Tag Archive | "Winnenden"

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Müsli machte Tim K. zum Mörder

Posted on 16 März 2009 by Darwin

Nach neusten Informationen der Polizei scheint das Motiv des Amokläufers in Winnenden klar: Vor der schrecklichen Tragödie verzehrte der 17-Jährige Azubi eine Schüssel Müsli. Das Aroma und der aggressive Tiger auf der Kellogs “Frosties” Packung sollen ihn zum Mörder gemacht haben. Netzfeuilleton.de hat sich den Vorwürfen angenommen und ist zu bahnbrechenden Ergebnissen gekommen.

Es waren kurze letzte Minuten in denen der 17-Jährige Tim K. über den Ausgang seines Tages entschied. Es hätte alles wie immer sein können, wenn er an diesem Vormittag nicht noch den Drang nach einer Schüssel Müsli gehabt hätte. “Ich gehe davon aus, dass diese Schüssel Müsli seine Aggressionen hervorgerufen hat”, erzählt uns Christian Pfeiffer nach der packenden Sonderausgabe von “hart aber fair”  im exklusiven Interview vor der öffentlichen Toilette der Rundfunkanstalt. Der allwissende SPD-Politiker hat zwei Tage lang intensive zehn Minuten über diese Theorie nachgedacht und kam zum Schluss: Der Tiger der Kellogs “Frosties” Packung habe ihn symbolisierend zum Mörder gemacht. Ein schnelles Verbot von Cornflakes soll jetzt folgen.


Tony: Ist er Schuld an der Tragödie?

Doch die Müslilobby will von all dem nichts wissen. In einschlägigen Foren wird bereits heftig debattiert. Wie so oft scheinen die Betroffenen aber nicht zu verstehen, dass sie Mitschuld an dieser Tragödie tragen. “Wie viele Menschen essen Müsli und wie viele davon laufen Amok?”, fragt der User “kackeamdampfen12″ in einer Forendiskussion. Aber stimmt das auch wirklich so? Wir haben den Ernährungsexperten und Mordfallkomissar Ottfried Fischer befragt. “Bei Inspektionen in unseren Fällen sehe ich oft als erstes in die Küche”, erzählte uns der wachsame Detektiv. “Und häufig finden wir dort auch eine Packung Müsli.” Soll das Zufall sein? Wollen wir diese drastische Wahrheit weiterhin einfach so Teil unserer Gesellschaft sein lassen und damit schreckliche Bluttaten wie die in Winnenden riskieren? Sieht so die Verantwortung aus?

Update: Wie unsere Redaktion so eben erfahren hat, soll Tim K. an diesem Vormittag auch noch einen Kakao zu sich genommen haben. Laut der Autopsie sind Restspuren in seinem Magen gefunden worden, bevor man die Leiche den Produktionsstätten von Pedigree überließ. Nach der neusten Rekonstruktion soll Tim K. nach dem Aufstehen zuerst ins Bad gegangen sein. Man vermutet, dass es dort zum Ausscheid von flüssigen, so wie festen Exkrementen gekommen sein soll. Einige Experten vermuten zu dem, dass er seine Hände gewaschen und in einem zwölfsekündigen Prozess mit einem Stoffhandtuch getrocknet habe. Dannach soll er die Küche aufgesucht haben, wie Polizeispürhunde feststellen konnten. Dort habe er den Holzstuhl zur Stütze seines Gesäßes verwendet – man geht davon aus, dass er darin jahrelang eine perverse Unterdrückung einer anderen Instanz ausübte, die ihn teilweise auch zum Entscheider über Leben und Tod werden ließen. Doch das eigentliche Motiv folgte, als der Auszubildende 238, 28 Gramm Müsli der Marke “Frosties” von Kellogs mit 189,91 Milliliter Milch verzehrte.

Unsere Anfragen beim Cornflakeshersteller blieben unbeantwortet. Wie oft muss unsere Gesellschaft noch zu sehen, wie Unternehmen unsere Kinder zu kaltblütigen Mördern machen, bevor eingeschritten wird? Es sollte Aufgabe der Politik sein, solche Produkte aus unserem täglichen Leben zu verbannen.

— Satire —

Wir wollen mit diesem Text auf keinen Fall die Opfer des Amoklaufes  oder ihre Angehörigen verhöhnen, noch die Grausamkeit der Tat herunterspielen. Viel mehr soll die aufgeregt und unreflektierte Berichterstattung der Medien und ihr zielloses herumirren auf der Suche nach Ursachen persifliert werden.
Ich sehe mich genötigt dem Text diese Erklärung anzufügen, da viele Satire per se nicht verstehen wollen und Trolle hinter jedem Baum lauern.

Einige Kommentare wurden auf Andrang der Verfasser entfernt. Auch Kommentare der Netzfeuilleton-Autoren sind davon betroffen.

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Twitter, das Katastrophenmedium

Posted on 12 März 2009 by Jannis Kucharz

Was heute passiert ist, ist schrecklich und macht uns allen zu schaffen.
Unsere Gedanken sind selbstverständlich bei den Angehörigen der Opfer und den Überlebenden.


