Kategorien
Bewegen & Beschäftigen

Journalismus mit Mäzen, Zukunft & ohne Bezahlung | morgenlinks aus Armenien

Die morgenlinks kommen diesmal direkt aus Armenien zu euch, im Video mit Blick auf die Kaskaden.

Wie wir nach vorne denken sollten – acht Thesen zur Zukunft

(Stefan Plöchinger, ploechinger.tumbler.com)
Thesen zur Zukunft des Journalismus hat man schon oft gehört und Jochen Wegner (Zeit Online) sagte erst zuletzt beim „Besser Online“-Tag des DJV, er sei thesenmüde. Beim Chef von sz.de Stefan Plöchinger darf man aber trotzdem zuhören, denn er hat es geschafft innerhalb weniger Jahre aus dem oft belächelten digitalen Dinosaurier der Süddeutschen eine zukunftsweisende Onlinezeitung zu machen. Und er schwurbelt nicht, sondern gibt praxisnahe Tipps, wie man Redaktionen umgestalten sollte. Wichtigste Erkenntnis: Wir haben keine Medienkrise, sondern einen Medienwandel. Deswegen sollte man die Veränderung als Zustand akzeptieren.

 

The unfortunate fact is that online journalism can’t survive without a wealthy benefactor or cat GIFs

(Mathew Ingram, PaidContent.org)
Während Plöchinger Paid Content als Teil der Zukunft sieht um Journalismus zu finanzieren, reitet Mathew Ingram darauf herum, dass Journalismus sich noch nie selbst finanzieren konnte und auch in Zukunft Mäzene braucht (Jeff Bezos & Washington Post) oder andere Bereiche (Entertainment in Form von Katzen-GIFs) um sich zu finanzieren. Im Endeffekt bleibt es wohl ein Mix in den Geschäftsmodellen und auch hier gilt ausprobieren.

 

Huffington Post Deutschland: Ein unmoralisches Angebot?

(Stefan Goldmann, lousypennies.de)
Welchen Teil die Huffington Post im Geschäftsmodell-Mix einzelner Blogger & Journalisten ausmachen könnte, analysiert Stefan Goldmann. Denn die HuffPo bietet bekanntermaßen keinerlei Bezahlung von Blogbeiträge. Ob es sich aus SEO-Sicht eventuell lohnt bleibt abzuwarten.

 

[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Am besten genießt man die morgenlinks mit Artikeln zu Medienwandel & Netzkultur per bequemer e-Postlieferung. Also schnell in den Newsletter eintragen.[/alert]

Kategorien
Politik

„Mir fehlt der Mut der Bundesregierung“ – Daniel Domscheit-Berg zum NSA-Skandal

Die Auswirkungen des NSA-Skandals werden durch die ständig neuen Enthüllungen von Edward Snowden immer größer. Daniel Domscheit-Berg war lange Zeit der zweite Kopf hinter Wikileaks. Nach einem Streit mit dem Gründer Julian Assange trennte er sich von der Plattform und beschäftigt sich heute mit Netzwerksicherheit und engagiert sich für die Piratenpartei. Diese Woche war er in Mainz zu Gast und diese Zeitung sprach mit ihm über die Auswirkungen der NSA-Affäre.

Daniel, nach deinen Erfahrungen früher bei Wikileaks, inwieweit warst von den Snowden-Enthüllungen noch überrascht?

Es gibt Teile dieser Enthüllungen, die vorher schon bekannt waren oder man hatte eine Idee davon. Es ist bekannt welche Technologien es gibt und man kann, wenn man sich dafür interessiert eine Idee entwickeln, was da passiert. Die Dimensionen sind aber noch einmal etwas ganz anderes. Das Wichtigste an diesen Enthüllungen ist, dass wir uns bewusst werden, dass es hier nicht um eine kleine Sammlung von Daten geht. Hier ein System so groß geworden, dass niemand sich das überhaupt vorstellen kann. Ausgedruckt würde der Datenbestand der NSA das 1,7-fache der Fläche Europas bedecken. Das macht das Ganze vielleicht etwas verständlicher.

Gab es für dich denn einen Schlüsselmoment, in dem du das Ausmaß des Skandals erfasst hast?

Ich habe solche Schlüsselmomente mit jedem Teil dieser Enthüllungen. Alles, was wir bisher gehört haben zeigt weitere Facetten dieses Problems auf und zeigt welche technischen Komponenten attackiert werden. All das macht mich persönlich betroffen, denn ich habe eine Vorstellung davon wie viel von der Integrität dieser Komponenten in einer vernetzen Welt abhängt. Ich weiß, dass wenn all diese einzelnen Bausteine wegbrechen, sich das zu einem richtigen Problem entwickelt.

