Die Streaming-Apokalypse: ARTGENOSSEN AM ENDE!

Der Kurator

Streamingtipps - Serien

Es reicht nicht mehr, dass nur die Erde – unser schöner Heimatplanet! – zerstört wird. In aktuellen Serien muss es gleich das ganz große Fass sein: die alles zerstörende Apokalypse, die das gesamte Leben vernichtet mit allen Galaxien, jeglichem intelligenten und weniger intelligenten Leben und noch so fernen Planeten, Monden und Sonnensystemen.

Darunter machen es die modernen Märchen anscheinend nicht mehr.

Mordende Wölfe, die kleine unschuldige Kinder fressen? Damit sollen sich die Boulevardmedien befassen, aber doch bitte nicht die nach Superlativen hechelnden Streamingdienste.

Zum Beispiel bei der zweiten Staffel von „Star Trek: Discovery“: Der Halbvulkanier Spock hat die Apokalypse vorausgesehen, die alles, aber auch wirklich alles verschlingen wird. Jeden Planeten. Jedes Lebewesen. Alles. Ein roter Engel warnt davor und will die Zerstörung verhindern – oder ist er die Ursache dafür?

Und weshalb müssen Apokalypsen eigentlich immer so verdammt verwirrend sein?

Und wie viel muss eine Apokalypse eigentlich zerstören, damit es als Apokalypse gilt? Anscheinend reicht dann wohl auch schon ein winziger Mikroteil der Welt (unsere Erde!) – inklusive Überlebender. Ist das dann eine Apokalypse Light?

„Herr Ober, eine Apokalypse Light, bitte.“

„Mit Überlebenden, der Herr?“

„Ja, warum nicht? Aber allerhöchstens ein Dutzend, bitte. Zu viele würden mich dann doch nerven.“

Bei „Umbrella Academy“ hat die Apokalypse zum Beispiel anscheinend bloß die Menschheit ausgerottet, sogar die Erde als solche bleibt bestehen. Nur Nr. 5, einer der Geschwister mit übernatürlichen Fähigkeiten, kann die Apokalypse aufhalten, weil er in die Zukunft reiste und es zurück in seine Zeit schaffte – jedoch nicht mit seinem gealterten Körper, sondern als Junge.

Sagte ich schon, dass Apokalypsen verwirrend sein können, ähnlich wie Zeitparadoxien? Nun ja.

Und ich sagte auch noch nicht, dass „Umbrella Academy“ sowohl optisch als auch von der Handlung her, den Charakteren und überhaupt allem eine empfehlenswerte Serie ist. Obwohl: Manchmal erscheint sie mir ein bisschen langatmig, bis dann auf einmal wieder – zack! – einem eine sowas von geniale Szene einen aus den Schuhen haut wie beispielsweise, dass das Radioheadlied „Exit Music (For a Film)“ so perfekt, emotional und stimmungsvoll verschiedene Handlungsverläufe verknüpft.

Aber ich schweife ab. Worum ging es noch gleich? Ach ja, um Apokalypsen.

Es gibt so viele Serien und Filme, die sich mit dem Ende der Welt befassen, ich könnte die Liste endlos fortsetzen – es sei denn natürlich, dass mir eine Apokalypse zuvor kommt. Oder so.

Bei der deutschen Sky-Produktion „8 Tage“ können sich die Menschen immerhin darauf einstellen, dass der Asteroid Horus auf die Erde prallen wird. Sie haben, jaja, acht Tage lang Zeit, über ihr Ende und das aller anderen Menschen nachzudenken. Und was tun mit dieser Zeit? In Panik geraten? Seine anarchistische Triebe ausleben? Ausrasten? Trauern? Hysterisch werden?

Überirdisch hingegen wird es wohl ab dem 31. Mai bei „Good Omens“ werden: In der Amazon-Produktion tun sich ein Dämon (gespielt von David Tennant) und ein Engel (dargestellt von Michael Sheen) zusammen, um das Ende der Welt zu verhindern, wenn ich das alles richtig verstanden habe. Ausgedacht haben sich das Neil Gaiman und Terry Pratchett – der Roman, auf dem die Serie basiert, erschien 1990. Sehr britisch. Und, äh, ich wiederhole mich, wenn ich das Gefühl habe, dass Apokalypsen sehr verwirrend sein können – nach Ansicht des Trailers dann anscheinend auch in diesem Falle. Ach so: Benedict Cumberbatch wird übrigens Satan spielen – darauf freue ich mich schon übermäßig.

In den vergangenen Jahren gab es ein paar Sitcoms, die die Apokalypse thematisierten darunter eine sehr lustige, nämlich „The Last Man on Earth“, in der ein Virus vermeintlich alle Menschen bis auf den Protagonisten Phil Miller – den letzten Menschen auf Erden – ausgelöscht hat. Und dann zeigt sich: Nö, da sind noch andere Menschen, die überlebt haben.

Hier eine Lobeshymne auf die Serie von serienjunkies.de.

Weniger lustig war da „You, Me and the Apocalypse“, von der ich mir damals anscheinend lediglich drei Folgen angeschaut hatte, wie ich bei Amazon nachvollziehen konnte. Auch hier wird ein Kometeneinschlag angekündigt – die Menschheit hat also ebenfalls wie bei „8 Tage“ Zeit, sich auf den Untergang einzustellen, diesmal immerhin 34 Tage. Was mich an der Serie gestört hat, dass ich die eine Staffel nicht zuende geschaut habe? Ich weiß noch, dass sie mich gelangweilt hat – aber warum? Nein, „You, Me and the Apocalypse“ hat keinen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen. Und nach einer Staffel wurde sie auch abgesetzt. Wahrscheinlich ging es anderen ähnlich wie mir.

Es ist wie mit Menschen: Wenn man sich nicht mehr an sie erinnert, ist es schlimmer, als wenn man sich daran erinnert, wie nervig sie gewesen sind. Also wenn sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Oder etwa nicht?

Und noch ein aktuelles Beispiel einer Sitcom-Apokalypse: „Now Apocalypse“ läuft gerade auf dem Amazon-Channel „Starzplay“, und ich kann mich Stolz behaupten, dass ich eine Folge durchgehalten habe. Steven Soderbergh ist an der Serie als Executive Producer beteiligt, und die Frage, die sich mir dabei stellt ist: Warum?

Das einzige, was in der ersten Folge auf eine Apokalypse schließen lässt, ist ein Obdachloser, der auf der Straße herumlungert inklusive einer Pappe auf der man lesen kann, dass das Ende aller Dinge bevor stehe. Ansonsten wird in der Folge viel über Sex geredet, viel Sex gezeigt, die Arbeit eines Cam-Girls – und am Ende wird ein Mann dann noch von einem Echsenwesen vergewaltigt.

Nein. Einfach nur: Nein.

Und was lernen wir aus alldem? Dass die Erde (oder Teile der Menschheit oder das gesamte Universum) in Serien und Filmen auf diverse, unterschiedliche Weisen zerstört wird – oder zumindest der vermeintlich unausweichliche Untergang droht, der dann doch abgewendet werden kann. Wir lernen, dass Ideen tausendundeinmal erzählt werden können in tausendundeiner unterschiedlichen Variante und dass das überhaupt nicht schlimm ist, wenn die Spielarten trotz allem eine eigene originelle Handschrift, einen interessanten Plot bieten. Also in diesen Fällen: dass uns die Apokalypse unterhält. Und die nächste auch. Und die übernächste.

Und das muss reichen für einen Wissensgewinn, den eine kleine Kolumne wie es diese hier ist bieten kann. So.

In der nächsten Folge von „Der Kurator“:

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