Das Phänomen Twitter ist eng mit Katastrophen verknüpft. Das erste Mal tat sich Twitter als Kanal für globale Ereignisse während der Terroranschläge in Mumbai auf. Augenzeugen berichteten via Twitteraccount was sie vor Ort von den Anschlägen erlebten. Gesteigert hat sich die noch Aufmerksamkeit zum Flugzeugabtsurz auf dem Hudson River. Denn hier war tatsächich Twitter, der Ort an dem als erstes davon zu lesen war, beziehungsweise sogar ein Bild vom Geschehen über den microblogging Dienst veröffentlich wurde. Lange bevor die klassischen Medien vor Ort waren, geschweige denn Bildmaterial hatten.

Seither dominierte Twitter die amerikanischen Medien, zu jedem erdenklichen Thema werden die “Meinung” auf Twitter eingeholt und berichtet.

Nur Deutschland hinkte hinterher.

Heute wurde klar warum: Es fehlte noch die passende Katastrophe.
Als hätten alle Medien nur darauf gewartet stürzten sie sich auf Twitter und veröffentlichten ihre Live-Ticker auf Twitter und speisten die Kanäle. Plötzlich twitterten alle möglichen Zeitungen die zuvor noch nie auf Twitter gesehen wurden über die Ereignisse in Winnenden.

Doch Twitter spielte noch eine größere Rolle in der heutigen Berichterstattung. So pflegten die Medien nicht nur ihre neusten Schlagzeilen, Erkenntnisse oder Vermutungen ein, sondern machten Twitter auch zum Inhalt ihrer Nachrichten. Besonders N-TV versuchte über “Schalten” zu Twitter immer wieder die Stimmungslage in der Bevölkerung abzubilden. Und Focus versuchte eine Art “Backstage”-Berichterstattung. Mit mäßigem Erfolg.

Und noch eine dritte Funktion erfüllte Twitter: Die Suche nach Augenzeugen.

Die Userin @tontaube war die erste, die eine Kurznachricht absetzte über den noch laufenden Amoklauf in ihrer Gegend. Das war noch bevor ausführliche Meldungen über die Agenturen liefen. Prompt wurde sie von Medienanfragen überschwemmt, ob sie denn für Interviews zur Verfügung stand. Sie wehrte sich irgendwann mit dem inzwischen viel zitieren Tweet:

“Liebe Presse: ich weiss doch auch nichts von dem Verrückten… #winnenden #amok”.

Tontraube startete den Tag übrigens mit 44 Follower und steht nun bei 492.
(Update: In seinem Blog berichtet ihr Freund von dem medialen Tag)

Doch nicht nur Tontaube war beliebt, CNN richtete einen extra Account ein, über den sie jeden Anschrieb, dessen Tweets vermuten liesen, dass er sich auch nur im Dunstkreis des Anschlages bewegen könnte. Auch über CNN.com forderte der Nachrichtensender wie immer auf Photos, Videos etc. einzuschicken.

Und dann war da noch @JonasHaag

Dieser tauchte plötzlich auf mit der Behauptung:

“Täter evtl Bruder von meiner Ex-Freundin.”

Später war er sich dann sicher :

Täter Bruder meiner Ex-Freundin – wurde erschossen – 16 Tote #winnenden #amoklauf

Natürlich stürzten sich auch auf ihn die Medien.
Inzwischen ist der Account von ihm aber verschwunden und es wird doch stark vermutet, dass es ein Fake war.1

Was taugt Twitter in einer solchen Situation?

Twitter ist unglaublich schnell. So kam es, dass auch ich zuerst via Twitter von dem Amoklauf in Winnenden erfuhr. Und Twitter blieb schnell. teilweise viel zu schnell. Es wurden von allen Quellen ob vertrauenswürdig oder nicht Informationen herangetragen. Dadurch ergab sich, vor allem durch die allgemein unsichere Nachrichtenlage heute morgen ein extrem verwirrendes Chaos. Ständig schien die eine Meldung die andere zu dementieren oder es wurden lange dementierte Gerüchte wieder neu aufgegriffen. So zeigt nicht nur der Fall @JonasHaag, das Problem von Twitter in solchen Situationen: Nichts ist verifiziert. Man weiß als Rezipient nicht, was man glauben kann und hat auch keine Chance es zu überprüfen. Wobei die alten Medien heute auch nicht immer verlässlich waren und viele “Falschmeldungen” übernommen wurden. In die eine und andere Richtung.

Ausserdem muss ich sagen, dass ich trotz des ewigen Twitterstroms, der Einen nichts verpassen lies, schnell das Bedürfnis nach einer Fernsehberichterstattung hatte. Nicht um meine Sensationsgeilheit zu befriedigen, sondern eben genau aus der Annahme heraus, dort gesichertere Informationen zu bekommen. Dabei schwingt wahrscheinlich auch diese Illusion mit, sich über die Fernsehkameras selbst ein Bild der Lage machen zu können.

Leider war mir das nicht möglich, da in unserer Redaktion der Fernseher noch fehlt und besonders zu Beginn die Videostreams der Sender mehr als schwächelten. Außerdem war ich damit beauftragt für eine Agentur die Twitterflut zu scannen.

Und dabei kamen auch wieder die Vorteile von Twitter zum Vorschein: Twitter als unmittelbares Medium, das einen an den Reaktionen und Emotionen teilhaben lässt. Und gerade in solch emotionalen Momenten tut es gut, sich darüber auszutauschen und die Gefühle und Betroffenheit mit anderen zu teilen.

mehr…

bxeNg9pxKw

  1. Wer das noch genauer rausfinden will, kann auf der im Account angegebenen Homepage recherchieren. []

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