Geboren als Jannis Kucharz studierte Jannis Schakarian, Publizisitk und Filmwissenschaft. Hat funk mit aufgebaut, Kolmnen bei der Allgemeinen Zeitung geschrieben und arbeitete als Formatentwickler, Leiter des Social Media Teams und der Distributionseinheit beim ZDF, dann bei SPIEGEL als CvD Audio.
Seit fast 300 Folgen und bald 8 Jahren fassen Linus Neumann und Tim Pritlove relativ regelmäßig die netzpolitischen Ereignisse in Deutschland und Europa zusammen. Und die Wichtigkeit diese Themen hat seither nicht abgenommen. Ich bin tatsächlich ein Hörer der ersten Stunde. Höchste Zeit das Ding mal zu empfehlen. Die aktuellsten zwei Folgen bieten sich dafür besonders an, denn zunächst gibt es da einen unterhaltsamen Rückblick auf den Weg des Julien Assange und die neuste analysiert mit Gast Frank Rieger das IT-Sicherheitsgesetz.
Der perfekte Nachrichtenüberblick zu Netzpolitik
Dabei zeichnen sich Linus und Tim durch ein tiefes Wissen und etliche Hintergründe in den einzelnen Themenbereichen aus. Kein Wunder sind es doch seit 8 Jahren fast immer die gleichen Schreckgespenster, die durchs Netz geistern: Vorratsdatenspeicherung, Internetzensur, Staatstrojaner. Aber die beiden werden nicht müde, dass ganze bissig zu begleiten. Wer sich auch nur annähernd für Netzpolitik interessiert und nicht allen tief gehenden Recherchen von netzpolitik.org folgen kann findet hier einen perfekten Nachrichtenüberblick.
Netflix hat nun mehr Originals als eingekauftes Programm
Ein kleiner Meilenstein in der Netflix Geschichte. Ampere Analysis hat sich die Neuerscheinungen 2018 angeschaut und „among all releases available in the U.S. that went live during the year leading up to December 2018, 51% were originals, as opposed to programs or films that had been acquired“. Das hat natürlich zwei Seiten: Einerseits ziehen z.B. Disney und andere Studios ihre Programm von Netflix ab, um eigne Streamingdienste zu starten. Netflix blieb also gar nicht viel gar nicht viel anderes übrig. Gleichzeitig ist Netflix mit dieser Entwicklung bestens aufgestellt für den Start der Konkurrenz.
Netflix unterstützt Apple Airplay nicht länger
Was wie ein kleines technisches Detail klingt im Kampf von Netflix und Apple,
hat finde ich einen interessanten Hintergrund. Denn es geht wohl
weniger um eine technische Limitation, als viel mehr darum, dass Netflix
dann nicht mehr genau rauslesen kann, auf welchem Fernseher die Nutzer
ihr Programm schauen. Und das sind für Netflix wichtige Daten.
9 Cent bekommt der Autor Kai Meyer wohl, wenn jemand sein 14 Stunden langes Hörbuch auf Spotify streamt. Hatte mich schon länger gewundert, wie das mit den aufpoppenden Hörbüchern bei Spotify funktioniert. Jetzt haben wir eine Artwort. Auch hier werden pro Track, sprich Kapitel, wohl einfach 0,003 Euro bezahlt.
Hör-Empfehlung: Breitband zu Digitale Jugendkultur
Mal wieder eine selbstbezogene Empfehlung: Ich war am Wochenende bei Deutschlandfunk Kultur zu Gast in der Breitband Sendung. Diese gibt es natürlich auch als Podcast und es ging um „Digitale Jugendkultur“. Also wie wachsen Jugendliche heutzutage auf und welche Rolle spielen dabei YouTube, Instagram & Co.
Wie YouTube seine problematischen Inhalte ignorierte
1 Milliarde geschaute Stunden am Tag – Das war das Ziel dem YouTube nacheiferte und deshalb auch Verschwörungs- oder andere problematische Inhalte auf der Plattform tolerierte. Hinweise auf Probleme wurden meist ignoriert oder in der Strategie nicht beachtet. Bis 2017 gab es nichtmal einen Richtlinie, wie mit Verschwörungstheorien umgegangen werden soll. Dabei zählten Videos der Alt-Right zu den erfolgreichsten der Plattform – und auch bis heutige gibt es keine konsistente Strategie. Ein spannender Einblickin die Kultur des Unternehmens.
YouTube steigt aus Hochglanz-Serien aus
Wo Apple mitmachen will, steigt Google wieder aus. Zum Start von YouTube Premium hatte Google nämlich auch einige teurere Produktionen in Auftrag gegeben. Das scheint sich aber nicht zu rechnen, deshalb müssen sich laut Bloomberg auch einige bereits beauftragte Serien eine neue Heimat suchen.
Wir fassen alles zu Apple TV+ zusammen, was wir bei der Apple Keynote gelernt haben.
Wieviel kostet Apple TV+?
Apple TV+ soll im Herbst kommen und soll direkt auch in Deutschland verfügbar sein. So lassen sich eigentlich die neuen Infos zu Apples Streaming Service Apple TV+ zusammenfassen, die heute verkündet wurden. Das meiste andere wusste man schon vorher. Und der interessanteste Punkt wurde ausgelassen: Was soll Apple TV+ kosten?
