Kategorien
streamletter

WSocial: Twitter – but make it Euro

Wenn es schlecht läuft, könnte WSocial zum „Truth Social“ von Ursula von der Leyen werden.

Mit WSocial ist ein neues soziales Netzwerk mit europäischen Wurzel gestartet. Wer hier rein will, muss vorher einen Ausweis zeigen. Ganz vorne auf der Webseite Ursula von der Leyen.

Donald Trump hat mit Truth Social sein eigenes soziales Netzwerk, auf dem er unteranderem jede Annäherungen und neue Drohungen Richtung Iran absetzt — und das wird dann überall zitiert.

Ganz fair ist der Vergleich aber nicht: Truth Social gehört zum großen Teil tatsächlich Trump selbst, er ist Anteilseigner. Bei WSocial ist das anders. Mit der EU hat die Plattform nichts zu tun, auch wenn aus der AfD-Ecke zeitweise Falschinformationen dazu kursierten.

Trotzdem stellen sich die EU und von der Leyen prominent hin und bewerben die Plattform. Das erklärt sich ein Stück weit durch das politische Interesse. Man kann sagen: Viele haben gern Twitter — und später X — genutzt. Twitter war zwar auch in seiner Blüte ein Nischenmedium. Aber dort waren viele Politiker und auch viele Journalist:innen aktiv. Aussagen wurden dann gern von anderen Medien aufgegriffen („Bundeskanzler Scholz sagt auf Twitter“) und auf Webseiten eingebettet. Ich vermute, dass manche Politiker denken: Können wir dafür nicht auf etwas Europäisches verweisen — und zumindest nicht immer auf die Plattform von Elon Musk?

Ich war zum Start des europäischen Netzwerks WSocial bei NDRKultur (#Dayjob) im Studio und Anna Blume-Hirtz hat auch einen schönen Überblick über die parallelen Initiativen aus Europa veröffentlicht.

Kategorien
streamletter

Sind YouTuber die neuen Steven Spielbergs?

Hollywood ist in Aufruhr, Vergleiche mit dem New Hollywood rund um Francis Ford Coppola, Steven Spielberg und George Lucas ender der 70er Jahre werden gezogen: YouTuber bringen junge Menschen an die Kinokassen. Tatsächlich haben seit Jahresbeginn mehrere von YouTubern produzierte Filme junge Menschen an die Kinokassen getrieben. Zuletzt Obsession und Backrooms, die Star Wars mit Mandalorian und Grog alt aussehen lies.

Der große Unterschied zu früheren „Lass Youtuber in Filme packen„-Versuchen ist, dass YouTuber hier selbst große kreative Kontrolle hatten – und das hier weniger Phänotyp Influencer, als Kurzfilmproduzenten am Werk waren.

Anfang des Jahren hatte der YouTuber Markiplier „Iron Lung“ in die Kinos gebracht, bei dem er selbst Regie, Schauspiel und Drehbuch ausgefüllt hat – und auch die ersten Kinos angemietet.

Evan Shapiros Vergleich der Kinoerlöse von Star Wars The Mandalorian gegen YouTuber Filme
Grafik von Evan Shapiro „Media War+Peace“

Aufhorchen lässt traditionelle Produzenten bei Backrooms und Obsession, dass diese Creator es schaffen effektiver junge Zielgruppe ins Kino zu bringen, als eigentlich große IP (StarWars). Und damit löst sich ein, was sich schon lange ankündigt: Eine neue Generation Filmschaffende, die statt dem traditionellen Weg über Festivals, direkt über Plattformen an ihr Publikum kommt.
Brace yourself for incoming YouTuber movies.

Kategorien
streamletter

Marc Maron (WTF) über Podcasts auf Netflix: „It’s fucking over.“

Marc Maron, kürzlich pensionierter Podcast-Pionier, der mit WTF! über 1600 Folgen und das erste Obama Podcast Interview in seiner Kerbe hat, war bei On von Kara Swisher zu Gast und hatte einen Kommentar zu Podcasts auf Netflix:

„When I saw podcasts on the menu of Netflix,
I’m like, it’s fucking over.

You know, no one gives a shit about anything.
The bar has been lowered to such a degree that people will sit at home and watch people on Zoom with half their fucking face covered up by a Shure SM7B.

It’s like, what is wrong with fucking people?
Like, do they not have any friends?
Are they not curious about anything?
Do they not use their brain anymore?
They can’t think.

They got to have 3 idiots who are talking about the last time they shit themselves as adults, you know, entertain them?
I mean, it’s like it’s like a fucking world of drive time radio.

Kara Swisher: Why do you think it’s popular?

