Nachrichten. Wer ließt denn heute noch Nachrichten? Nachrichten bekommt man irgendwie mit. Nachrichten sind überall.
So habe ich das zumindest die meiste Zeit auch gehalten. Die Woche über durch verschiedene Nachrichtenströme tauchen, sich einmal die Woche das Geschehen in einem Podcast zusammenfassen lassen und so lala informiert sein.
Urlaubsrituale retten
Dann kam unser letzter Urlaub. Kennt ihr das, wenn der Urlaub lang genug ist, dass man bereits anfängt, sich eigene Urlaubsrituale zu suchen? Unseres war es, morgens im Bett beim ersten Kaffee und Tee Nachrichten zu lesen. Es war die Hochphase der Brexitverhandlungen. Dementsprechend passierte jeden Tag eine neue Verwerfung, scheiterte irgendeinen Abstimmung. Man zitterte mit und entspannte zugleich. So hatte man das Gefühl, auf einer kleinen Insel mitten im Atlantik Teil der Weltpolitik zu sein. Schnell habe ich dieses Urlaubsritual lieb gewonnen.
Nun ist das Blöde an diesen Urlaubsritualen, dass sie sich schlecht in den Arbeitsalltag übertragen lassen. Ständig möchte irgendein Arbeitgeber, dass man rechtzeitig irgendwo ist. Zeit, um morgens in Ruhe Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen, bleibt da nicht. Außer am Wochenende. Wochenende – der Urlaub des kleinen Mannes. Und tatsächlich habe ich es geschafft, dieses Ritual aus dem Urlaub ins Wochenende rüberzuretten.
So sitze ich Samstag- und Sonntagmorgens im Bett mit einer Zeitung oder Nachrichtenapp der taz – und einer Tasse Kaffee. Meistens freue ich mich schon am Abend vorher auf diese Zeit. Wenn die Nacht vorbei ist, aber der Tag noch nicht ganz angefangen hat.
Nicht jedes Wochenende ist Brexit
Nun ist zum Glück nicht jedes Wochenende Brexit. Dementsprechend brauche ich nicht die aktuellen Nachrichten, sondern eine Zusammenfassung. Unter der Woche bekommt man bereits allerlei Fetzen und Entwicklungsschritte mit. Anstatt dann Nachrichten hinterher zu hecheln kann man sich nun die Zeit nehmen, die größeren Zusammenhänge zu verstehen.
Und so verkündet die „taz – am Wochenende“ eben nicht nur den Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May, sondern der Autor Dominic Johnson erläutert ihr Vermächtnis eines Scherbenhaufens, als den sie das Land übergibt. Und eine Doppelseite weiter gibt es einen Ausblick, der es so nie in die Nachrichtenspalten schafft: Ein Ausblick von Viktoria Morsch nach Portugal, wo es die linke Regierung geschafft hat eine Wirtschaftskrise abzuwenden – in dem sie sich gegen den Sparkurs von Brüssel entschieden haben. Wegen dieser und anderer Texte freue ich mich auf meinen Kaffe und die ausgeruhten Analysen einer Wochenzeitung.
Das Konzept „Wochenzeitung“ hat mir schon immer eingeleuchtet. Themen in ihrer Tiefe erfassen und sich auf die Diskussionen der nächsten Woche vorbereiten. Oder gleich schon mit dem Partner diskutieren. Und so habe ich von meinem Bett aus das Gefühl, Teil der Weltpolitik zu sein.
Das Konzept „Wochenzeitung“ hat sich mir schon immer erschlossen
Die taz am Wochenende kann man gerade für 10 Euro 10 Wochen lang testen. Und wer nicht erst aufstehen und zum Briefkasten gehen will, kann sich das Ganze natürlich auch über die App auf sein iPad oder Smartphone holen.
Welche Themen kommen dir im Alltag zu kurz oder was hättest Du gerne mal verständlich zusammengefasst?
Ja, das Video von Rezo war groß. Aber von einem Rezo-Effekt zu sprechen ist falsch.
Mit dieser simplen Verkürzung will man wieder mal so tun, als würden junge Menschen einfach Blind ihren Influencern hinterherlaufen. Nein. Das ist der Effekt der konkreten inhaltlichen Politik der letzten Jahre. Die Betonung liegt auf inhaltlich
Mehr als Rezo-Effekt: Quittung für Artikel13
Das Wahlergebnisse der Union und der SPD mit ihrer Spitzenkandidatin Katharina Barley ist konkret die Quittung für Artikel 13. Den hatte die Regierung gegen den massiven Widerstand der Jugend durchgedrückt. Und die Retour für jahrelange Versäumnisse im Kampf gegen den Klimawandel. Und die gesamte Missachtund des digitalen Raums.
Die digitale Welt ist Lebensraum dieser Generation
Die digitale Welt ist eben Lebenswelt für diese Generation. Hier sind sie aufgewachsen und sozilisert werden. Hier findet alles von Liebe bis Entertainment statt. Und diesen digitalen Lebensraum wird die junge Generation verteidigen, wie die CSU Bayern verteidigt.
Nicht Rezo ist schuld, sondern die Parteien
An den katastrophalen Ergebnissen bei jungen Wählern für CDU und SPD ist deshalb nicht das phänomenale Video von Rezo schuld, sondern die Parteien mit ihrem Angriff auf diesen Lebensraum.
Natürlich müssen die Parteien digitaler werden in ihrer Kommunikation. Schon allein, damit nicht alle anfangen zu lachen, sobald sie mal eine YouTube ankündigen.
Eine Social Media Strategie wird keine jungen Wähler zurückbringen
Das wird ihnen sicher auch helfen zu verstehen, wie und wo junge Menschen kommunizieren und was sie beschäftigt. Aber eine Social Media Strategie wird ihnen keine jungen Wähler zurückbringen. Dazu muss eine andere Politik her. Denn die jungen Menschen wissen, welche Themen ihnen wichtig sind. Und das haben sie bei dieser Wahl gezeigt.