Es macht betroffen – und es macht hilflos. Was kann man dann jetzt tun? Zunächst mal auf einer politischen Ebene. Denn selbst wenn die Verstrickungen in Deutschland aufgeklärt würden, ist damit noch nicht abgestellt was die NSA mit dem internationalen Internetverkehr in den USA tut.

Zunächst würde ich mir wünschen, dass unsere Bundesregierung einen Untersuchungsausschuss einsetzt. Dieser Untersuchungsausschuss braucht eine Beteiligung der Zivilgesellschaft. Für mich ist wichtig, dass unabhängige Experten an der Aufklärung beteiligt werden, die in unserem Interesse agieren. Natürlich braucht es auch Informationen der Amerikaner. Da müssen wir klarer kommunizieren, dass wir mit den Informationen, die wir bisher bekommen nicht zufrieden sind. Wir müssen mehr Transparenz einfordern und auch den politischen Mut haben, einem Verstoß von Seiten der Amerikaner mit Konsequenzen auf diplomatischer Ebene zu begegnen.
Wieso sollen wir mit ihnen über neue Wirtschaftsabkommen verhandeln? Wieso sollen wir Abkommen, wie die SWIFT-Verträge und die Weitergabe von Fluggastdaten aufrecht erhalten, wenn wir wissen, dass das gegen uns verwendet wird? Da fehlt mir der Mut in der Bundesregierung. Wir sind in Deutschland nicht so abhängig. Wir könnten viel aggressiver unsere Rechte einfordern und unsere Souveränität verteidigen. Ich finde es beschämend, dass unsere Regierung, das nicht im Ansatz hinbekommt.

Bis wir soweit sind, was kann man denn auf individueller Ebene tun? Kann man sich schützen? Muss man all seine E-Mails verschlüsseln oder Aufhören in sozialen Netzwerken zu kommunizieren?

Idealerweise würden wir per se sicherer kommunizieren. Die Forderung, dass mehr Menschen ihre Mails verschlüsseln sollen ist älter als der Skandal. Aber das ist Teil eines Lernprozesses, reifer mit diesen Medien umzugehen. Will ich heute einen Brief schreiben, schreibe ich ja auch einen Brief und keine Postkarte. Insofern ist die Debatte wichtig. Nicht damit jeder lernt, wie er zum Krypto-Experten wird und sich in Zukunft ein Wettrüsten gegen den Staat liefert, sondern dass Leute für die Thematik sensibilisiert werden und ein paar der Fragen hören, die sie sich selbst stellen müssen. Dazu gehört: Welche Daten gebe ich überhaupt zu wem? Weiß ich, wie derjenige mit diesen Daten umgeht? Diese grundlegenden Fragen sind viel größer als die NSA-Affäre.

Was kann denn mit diesen Daten passieren? Wo entsteht denn der Nachteil, wenn man sich selbst nichts vorzuwerfen hat?

Das Problem ist, dass die Verknüpfung einem gar nicht bekannt ist. Ich weiß vielleicht, dass ich mich bei Facebook und bei einem anderen Dienst angemeldet habe. Da habe ich mittlerweile auch eine Vorstellung davon, was das für mich bedeutet. Problematisch wird es, wenn alle diese Daten hinter meinem Rücken zusammengeführt werden. In dem Moment, indem jemand meine Kommunikation kennt und mein Verhalten und diese beiden Dinge verknüpfen kann, kann er ein Profil von mir aufbauen. Beispielsweise, wenn es um sexuelle Vorlieben geht. Darum ob ein Homosexueller Safer Sex praktiziert. Dieser Datensatz wird dann von Anderen, wie einer Krankenkassen gekauft und plötzlich geht es um die Entscheidung einer Lebensversicherung, die dann nicht gewährt wird. Es gibt viele Bereiche, in denen das schwer vorstellbar ist, in der Realität aber sehr detaillierte Profile angelegt werden können. Erst vor kurzem kam raus, dass Versicherungen auch Informationen aus Facebook nutzen wollen, um Menschen besser einstufen zu können. Ebenso wenn man bei der Bank einen Kredit beantragt, dann wird in die Risikobewertung mit einfließen, wie ich mich in sozialen Netzen verhalte. Das ist doch eine komplett verrückte Welt und man hat keine Möglichkeit, das zu steuern. Das ist das eigentliche Problem.

Deine Trennung von Wikileaks und Julian Assange erfolgte ja damals im Streit. Siehst du es kritisch, dass Edward Snowden die Nähe zu Julian Assange, beziehungsweise umgekehrt, sucht?