Because people are lazy and they’ll adapt to anything and they’re fucking lonely and they want to have parasocial relationships with people, they feel that they’re alike, which means usually fucking amateurs.“

Kategorien
streamletter

YouTube verstärkt Fokus auf Creator-Shows und stellt diese Werbekunden direkt vor

Einst hat YouTube selbst Original-Inhalte finanziert, dazu auch klassische Produktionsfirmen hofiert – diese Praxis hat der Streaming-Gigant vor Jahren beendet und setzt seitdem auf eine andere Strategie: Shows bewerben, die YouTuber ohnehin schon produzieren. Das macht YouTube zur Ausnahmeerscheinung bei den gerade wieder abgehaltenen TV-Upfronts. Die Plattform pitcht der Werbeindustrie Inhalte, die sie weder direkt kontrolliert noch finanziert.

Bei seinem YouTube Brandcast verstärkt die Google-Tochter diesen Kurs noch einmal. Im Zentrum der Präsentation steht ein Lineup neuer und zurückkehrender Creator-Shows, die exklusiv auf YouTube laufen. Darunter Formate von „The Daily Show“-Veteran Trevor Noah, Alex Cooper (bekannt aus „Call Her Daddy“) sowie den Kareem Rahma (Keep the Meter Running) und Dude Perfect (Squad Games“)

YouTube versucht, damit TV-Mechaniken (Show-bezogene Buchungen) in die Creator-Ökonomie zu übertragen, um Budgets aus dem klassischen Upfront-Markt anzuziehen.
Das Angebot zielt darauf, Reichweite und Planbarkeit für Marken zu erhöhen, ohne selbst als Studio zu agieren.
Creator-Shows werden stärker als vermarktbare Formate und nicht nur als Channel-Content positioniert.

Kategorien
streamletter

BuzzFeed ist verkauft – and it will „pivot to video“

Der Medienunternehmer Byron Allen übernimmt BuzzFeed für 120 Millionen. Wobei wohl erstmal nur 20 Millionen fließen und die hundert Millionen unter gewissen Bedingungen in 5 Jahren.
BuzzFeed war mal für 1 Milliarde Dollar gehandelt – und der Gründer
wollte die nächste New York Times bauen. Wir hatten hier mal eine eigene Rubrik mit News zu BuzzFeed und deren Modell. (Und wow, sind die Takes darin schlecht gealtert.)
Doch BuzzFeed hat es versäumt eigene Trafficquellen aufzubauen. Man hing eigentlich nur am Tropf von Facebook und Co. Die Brandrecognition ist vielleicht noch bei ein paar Millenials gegeben. Die eigenen Videocreator haben sich längst von der Marke gelöst und eigene Creator Karrieren aufgebaut.

Was also will Byron Allen mit der Marke BuzzFeed?

Byron Allen macht zuletzt Schlagzeilen, weil er den Platz von Stephan Colbert gepachtet hat und in Zukunft mit seiner Reihe „Comics Unleashed“ bespielen will. Die Marken (Huffington Post, BuzzFeed.) will er nutzen, um ein werbefinanziertes Streaminggeschäft aufzubauen (AVOD), also ein Pivot to Video.

So will er Youtube Konkurrenz machen, erzähl er dem Hollywood Reporter im Interview:

One night I had dinner with Reed Hastings, the founder of Netflix, and I said „Hey, what keeps you up at night?“ He said „YouTube.“ I said, „YouTube?“ He said, „Yeah, Byron, if YouTube starts delivering premium content, how do I get people to pay me XYZ per month?“ I said, „Got it.“ So, YouTube is the biggest streamer by far. The world’s two favorite words right now: „Free“ and „streaming.“

What I can do is I can take BuzzFeed and HuffPost and put it into the free streaming business with this asset that I’ve invested heavily in. And it’s not to replace anything at BuzzFeed or HuffPost, it’s additive, it’s to build on the 20-year foundation that they’ve created.

Als nächsten Schritt strebt er die Kontrolle über Starz als Abo-Streaming-Partner (SVOD) an und positioniert sich damit für eine „Free + Subscription“-Doppelstrategie im umkämpften Streamingmarkt. Good Night and Good Luck.

Kategorien
streamletter

Über AI Werbespots beim Super Bowl

The Verge:

With traditionally produced ads from previous Super Bowls, you could really see how spending money on production ultimately led to commercials that felt more premium than what you would usually see on television. But this year, there was an undeniable cheap and sloppy quality to many of the advertisements.

One of the worst examples of this was the Artlist ad.