Disney macht seine Übernahme von Hulu komplett und kauf Comcast für mindesten 5,8 Milliarden $ raus. Comcast hatte nämlich als Gründungsmitglied ein Vetorecht. Eigentlich war Hulu ja mal das gemeinsame Projekt der großen amerikanischen TV-Sender NBC, ABC und FOX. Jetzt steht Disney für seine Streamingzukunft ganz gut da. Vermutet wird aktuell, dass Disney+ sich vor allem auf familienfreundliche Shows und Franchises konzentrieren wird. Und Hulu eher die erwachseneren Shows aus dem Umfeld von FX ausspielen wird.
Währenddessen versuchen sich Comcast und NBC, genau wie die anderen großen Studios und Sender seinen eigenen Plan aufzustellen. Ein Schritt: NBC hat angekündigt „The Office“ zum Streamen von konkurrierenden Streamingdiensten abzuziehen. NBC will seinen eigenen Streamingservice starten, der 2020 kommen soll, hat aber noch keinen Namen dafür. Und Warner/AT&T’s hat für „Friends“ Ähnliches angekündigt. 2018 hatte Netflix noch 100 Millionen Dollar bezahlt, um alle Friends-Staffeln streamen zu dürfen.
Warum ist das interessant?
Das ist deshalb interessant, weil „The Office“ wohl letztes Jhar die populärste Show auf Netflix war und laut Nielsen 52 Million Minuten „The Office“ gestreamt wurden.
Hier zeigt sich eine Lücke in Netflix-Portfolio: Während sie zwar eine Menge bingebarer Serien erschaffen haben, haben sie bis heute keine Franchise von der Größe von „Friends“ oder „The Office“ erschaffen. Und ich würde behaupten, das steht auch dem entgegen, wie Netflix Serien erschafft und aufbaut. „The Office“ und „Friends“ sind eben noch Überbleibsel aus der Fernsehzeit. Mit weniger starken, horizontalen Erzählbögen und einem damals noch massiven Publikum. Es sind auch eher „Feel Good“-Shows, die man nebenbei schaut und immer wieder. So eine Seichtigkeit ist diametral zu dem was eine Netflix-Serie bieten muss, damit sie überhaupt interessant ist und geschaut wird.
Spotify arbeitet wohl an einem Redesign, das auch eine Art Story-Feature haben soll. Darüber sollen Künstler wohl Behind The Scenes-Material zur Entstehung von Songs und Alben teilen können. Erinnert ein bisschen an das gescheiterte Apple-Netzwerk „Ping“, mit dem Unterschied, dass Spotify bereits ein wichtiger Kanal für Künstler ist, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Der andere Musikstreamingdienst Deezer hat sich auch ein Redesign verpasst. Allerdings beschränkt es sich hier wohl eher auf ein neues Logo und mehr Farben.
Matt Lieber verrät ein bisschen was aus seinem Business Gimlet Media. Unter anderem warum sie ihre Podcastfirma an Spotify verkauft haben. Es ging ihnen wohl vor allem um Daten und Discovery, die Spotify liefern kann. Denn die Frage „wie entdecke ich neue Podcasts?“ ist eine der großen Herausforderungen. Und große Marken sind inzwischen verwöhnt, was die Daten zu Werbeschaltungen angeht. Hier bietet die Plattform Spotify natürlich deutlich mehr als die kümmerlichen Downloadzahlen hinter einem RSS-Feed.
IGTV ist ein Flop, deshalb kopiert Instagram jetzt TikTok
Instagram hatte ja noch nie ein Problem damit, erfolgreiche Features anderer Apps zu kopieren. /Hust, Stories, hust./ Und nun will man sich wohl bei TikTok bedienen, um dem eigenen Produkt IGTV auf die Sprünge zu helfen. IGTVs echter Erfolg lässt nämlich bis heute auf sich warten. Die Extra-App wurde schätzungsweise nur 4,2 Millionen mal weltweit installiert und ist in den App Charts nirgends zu sehen. Nun hat man IGTV ein Redesign verpasst, das an vielen Stellen an TikTok erinnert: Statt den Tabs “For You”, “Following”, “Popular” und „Continue Watching” gibt es jetzt einen zentralen Feed, in dem einem ein Algorithmus passende Videos präsentieren will – ganz ähnlich zu TikTok. Auch das seltsame, horizontale Scrollen wurde abgeschafft. Jetzt scrollt man passend zum Instagram-Format vertikal durch etwas, dass dem Snapchat Discover Bereich verdammt ähnlich sieht.
Noch ein interessantes Feature ist aufgetaucht: Jane M. Wong hat entdeckt, dass man nun Links zu einzelnen Instagram Stories teilen kann. Sehr spannend, um diese Form des Storytelling’s weiter zu verbreiten.
Ich würde es die Rache von YouTube für Artikel 13 nennen. Der YouTuber Rezo hat auf 55 Minuten die CDU und ihre Politik auseinandergenommen. Und das ganze nicht in einem einfachen Rant, sondern sehr detailliert mit Quellen, verschiedenen Themen usw. Das Spannede: Das Video geht durch die Decke und hat in wenigen Tagen 3 Millionen Views gesammelt – und das kurz vor der Europawahl. Und mit vielem was doch schneinbar der YouTube-Gesetzen wiederspricht (kurz). Wenn man genauer hinsieht entdeckt man aber eine geschickte Dramaturgie.
Wir haben eine Menge nachzuholen, schließlich war erst der 1. Mai und dann bin ich in der re:publica untergegangen. Deshalb jetzt los:
Stream Video 🎬
ProSieben Streamingdienst 7TV wird zu Joyn
7TV ist eigentlich noch recht frisch, wird nun aber wieder eingestampft, um direkt etwas neues zu werden: Joyn heißt der neue Streamindienst aus dem Hause ProSiebenSat.1. Joyn zeigt Livestreams von über 50 TV-Sendern, man will aber auch eigene Shows produzieren. Zum Beispiel die 3. Staffel der Comedy-Serie “Jerks” mit Christian Ulmen, eine Preview der neuen Serie „Die Läusemutter“ (Arbeitstitel), „Check Check“ (Arbeitstitel) mit Klaas Heufer-Umlauf und „Frau Jordan stellt gleich“ mit Katrin Bauerfeind. Außerdem sollen Maxime- und Eurosport-Inhalte integriert werden. Einzelne Fernsehformate sollen 7 Tage vor der TV-Ausstrahlung und 30 Tage danach zu sehen sein.