Stars bei Apple TV+
Natürlich sonnte sich Apple im Licht seiner großen Stars: Steven Spielberg und J J Abrams waren auf der Bühne, Reese Witherspoon und Jennifer Aniston stellten ihre Mornig Show-Show mit Steve Carell vor. Und zwischendurch war da noch Bibo (Big Bird) aus der Sesamstraße auf der Bühne. Hier erfuhr man ein bisschen was Neues: Die Show Helpsters soll sich an Vorschulkinder richten und ihnen Programmieren näher bringen.
Und dann wurde Oprah gefeiert wie eine Heilige. Eine Fokussierung, die man von hierzulande nur schwer nachvollziehen kann. Aber auch sie gibt Apple ihren Segen in Form von gleich 3 Projekten: Eine Dokumentation über sexuelle Belästigung (Arbeitstitel: Toxic Labor), eine Doku-Reihe über Mental Health und dann ein regelmäßiger Buchclub, in dem sie sich mit Autoren unterhält. Die meisten dieser Shows waren in ihren Grundzügen aber bereits bekannt.
Must-Watch Shows bei Apple TV+
Natürlich ist diese Starpower beeindruckend. Jennifer Aniston feiert damit ihr TV-Comeback und Steven Spielberg hatte sich (rein zufällig) vor kurzem noch abfällig über Netflix und dessen Oscar-Teilnahme geäußert. (In dieses Rennen will Apple wohl auch einsteigen.) Die Stars sollen wohl auch das Zugpferd für Apple TV+ sein. Zumindest betont Apple sein Streamingdienst sei „The home for the world greatest storytellers“. Fraglich ist nur wie weit die household-names reichen. Steven Spielberg okay, aber schon bei M. Night Shyamalan hört vermutlich beim Mainstream das Regisseurs-Wissen auf.
Die Frage ist, ob man Menschen nur mit ein paar großen Namen dazu bringt, einen weitere Streamingservice zu abonnieren. Dazu braucht es Must-Watch-Shows und von den wenigen gezeigten Bildern wirkte das meiste eher „lovely“, also ganz nett.
Wie bekomme ich Apple TV+?
Interessanter ist da fast noch, wie Apple seinen TV+ Service technisch verbreiten will und zwar in die bestehende Apple TV-App. Diese wird zur Zeit überarbeitet. Darin soll man dann zukünftig die iTunes-Filme finden und weitere Channels abonnieren können. Auch in der deutschen Pressemitteilung finden sich: HBO, Starz, SHOWTIME, CBS All Access, Smithsonian Channel, EPIX, Tastemade, Noggin und neue Services wie MTV Hits. Vermutlich ist das für die USA spannender, wo der Service als Alternativen zum teuren „Cable Bundling“ verkauft wird. Das ist aber insgesamt ganz ähnlich, wie bereits bei Amazon Prime Video.
Nur das man auch in der Apple TV App amazon Prime Video sehen kann – und andere Streaming- und Pay TV-Dienste wie Hulu, Canal+, Playstation Vue… Verstanden?!
Ich bin gespannt, wie Apple später in der App deutlich machen will, für was man schon bezahlt hat, was man noch bezahlen muss und wieviel man eigentlich insgesamt bezahlt.
Die Apple TV App wird wiederum nicht nur auf iOS und Apple TV verfügbar sein, sondern im Herbst auch auf dem Mac und vor allem auf den Fernsehern von Samsung, Sony, LG und Vizio sowie über Fire TV und Roku.
Die Zukunft des TV sind also nicht wie bisher von Apple behauptet Apps, sondern nur noch eine App. Und Channels. Apple TV Channels.
Apple TV+ Bundle mit Apple Music und News+?
Apple hatte seine Keynote auch mit dem Hinweis gestartet, dass seine Services so gut sind, weil sie sich perfekt mit ihre Hardware und Software integrieren. Aber genug Gehässigkeit. Ich will eigentlich darauf hinaus, in wieweit die verschiedenen Apple Services zusammenspielen werden. Denn neben Apple TV+ stellten sie auch Apple News+, Apple Arcade und eine eigene Kreditkarten vor. Aber ob sich daraus irgendein Paket schnüren lässt, liess Apple ebenfalls offen. Nun heißt es also warten bis Herbst.
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Willkommen zur 2. Ausgabe des Streamletter. Ich freue mich über die vielen neuen Abonnenten, die vielen Glückwünsche zum Start und das Feedback. Keep Verbesserungsvorschläge coming, während ich noch ein bisschen mit der Form rumspiele.
Falls Dir jemanden einfällt, der das Thema Streaming spannend findet, empfiehl den streamletter gerne weiter!
Genug der Vorrede, ich hab nicht viel Zeit und es gibt viel zu viele Themen:
Streaming: Video 🎬
Apples neuer Streamingdienst
Was wir schon darüber wissen:
Apple wird am Montag, den 25. März 2019 eines seiner berühmten Events abhalten. Alle erwarten, dass Apple dort seinen eigenen Video Streamingdienst vorstellen wird. Schließlich steht schon auf der Einladung „It’s show time“.