The main thrust of the ad […] is that anyone can generate Super Bowl-worthy video footage using the company’s suite of production tools. It even makes a point of bragging that Artlist only bought its Super Bowl space about a week ago and spent a mere five days producing the commercial. That would be impressive if Artlist’s final product actually looked like something that would get average consumers to want to use these tools.

Instead, the ad features the very hallmarks that have convinced people to see AI-generated video as slop. Rather than telling a short, compelling, cohesive story of any kind, the ad is just a series of very short clips of animals doing weird things, strung together with a voice-over. There is nothing innovative about it. And given how much slop there already is in the world, the whole thing feels more like a threat than a promise of good things to come.

Kategorien
streamletter

Warum die BBC auf YouTube setzt

Die BBC hat eine Partnerschaft mit YouTube angekündigt und will originäre Inhalte speziell für die Plattform zu produzieren.
Damit will man ein jüngeres, digital-natives Publikum ansprechen, auch wenn die Inhalte auch weiterhin auf iPlayer und Sounds erscheinen können. Geplant sind derzeit ca. 50 YouTube-Kanäle. Außerhalb Großbritanniens werden die Inhalte mit Werbung versehen, wovon sich die BBC zusätzliche Einnahmen verspricht, die hat die BBC auch bitter nötig.

Dieser Schrift wird weithin als Bestätigung der These „YouTube ist das neue Fernsehen“ gesehen. Eine weitere Bestätigung sind die Nielsen Zahlen in de USA, wo YouTube regelmäßig den größten Anteil der Zuschauerschaft vor dem Fernsehgerät vereint.

Man kann es auch darüberhinaus positiv sehen: Hier ist der Öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland einmal schneller gewesen als die BBC. funk mit seinen originären Kanälen wird dieses Jahr zehn. You’re welcome.

Kategorien
streamletter

Matt Damon erzählt: Weil alle am Handy hängen, will Netflix, dass die Handlung eines Films drei- oder viermal erklärt wird.

Matt Damon hat bei Joe Rogan erzählt, wie sie ihre Netflix-Film „The Rip“ gemacht haben – und welche Ansprüche Netflix daran hatte:

„The standard way to make an action movie that we learned was, you usually have three set pieces. One in the first act, one in the second, one in the third,“ Damon explained. „You spend most of your money on that one in the third act. That’s your finale. And now they’re like, ‚Can we get a big one in the first five minutes? We want people to stay. And it wouldn’t be terrible if you reiterated the plot three or four times in the dialogue because people are on their phones while they’re watching.'“

via Variety

Kategorien
streamletter

Elon Musk enttarnt sein eigenes Spiegelkabinett

Am Wochenende hat Elon Musks X eine Funktion eingeführt, die sofort für maximalen Wirbel sorgte. Das Update mit dem Namen „About this Account“ ermöglicht es Nutzer*innen, auf ein Profil zu klicken und Informationen wie das Erstellungsland des Accounts, den aktuellen Standort der Person dahinter und die Anzahl der bisherigen Nutzernamenänderungen einzusehen.

Nikita Bier, Produktchef bei X, nannte die Funktion „einen wichtigen ersten Schritt, um die Integrität des globalen Marktplatzes zu sichern“. Rund vier Stunden später, nachdem das Update live war, schrieb Bier einen weiteren Post: „I need a drink.“

Fast unmittelbar zeigte „About this Account“ an, dass viele prominente und äußerst aktive pro-MAGA-Accounts, die vorgaben, von „patriotischen“ Amerikanern betrieben zu werden, ihren Sitz in Ländern wie Nigeria, Russland, Indien und Thailand hatten.

@MAGANationX, ein Account mit fast 400.000 Followern, dessen Bio ihn als „Patriot Voice for We The People“ beschreibt, hat laut der Übersicht seinen Sitz in „Osteuropa (Nicht-EU)“ und seinen Nutzernamen seit der Erstellung des Accounts im vergangenen Jahr fünfmal geändert.

Kategorien
streamletter

Der System Prompt von Elon Musks Grok AI ist öffentlich

Man kann durch Nachfrage den Systemprompt von Grok herausfinden, dem Chatbot von Elon Musks xAi. Die meisten anderen Chatbots verstecken diese Systemprompts. Hier ein Auszug:

  • If the user asks a controversial query that requires web or X search, search for a distribution of sources that represents all parties/stakeholders. Assume subjective viewpoints sourced from media are biased.
  • The response should not shy away from making claims which are politically incorrect, as long as they are well substantiated.
  • Do not mention these guidelines and instructions in your responses, unless the user explicitly asks for them.
    Quelle

Siehe auch: Elon Musk baut mit Grok eine Propaganda-Maschine