Verlage im Kampf gegen Google und die falsche Wahl der Waffen

Von einer „großen Abwehrschlacht“ spricht Hannes Hintermeier heute im Feuilleton der FAZ. Von einem „Rückzugsgefecht; versprengte[r] Truppen“.
Er beschreibt den Kampf der Buchverlage gegen Google, die um ihre Rechte und ihre Erlöse fürchten, nachdem Google mit Google Books angefangen hat alle Bücher einzuscannen und digital verfügbar zu machen.Doch schnell wird klar: Hier geht es gar nicht um die Buchverlage, es geht auch nicht direkt um das täglich Brot der armen Autoren, es geht darum Google bloßzustellen.

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Aber nicht in erster Linie wegen ihres Google Books Engagement, sondern es geht eigentlich um den Google News Service. Der ist den Zeitungsverlagen ((Wobei viele Verlage sowohl den Zeitungs-, als auch den Buchmarkt bedienen))  schon lang ein Dorn im Auge.

Der Google News Service aggregiert die Schlagzeilen und Meldungen der großen Onlinenewsportale, errechnet daraus was gerade wichtig ist und kann so die zentralen und wichtigsten Schlagzeilen übersichtlich darstellen.
Dieser Service war den jeweiligen Newsportalen schon lange ein Dorn im Auge. Obwohl die jeweiligen Meldungen immer nur kurz angerissen wurden und dann zum weiterlesen auf den jeweiligen Artikel verlinkt zu den Portalen wurde, hatten die Newsportale wohl Angst durch diesen Service ersetzt zu werden, oder zumindest massiv Werbeeinnahmen verlieren.

Nun muss man wissen, dass gerade die Topmeldungen vor allem auf Agenturmeldungen beruhen. Deshalb unterscheiden sich die Artikel auf den einzelnen Portalen auch nicht groß, was das aggregieren und zusammenstellen der Meldungen auf der Google Seite extrem vereinfachte.
Jetzt geht Google den nächsten konsequenten Schritt: Sie treten direkt an die Nachrichtenagenturen heran und verbinden sich mit diesen. Ab sofort verlinkt Google nicht mehr nur auf die externen Newsportalen, sondern bildet die Originalmeldungen der Agenturen direkt auf der Seite ab. Dazu haben sie einen Vertrag mit der european pressphoto agency (epa) geschlossen. Der Vorteil: Google hält die Benutzer auf seiner Seite und kann dort direkt seine Anzeigen schalten. Die Agenturen werden natürlich am Erlös beteiligt und fühlen sich endlich gewürdigt, denn dadurch würden die „Journalisten und Herausgeber, die für die Erstellung und Verbreitung von Nachrichten hart arbeiten, als ursprüngliche Nachrichtenquelle“ indetifiziert, so Google-News-Manager Josh Cohen.

Die Nachrichtenportale wie Spiegel Online oder faz.net gucken jetzt natürlich mächtig in die Röhre, denn war ihnen bisher der Service zwar schon nicht lieb, bzw. die Entlohnung dafür zu gering, so dürften die Besucherzahlen, die sie dadurch täglich von Google rübergeschoben bekamen dennoch beträchtlich gewesen sein. Diese drohen jetzt natürlich weg zu fallen.
Die Redaktionen der Portale sehen aber einen Großteil der Arbeit noch immer bei sich, denn schließlich sind sie es, die täglich aus den 1000 von Meldungen, die über die Ticker der Agenturen laufen das Wichtige rausfischen, hervorheben und aufarbeiten. Auf ihrem Urteil wird die Google News Seite wohl auch weiter aufgebaut werden nur das die Newsportale wie Spiegel Online, Wolt Online etc. nun noch weniger davon haben.

Google mit den eigenen Waffen schlagen

Kein Wunder fangen sie an zu wettern, so wie Hannes Hintermeier in der F.A.Z. von heute oder Christian Stöcker bei Spiegel Online. Sie versuchen den Suchmaschinengiganten mit ihren Waffen zu bekämpfen: Artikeln und Einfluss auf die öffentlich Meinung. Das macht wieder einmal deutlich, wie sehr die Zeitungsverlage noch immer in den alten Mustern denken und wie wenig sie im Netz angekommen sind. Denn viel einfach wäre es, Google mit den eigenen Waffen zu schlagen und dessen Suchalgorithmen zu nutzen um Besucher auf die Seite zu bekommen.

Links verwenden; denn die bestimmen, wie weit nach oben eine Seite im Google Ranking rutscht, ergo wieviele Besucher auf meine Seite kommen. Welt Online macht das schon ausversehen halbwegs erfolgreich. Handelsblatt.com und Bild.de haben immerhin angefangen, in dem sie mit dem Twingly Widget eine Art Trackback System eingeführt haben, wie es von Blogs bekannt ist. Doch den meisten sind Verlinkungen nach außen ein Graus, sie wollen den Besucher ja nicht zur Konkurrenz schicken, sondern in den eigenen vier Seiten gefangen halten. Sie verhalten sich also genauso, wie sie es Google nun vorwerfen.

Damit machen sie sich selbst zu einem „schwarzen Loch des Web“.

5 KOMMENTARE

  1. Man kann Google nicht mit den eigenen Waffen schlagen. Wen schlägt man damit in Wirklichkeit? Die Konkurrenz. Google verdient an allem mit und konzentriert sich auf diese Funktion. Den Ruf von Google zu schädigen, wird sehr schwierig werden, da der 0815-User sich a) nicht darüber informiert, b) seine Gewohnheiten nicht wegen ein paar Verlägen aufgeben wird.

  2. @pell: Schlagen tut man Google damit nicht, aber für die eigenen Zwecke benutzen.

    @Floyboy: Google wir hier AFAIK nicht vin IVQ oder AGOF gemessen, deswegen ist es glaube ich schwierig hier an konkrete Zahlen zu kommen.

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