Ein Großteil der Diskussion um Social Media und mögliche Auswirkung auf Teenager und Kinder wurde durch den Bestseller „The Anxious Generation*“ von Jonathan Haidt bestimmt. Das Buch hat in den USA die Debatte geprägt – und ist wie so oft auch zu uns rübergeschwappt; wurde auch hier zum Bestseller.
Der Psychologe Peter Gray hat nun eine Antwort namens „Restoring Childhood*“ geschrieben, in der er Haidts Vorgehen nahezu als unethisch bezeichnet. Dieser habe etliche Metaanalysen ignoriert und selbst in den zitierten Studien zeige sich „nicht einmal eine bedeutsame Korrelation zwischen der Zeit, die Kinder in sozialen Medien oder am Smartphone verbringen, und ihrer psychischen Gesundheit“, sagt er The Verge im Interview.
Wenn nicht Social Media, was schadet Kindern dann?
Peter Gray sagt, dass sich der Anstieg von Anxiety und Suizidzahlen eher durch gestiegenem schulischen Druck in den USA erklären ließe. Insbesondere führt er an, dass seit den 1980er-Jahren die Selbstständigkeit von Kindern immer weiter eingeschränkt wurde und das fehlen von freiem, unstrukturiertem Spiel deren Resilienz schadet. Während früher Kinder unbeaufsichtigt miteinander spielten, ist das heute seltener geworden. Darin sind sich Haidt und Gray sogar einig.
Das liege an der gestiegenen Wahrnehmung für eine „Gefahr durch Fremde“, die durch seltene, aber medial stark beachtete Verbrechen befeuert wurde.
Eine ähnliche Panikmache wirft Gray nun auch Haidt vor.1
Meine Gedanken: Von „Connect the world“ zu „Enrage and Engage“
An ein paar Stellen widersprechen sich die beiden nicht – und es ist klar, dass bei Erziehung und Aufwachsen etliche Faktoren einwirken – die sich oft erst Jahre später zeigen. Und diese sind vor allem in Deutschland nochmal andere als in den USA. In der Diskussion verschwimmen Smartphone-Nutzung und Social-Media-Nutzung. Ersteres ist erstmal ein Werkzeug für viele Dinge, von Navigation bis Kommunikation, Letzteres hat sich im letzten Jahrzehnt von „connecting the world“ zu einem professionalisierten „Engagement und Eragagement“-Umfeld entwickelt. Und das schlägt dauerhaft Erwachsenen und Kindern aufs Gemüt.
Foto von Ruslan Zaplatin 🖤 auf Unsplash
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- Der deutsche Vergleich wäre wohl Manfred Spitzer, die Älteren erinnern sich. ↩︎