Das ist aber nicht die einzig neue Streamingplattform von ProSiebenSat.1: Unter dem Namen „Auto-Deutschland.TV“ bringt 7Sports nicht nur Reviews und Tests zu vielen Automarken, sondern auch DTM-Rennen live.
Netflix gibt 2,3 Milliarden $ im Jahr für Marketing aus
Diese zentrale Zahl habe ich aus Bertram Gugels Vortrag auf der Media Convention mitgenommen. Einfach nur einen tolle Serie zu produzieren reicht eben nicht. Die Nutzer kommen nicht von selbst. Auch die beste Mundpropaganda muss angeschoben werden. Das würde ich vielen gerne mit Edding hinter die Ohren schreiben. Aber auch sonst ist Betrams jährliche Analyse der Videolandschaft ein Muss. Er analysiert die wiederkehrenden Mechanismen, mit denen Plattformen Inhalte- und Videocreator locken und später fallen lassen. Und Betram hat sogar eine ambitionierte Idee, wie man diese durchbrechen kann.
Ein kleiner Skandal hat die Podcastingwelt in den USA bewegt: Der Start der mit viel Venture Capital unterstützen Plattform „Luminary“. Luminary möchte „das Netflix für Podcasting“ werden, in der man von Anfang an recht viel Geld für Original-Produktionen und Stars in die Hand nimmt – und auch Nutzer dazu bringt zu bezahlen. Nun sollte man per App aber auch ganz normale Podcasts abonnieren können und so integrierte Luminary schlicht viele offene Podcasts in die eigene App. Ob sie die Dateien wirklich auf eigenen Servern zwischengespeichert haben oder nur eine seltsame Art der Weiterleitung nutzten ist etwas unklar. Aber einige der größten Podcasts wie The Daily, The Joe Rogan Experience und auch alle Podcasts von Gimlet Media (wie Reply All), Anchor und Parcast zogen daraufhin ihre Shows von der App ab. Bei den letzten drei kein Wunder, gehören sie doch mittlerweile zu Spotify. Die besten Diskussion dazu habe ich im Accidental Tech Podcast mit Marco Arment gehört.
Podcast-Clips sharen mit Overcast
Marco Arment erwähne ich auch, weil er der Programmierer hinter Overcast ist – meiner Podcastapp of choice. Und mit Hilfe dieser App präsentierte er nur 1 Woche später wie er helfen möchte, die offene Podcastkultur zu stützen: Overcast macht es in der neusten Version recht, einfach (Video-)Clips bis zu einer Minute Länge aus der Podcastapp heraus zu teilen, zum Beispiel auf Instagram, Twitter und Co. Ein nützliches Feature für Podcastmacher und Fans.
Google listet Podcasts in der Suche…
Podcasts in der Google-Suche
… und integriert sogar einen Player auf seinen Suchergebnisseiten. Diese spanende News wurde auf der Google I/O verkündet. Das ist insofern interessant, da Google Podcasts bislang eher halbmotiviert behandelt hat. „Google Podcasts“ git es zum Beispiel bis heute nicht in Deutschland und die dazugehörige App gibt es bis heute auch nicht für iOS. Das Player Feature in der Suche funktioniert aber sofort auf Desktop und Mobile.
Podcasts in der Google-Suche
Gabor Steingart rechnet sich seine Zahlen schön
Podcasts und Zahlen sind so eine Sache. Dass diese nicht öffentlich sind ist einerseits ein Segen. Andererseits gibt es dadurch auch keine einheitliche Währung. Und so kann sich jeder seine eigene suchen. So auch Steingart: 416.000 Mal werde das Angebot pro Woche heruntergeladen. Eine eher unübliche Einheit und das Ganze dann noch mit Tageszeitungsabonnenten zu vergleichen, ich weiß ja nicht… Der Deutschlandfunk hat das Problem gut zusammengefasst.
3 Jahre lang haben sich Patrick Stegemann und Sören Musyal durch die rechte Szene auf YouTube geklickt – und dabei gefunden wie Rechte Influencer aufgebaut werden und ihre Botschaften in der Logik der Plattform präsentieren und unterschwellig verbreiten.
Das Facebook Team, das mit dem Christchurch Shooting umgehen musste
Apropos Rechte die ihre Botschaften über die sozialen Plattformen verbreiten: Der News Yorker hat einen Einblick in das Facbook Team gewonnen, dass sich mit den Nachwirkungen auf der Plattform herumschlagen musste: „We know, for example, that people will begin to create fake accounts in the killer’s name,” he told me. “We know people begin to role-play mass murders; we know we see merchandise that starts to capture this tragedy. Taking down the video is just one part.”
Ich habe heute schon 2 Empfehlungen für re:publica Talks mitgegeben, muss aber zugeben, dass ich selbst dieses Jahr nicht sonderlich viele Talks vor Ort gesehen habe. (Hof, Sonne, Bier) Aber vielleicht hast du ja noch einen Tipp für mich und die anderen streamletter-Leser für einen Talk, den es sich lohnt nachzuschauen. Dann schick mir den doch einfach. Vielleicht können wir dann nächste Woche eine kleine Sammlung präsentieren.
Achtung! Es wird jetzt gleich ein bisschen politisch – und das ist noch lange kein Grund, damit aufzuhören, diesen Text zu lesen. Politik soll jetzt bitte kein Trigger sein, der dazu führt, dass Ihr abbrecht. Einerseits ist Politik alles andere als langweilig, und andererseits geht es gleich mit Aliens aus Japan weiter, mit einem Superhelden aus der Türkei und einem südafrikanischen Polizisten, der keine Schmerzen mehr spürt.
Wir reisen zurück ins Jahr 1995. Der Politikwissenschaftler Benjamin Barber veröffentlichte sein Buch „Jihad vs. McWorld“, in dem es darum ging, dass (so beschreibt der Tages-Anzeiger das Werk kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001) „es eine sehr enge Beziehung gibt zwischen den reaktionären Kräften des Islam und den Kräften von Modernität und Technologie. Jihand, die Ideologie des Heiligen Krieges im radikalen Islam, hat die Kräfte von McWorld benutzt, um McWorld zu zerstören“.