Wer da wessen Nähe sucht, weiß ich nicht. Ich würde sagen, es ist eher umgekehrt. Das ist für mich aber zweitrangig. Das paradoxe und traurige an dieser Situation ist, dass der mutigste Mensch auf diesem Planeten, der uns allen als Zivilgesellschaft einen Riesengefallen getan hat, momentan kann kaum Freunde finden kann. Da ist es doch wichtig, egal wer das nun ist, das ihn Leute auch öffentlich unterstützen. Da ist mir natürlich auch egal, wie ich mich mit denen verstehe. Da geht es um die Sache.

Nachdem ich mich jetzt mit Dir unterhalten habe und wenn man deine Vergangenheit bei Wikileaks mit einbezieht, werde ich jetzt auch überwacht?

Davon würde ich mal schwer ausgehen, spätestens wenn Sie mir eine Mail schicken. Dann sind aber nicht nur Sie, sondern auch ihre Kinder und Bekannten, und deren Freunde und Verwandte mit drin. Die NSA zumindest geht bis zur dritten Ecke. Das System kennt eben kein Limit mehr. Die Menschen müssen endlich verstehen, wie einfach es ist auf diese Liste der Überwachten zu geraten. Die Absurdität der Liste schützt vor Überwachung nicht.
Das muss eigentlich dazu führen, dass möglichst viele Menschen in diese Solidargemeinschaft der Überwachten kommen und sich daraus dann hoffentlich ein Protest bildet.

Eine gekürzte Fassung dieses Interviews erschien auch in der Allgemeinen Zeitung. Bild & Kamera: Alex Boerger

[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Einmal die Woche die wichtigsten Artikel zu Netzkultur & Medienwandel gibt es in den morgenlinks. Jetzt eintragen![/alert]

Kategorien
Bewegen & Beschäftigen Viralität

Werbung auf Pornoseiten, Buzzfeed International & Offshore-Leaks | morgenlinks

Die morgenlinks diesmal ausnahmsweise wieder ohne Video, weil gleich mein Flieger geht und die Zeit für den Upload nicht mehr ausreichen würde. Ihr dürft diese Woche aber noch ein Interview mit Daniel Domscheit-Berg erwarten, deshalb lohnt es sich den Youtube-Kanal zu abonnieren.

MR068 Offshore-Leaks

(kuechenstud.io, Philip Banse)
Super spannender Blick hinter die Kulissen von Offshore-Leaks. Philip Banse spricht mit dem maßgeblich beteiligten Datenjournalisten Sebastian Mondial, über seine Arbeit an den geheimen Festplatten, wie es war das mit 80 Journalisten zu koordinieren, die Daten zu verschlüsseln. Mondial gibt dabei auch zu, wo Ihnen Fehler unterlaufen sind und was er heute anders machen würde.

How to Advertise on a Porn Website

(eat24hours.com)
Pornowebseiten haben Unmengen an Traffic, aber nur wenig Werbung. Beziehungsweise die meiste Werbung ist für andere Pornoseiten oder zweifelhafte „Enlarge your Geschlechtsteil“-Dienste. Die amerikanische Lieferfirma eat24 hat die Chance genutzt und auf einschlägigen Seiten Werbung für ihren Bringdienst geschaltet: Mit großem Erfolg, für einen Bruchteil der Kosten, selbst von Google oder Facebook-Werbung, haben sie ein Vielfaches des Traffic erzielt. Sicher nicht für jedes Produkt passend, aber spannend.

Memo To The BuzzFeed Team#

(linked.in, Jonah Peretti) Der Gründer von BuzzFeed gibt in einem Memo an seine Mitarbeiter die Marschrichtung für das nächste Jahr vor. Ein spannender Punkt:

„There is a huge opportunity to be the leading news source for the social, mobile world.“

Außerdem will man sich internationalisieren, allerdings will mann nicht, wie die Huffington Post auf lokale Ausgaben setzen:

„We won’t launch different sites in different markets, or the equivalent of ‚local newspapers‘ in every market. We will have one big global site that will dynamically change to meet the needs of different countries and languages.“

[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Die angenehmste Art die morgenlinks zu konsumieren ist übrigens per eMail-Newsletter. Dann gibt es einmal die Woche die besten Artikel zu Netzkultur & Medienwandel ins Postfach. Jetzt eintragen![/alert]

Kategorien
Kleines Fernsehen Youtube News & TV 2.0

ZDF-Chefredakteur Peter Frey: Statt Quote ein Preisschild für verschiedene Plattformen

Wir haben in der Reihe „Meet the Media Executives“ mit dem ZDF-Chefredakteur Peter Frey über die Digitalisierung beim ZDF, die Bedeutung der Fernsehquote in einer zunehmend digitalen Welt und die Zukunft der Nachrichten gesprochen.