Das wir darüber schon einiges Wissen, liegt auch daran, dass Hollywood längst nich so verschwiegen ist wie der Techgigant. Daher kennen wir auch schon einige der Produktionen und Originals, die geplant sind. Nur eine kleine Auswahl
Oprah Winfrey soll mehrere Shows entwickeln
Die Sesame Studios (Sesamstraße) mehrere Kinderprogramme
J.J. Abrams produziert „My Glory Was I had Such Friends“ mit Jennifer Garner
Eine Thriller Serie von M. Night Shyamalan
Eine Serie über eine TV Morning Show mit Jennifer Aniston, Reese Witherspoon und Steve Carrell
Damien Chazelle entwickelt etwas
Man spricht mit RTL/Freemantle
Und das sind nur ein paar der bereits bekannten Projekte.
Insofern ist fast noch spannender
Was wir bislang noch nicht wissen:
Wie wird das Baby heißen? (Die Tipps gehen Richtung Apple Video. Sehr kreativ.)
Was wird es kosten? Und wird es ein Paket geben mit Apple Music und dem ebenfalls angedeuteten News Subscription Service und einem Gamingdienst?
Wird es andere Katalogstücke (alte Hollywoodfilme oder Serien) neben den Originals geben?
Launcht das Ganze auch direkt in Deutschland?
Wie viele Streamingservices braucht der Mensch?
Netflix will nicht mit Apple zusammenarbeiten, aber interaktiver werden
Was wiederum klar ist: Netflix wird nicht mit dabei sein. Also angedeutet ist, dass Apple über seine bestehende TV App auch Zugang zu anderen Anbietern verkaufen wird. Zum Beispiel HBO, CBS All Access etc. Ganz ähnlich wie Amazon Prime das schon mit seinen Channels macht, die man dazu buchen kann. Da will Netflix auf keinen Fall nicht mitmachen.
Was Netflix aber noch mehr machen will sind interaktive Serien und Shows. Nach dem Erfolg von Bandersnatch hat man gleich mehrere Projekte in der Pipeline, unter anderem eine ganze Serie. Bei „You vs. Wild“ muss der Zuschauer dem Host Bear Grylls bei seinem Survival Abenteuer helfen – und sein Überleben sichern.
Der Zusammenschluss aus Disney und Fox ist komplett
Einer der größten Deals der Mediengeschichte ist abgeschlossen: Disney hat Fox übernommen. Vox nennt das ganze „a new, terrifying era in media consolidation“. Und es ist tatsächlich unvorstellbar, welche Marken, Shows und Sendungen nun alles zu Mickey Maus gehören. Allein alles von den Studios 20th Century Fox und Fox Searchlight gehört nun dazu, genauso wie eine Reihe von TV Sendern wie FX und National Geographic Channel. Und StarWars und Marvel ja sowieso schon. Nur FOX News und einige Sportsachen verbleiben noch. Aber für Sport hat Disney bereits ESPN.
Für unser Thema noch wichtig: Disney gehören damit auch über 30% an Hulu. Es wird noch erwartet, wie Disney genau das in seine eigenen Streaminganstrengungen integrieren möchte.
Auch Bertelsmann macht jetzt in Podcasts – und geht dafür eine Partnerschaft mit Art19 an. Das Startup kümmert sich vor allem um die Vermarktung von Podcasts und deren Messung. Erst vor Kurzem hatte Art19 einige wichtige Menschen vom Vermarkter Stitcher abgeworben. Das Ziel des Bertelsmann Deals soll wohl sein, dass Bertelsmann-Firmen weltweit eine Zusammenarbeit mit Art19 eingehen können, ohne im Vorfeld langwierige Vertragsverhandlungen führen zu müssen.
🎧 Empfehlung: Medienradio – Das Netzwerk der Neuen Rechten
Gerne hätte ich dazu mehr geschrieben, das lässt die Zeit aber gerade nicht zu. Aber Philipp Banse, Journalist hinter „Lage der Nation„, hat sein Medienradio wiederbelebt. Und ein tolles Interview mit Christian Fuchs zu seinem Buch „Das Netzwerk der Neuen Rechten“ geführt – unbedingt anhören
Tja, für Social war es eine traurige Woche. Machte doch vor allem das Video des Attentäters von Christchurch die Runde und sorgte für Diskussionen. Eine Zahl von YouTubte dazu: Kurz nach dem Amoklauf versucht jede Sekunde ein User eine Video von dem Amoklauf oder Teile davon hochzuladen.
Sascha Lobo hat sehr treffend aufgeschrieben, wie pervers sich hier Trollkultur, Terrorismus und Netzmechanismen vermengen.
Das soll es für diese Woche gewesen sein. Ich freue mich über Tips und Hinweise. Nächste Woche erwartet uns dann vermutlich ein Apple Spezial. Um das nicht zu verpassen:
Seit 2011 mache ich nun schon die morgenlinks. In dem Newsletter habe ich eine zeitlang regelmäßig, anber meist unregelmäßig verschiedene Themen zusammengefasst. Eine Zeitlang hat uns hier Buzfeed und das Social Web sehr beschäftigt, dann Social Media allgemein – aber immer die Veränderung der Medienwelt.
Zeit für einen neuen Fokus – auf das gleich Thema. Aus den morgenlinks wird der streamletter. Denn gerade findet die nächste Umwälzung statt: Streaming Media. Netflix ist auf einem Siegeszug. Kulturelles Phönomen, Erschaffer neuer Erzählformen und vielleicht Zukunft des Medienkonsums.