Was, verdammt, ist aus dieser kleinen, feinen Streamingkolumne geworden? Was macht dieser Professor für Zivilgesellschaft auf einmal hier?
Fersehen geprägt von den USA – oder eine Portion McWorld, bitte!
Ich finde es schön, dass Ihr noch hier seid. Und vergessen wir mal schnell den Jihad, sondern betrachten McWorld. Damit meint Barber nämlich vor allen Dingen die USA. Und Geduld! Der Zusammenhang wird gleich klar. Wirklich.
„McWorld ist das Produkt einer vom expansionistischen Kommerz hervorgetriebenen Massenkultur“, schreibt er. „Die Schablone ist amerikanisch. Die Waren sind sowohl Gegenstände wie Ikonen, ebenso ästhetische Kennmarken wie Markenerzeugnisse. Es geht um Kultur als Ware, um Accessoires als ideologische Versatzstücke.“
Wir nähern uns dem Punkt, der für dieses kleine Kolümchen wichtig wird. An anderer Stelle schreibt der Politikwissenschafter nämlich: „Wie andere Bestandteile der Kultur von McWorld werden Filme und Videos um so einheitlicher, je globaler sie verliehen werden.“ Mehr und mehr Menschen rings um den Globus würden sich Filme ansehen, die immer geringere Abwechslung böten. „Nirgends ist die amerikanische Monokultur offensichtlicher oder gefürchteter als in Filmen und Videos“.
Serien streamen von außerhalb der USA: Wo man Exoten geboten bekommt
Damals, vor einem guten Vierteljahrhundert, war das wohl so. Man zappte sich, egal, wo man sich aufhielt, durch das Fernsehprogramm und sah amerikanischen Kram. MacGyver, das A-Team, Baywatch. Sowas. Und egal, ob man in Schweden in einem Hotelzimmer lag, in Argentinien, Australien, Spanien oder Italien. McWorld breitete sich aus.
Und jetzt?
Jetzt kommen wir, jaja, endlich zu dem, was diese Kolumne ausmacht – nämlich zum Kuratieren von Popkulturgütern aus der großen, weiten Welt der Streamingdienste.
Amazon Prime wie auch Netflix produzieren nämlich nicht nur McWorldiges, sondern auch für regionalere Märkte – und das kann (je nachdem, wie weit man sich von seinen eigenen Sehgewohnheiten entfernt) sehr seltsam rüberkommen. Deshalb möchte ich jetzt nicht Erfolgsserien wie das spanische „Haus des Geldes“ erwähnen, schwedische Serien wie die jüngst erschienene Coming-of-Age-Schulmassaker-Thrillerserie „Quicksand“ oder diverse japanische Animes.
Ich suche nach den Exoten. Es folgt: eine subjektive Auswahl nicht-amerikanischer und nicht zu europäischer Serien inklusive der Minuten, die ich in diesen merkwürdigen Medienmysterien verbracht habe.
Beim Japanische-Serien-Streamen stinkt’s!
Man nehme die japanische Serie „Businessmen vs. Aliens“. Ich habe die erste Folge 9 Minuten und 16 Sekunden ausgehalten. Der Humor ist, sagen wir, leicht pubertär, so wie auch manche Mangas und Animes eher albern sind. Nachdem die Menschen, die gegen die Außerirdischen ausgewählt worden sind, darüber aufgeklärt worden, dass sie für die Aliens einfach sehr, sehr widerwärtig müffeln, und sie deshalb gegen sie kämpfen sollen, stellte ich die Serie aus.
Und es war mehr als Overacting dabei. Over the top.
Ein anderes Humorverständnis.
Ganz ähnlich erging es mir bei der südkoreanischen Serie „Man to Man“, deren Pilotfolge ich nicht bis zum Ende ausgehalten habe (immerhin habe ich aber knapp 50 Minuten von 66 Minuten ausgehalten).
Ein Scharfschütze wird für einen Auftrag rekrutiert, und was eine knallharte Actiondramaserie hätte werden können, ist eine Actiondramaserie mit hohem Albernheitsfaktor geworden. Ja, selbst für meine Sehgewohnheiten war das ganz schön albern.
Poledancing und Plottwists
Genauso erging es mir bei der ebenfalls südkoreanische Spielshow „Busted“ auf Netflix, in der mir nicht bekannte K-Pop-Stars in fiktiven Rollen irgendwelche Aufgaben lösen müssen á la „Fort Boyard“ (die Älteren unter uns werden sich an das Original erinnern, die Jüngeren werden die Neuauflage auf Sat 1 aus dem Jahr 2018 sicherlich nicht gesehen haben).
Ich habe mir immerhin die erste von zehn ungefähr 90-minütigen Folgen vollständig angetan – vielleicht auf Grund des hohen Skurriliätslevels. Die Teilnehmer müssen einen Mordfall lösen, dürfen nicht aus ihren Rollen fallen und müssen gleichzeitg Hindernisparcours überstehen, Poledancing praktizieren, sich aus einem Escape Room befreien und vor allen Dingen: Die Plottwists mitspielen, die sich die Autoren ausgedacht haben.
Auf die südafrikanische Serie „Shadow Khumalo“ hatte ich mich sehr gefreut, als ich den Trailer gesehen hatte.
Der Protagonist der Serie ist als Kind von einem Blitz getroffen worden und spürt deshalb keine Schmerzen mehr. Als Polizist kann das von Vorteil sein.
Was es bei „Shadow Khumalo“ gibt: Große tarantinoeske Wummen, Action – und: ein Zeitgeist, den man aus den frühen neunziger Jahren kennt.
Gesehen habe ich die erste Folge rund 17 Minuten. Gestört hat mich der flache, pubertäre Humor: Zum Beispiel nahm eine Frau einen Bekannten dabei auf, wie er sich in ihrer Wohnung unbeobachtet fühlte und ihre Kleider anzog, ihren Büstenhalter, ihren Tanga, ihre Schuhe und durch die Wohnung tänzelte. Hm.
Die Frage, die ich mir dabei stellte, war: Warum?
