Jetzt gibts wieder Schmidt ohne Pocher

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Wenn man zur Zeit den Namen Schmidt liest geht es meist um den allseits gehypten Altkanzler und ich bin jedes mal aufs Neue enttäuscht. Doch diesmal gibt es wirklich Neuigkeiten von „Dirty Harry“.

Und zwar wird Harald Schmidt die ARD Late-Night im Wahljahr wieder alleine bestreiten, so meldete jetzt der SPIEGEL. Oliver Pocher war 2007 zur „Harald Schmidt Show“ hinzugekommen, in der ARD Hoffnung junges Publikum anzulocken. Dieser Schritt war von Anfang an umstritten und gerade in den großen Feuilletons hat man sich vor Pochers Proletenhumor gefürchtet. Zwar ist das Abendland nicht ganz so untergegangen, wie angekündigt, die Geschichte mit Lady Bitch Ray und ihrem Fotzensekret hatte aber für einigen Wirbel gesucht. Schmidt hatte Pocher bei diesem Auftritt auch vor laufender Kamera gerügt und seither wurde immer wieder von Spannungen zwischen den beiden Berichtet. Ab April, wenn der Vertrag von „Schmidt und Pocher“ ausläuft, wird Harald Schmidt nun wieder alleine vor der Kamera stehen.

Dennoch kommt der Schritt einigermaßen überraschend, hatte Harald Schmidt sich Anfang Dezember doch durchaus für eine Fortsetzung des „von beiden Seiten zeitlich begrenzten Experiments“ ((Zitat Kogel)) ausgesprochen und noch vor 3 Wochen hatte Pocher in einem Interview gesagt, er würde auch ohne Schmidt weitermachen. Nun kommt es eben andersrum.

Kogel, der Produzent der Show, sagte gegenüber dem SPIEGEL, man wolle Schmidt gerade in einem Wahljahr auf einem Level sehen, das sonst im deutschen Fernsehen niemand liefert und in Zusammenarbeit mit Pocher würde er dieses Potential nicht ausspielen. Es gehe darum, „die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt, vergleichbar mit dem US-Polit-Komiker Jon Stewart – aber eben Harald Schmidt“, so Kogel weiter.

Dem steht nichts im Wege, nachdem Harald Schmidt ja ebenfalls hat verlauten lassen, er sei nicht mehr „fernsehmüde“ und habe sogar Lust, die Schlagzahl zu erhöhen. Was mit Pocher geschieht und wohin er geht ist im Übrigen noch nicht klar.

Endlich fällt der Name Jon Stewart für Deutschland und vielleicht schafft es Harald Schmidt ja dahin, wenn man ihm in der ARD noch ein paar Sendeplätze freischaufelt hab ich durchaus Hoffnung. Ich habe Pocher nie gehasst, dennoch finde ich war Schmidt & Pocher sehr boulevardesque und wenig politisch. „Schmidt und Pocher“ verhiehlt sich sich zu „Die Harald Schmidt Show“ in etwa so wie Spiegel Online zum SPIEGEL. Zwar hatte Pocher immer durchaus seine Momente und Spitze, gerade wenn er live und spontan auf Leute zu ging, aber Schmidt war durch ihn immer in seiner Freiheit eingeengt. Bis jetzt war er ja nur einen Side-Kick Manuel Andrack gewohnt und keinen „gleichberechtigten“ Partner. Und genau dieses Verhältnis war nie ganz ausgelotet. ((Sehr schön dargestellt im Switch Jahresrückblick))

Manuel Andrack hatte Schmidt & Pocher übrigens im Septmeber als Redaktionsleiter verlassen, weshalb ich eine Rückkehr für unwahrscheinlich hatte. Vielleicht orientiert man sich bei der neuen Schmidt Show ja tatsächlich an „The Daily Show – with jon Stewart“. Ich bin gespannt.

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18 KOMMENTARE

  1. Na zum Glück ist der Pocher wieder weg, das war ja kaum auszuhalten. Hoffe Schmidt bekommt die Niveau-Kurve wieder nach oben

  2. Und das gerade jetzt, wo Franjo Pooth einen Verein zur Unterstützung Schmidt und Pochers ins Leben gerufen hat.

    PS: zum Thema Schmidt und gleichberechtigter Partner, wär noch Schmidteinander zu erwähnen.