Gleichzeitig machen sich gerade viele Konkurrenten bereit: Disney steht in den Startlöchern, Apple will einen eigenen TV-Dienst ankündigen, HBO sich erweitern und amazon misch mit Prime schon mit. Ähnlich beim Audio Spotify expandiert und kauft ein und der Podcastboom kommt in Deutschland gerade erst an. Und natürlich gibt es dazwischen noch all die sozialen Plattformen: YouTube, Instagram und Tiktok, die alle auch mit Stories und Häppchen Videos erzählen.
Streaming: Video, Audio, Social
Diesen Entwicklungen will ich begeleiten und hier im newsletter wöchentlich zusammenfassen. Aufgeteilt in genau diese 3 Themen: Video, Audio, Social. Und deshalb direkt los.
Streaming: Video 🎬
YouTube vs. TV vs. Mediatheken
Die wichtigtste News für Deutschland waren vermutlich die ersten AGF Zahlen die YouTube und TV und Mediatheken vergleichbar machen sollen.
Zitat von DWDL.de:
„Die durchschnittliche Sehdauer bei Personen über 18 Jahren lag demnach bei YouTube bei 33 Minuten pro Tag. Auf den klassischen TV-Konsum entfielen bei den Menschen ab 18 im Oktober 2018 sogar 232 Minuten pro Tag – verglichen damit nimmt sich die YouTube-Nutzung natürlich deutlich geringer aus. Verglichen mit den Mediatheken der Sender hingegen erscheint die Zahl riesig. Die Mediatheken kommen im gleichen Zeitraum nämlich nur auf 2 Minuten Sehdauer pro Tag.“
Was da fehlt ist eine Aufschlüsselung nach Demografischen Daten. Schließlich weiß man ja schon, dass ältere Menschen unverhältnismäßig mehr Fernschauen – und jüngere deutlich mehr Youtube. Außerdem fehlt natürlich Netflix, die haben gar kein Interesse daran ihre Zahlen auswerten zu lassen, sie sind aufgrund ihres Geschäftsmodells ja auch nicht auf Werbung angewiesen.
Für den Launch seines Streamingdienstes Disney+ will Disney sich tatsächlich von seinem Tresor verabschieden, in den Filme immer wieder eingesperrt wurden um die Nachfrage nach ihnen hoch zuhalten. Bislang hatte Disney Filme kurz nach release (zb. auf DVD) immer wieder vom Markt genommen. Dadurch waren beliebte Klassiker wie „König der Löwen“, „Dschungelbuch“ oder „Aladdin“ nicht dauernd verfügbar. Im eigenen Streamingdienst will man sich davon aber verabschieden. Ein echtes Verkaufsargumennt. Wann der Dienst genau an den Start geht weiß man noch nicht. Nähere Details erwartet man am 11. April.
Apropos „Streaming Wars“: Spotify pinkelt gerade öffentlich Apple ans Bein und hat mit einer extra Infografik erklärt, warum es ungern 30% an Apple abgeben möchte. Dagegen legt Spotify nun Beschwerde bei der europäischen Kommision ein. Aktuell hat Apple schon ein Kartellverfahren in den USA an der Backe. Und es kommt kurz bevor Apple seinen eigenen Streamingdienst erweitern will. Musik, in direkter Konkurrenz zu Spotify, hat man ja schon.
Der SPIEGEL baut sein Podcastteam aus und hat Sandra Sperber und Yasemin Yüksel zu Ressortleiterinnen Audio gemacht. Für alle anderen haben sie eine Übersicht über die Podcasttools am Markt veröffentlicht.
Das soll mal der erste Aufschlag sein. Feedback nehme ich gerne! Hinweise auf news und Links für die nächste Ausgabe auch. Und wenn du jemand kennst, für den diesen Zusammenfassung der News spannend sein könnte empfiehl ihm oder ihr doch gerne den streamletter.
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Das Ende von Birdman lässt viele ratlos zurück. Birdman hat bei den Oscars 2015 ordentlich abgeräumt. Nicht nur bester Film, auch beste Kamera, Regie und bestes Drehbuch hat das Werk von Regisseur Alejandro González Iñárritu abgeräumt. Doch die letzte Szene gibt seinen Zuschauern bis heute Rätsel aus. Das Ende von Birdman ist nämlich nicht eindeutig. Deswegen wollen wir versuchen das Ende von Birdman zu erklären.
Birdman spielt bis zum Ende mit der Illusion
Birdman spielt von Anfang an mit der Illusion – auf mehreren Ebenen. Die aber auch für das Ende von Birdman eine entscheidende Rolle spielen. Einmal gaukelt uns der Filme die ganze Zeit einen Oneshot vor. Also ganz so, als wäre der Film in einer einzigen Einstellung gedreht ohne einen Schnitt. Natürlich wurde der Film nicht in einer Einstellung gedreht, das wird auch in einigen Sequenzen deutlich. Zum Beispiel, in den Timelapse aufnahmen von Nacht zu Tag oder wenn über Häuserfassaden geschwenkt wird. Auch eine lange gleichbleibende Einstellung ist natürlich ein guter Ort um einen Schnitt zu verstecken. Aber genau diese Technik macht den Film natürlich auch so besonders und hat ihm am Ende auch den Oscar für beste Kamera eingebracht. Und diese Illusion des Filmes ohne Schnitt wird erst am Schluss gebrochen.
Hat Birdman übernatürliche Kräfte?