Brasilianische Serie: Ein besseres Leben
Gut fand ich die brasilianische Netflix-Serie „3 %“, von der ich die komplette erste Staffel angeschaut und mich dabei sehr unterhalten gefühlt hatte.
Drei Prozent der Bevölkerung können mit einem Auswahlverfahren aus der Armut fliehen und ein besseres Leben erhalten – technisch fortgeschritten, im Reichtum schwelgend, bis an ihr Lebensende. Dystopisch und sehr, sehr spannend! Ich freue mich auf die zweite Staffel, die es schon seit Längerem auf Netflix gibt.
Nett war auch die türkische Serie „The Protector“ – eine Superheldenserie, die in Istanbul spielt.
Hakan wird zum „Protector“, der (wie sollte es auch anders sein?) die Welt vor diversem Übel retten muss. An einer Stelle in der Staffel wird ausgiebig ein Sportwagen als etwas verdammt Geiles präsentiert. Da zeigt sich dann vielleicht doch der Kulturunterschied?
Pop, Politik und Penunsen
Aber es geht auch andersrum: Die deutsche Netflix-Serie „Dark“ soll in den USA sehr gut gelaufen sein und gute Kritiken bekommen haben. Infiltriert die deutsche Gaststättenwelt jetzt McWorld?
Also: Die Streaminganbieter produzieren Serien für die einzelnen, regionalen Märkte. Es gibt italienische Serien, polnische Serien („1983“ ist übrigens sehr, sehr lahm meines Erachtens), dänische Serien und so weiter und so weiter. Heißt das, dass es McWorld nicht mehr in Benjamin Barbers Sinne gibt, sprich: dass die USA mit ihren Serien global und penetrant die amerikanische Kultur verbreiten?
Auf der einen Seite überwiegen US-Serien natürlich noch immer. Und auf der anderen Seite geht es doch überhaupt nicht um Politik. Auch damals ging es hauptsächlich um Pop und Penunsen. Geld! So einfach ist das. Und um in den einzelnen Ländern möglichst viele Abonnenten anzuwerben, um möglichst viel Geld zu verdienen, bedienen die Streamingdienste die regionalen Sehgewohnheiten. Die dann aber auch weltweit abgerufen und in etlichen Ländern angeschaut werden können. Teilweise mit Untertiteln, teilweise synchronisiert.
Und was lernen wir aus alldem?
Wir lernen, dass dem Kapitalismus noch immer der Profit am wichtigsten ist, egal wie vermeintlich wohlwollend viel Geld er in regionale Märkte steckt. Und das muss reichen für einen Wissensgewinn, den eine kleine Kolumne wie es diese hier ist bieten kann. So.
In der nächsten Folge von „Der Kurator“: ALLES ALLTAG! ODER NICHT?
Das Wichtigste aus der Streaming-Welt per Newsletter
Im streamletter fassen wir einmal die Woche das Wichtigste aus der Welt des Streamings zusammen. Sei es Netflix vs. Apple, Disney+ oder Spotify und Podcasts. Wenn dich das interessiert abonniere den streamletter und bekomm auch die nächste Ausgabe vom Kurator. [mc4wp_form id=“7860″]
890.000 Streams gab es am Starttag für die erste Folge „Game of Thrones“ der finalen Staffel bei Sky. Das schließt alle Dienste ein, wie Sky Go, Sky Ticket und Sky on Demand. Das ist eine Steigerung um 216% im Vergleich zum Start von Staffel 7. Ich hatte ja versprochen, die Zahl zu den Game of Thrones Streams nachzuliefern.
Abgesehen davon finde ich es auch spannend, wie der Release der 8. Staffel „Game of Thrones“ parallel bei YouTube begleitet wird. Behind the Scenes Content, der sonst in DVD-Extras versauert wäre, landet so regelmäßig in den Trends und begleitet im Streamingzeitalter die Vorfreude rund um das weltweite Event.
Netflix spielt mit zufälliger Episodenreihenfolge
Die unkenrufe, dass man sich in all der Auswahl nicht entscheiden kann und das das Kommitment für eine lange Serie bei Netflix zu hoch ist, scheint den Konzern tatsächlich zu beschäftigen. Das legt zumindest ein Beta-Test nahe. Demzufolge testet Netflix bei ausgewählten Shows eine „Play Popular Episode“ Funktion und eine Shuffle-Taste um Folgen in beliebiger Reihenfolge wiederzugeben. Das funktioniert natürlich nicht bei den epischen, horizontalen Ezählbögen, die Netflix erst so richtig ermöglicht hat. Dementsprehcen sind in Test bisher The Office, New Girl, Arrested Development und die Eigenproduktionen Our Planet und Love, Death, Robots aufgetaucht. Episoden durcheinander und in falscher Reihenfolge, fast wie im guten alten Fernsehen.
Das neue Buch „Spotify Teardown“ blickt hinter die Mechanismen von Spotify. Denn natürlich steckt dahinter gar nicht nur Liebe zu Musik, sondern vor allem wertvolle Daten. Und so ist der optimale Spotify-Nutzer wohl gar nicht der Musik-Liebhaber, sondern derjenige, der versucht seine Stimmung mit passenden Playlisten zu regulieren. Also etwa Listen wie „Perfect Music for Concentration/Relaxation/Workout“. Denn daraus lassen sich viel leichter passende Werbeangebote schnüren. Spotify wollte die Forschung hinter diesem Buch übrigens verhindern.
Hör-Empfehlung: Gucken & Trinken
Ich habe es über Ostern doch tatsächlich geschafft meinen eigenen Podcast wiederzubeleben: „Gucken & Trinken“. Das Konzept ist relativ simpel: Wir besprechen Filme und trinken dabei die passenden Drinks. Am Wochenende haben wir uns „Bad Times at the El Royale“ angeschaut. Eine fantastische Geschichte mit erschreckend wahrem Kern. Aber hört selbst.