Herr Frey, das ZDF darf sich ja immer Fragen nach der Quote anhören und meine erste Frage wäre jetzt: Wie wichtig ist die Quote eigentlich noch und in wieweit werden auch digitale Abrufzahlen in den Mediatheken immer wichtiger?

ZDF-Chefredakteur Peter Frey:

Ich halte die Quote für wichtig, weil sie uns einfach sagt, wie das was wir machen beim Publikum ankommt. Und ich glaube jeder Journalist will gehört werden. Die Quote gibt Aufschluss darüber, ob wir gehört werden mit unseren heute-Nachrichten, mit dem heute journal, mit den Magazinen und im Unterhaltungsbereich ist es natürlich genauso. Wenn wir nicht auf die Quote achten würden, hieße dass eigentlich, dass wir an der Öffentlichkeit vorbeisenden. Das kann es nicht sein. Gerade bei einem beitragsfinanzierten System. Also die Quote ist wichtig, aber natürlich ist sie nicht alles, weil wir uns auch ein bestimmtes Profil leisten, leisten müssen und auch weniger erfolgreiche aber wichtige Themen dann sozusagen im Schlepptau von erfolgreichen Serien, Spielfilmen, Fußballspielen mitnehmen.

Zukunft der Quote: Ein neues Preisschild für unterschiedliche Plattformen

Aber gerade in den Digitalkanälen ist es ja so, dass für junge Sendungen, wie auf zdf_neo, hinterher in den Mediatheken höhere Abrufzahlen haben, als vorher Quoten gemessen wurden. Also was spielen hier die Messwerte für eine Rolle?

Peter Frey:

Im Grunde versuchen wir im Moment ein Preisschild zu entwickeln, wo wir die Wahrnehmung auf den unterschiedlichen Plattformen dann auch messen. Es ist ja häufig so, dass ein Film zum ersten Mal im Hauptprogramm läuft und dann macht er seine Karriere. „Terra X“ läuft zdf_neo, Phoenix, läuft auf zdf_info und zwar in hohen Frequenzen. Wir hatten im letzten Jahr 1.800 Wiederholungen von „History“, unserem Geschichtsformat, quer über alle Plattformen, da kommen dann wirklich viele Millionen Zuschauer zusammen. Also der Erfolg bei der Erstausstrahlung sagt in der Tat nicht alles und die Abrufzahlen online werden immer wichtiger.

Was bieten sie eigentlich für ein jüngeres Publikum im Hauptprogramm, oder andersherum gefragt: Schieben Sie das junge Publikum in die Digitalkanäle ab? Weil sie diese dann sowieso nur noch Online erreichen und es nur irgendwo gesendet haben müssen, damit es auch online stehen darf?

Peter Frey:

Natürlich sind wir im Hauptprogramm in einem Spagat und die Mehrzahl des Publikums des ZDF ist ein älteres Publikum und trotzdem wollen und müssen, und geben uns alle Mühe auch für Jüngere, und das heißt bei uns ja unter 50-jährige, ich rede ja nicht von Jugendlichen, ein Angebot zu machen. Wenn ich sage Spagat, dann wissen wir auch, dass gewisse Genres bei Jüngeren gut ankommen, wir aber Verluste bei Älteren zu gegenwärtigen haben und das müssen wir miteinander in ein vernünftiges Verhältnis bringen. Es gibt aber eine ganze Reihe von Sendungen, die bei Jungen und Alten gleich erfolgreich sind, wenn ich an die heute-show denke zum Beispiel. Auch das heute-journal ist als anspruchsvolle, 30-minütige Nachrichtenhintergrundsendung dann bei Jüngeren erstaunlich erfolgreich.

Nachrichten für die Generation YouTube

Wenn wir dann doch mal unter 50 und bei den ganz jungen schauen, die jetzt mit YouTube aufwachsen, da auch eine ganz andere Optik mit wilden Jumpcuts und ganz, ganz kurzen Formaten kennenlernen, machen Sie sich da schon Gedanken, wie für eine solche Zielgruppe Nachrichten aussehen müssen?

Peter Frey:

Erstens sind wir ja schon da bei YouTube, wir sind auch schon da bei den ganz jungen, beim Kinderkanal, das ist ja auch ein Kind von ARD & ZDF. Was die Nachrichten angeht ja, wir haben eine Arbeitsgruppe „Jüngere Nachrichten“ eingerichtet, um mal zu definieren, wie definiert man das eigentlich. Definiert man das in erster Linie über den Inhalt, gibt es andere Inhalte die für jüngere Leute interessant sind oder definiert man es in erster Linie über die Form. Ich glaube nicht, das nehme ich schon mal vorweg, dass immer schneller, immer kürzer das richtige Rezept ist. Es kann kein Zufall sein, ich komme nochmal darauf zurück, dass eine so seriöse, solide und auch anspruchsvolle Nachrichtensendung, wie das heute-journal auch für Jüngere attraktiv ist und übrigens auch die tagesschau, die gute alte tagesschau ist häufig genug bei der ARD die jüngste Sendung des Tages.