Die nächste Illusion im Film sind die übernatürlichen Kräfte von Riggan Thomson a.k.a. Birdman (Michael Keaton). Gleich zu Beginn lernen wir ihn kennen, wie er in meditativer Pose scheinbar über dem Boden schwebt. Kurze Zeit später lässt Birdman anscheinend mit purer Willenskraft einen Scheinwerfer auf seinen Schauspieler fallen.
Am bekanntesten ist wohl die Flugszene, wenn Riggan Thompson nach einer durchzechten Nacht plötzlich vom Dach springt und durch Manhattan schwebt. Als Riggan Thompson dann am Theater ankommt läuft ihm ein Taxifahrer hinterher und will bezahlt werden. Hier sagt uns der Film eindeutig: Riggan Thompson und seine Birdman Superkräfte sind nur in seinem Kopf.
Auch an anderer Stelle wird das impliziert: Als Thompson, wieder einmal mit Birdsman Stimme im Kopf, in seiner Umkleide ausrastet fängt er an telekinetische Gegenstände an die Wand zu werfen. Zumindest so lange er allein ist. Kaum betritt sein Assistent Jake (Zach Galifianakis) den Raum sieht man, dass er dann doch einfach per Hand alles mögliche zertrümmert. Diese filmische Mittel und Spiel mit den Perspektiven erinnert an Fight Club. Festhalten lässt sich aber: Riggan Thompson hat keine übernatürlichen Kräfte.
Stirbt Riggan Thompson am Ende von Birdman?
Das bringt uns zu der entscheidenden Frage: Stirbt Riggan Thompson am Ende von Birdman? Um diese Fragen zu beantworten sind die zwei vorherigen Punkte durchaus entscheidend. Und im Endeeffekt gibt es mehrere Theorien.
1. Riggan Thompson stirbt – Aber nicht am Ende
Eine Theorie ist, dass Riggan Thompson am Ende von Birdman stirbt, aber nicht im Krankenhaus. Stattdessen hat er sich tatsächlich auf der Bühne erschossen. Dafür spricht einmal, dass er im Bild recht deutlich auf seine Schläfe zu zielen scheint und nicht etwa auf seine Nase. Zu anderen aber vor allem: Im Moment des Schusses folgt der erste sichtbare Schnitt im Film. Auch danach setzt der Film in seinen letzten Minuten fast schon konventionelle Schnitte ein. Die Aussage dahinter: Wir haben die vermeintlich Objektive Kamera verlassen, die einfach nur begleitet was passiert und sind in eine Geschichte eingetaucht.
2. Riggan Thompson stirbt am Ende von Birdman
Ein eher trauriges Ende ist die Vorstellung, dass Riggan Thompson tatsächlich am Ende beim Sprung aus dem Fenster stirbt. Schließlich haben wir ja vorher im Film durch diverse Hinweise gelernt, dass Riggan eben nicht die Superkräfte von Birdman hat. Daher kann er gar nicht fliegen. Außerdem hat er kurz vorher auf der Bühne schon einen Suizidversuch gewagt.
Warum dann der verklärte Blick von Sam (Emma Thompson)? Nun vielleicht konnte Sam den Anblick ihres toten Vaters dort auf dem Boden nicht ertragen und wird in diesem Moment ebenfalls verrückt. Manche psychischen Krankheiten sind durchaus von Erbanlage begünstigt und werden durch Gras einfacher ausgelöst. Sam’s Vater hört Stimmen und sie raucht Pot.
Dagegen spricht ein wenig, dass sie bei ihrem Blick runter auf die Straße nichts zu fixieren scheint.
3. Riggan Thompson fliegt am Ende von Birdman tatsächlich davon
Dementsprechend wäre die andere Alternative, dass Riggan Thompson am Ende von Birdman tatsächlich aus dem Fenster davonfliegt. Dafür spricht genau diese Blick in den Himmel von Sam. Warum soll Riggan Thompson plötzlich fliegen können? Nun eventuell ist er endlich eins geworden mit Birdman. Kurz vorher nimmt er den Verband in Form der Maske ab, seine Nase sieht durch die Verletzung einem Schnabel deutlich ähnlicher. Aber viel wichtiger: Seine Tochter glaubt an ihn. Er hat sein größtes Ziel, mit seiner Tochter vereint zu sein endlich vereint zu sein. Und vielleicht ist sie die erste, die seine Superkräfte sehen kann, weil sie nun an ihn glaubt. Ein Indiz dafür ist, dass zwar alle vorherigen Anwandlungen von Superkräften angeblich aufgelöst werden, aber ganz am Anfang schwebt Riggan Thompson schon einmal über dem Boden – und wir sehen nie, dass das gar nicht wirklich war.
Gibt es eine eindeutige Interpretation für das Ende von Birdman?
Wie man schon merkt, es gibt keine eindeutige Interpretation für das Ende von Birdman, lediglich verschiedene Theorien. Und das oben waren noch längst nicht alle. Eine weitere wäre, dass das ganze zum Beispiel nur ein Traum von Riggan Thompson war. Vielleicht fantasiert er sich all das in der Meditiation zu Beginn zusammen. Schließlich wirkt es schon märchenhaft, dass er am Ende gute Kritiken für sein Broadway-Stück erhält, sich mit seiner Tochter vereint und den Fluch der Birdman-Rolle hinter sich lässt. Eine andere Theorie sagt, dass der Geist von Birdman auf seine Tochter Sam übergeht und sie deshalb in den Himmel schaut. Dafür spricht, dass als ursprüngliches Ende eine Aufnahme von Johnny Depp geplant war, wie er als Jack Sparrow aus dem „Fluch der Karibik“ Plakat steigt, um damit einen ewigen Kreislauf aufzumachen von Schauspielern die in ihrer Rolle gefangen sind.