YouTube: Eigentlich wollten wir nur Werbung machen und jetzt müssen wir uns mit Politik rumschlagen
Gut, vielleicht ist meine Überschrift etwas unfair, aber von vorne. Susan Wojcicki ist CEO von YouTube und hat es dabei geschafft erstaunlich lange im Hintergrund zu bleiben, wenn es um die Verantwortung von Plattformen geht. Bei Hasskommentaren waren immer erstmal Facebook und Twitter dran. Bis dieses Jahr. Da jagt ein Skandal den nächsten. Dabei ist Suan Wojcicki eigentlich Werbe- und Marketingfrau und sollte vor allem den Umsatz steigern. Nun geht es um Pädophilie, lebensgefährliche Challenges und Verschwörungstheorien. Ihr job „is to be something like the standards czar of an anarchic civilization“. Im Portrait der NYT wird die Frau hinter der wichtigsten Videoplattform vorgestellt und zeigt welche schwierigen Entscheidungen sie zu treffen hat. Ein Gegengewicht zu dem Bloomberg-Artikel von neulich, der der YouTube-Führung vorwarf vor Problemen die Augen zu verschließen. Kleiner Fun-fact: Das YouTube Rewind 2018 Video fanden sogar ihre Kinder cringy.
Vine-Nachfolger Byte in der Beta
Vine hat mobile Video so ein bisschen erfunden. Die 12-Sekunden Clips glänzten durch eine eigene Erzählweise und brachten einige Stars hervor. Dann wurde die App von Twitter aufgekauft und eingestampft. Nun haben die damaligen Gründer schon vor einigerzeit angekündigt an einem Nachfolger zu arbeiten: Byte. Und dieser ist nun in eine geschloßene Beta gestartet. Die ersten Screenshots erinnern doch sehr an TikTok. Undas ist vermutlich auch die Frage: Gibt es in Zeiten von etlichen (Instagram) Stories und dem Erfolg von TikTok noch einen Platz für Byte?
Dieses Mal beschäftigen uns die Kampfansage von Disney, die Irrungen von YouTube und der amerikanische Podcast-Konsument.
Stream Video 🎬
Disney stellt Disney+ für nur 6,99$ vor
Disney hat endlich Details zu seinen Streamingdienst Disney+ verraten – und falls die Streamingwars nicht sowieso schon im vollen Gange sind, war das definitiv eine Kampfansage. Die Plattform strotz nur so vor Content:
Da sind schon mal 18 Pixar Filme, alle Star Wars Filme, eine zwei exklusive Star Wars-Serien, Marvel Titel wie Black Panther, 250 Stunden Programm von National Geographic, der gesammelte Inhalt des klassischen Disney Vaults und 30 Staffeln Simpsons.
Deutschlandstart von Disney+
In den USA soll es am 12. November 2019 losgehen für einen Einstiegspreis von nur 6.99$. In Deutschland sollte der Dienst bis März 2020 verfügbar sein.
Das wird heftig für Streamingkonkurrent Netflix, der in Deutschland gerade erst die Preise auf mindestens 11,99 € angehoben haben.
Der kürzlich vorgestellte Apple+ Dienst sieht gegen diese Masse an Inhalten ebenfalls alt aus. Vermutlich hatte man in weiser Voraussicht deshalb in Cupertino noch keine Preise verraten. Vielleicht verschenkt man es ja nun lieber im Paket mit Apple Music.
Kinos verkaufen 2018 17 Millionen weniger Tickets
Meist schauen wir hier ja auf den Vergleich Streamingdienste vs. Klassisches TV, aber auch das Kino hat es schwer. 2018 verkauft man 17 Millionen weniger Tickets, das ist ein Rückgang von 14% im Vergleich zu 2017. Und Schuld sind natürlich Netflix & Co.
(Nicht etwa das ein Besuch im Cinestar zu zweit mit Popcorn 50 € kostet und man sich noch eine nervige Dreiviertelstunde Werbung geben muss.)
Edison hat seine jährliche Podcast-Studie veröffentlicht und sich angeschaut, was der typische Podcast-Konsument so macht: Er hört im Durchschnitt 7 Podcasts in der Woche, hört vor allem zu Hause und interessiert sich für Musik. Außerdem kauft er vermutlich lieber Marken, die er schonmal in einem Podcast gehört hat.
Über die Hälfte aller Amerikaner ab 12 Jahren hat inzwischen schonmal Podcast gehört. 43% der monatlichen Hörer hören auf Spotify.
Podcastempfehlung: Logbuch:Netzpolitik
Seit fast 300 Folgen und bald 8 Jahren fassen Linus Neumann und Tim Pritlove relativ regelmäßig die netzpolitischen Ereignisse in Deutschland und Europa zusammen. Ich bin tatsächlich ein Hörer der ersten Stunde. Höchste Zeit das Ding mal zu empfehlen. Die aktuellsten zwei Folgen bieten sich dafür besonders an, denn zunächst gibt es da einen unterhaltsamen Rückblick auf den Weg des Julien Assange und die neuste analysiert mit Gast Frank Rieger das IT-Sicherheitsgesetz.
37% des mobilen Internet-Traffics geht auf YouTubes Konto
Falls du vom Social Media Watchblog rübergekommen bist: Herzlich willkommen! Dann kennst du diese Zahl vermutlich auch schon. 37% des weltweiten mobilen Traffics geht auf YouTube zurück. Snapchat hat 8,3%, Instagram 5,7% und Facebook Video 2,5%. Netflix nur 2,4%. Hier kann ich mir Videos aber für unterwegs auch vorher speichern.
YouTube hält Notre Dame-Brand für eine Verschwörungstheorie
Unter den Livestreams einiger großer Sender wie France24 und CBS, blendete YouTube Links zu den Terroranschlägen vom 11. September ein. Die weiterführenden Informationen der Encyclopedia Britannica und von Wikipedia waren eigentlich YouTubes Antwort auf grassierende Verschwörungstheorien.
Hier zeigt sich mal wieder, wie schwer sich Algorithmen mit dem Erkennen von Inhalten wirklich tun. Herzlich willkommen Artikel13 an dieser Stelle.
YouTube arbeitet an einer „Quality Watchtime“-Metrik
Aber vielleicht hat YouTube darauf ja bald wieder eine neue Antwort. Laut Bloomberg will YouTube in Zukunft nicht einfach nur darauf achten wie lange Nutzer auf der Seite sind, sondern auch ob sie konstruktive Inhalte schauen. Wie YouTube das herausfinden will ist noch etwas fraglich. Natürlich soll das automatisiert gehen. Siehe oben.