Aber gerade die tagesschau steht ja gerade in der Kritik, dass dieses Sprechermodell nicht mehr so aktuell ist. Gerade auch für eine immer komplexer werdende Welt, in der es nicht mehr reicht nur Fakten aufzuzählen. Haben sie da mit dem heute-journal den besseren Ansatz?

Peter Frey:

Ich glaube das sind zwei ganz unterschiedliche Genres und ich bin jedenfalls froh, dass das hintergründige, erklärende, nachhaltende, was das heute-journal bietet, sein Publikum findet.

Themen statt Technik

Gut und als Abschlussfrage: Was glauben sie muss ein Medienmanager der Zukunft mitbringen?

Peter Frey:

Begeisterungsfähigkeit. Begeisterungsfähigkeit für die Themen. Manchmal kommt es mir so vor, dass diese sehr technisch getriebene Debatte ein bisschen das unterpflügt, was wir eigentlich inhaltlich dem Publikum nahebringen wollen. Darum geht es ja auch, was bieten wir eigentlich an, welche Themen sind die, die Gesellschaft weiterbringen, aufregen, aufwühlen. Aber sicher auch Begeisterungsfähigkeit für all das neue und frische, was wir im Moment ja in einer Schlagzahl zu verkraften haben, wie es noch nie vorher der Fall war.

Das gesamte Interview mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey:

[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Wer auf dem Laufenden bleiben will und einmal die Woche die besten Artikel zu Medienwandel und Netzkultur im Postfach finden will, abonniert den morgenlinks Newsletter.[/alert]

Mehr…

 Dieser Beitrag erschien zunächst für das TV 2.0-Blog des TV2.0Summit.

Kategorien
Großes Kino

„The Congress“ – Ein Traum zwischen Comicwelt & Realfilm

Ari Folman ist zurück. 2008 überzeugte der israelische Animator die Filmkritiker in Cannes mit “Waltz with Bashir”. Dieses Jahr versucht er dasselbe mit “The Congress”, einem halb real-halb animierten Sci-Fi-Drama über und mit Robin Wright.

„The Congress“ ist Folmans lose Adaption des Romas „Der futurologische Kongreß” des polnischen Autors Stanisław Lem. Wobei hier die Betonung auf lose liegt. Es lassen sich nur wenige Parallelen zur literarischen Vorlage finden und auch die zahlreichen Handlungsstränge im Film selbst sind höchstens lose an einen roten Faden gebunden, wenn sich dieser überhaupt festmachen lässt. „The Congress“ sind 122 Minuten vollgepackt mit Tricks und Ideen sowie Farben und Gedanken. Und dem Zuschauer bleibt nichts anders übrig als die unzusammenhängenden und herumwirbelnden Elemente selbst zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Was als Realfilm beginnt verläuft sich in eine düstere, animierte Dystopie

Folman bewegt sich verworren zwischen Realfilm und Animationsfilm. Was als Realfilm beginnt verläuft sich in eine düstere, animierte Dystopie. Nur um dann mit einem kurzen Abstecher in eine traurige Realwelt wieder im Farbenrausch der Animation zu enden. Erzählt wird dabei die Geschichte der inzwischen erfolglosen Schauspielerin Robin Wright, gespielt von Robin Wright, die mit 40 Jahren auf ihren früheren Erfolg in die „Braut des Prinzen“ zurückblickt. Wrights Karriere ist nicht nur am Ende, sondern hat nie so stattgefunden wie wir es erlebt haben. Um diese Fehlentscheidungen auszugleichen, schlagen die „Miramount“ Studios vor, sie zu scannen. Ziel ist es, ein digitales Abbild von Wright zu schaffen und so ohne ihr eigenes Zutun ihre Mimik und Gestik auf die Kinoleinwände zu projizieren. Für Wright selbst bedeutet dies, finanzielle Absicherung und eine Filmfigur, die niemals altert.