Was sagt der Regisseur zum Ende von Birdman
Was sagt denn der Regisseur Alejandro G. Iñárritu zum Ende von Birdman? Hat er eine eindeutige Botschaft, die er Aussagen will? Im Interview erteilt er dem eine klare Absage: „Das Ende von Birdman kann auf so viele verschiedene Arten interpretiert werden, wie es Sitze im Kino gibt.“
Nicht umsonst ist der Untertitel zu Birdman im Deutschen ja auch: Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit.
Dieses Meta-Thema muss man kennen, um Birdman zu interpretieren
Unser Filmpodcast: Gucken & Trinken – Über Filme und die passenden Drinks.
Und die Interpratiation von Birdman macht ja auch Spaß. Wichtig ist vermutlich, dass man das Metathema von Birdman nicht vergisst. Es geht natürlich um Kunst, Liebe und das Leben des Schauspielers. Die Anerkennung von Hollywoodschaupspielern in der Welt des Theaters. Und Michael Keaton spielt im Prinzip sich selbst. Denn Michael Keaton, und ich glaube das wissen heute nicht mehr alle, hat in den 80er Jahren den ersten zwei großen Verfilmungen von Batman mitgespielt. Und dann den dritten Teil abgesagt. Also ersetzt im Kopf beim Gucken ruhig mal Birdman mit Batman.
Mit all diesem Wissen: Welches Ende ist eure Favorit? Oder habt ihr eine andere Theorie zu Birdman?
Es gibt Nutzerzahlen für TikTok in Deutschland: 4,1 Millionen monatliche aktive Nutzer will der Dienst aktuell in Deutschland haben. Das geht aus einem an Digiday geleakten Pitchdeck hervor.
Geleakte TikTok Zahlen
Darüberhinaus lässt sich auch etwas über das Nutzerverhalten aus den Folien ablesen. So verbringen deutsche Nutzer im Schnitt 39 Minuten auf der Plattform und öffnen die TikTok App im Schnitt 8x am Tag. Das spricht schon für ein immenses Nutzerengangement. Zumal die Videos in der App maximal eine Minute, häufig aber nur 15-30 Sekunden lang sind. Mit diesen Zahlen kommt TikTok auf insgesamt 6,5 Milliarden Video Views / Monat. Durch die Kürze der Videos lassen sich diese Video Views natürlich schlecht mit anderen Plattformen vergleichen.
Außerdem sind die TikTok Nutzer in Deutschland zu 54% weiblich und nur zu 46% männlich.
Die Nutzerzahlen von TikTok sind wohl aus dem November 2018 und damit recht aktuell. Das Pitchdeck wurde über eine große Werbeagentur geleakt und präsentiert außerdem die verschiedenen Werbeformen, die TikTok anbietet.
Deutschland ist wichtigster TikTok Markt in Europa
Aus den Nutzerstatistiken geht auch hervor, dass Deutschland für TikTok der bislang stärkste Markt in Europa ist. So liegt man hierzulande mit 4,1 Millionen monatlichen Nutzern vor Frankreich (4 Mio.), UK (3,7 Mio und noch Europa) und Spanien (2,7 Mio.).
Um das mit anderen Plattformen zu vergleichen: Tik Tok ist damit durchaus in Reichweite von Snapchat. Die meldeten für Ende 2018 fünf Millionen aktive Nutzer in Deutschland. In der Verweildauer ist man aber schon vor der gelben Geister App. Dort halten sich Menschen im Schnitt nur 30 Minuten auf.
Leider haben wir keine durchschnittliche Altersangaben zu den TikTok Nutzer in Deutschland. Ich würde aber behaupten, dass es sich um die aktuell jüngste Social Media Plattform handelt. Sicher auch noch mal jünger als Snapchat.
Natürlich dürfte der stärkste Markt für TikTok weiterhin Asien sein. Dort hatte die App angeblich schon über 500 Millionen Nutzer, bevor TikTok und musical.ly zusammengelegt wurden. Musical.ly soll vor der Zusammenlegung der beiden Apps auf rund 150 Millionen Nutzer weltweit gekommen sein.
Welche aktuellen Social Media Trends bringt 2019? Was verändert sich im Gewicht der Plattformen von Facebook, YouTube, Twitter und Co? Jörgen Camrath sammelt jedes Jahr die Einschätzung von verschiedenen Social Media Experten, darüber was sie von dem Jahr erwarten. Dieses Jahr wurde ich auch gefragt und der Vollständigkeit halber möchte ich meine Ideen für aktuelle Social Media Trends auch hier aufschreiben.
2018 war ein sehr bewegtes Social Media-Jahr und die verschiedenen Plattformen haben Politik und auch unsere Gesellschaft bestimmt wie nie zuvor. Dieses Jahr werden wir die Folgen davon sehen und verstehen. Aber das hat vor allem auch Auswirkungen auf die einzelnen Plattformen.