Das Streaming Highlight der Woche war natürlich #GameofThrones. Schon mit der linearen PayTV Ausstrahlung holte Sky nachts einmal 600.000 und dann nochmal 540.000 Zuschauern. An den Streamingzahlen bin ich noch dran. Die liefere ich dann nach. Um das und andere News nicht zu verpassen, abonniere den streamletter.
Seit fast 300 Folgen und bald 8 Jahren fassen Linus Neumann und Tim Pritlove relativ regelmäßig die netzpolitischen Ereignisse in Deutschland und Europa zusammen. Und die Wichtigkeit diese Themen hat seither nicht abgenommen. Ich bin tatsächlich ein Hörer der ersten Stunde. Höchste Zeit das Ding mal zu empfehlen. Die aktuellsten zwei Folgen bieten sich dafür besonders an, denn zunächst gibt es da einen unterhaltsamen Rückblick auf den Weg des Julien Assange und die neuste analysiert mit Gast Frank Rieger das IT-Sicherheitsgesetz.
Der perfekte Nachrichtenüberblick zu Netzpolitik
Dabei zeichnen sich Linus und Tim durch ein tiefes Wissen und etliche Hintergründe in den einzelnen Themenbereichen aus. Kein Wunder sind es doch seit 8 Jahren fast immer die gleichen Schreckgespenster, die durchs Netz geistern: Vorratsdatenspeicherung, Internetzensur, Staatstrojaner. Aber die beiden werden nicht müde, dass ganze bissig zu begleiten. Wer sich auch nur annähernd für Netzpolitik interessiert und nicht allen tief gehenden Recherchen von netzpolitik.org folgen kann findet hier einen perfekten Nachrichtenüberblick.
Es reicht nicht mehr, dass nur die Erde – unser schöner Heimatplanet! – zerstört wird. In aktuellen Serien muss es gleich das ganz große Fass sein: die alles zerstörende Apokalypse, die das gesamte Leben vernichtet mit allen Galaxien, jeglichem intelligenten und weniger intelligenten Leben und noch so fernen Planeten, Monden und Sonnensystemen.
Darunter machen es die modernen Märchen anscheinend nicht mehr.
Mordende Wölfe, die kleine unschuldige Kinder fressen? Damit sollen sich die Boulevardmedien befassen, aber doch bitte nicht die nach Superlativen hechelnden Streamingdienste.
Zum Beispiel bei der zweiten Staffel von „Star Trek: Discovery“: Der Halbvulkanier Spock hat die Apokalypse vorausgesehen, die alles, aber auch wirklich alles verschlingen wird. Jeden Planeten. Jedes Lebewesen. Alles. Ein roter Engel warnt davor und will die Zerstörung verhindern – oder ist er die Ursache dafür?
Und weshalb müssen Apokalypsen eigentlich immer so verdammt verwirrend sein?
Und wie viel muss eine Apokalypse eigentlich zerstören, damit es als Apokalypse gilt? Anscheinend reicht dann wohl auch schon ein winziger Mikroteil der Welt (unsere Erde!) – inklusive Überlebender. Ist das dann eine Apokalypse Light?
„Herr Ober, eine Apokalypse Light, bitte.“
„Mit Überlebenden, der Herr?“
„Ja, warum nicht? Aber allerhöchstens ein Dutzend, bitte. Zu viele würden mich dann doch nerven.“
Bei „Umbrella Academy“ hat die Apokalypse zum Beispiel anscheinend bloß die Menschheit ausgerottet, sogar die Erde als solche bleibt bestehen. Nur Nr. 5, einer der Geschwister mit übernatürlichen Fähigkeiten, kann die Apokalypse aufhalten, weil er in die Zukunft reiste und es zurück in seine Zeit schaffte – jedoch nicht mit seinem gealterten Körper, sondern als Junge.
Sagte ich schon, dass Apokalypsen verwirrend sein können, ähnlich wie Zeitparadoxien? Nun ja.
Und ich sagte auch noch nicht, dass „Umbrella Academy“ sowohl optisch als auch von der Handlung her, den Charakteren und überhaupt allem eine empfehlenswerte Serie ist. Obwohl: Manchmal erscheint sie mir ein bisschen langatmig, bis dann auf einmal wieder – zack! – einem eine sowas von geniale Szene einen aus den Schuhen haut wie beispielsweise, dass das Radioheadlied „Exit Music (For a Film)“ so perfekt, emotional und stimmungsvoll verschiedene Handlungsverläufe verknüpft.
Aber ich schweife ab. Worum ging es noch gleich? Ach ja, um Apokalypsen.
Es gibt so viele Serien und Filme, die sich mit dem Ende der Welt befassen, ich könnte die Liste endlos fortsetzen – es sei denn natürlich, dass mir eine Apokalypse zuvor kommt. Oder so.
Bei der deutschen Sky-Produktion „8 Tage“ können sich die Menschen immerhin darauf einstellen, dass der Asteroid Horus auf die Erde prallen wird. Sie haben, jaja, acht Tage lang Zeit, über ihr Ende und das aller anderen Menschen nachzudenken. Und was tun mit dieser Zeit? In Panik geraten? Seine anarchistische Triebe ausleben? Ausrasten? Trauern? Hysterisch werden?
Überirdisch hingegen wird es wohl ab dem 31. Mai bei „Good Omens“ werden: In der Amazon-Produktion tun sich ein Dämon (gespielt von David Tennant) und ein Engel (dargestellt von Michael Sheen) zusammen, um das Ende der Welt zu verhindern, wenn ich das alles richtig verstanden habe. Ausgedacht haben sich das Neil Gaiman und Terry Pratchett – der Roman, auf dem die Serie basiert, erschien 1990. Sehr britisch. Und, äh, ich wiederhole mich, wenn ich das Gefühl habe, dass Apokalypsen sehr verwirrend sein können – nach Ansicht des Trailers dann anscheinend auch in diesem Falle. Ach so: Benedict Cumberbatch wird übrigens Satan spielen – darauf freue ich mich schon übermäßig.