Soweit so gut. Bis hier hin geht die Realwelt, bis hier hin geht ein klar zu erkennender roter Faden. 30 Jahre nach diesem Vertragsabschluss reist Wright – inzwischen mit grauem Haar und Falten – zu einem Kongress, veranstaltet von den „Miramount“ Studios. Dieser findet allerdings in einer rein animierten Welt statt. Wright und alle und alles um sie herum werden zu Comicfiguren. Farben stürzen auf den Zuschauer ein, Figuren bewegen und unterhalten sich. Ein Rausch von Eindrücken, die nur schwer zu fassen sind. Die Kamera bewegt sich von Wright weg und wieder zu ihr hin. Sie verliert den Zuschauer und schickt ihn gleich wieder ins Geschehen. „The Congress“ berührt viele Themen: Die Filmstudios und ihr Versuch, Träume zu verkaufen, die Auf- und Abgehenden Sterne von Filmstars und nebenbei noch die Suche einer Mutter nach ihrem kranken Sohn in einer animierten, bunten aber kalten und gefühlslosen Welt.

Eine bunte aber kalte und gefühlslose Welt

„The Congress“ erzählt eine Geschichte, die sich über 50 Jahre hinweg erstreckt. Die Jahre vergehen rasend schnell, die Entwicklung vollzieht sich aber scheinbar langsam. Wright wirkt leer und träge als hätte sie mit ihrem Scan auch ihr Inneres verloren. Aber vielleicht ist das auch nur eine mögliche Lesart des Films. Der Zuschauer scheint sich entscheiden zu müssen, welchem Handlungsstrang er folgen möchte. Sind die animierte Welt und ihre Strukturen wichtig oder Wrights Weg? Der Film als Ganzes lässt den Zuschauer oft allein und verwirrt zurück. Oder aber man folgt der Einladung des Films und flüchtet in seine eigene animierte Traumwelt. Farben, Figuren und Bilder bietet „The Congress“ dafür in Hülle und Fülle.

Fazit: „The Congress“ ist ein Film, der durch seine visuelle Note aus dem Rahmen fällt, wie weit der Zuschauer aber mit aus dem Rahmen der Erzählungen fällt, scheint ganz ihm überlassen. Ari Folmans neues Werk lädt zu einer wilden Fahrt in eine bunte Filmzukunft ein, mit einem offenen Blick kommt man am Ziel der Fahrt an – das Risiko in einer Comicwelt verloren zu gehen, ist allerdings nicht zu unterschätzen.

The Congress Trailer

Kategorien
morgenlinks Siebbelag

Nachrichtengeschichte, Netzgemeinde & Nerdwissen | morgenlinks

Schon wieder Dienstag, Zeit für eine neue Ausgabe des morgenlinks Newsletter.

Riptide – What really happened to the news business

(niemanlab.com)
Das Nieman Lab hat die Geschichte der Nachrichtenindustrie seit 1980 aufgeschrieben. Vom Aufkommen des Teletext über das Entstehen der Blogosphäre und den Fehlern in den Anfängen von Online analysiert diese epische Geschichte in 15 Kapiteln und über 60 Interviews, wie das Nachrichten & Zeitungsgeschäft in die Krise kam, in der es nun steckt. Ich habe selbst noch nicht alles gelesen und werde mir das wohl mit in den Urlaub nehmen.

Netzgemeinde

(mspr0.de, Michael Seemann)
Gibt es nun die Netzgemeinde oder nicht? mspro sagt eindeutig ja, auch wenn viele andere das immer wieder abstreiten oder sich selbst davon distanzieren:

„Eine Gemeinschaft besteht nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikationen, die ihre Anschlussfähigkeit unter anderem in der Unterscheidung von Selbst- und Fremdreferenz gewährleisten. Luhmann nennt diesen ständigen Prozess der Selbstkonstitution von Gemeinschaften auch ‚Autopoiesis‘. Wann immer wir von den ‚Internetausdruckern‘ reden, oder den Journalisten (gern auch Mainstream- oder Qualitätsjournalisten, etc), auch wenn wir davon reden, dass wir den Anschluss an die Youtubegreneration verloren haben, wann immer wir ‚wir‘ sagen und uns adressieren – unter welchem Namen auch immer – konstituieren wir die Netzgemeinde. „

Passend dazu auch ein schöner Vortrag von miinaaa auf der #om13.
Sponsor werden
Man kann die wöchentlichen morgenlinks sponsern und erreicht somit alle Newsletter-Abonnenten, das Publikum auf YouTube und im Blog. Gerne mache ich persönliche angeboten. Einfach melden.

 

50 Things a Geek should know

(Virtualshosting.com)
Eine Listicle Infografik, mehr geht ja gar nicht. Aber trotzdem sehr nett: 50 Dinge die jeder Nerd/Geek kennen sollte. Zum einfach selbst testen mit Auswertung am Schluss. Wie Geek bist du? Sag dein Ergebnis gern in den Kommentaren oder an @netzfeuilleton.