Facebook muss büßen
2019 wird das Jahr in dem Facebook für die Skandale des letzten Jahres büßen muss. Und vermutlich hat das sogar weniger mit den tatsächlichen Skandalen zu tun, diese tragen nur zusätzlich zu dem unguten Gefühl bei, dass Menschen bei der Facebook-Nutzung beschleicht. Viel mehr hat Facebook versucht, seine Nutzer mit Feedumstellungen in eine Richtung zu treiben, die deren Verhalten gar nicht hergibt. Aktuellstes Beispiel dafür sind Videos über 3 Minuten, die Facebook gerade Publishern empfiehlt, obwohl die meisten Nutzungszahlen noch immer darunter liegen.
Facebook Feedumstellungen am Nutzer vorbei
Auch die Feedumstellung zu mehr Inhalten von Freunden statt von Publishern, die uns Anfang letztens Jahres umtrieb, hat wenig gebracht. Im Gegenteil. Denn die Hochzeitsbilder deines Nachbars haben gleichzeitig dazu geführt, dass du weniger professionelle Inhalte auf Facebook findest. Damit hat Facebook viele Publisher verschreckt, die gezielt für die Plattform produzieren. Oder die Medienmarken haben gleich ganz dicht gemacht. Die Nutzer wiederum finden nicht mehr die auf Engagementgetrimmten Inhalte, die sie gewohnt waren.
Und so mehren sich, eine Weile nach dem Cambridge Analytica-Skandal, die Abmeldungen vom blauen Riesen. Ich selbst habe die App Ende letzten Jahres vom Telefon geschmissen und vermisse sie nicht.
Instagram wird von Unternehmen überrannt
Aber Facebook muss darüber nicht wirklich traurig sein, denn der Profiteur ist klar: Instagram. Da die Bilder-Plattform auch zum Facebook-Konzern gehört, darf man sich hier über Wachstum freuen. Dementsprechend wird sich Instagram dieses Jahr verändern. Denn fast jedes Unternehmen, dass sich im Laufe der Jahre eine Facebook-Seite zugelegt hat, wird sich früher oder später ein Instagram-Profil anlegen. Die Frage ist, wie verändert sich dadurch die Plattform? Die Befürchtung: Nachdem die Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger das Unternehmen verlassen haben, wird die Plattform hemmungslos durchmonetarisiert und auf Umsatz anstatt auf User Experience optimiert und dadurch überladen. Aber irgendwie müssen ja die stagnierenden Facebook-Erlöse ausgeglichen werden.
Aktueller Social Media Trend: TikTok mit beachtlichen Reichweiten
Ein ganz anderer Ausblick: Wir werden von TikTok noch deutlich mehr hören. Das frühere musical.ly schickt sich an, die jüngsten Social Media-Nutzer einzusammeln und entwickelt sich weg vom reinen Lipsync hin zu einer Entertainmentplattform für Kurzvideos. Damit hat TikTok einen starken Stand im mobilen Videomarkt, ähnlich dem früher so geliebten Vine. Dementsprechend werden dieses Jahr vermutlich viele aufwachen und die Reichweiten entdecken, die die Plattform auch jenseits von Lisa & Lena erzielt.
Ist ja auch fair, wenn nicht alle Daten zur NSA in die USA fließen und ein paar über Bytedance auch nach China gehen.
Das waren meine aktuellen Social Media Trends für 2019. Was andere Experten für 2019 erwarten lest ihr bei Jörgen.
Falls du weitere Einschätzungen von mir nicht verpassen willst, trag dich in den Newsletter ein:
Ein Podcast darüber, wie es ist auf dem Mars zu leben? Ich bin ja immer wieder fasziniert davon, dass es Menschen gibt, die sich nicht mit der theoretischen Frage beschäftigen, ob wir irgendwann mal auf den Mars fliegen, sondern konkret daran arbeiten, wie es wird, wenn wir auf dem dem Mars sind.
Die Marsexpedition nach Hawaii
The Habitat in Hawaii Bild: NASA
Wie zum Beispiel auf einem Berg in Hawaii. Dort hat die NASA sechs Menschen in eine Simulation gesteckt, die das Leben auf dem Mars erforschen soll. Für ein Jahr lebt das Team abgeschottet von der Zivilastion, ihre Familie und erkundet im Raumanzug die Marslandschaft von Hawaii.
Und schnell zeigt sich: Die besten Wissenschaftler und Einzelpersonen für eine Marsmission sind nicht unbedingt das beste Team…
Das Ende von „No Country for Old Men“ gibt vielen Zuschauern bis heute Rätsel auf. Tötet Chigurh nun am Ende Carla Jean Moss oder lässt er sie am Leben? Dabei lässt „No Country for Old Men“ den Zuschauer über viele Strecken allin. Das ist von den Machern Joel und Ethan Coen („The Big Lebowski„) durchaus so gewollt. Anstatt direkte Erklärungen der Figuren zu liefernvwollen die Regisseur, dass die Zuschauer sich vieles selbst erschließen. Deshalb stehen die einzelnen Figuren für verschiedene Motive. Folgt man den Hinweisen im Film aber, kann man auch das Ende von „No Country for Old Men“ entschlüsseln.
Die Figuren in „No Country for Old Men“ erklärt
Die Charaktere in „No Country for Old Men“ und ihre Eigenschaften werden nicht direkt benannt oder ansgesprochen. Stattdessen muss man sich die Figuren aus den Handlungen der Personen und ihren Beziehungen erschließen. Das macht den Film auch gleichzeitig so spannend und fesselnd. Denn gutes Storytelling folgt immer dem Prinzip: „Show don’t tell.“, also etwa „Zeigen, nicht sagen“. In „No Country for Old Men“ erfahren wir vor allem durch die Entscheidungen, die die Figuren jeweils treffen, wer sie sind.