In den vergangenen Jahren gab es ein paar Sitcoms, die die Apokalypse thematisierten darunter eine sehr lustige, nämlich „The Last Man on Earth“, in der ein Virus vermeintlich alle Menschen bis auf den Protagonisten Phil Miller – den letzten Menschen auf Erden – ausgelöscht hat. Und dann zeigt sich: Nö, da sind noch andere Menschen, die überlebt haben.
Hier eine Lobeshymne auf die Serie von serienjunkies.de.
Weniger lustig war da „You, Me and the Apocalypse“, von der ich mir damals anscheinend lediglich drei Folgen angeschaut hatte, wie ich bei Amazon nachvollziehen konnte. Auch hier wird ein Kometeneinschlag angekündigt – die Menschheit hat also ebenfalls wie bei „8 Tage“ Zeit, sich auf den Untergang einzustellen, diesmal immerhin 34 Tage. Was mich an der Serie gestört hat, dass ich die eine Staffel nicht zuende geschaut habe? Ich weiß noch, dass sie mich gelangweilt hat – aber warum? Nein, „You, Me and the Apocalypse“ hat keinen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen. Und nach einer Staffel wurde sie auch abgesetzt. Wahrscheinlich ging es anderen ähnlich wie mir.
Es ist wie mit Menschen: Wenn man sich nicht mehr an sie erinnert, ist es schlimmer, als wenn man sich daran erinnert, wie nervig sie gewesen sind. Also wenn sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Oder etwa nicht?
Und noch ein aktuelles Beispiel einer Sitcom-Apokalypse: „Now Apocalypse“ läuft gerade auf dem Amazon-Channel „Starzplay“, und ich kann mich Stolz behaupten, dass ich eine Folge durchgehalten habe. Steven Soderbergh ist an der Serie als Executive Producer beteiligt, und die Frage, die sich mir dabei stellt ist: Warum?
Das einzige, was in der ersten Folge auf eine Apokalypse schließen lässt, ist ein Obdachloser, der auf der Straße herumlungert inklusive einer Pappe auf der man lesen kann, dass das Ende aller Dinge bevor stehe. Ansonsten wird in der Folge viel über Sex geredet, viel Sex gezeigt, die Arbeit eines Cam-Girls – und am Ende wird ein Mann dann noch von einem Echsenwesen vergewaltigt.
Nein. Einfach nur: Nein.
Und was lernen wir aus alldem? Dass die Erde (oder Teile der Menschheit oder das gesamte Universum) in Serien und Filmen auf diverse, unterschiedliche Weisen zerstört wird – oder zumindest der vermeintlich unausweichliche Untergang droht, der dann doch abgewendet werden kann. Wir lernen, dass Ideen tausendundeinmal erzählt werden können in tausendundeiner unterschiedlichen Variante und dass das überhaupt nicht schlimm ist, wenn die Spielarten trotz allem eine eigene originelle Handschrift, einen interessanten Plot bieten. Also in diesen Fällen: dass uns die Apokalypse unterhält. Und die nächste auch. Und die übernächste.
Und das muss reichen für einen Wissensgewinn, den eine kleine Kolumne wie es diese hier ist bieten kann. So.
Netflix hat nun mehr Originals als eingekauftes Programm
Ein kleiner Meilenstein in der Netflix Geschichte. Ampere Analysis hat sich die Neuerscheinungen 2018 angeschaut und „among all releases available in the U.S. that went live during the year leading up to December 2018, 51% were originals, as opposed to programs or films that had been acquired“. Das hat natürlich zwei Seiten: Einerseits ziehen z.B. Disney und andere Studios ihre Programm von Netflix ab, um eigne Streamingdienste zu starten. Netflix blieb also gar nicht viel gar nicht viel anderes übrig. Gleichzeitig ist Netflix mit dieser Entwicklung bestens aufgestellt für den Start der Konkurrenz.
Netflix unterstützt Apple Airplay nicht länger
Was wie ein kleines technisches Detail klingt im Kampf von Netflix und Apple,
hat finde ich einen interessanten Hintergrund. Denn es geht wohl
weniger um eine technische Limitation, als viel mehr darum, dass Netflix
dann nicht mehr genau rauslesen kann, auf welchem Fernseher die Nutzer
ihr Programm schauen. Und das sind für Netflix wichtige Daten.
9 Cent bekommt der Autor Kai Meyer wohl, wenn jemand sein 14 Stunden langes Hörbuch auf Spotify streamt. Hatte mich schon länger gewundert, wie das mit den aufpoppenden Hörbüchern bei Spotify funktioniert. Jetzt haben wir eine Artwort. Auch hier werden pro Track, sprich Kapitel, wohl einfach 0,003 Euro bezahlt.
Hör-Empfehlung: Breitband zu Digitale Jugendkultur
Mal wieder eine selbstbezogene Empfehlung: Ich war am Wochenende bei Deutschlandfunk Kultur zu Gast in der Breitband Sendung. Diese gibt es natürlich auch als Podcast und es ging um „Digitale Jugendkultur“. Also wie wachsen Jugendliche heutzutage auf und welche Rolle spielen dabei YouTube, Instagram & Co.
Wie YouTube seine problematischen Inhalte ignorierte
1 Milliarde geschaute Stunden am Tag – Das war das Ziel dem YouTube nacheiferte und deshalb auch Verschwörungs- oder andere problematische Inhalte auf der Plattform tolerierte. Hinweise auf Probleme wurden meist ignoriert oder in der Strategie nicht beachtet. Bis 2017 gab es nichtmal einen Richtlinie, wie mit Verschwörungstheorien umgegangen werden soll. Dabei zählten Videos der Alt-Right zu den erfolgreichsten der Plattform – und auch bis heutige gibt es keine konsistente Strategie. Ein spannender Einblickin die Kultur des Unternehmens.
YouTube steigt aus Hochglanz-Serien aus
Wo Apple mitmachen will, steigt Google wieder aus. Zum Start von YouTube Premium hatte Google nämlich auch einige teurere Produktionen in Auftrag gegeben. Das scheint sich aber nicht zu rechnen, deshalb müssen sich laut Bloomberg auch einige bereits beauftragte Serien eine neue Heimat suchen.