Nächste Woche gibt es wieder eine neue Ausgabe, ich freue mich über Weiterempfehlung und Feedback. Eine schöne Restwoche.

Kategorien
Siebbelag

#Schlandkette: Kai Diekmann stichelt gegen Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters

Ausgerechnet BILD-Chefredakteur Kai Diekmann macht sich über die Boulevard-Inhalt bei der Welt lustig. Nachdem sich Jan-Eric Peters, der andere Chefredakteur der Springer-Gruppe, genauer von der Welt, über die viele Berichterstattung rund um die #schlandkette am Rande des TV-Duells ärgerte, antwortete Kai Diekmann mit Artikeln aus der WELT, die sich mit Themen aus der Boulevard-Welt und eben jener genannten Schlandkette beschäftigen. Peters hatte sich geärgert, dass die Schlandkette Quatsch sei und zur „totalen Trivialisierung“ der Politik führe. Gerade die BILD hatte sich gestern massiv mit der Schlandkette beschäftigt und auch Exemplare an Leser verlost, aber auch die WELT konnte sich dem Hype um den schwarz-got-goldenen Halsschmuck dann nicht entziehen und veröffentlichte ebenfalls Artikel zu dem Thema. Das gab Diekmann Munition zum Gegenangriff und er antwortete Ironisch: „Und überhaupt: Nich‘ mal ignorieren so ’nen Quatsch!“, mit Bild von einem WELT-Artikel über die Schlandkette.

Nur eine kleine Stichelei, aber doch bemerkenswert, dass sich die beiden Chefredakteure der Springer-Gruppe öffentlich so angehen und dann auch noch über das Thema Boulevard Inhalte. Aber wahrscheinlich ist das nur wieder so eine Inszenierungskiste, die ich nun dankbarerweise aufgegriffen habe.

[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Einmal die Woche die besten Artikel zu Netzkultur & Medienwandel gibt es mit dem morgenlinks Newsletter. Jetzt abonnieren.[/alert]

Kategorien
Politik Siebbelag

TV-Duell, Twitter & Armut als Lebensstil | morgenlinks

Herzlich Willkommen zu den morgenlinks, diesmal leider ohne Videokommentar, weil die Technik gestreikt hat. Wer mich doch in Videoform sehen möchte, kann das Digitale #Quartett von gestern Abend anschauen, in dem ich mal wieder zu Gast war. Es ging um das TV-Duell, die @schlandkette und Twitter. Mein ganz eigener Rückblick auf das Duell in Form von GIFs gibt es hier.

Wir sind die 0,01 Prozent: Die Second-Screen-Twitter-Blase

(olereissmann.de, Ole Reißmann)
In meiner Timeline ging es ganz schöne Rund, während des #tvduell. Ich kam kaum hinterher, rund 173.000 Tweets wurden während der Sendung dazu abgeschickt und das Meme der @schlandkette machte schnell seine Runde. Doch die Twitterblase ist nur ein kleiner Teil der Wahlbevölkerung. Ein Bubble, die Ole Reißmann (nach Update) auf 0,058% der Wahlberechtigten beziffert. Darüber haben wir auch in der oben erwähnten #Quartett Sendung gesprochen.

Armut als Lebensstil – Das prekäre Leben

(neueelite.de, Yeah Sara)
Amy&Pink war früher als “BILD-Zeitung der Hipster” verschrien, davon hatte der Gründer Marcel Winatschek irgendwann genung, stampfte es ein und setzt nun auf Texte, statt Titten. Und da ist auch gleich ein toller dabei. Über das Leben der Generation Prakitkum, die lebt um zu arbeiten, ohne das das Arbeiten zum Leben reicht.

#Weltschmerz ist sein Held

(zeit.de, Nina Pauer)
Eine ganz tolle Einlassung von Nina Pauer auf den Twitterer @NeinQuarterly, der als Professor für deutsche Literatur in Pennsylvania über den akademischen Betrieb und die deutsche Sprache auf der Kurznachrichtenplattform schreibt. Fatalistisch, philisopisch und auch mal für ein Lachen gut.

„You don’t have to be angry to speak German. But it helps.“

Wer nächste Woche die morgenlinks, dann hoffentlich wieder mit Video, per Mail bekommen möchte, der kann sie hier kostenlos abonnieren.

Kategorien
Politik

Das TV-Duell in animierten GIFs

TV-Duell, das war es also. Der Höhepunkt des Wahlkampfs, selbst eher arm an Höhepunkten. Ich habe trotzdem versucht, welche zu finden und diese in animierten GIFs zusammengefasst. Musste ja kommen, oder?

