„The Congress“ – Ein Traum zwischen Comicwelt & Realfilm

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The Congress

Ari Folman ist zurück. 2008 überzeugte der israelische Animator die Filmkritiker in Cannes mit “Waltz with Bashir”. Dieses Jahr versucht er dasselbe mit “The Congress”, einem halb real-halb animierten Sci-Fi-Drama über und mit Robin Wright.

„The Congress“ ist Folmans lose Adaption des Romas „Der futurologische Kongreß” des polnischen Autors Stanisław Lem. Wobei hier die Betonung auf lose liegt. Es lassen sich nur wenige Parallelen zur literarischen Vorlage finden und auch die zahlreichen Handlungsstränge im Film selbst sind höchstens lose an einen roten Faden gebunden, wenn sich dieser überhaupt festmachen lässt. „The Congress“ sind 122 Minuten vollgepackt mit Tricks und Ideen sowie Farben und Gedanken. Und dem Zuschauer bleibt nichts anders übrig als die unzusammenhängenden und herumwirbelnden Elemente selbst zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Was als Realfilm beginnt verläuft sich in eine düstere, animierte Dystopie

Folman bewegt sich verworren zwischen Realfilm und Animationsfilm. Was als Realfilm beginnt verläuft sich in eine düstere, animierte Dystopie. Nur um dann mit einem kurzen Abstecher in eine traurige Realwelt wieder im Farbenrausch der Animation zu enden. Erzählt wird dabei die Geschichte der inzwischen erfolglosen Schauspielerin Robin Wright, gespielt von Robin Wright, die mit 40 Jahren auf ihren früheren Erfolg in die „Braut des Prinzen“ zurückblickt. Wrights Karriere ist nicht nur am Ende, sondern hat nie so stattgefunden wie wir es erlebt haben. Um diese Fehlentscheidungen auszugleichen, schlagen die „Miramount“ Studios vor, sie zu scannen. Ziel ist es, ein digitales Abbild von Wright zu schaffen und so ohne ihr eigenes Zutun ihre Mimik und Gestik auf die Kinoleinwände zu projizieren. Für Wright selbst bedeutet dies, finanzielle Absicherung und eine Filmfigur, die niemals altert.

Soweit so gut. Bis hier hin geht die Realwelt, bis hier hin geht ein klar zu erkennender roter Faden. 30 Jahre nach diesem Vertragsabschluss reist Wright – inzwischen mit grauem Haar und Falten – zu einem Kongress, veranstaltet von den „Miramount“ Studios. Dieser findet allerdings in einer rein animierten Welt statt. Wright und alle und alles um sie herum werden zu Comicfiguren. Farben stürzen auf den Zuschauer ein, Figuren bewegen und unterhalten sich. Ein Rausch von Eindrücken, die nur schwer zu fassen sind. Die Kamera bewegt sich von Wright weg und wieder zu ihr hin. Sie verliert den Zuschauer und schickt ihn gleich wieder ins Geschehen. „The Congress“ berührt viele Themen: Die Filmstudios und ihr Versuch, Träume zu verkaufen, die Auf- und Abgehenden Sterne von Filmstars und nebenbei noch die Suche einer Mutter nach ihrem kranken Sohn in einer animierten, bunten aber kalten und gefühlslosen Welt.

Eine bunte aber kalte und gefühlslose Welt

„The Congress“ erzählt eine Geschichte, die sich über 50 Jahre hinweg erstreckt. Die Jahre vergehen rasend schnell, die Entwicklung vollzieht sich aber scheinbar langsam. Wright wirkt leer und träge als hätte sie mit ihrem Scan auch ihr Inneres verloren. Aber vielleicht ist das auch nur eine mögliche Lesart des Films. Der Zuschauer scheint sich entscheiden zu müssen, welchem Handlungsstrang er folgen möchte. Sind die animierte Welt und ihre Strukturen wichtig oder Wrights Weg? Der Film als Ganzes lässt den Zuschauer oft allein und verwirrt zurück. Oder aber man folgt der Einladung des Films und flüchtet in seine eigene animierte Traumwelt. Farben, Figuren und Bilder bietet „The Congress“ dafür in Hülle und Fülle.

Fazit: „The Congress“ ist ein Film, der durch seine visuelle Note aus dem Rahmen fällt, wie weit der Zuschauer aber mit aus dem Rahmen der Erzählungen fällt, scheint ganz ihm überlassen. Ari Folmans neues Werk lädt zu einer wilden Fahrt in eine bunte Filmzukunft ein, mit einem offenen Blick kommt man am Ziel der Fahrt an – das Risiko in einer Comicwelt verloren zu gehen, ist allerdings nicht zu unterschätzen.

The Congress Trailer


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