf in ihrer Gegend. Das war noch bevor ausführliche Meldungen über die Agenturen liefen. Prompt wurde sie von Medienanfragen überschwemmt, ob sie denn für Interviews zur Verfügung stand. Sie wehrte sich irgendwann mit dem inzwischen viel zitieren Tweet:

“Liebe Presse: ich weiss doch auch nichts von dem Verrückten… #winnenden #amok”.

Tontraube startete den Tag übrigens mit 44 Follower und steht nun bei 492.
(Update: In seinem Blog berichtet ihr Freund von dem medialen Tag)

Doch nicht nur Tontaube war beliebt, CNN richtete einen extra Account ein, über den sie jeden Anschrieb, dessen Tweets vermuten liesen, dass er sich auch nur im Dunstkreis des Anschlages bewegen könnte. Auch über CNN.com forderte der Nachrichtensender wie immer auf Photos, Videos etc. einzuschicken.

Und dann war da noch @JonasHaag

Dieser tauchte plötzlich auf mit der Behauptung:

“Täter evtl Bruder von meiner Ex-Freundin.”

Später war er sich dann sicher :

Täter Bruder meiner Ex-Freundin – wurde erschossen – 16 Tote #winnenden #amoklauf

Natürlich stürzten sich auch auf ihn die Medien.
Inzwischen ist der Account von ihm aber verschwunden und es wird doch stark vermutet, dass es ein Fake war.1

Was taugt Twitter in einer solchen Situation?

Twitter ist unglaublich schnell. So kam es, dass auch ich zuerst via Twitter von dem Amoklauf in Winnenden erfuhr. Und Twitter blieb schnell. teilweise viel zu schnell. Es wurden von allen Quellen ob vertrauenswürdig oder nicht Informationen herangetragen. Dadurch ergab sich, vor allem durch die allgemein unsichere Nachrichtenlage heute morgen ein extrem verwirrendes Chaos. Ständig schien die eine Meldung die andere zu dementieren oder es wurden lange dementierte Gerüchte wieder neu aufgegriffen. So zeigt nicht nur der Fall @JonasHaag, das Problem von Twitter in solchen Situationen: Nichts ist verifiziert. Man weiß als Rezipient nicht, was man glauben kann und hat auch keine Chance es zu überprüfen. Wobei die alten Medien heute auch nicht immer verlässlich waren und viele “Falschmeldungen” übernommen wurden. In die eine und andere Richtung.

Ausserdem muss ich sagen, dass ich trotz des ewigen Twitterstroms, der Einen nichts verpassen lies, schnell das Bedürfnis nach einer Fernsehberichterstattung hatte. Nicht um meine Sensationsgeilheit zu befriedigen, sondern eben genau aus der Annahme heraus, dort gesichertere Informationen zu bekommen. Dabei schwingt wahrscheinlich auch diese Illusion mit, sich über die Fernsehkameras selbst ein Bild der Lage machen zu können.

Leider war mir das nicht möglich, da in unserer Redaktion der Fernseher noch fehlt und besonders zu Beginn die Videostreams der Sender mehr als schwächelten. Außerdem war ich damit beauftragt für eine Agentur die Twitterflut zu scannen.

Und dabei kamen auch wieder die Vorteile von Twitter zum Vorschein: Twitter als unmittelbares Medium, das einen an den Reaktionen und Emotionen teilhaben lässt. Und gerade in solch emotionalen Momenten tut es gut, sich darüber auszutauschen und die Gefühle und Betroffenheit mit anderen zu teilen.

mehr…

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  1. Wer das noch genauer rausfinden will, kann auf der im Account angegebenen Homepage recherchieren. []

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