Merkel hat eine Kette in Deutschlandfarben an

schlandkette
Und das Internet, wäre nicht das Internet, wenn diese Kette nicht Minuten später unter @schlandkette einen eignen Twitteraccount mit über 5.000 Followern hätte. Merkel trug diese Kette übrigens schon 2009 bei der letzten Wahl.

Peer sagt, das stimmt doch nicht

stimmtdochnicht
Auf die Frage von Raab, ob seine Drohung die Kavallerie gegen Steuersünder zu Satteln eine Leere sei. Insgesamt ging es viel um Geld. Ich frage mich, was sich das Moderatorenteam dabei gedacht hat ausgerechnet mit diesem Thema anzufangen und ihm so viel Platz einzuräumen. Sicherlich ein wichtiges Thema, aber doch nicht gerade catchy zum Start und auch eines, das wenig Visionen zulässt. Die fehlen übrigens im ganzen Duell. Sind wahrscheinlich beim Arzt.

Zwischen durch moderiert mal Merkel

tvduell

Weil die „echten“ Journalisten ziemlich schwach bleiben und in ihrem Politiktalkmodus verharren. Verbeissen sich an den falschen Stellen und wollen Zahlen hören, während Sie an anderer Stelle Merkel den Patzer durchgehen lassen, zu behaupten Renten würden in Deutschland nicht versteuert.

Merkel hat keine Lust die Fragen von Anne Will anzuhören, geschweige denn zu beantworten.

merkelfragen

„Ich antworte mit einem klaren Ja, um dann noch Zeit zu haben etwas anderes zu sagen.“, ist ein echter Satz der von Merkel gefallen ist. Gut, in dem Fall ging es darum, ob Politiker in Deutschland genug verdienen und Peer Steinbrück hat sich hier geschickt rausgewunden. Aber das Antworten auf nicht gestellte Fragen und Nicht-Antworten auf gestellte, war Programm.

Peter Klöppel hat einen tollen Kulli

kloeppelkuli

Trat ansonsten aber nicht in Erscheinung.

Merkel versichert, dass die NSA unsere Daten nicht auf deutschem Boden überwacht

aufdeutschemboden

Irgendwann kam man dann doch noch auf den NSA-Skandal zu sprechen und Merkel betritt weiter #Neuland. Weit voran gekommen ist sie nicht. Sie wiederholt das Statement, dass auf deutschem Boden unsere Daten nicht von der NSA abgehört werden. Das eine eMail auch zwischen zwei .de-Adressen die Landesgrenzen verlassen kann, hat ihr wohl noch immer niemand gebrieft.

Raab ist King of Kotlett

kingofkotlett
Der Sieger des Duells ist wohl Stefan Raab. Nachdem sich vorher noch etliche Journalisten Gedanken darüber machten, ob der das überhaupt darf, so ein unfassbar wichtiges Duell moderieren, stellte er alle anderen drei Moderatoren in den Schatten. Das war vielleicht nicht schwer, den außer Illner machten die, wie oben erwähnt, keine tolle Figur. Hier versucht er gerade Peer Steinbrück zu einer großen Koalition zu überreden, die er sich selbst wünscht. Mit dem denkwürdigen Satz vom „King of Kotlett“.

Aber Peer lässt sich nicht breitschlagenpeerer

Und schließt erstmal sowohl eine GroKo mit ihm als zweitem Mann, als auch Rot-Rot-Grün (mit ihm) aus. Daraus kann Merkel noch einen Stich machen, indem sie das umwandelt in: Bei einer Koalition geht es immer erst einmal darum, ob es dem Land dient und nicht ob es vielleicht der Partei schadet.

Merkel spricht der FDP ihr allervollstes Vertrauen aus.

allervollstesvertrauen

Das sie vielleicht doch auf eine Große Koalition zusteuert zeigt sich darin, dass sie der FDP ihr allervollstes Vertrauen ausspricht. Und wir wissen alle, wozu das führt.

 

[alert title=““ bg_color=“blue“ text_color=“white“]Einmal die Woche die besten Artikel zu Netzkultur & Medienwandel gibt es mit dem morgenlinks Newsletter. Jetzt abonnieren.[/alert]

Kategorien
Video

Internetdating: Wenn Facebook & Pinterest sich verlieben

Wundervoller Kurzfilm, der es schafft kleinen Papierschnipseln Leben einzuhauchen und mit unglaublich viel Liebe zum Detail ohne Worte eine Geschichte erzählt: Wie Facebbok & Pinterest ein Paar wurden. Besonders gut gefällt mir der Gastauftritt von Instagram und YouTube, aber seht selbst.

Pinterest & Facebook Dating

Das Video von gamerboymedia hat gerade die Monday Challenge von Filmriot für beste Cinematographie gewonnen.