  3. Jon Stewart? Ja, hätten wir wohl gerne. Ganz ehrlich: Amerikanisches TV und die deutschen Versuche sind zaghaft. In Deutschland gibt es drei Late Night Comedy Shows: Harald Schmidt (& Pocher) Show, TVTotal und Niels Ruf Show. Letztere ist der Trugschluss aus dem witternden Tränenfluss und TVTotal sinkt rapide was das angeht, was es mal war. Einzig und allein Harald Schmidt hatte sich irgendwo zwischen David Letterman und Conan O‘ Brien halten wollen, aber so ganz geschafft hat er es nicht. Deutschland hat leider weder einen Stewart, noch einen Colbert, auch keinen O‘ Brien, Letterman, Craig oder Jay Leno. Schade, denn wir bräuchten sehr viele von denen.

  4. Ja das stimmt. Aber es fehlt einfach den Fernsehsendern der Mut eine tägliche (und das sollte eine Late-Might sein) Show zu starten und eine Weile durchzuziehen.

    Abgesehen davon, dass uns ein talent fehlt, dass böse und satirische Kommentare bringt. Allerdings glaube ich daran, dass es iwo da draussen auch für Deutschland so jemand geben kann…

    Ich bin gespannt, wie die neue Schmdit Show aussieht und in welche Richtung das Konzept geändert wird, aber der Vergleich zu „The Daily Show mit Jon Stewart“ war ganz klar da…

  5. Also Talente gibt es genug. Man hat sie allerdings nur nicht entdeckt, weil sie keiner fördert. Aber das allein ist ein Kritikpunkt, der bei der Bildungspolitik anfangen könnte. In Deutschland ist die Debattierkultur nicht eine Grundangelegenheit, die schon früh gelehrt wird, wo hingegen in anderen Staaten, ja auch in den USA, eine äußerst fördernde Art und Weise darauf abzieht jenen Menschen eine Basis zu geben, die es verstehen sich auszudrücken.

    Die deutschen TV-Sender sind auf Quoten spezifiert, was auch nicht falsch ist, allerdings auf lange Sicht wirklich niemanden glücklich macht. Die USA zeigt mal wieder das aus schlechten Sendungen in einiger Zeit ein großer Standard werden kann. Als Beispiel kann man hier „Seinfeld“ nehmen, das bis zur vierten Staffel sehr schlecht lief, aber dann bis zum Ende hin zur größten Sitcom jener Zeit wurde. Wieso schafft es Comedy Central zwei 30-minütige, sehr humorvolle Talkshows mit einer Guestapperance zu verkaufen, aber deutsche Sender noch nicht einmal eine? Soetwas würde funktionieren, wenn es um 21:15 läuft, statt das nächste schlecht synchronisierte Desaster um diese Uhrzeit zu senden. Am meisten regt mich hier RTL auf, da werden Menschen mit Probleme der Öffentlichkeit vorgestellt, damit alle groß „Assi“ rufen um hinterher auf Punkt12 nochmal darüber zu berichten, wie viele Schulden Herr xy hat. Stattdessen könnte man da was besseres senden. Einzig und allein der Dienstag ist bei RTL sehenswert, ist er doch mit sehr tollen us-amerikanischen Serien versehen.

    Aber auch Pro7, als drittgrößter Privatfernsehsender versteht es nicht wirklich etwas zu verkaufen. Statt die Sitcoms „Malcolm Mittendrinn“, „How I Met your Mother“, „Scrubs“ und Cartoons wie „Family Guy“ oder „Futurama“ im Nachmittags- oder Abendprogramm zu platzieren, wird alles auf Samstag Vormittag verschoben. Eine Serie muss reifen und das kann sie nur, wenn sie regelmäßig läuft, sodass sich der Menschen damit identifizieren kann. Stattdessen wird Humor auf Samstag Vormittag verschoben, damit Nachmittags deutsche Teenager ein Forum für ihre strikten Probleme wie Brustvergrößerungen erhalten.

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