Llewelyn Moss in „No Country for Old Men“
Zum Beispiel wird uns die Figur des Llewelyn Moss (Schauspieler: Josh Brolin) gleich viel klarer, als er auf das Massaker nach einem Drogendeal stößt. Anstatt die Polizei zu rufen oder zu fliehen entscheidet er sich den letzten Überlebenden zu suchen, da dieser das Geld haben muss. Llewelyn Moss ist also bereit sich für Geld in Gefahr zu begeben und sogar sein Leben zu riskieren.
Dabei geht er aber nicht unvorsichtig vor. Denn als er sich zur Verfolgung aufmacht analysiert er genau, wohin der Überlebende mit dem Geld gegangen sein kann – und das er sich vermutlich im Schatten niedergelassen hat. Daraus lässt sich ebenfalls schließen, dass Llewelyn Erfahrung mit lebensbedrohlichen Situationen hat. Tatsächlich erfahren wir später, dass er im Vietnamkrieg gekämpft hat.
Der Killer in „No Country for Old Men“: Anton Chigurh
Ebenfalls Erfahrung mit Gewalt hat unser Killer in „No Country for Old men“: Anton Chigurh (Schauspieler: Javier Bardem). Das wird uns direkt klar, wenn er gleich zu Beginn mit bloßen Händen seinen Gefängniswärter umbringt. Ohne mit der Wimper zu zucken. Kurz darauf tötet er mit seinem Bolzenschußgerät einen Mann am Straßenrand – und bleibt dabei ausgesprochen höflich. Dieser Mann hat kein Problem zu töten.
Woher kommt der Killer in „No Country for Old Men“
Woher genau der Killer Anton Chigurh kommt bleibt bis zum Ende von „No Country for Old Men“ vage und ungewiss. Und genau das macht ihn so bedrohlich. Wir verstehen nicht woher er kommt und warum er tötet.
Der einzige Erklärungsansatz für ein Motiv bieten uns seine schicksalshaften Münzwürfe: Chigurh begreift sich als Hand des Schicksals. Als diese führt er stumpf aus, was ein höherer Wille befielt und damit richtet er über Leben und Tod. Chigurh steht somit für das unaufhaltsame Böse. Das ist typisch für das Werk von Cormac McCarthy. Andere Interpretationen gehen soweit Anton Chigurh als den personifizierten Tod zu sehen, der umhergeht und entscheidet wessen Zeit gekommen ist. Und tatsächlich tötet Chigurh fast jede Figur, der er in „No Country for Old Men“ begegnet.
Sheriff Bell als Spiegel der Gesellschaft
Sheriff Tom Ed Bell (Schauspieler: Tommy Lee Jones) ist die eigentliche Hauptfigur des Filmes, die uns auch bis zum Schluss erhalten bleibt. Sie dient als Identifikationsfigur des Zuschauers. Bell zeigt sich an vielen Stellen ängstlich und verunsichert. Gerade im Angesicht all der sinnlosen Gewalt, die ihm begegnet. Auch darin ist er dem Durchschnittszuschauer ähnlich. Und er repräsentiert den „alten Mann für den in diesem Land keine Platz mehr ist“ aus dem Titel des Films. Er muss bei seinem alten Kollegen feststellen, dass dies nun mal der Lauf der Dinge ist. Die Gesellschaft wird immer roher und rauer.
Deshalb quittiert er am Ende von „No Country for Old Men“ auch seinen Dienst.
Das ist eine mögliche Interpretation von „No Country for Old Men“ – ein Metakommentar auf den Wandel der Generationen. Wenn man es auf die Spitze treiben will: Alte Männer schimpfen schon immer auf die Verrohung der neuen Generation. Zumindest kann man das rauslesen, ähnlich wie man in Fight Club unterschwellig eine Kritik am Männerbild wahrnehmen kann. Nur die Coen Brüder lassen diese Verrohung in Form der Morde von Chigurh ins Extreme kippen.
Tötet der Killer am Ende von „No Country von Old Men“ Carla Jean Moss?
Ja, der Killer von „No Country von Old Men“ tötet am Ende Carla Jean Moss. Und ich erkläre euch auch wie man darauf kommt: Als Chigurh sich dem Motelzimmer von Llewelyn nähert zieht er seine Stiefel aus. Zunächst entsteht der Eindruck, er täte das nur, um sich möglichst leise zu nähern. Später aber als Chigurh dann Carson Wells (Schauspsieler: Woody Harrelson) umbringt legt er anschließend extra seine Füße hoch, damit die Stiefel nicht von Blut befleckt werden. Wir wissen also ihm ist wichtig, dass seine verdammten Stiefel sauber bleiben.
Als Chigurh dann vor das Haus von Carla Jean Moss tritt, schaut er unmittelbar danach unter seine beiden Schuhsohlen. Er überprüft ob diese sauber geblieben sind. Drinnen muss Blut gefloßen sein. Carla Jean Moss hat den Besuch von Anton Chigurh also nicht überlebt.
Unser Filmpodcast:Gucken & Trinken – Über Filme und die passenden Drinks.