Schon wieder rechte Ecke Problem bei den Piraten [Update]

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Während sich die Hardcore Mitglieder bei StudiVZ wundern, dass sie bei dies sonntäglichen Wahlumfrage ausnahmsweise nicht die absolute Mehrheit errungen haben, werden die ferne Sympathisanten von einer ganz anderen Meldung verschreckt.

Vorallem von den Grünen und Mitgliedern der SPD wird gerade ein Link zu endstation-rechts.de gepusht, in dem bekannt gemacht wird, dass der Vize-Bundesvorsitzenden der Piratenpartei Andreas Popp der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ein Interview gegeben hat. Anlass für das Interview war, die drohende Zensur durch die Netzsperren Infrastruktur, von der sich auch die „Junge Freiheit“ bedroht sieht. Die „Junge Freiheit“ „versteht sich als unabhängiges, konservatives Medium. Einige Politikwissenschaftler ordnen sie als Sprachrohr der „Neuen Rechten“ mit einer „Scharnier-“ oder „Brückenkopf“-Funktion zwischen demokratischem Konservatismus und Rechtsextremismus ein.“, so die Wikipedia und könnte damit, bei einer Ausweitung auf rechtsextreme Inhalte durchaus in das Raster der Zensursula fallen.

Auf Twitter zeigen sich einige enttäuscht, dass die Piraten erneut in die rechte Falle tappen. So bezeichneten zum Beispiel fukurama und sixtus die junge Partei damit als unwählbar und warnen vor den „Geistern die man hier ruft“.

Erst im Juli gab es mit dem Mitglied Bodo Thiessen jemanden in den Reihen der Partei, der massiv den Holocaust anzweifelte und mit Aussagen glänzte wie „Hitler habe keinen Krieg gewollt“. Die Piraten leiteten darauf hin ein Parteiausschlussverfahren gegen Thiesen ein. Mehr zu diesem Vorfall hier.


Andreas Popp Vize-Bundesvorsitzender der Piraten Partei Deutschland.
Bild unter CC by Piratenpartei Deutschland

UPDATE: Wie ich gerade sehe hat Andreas Popp in seinem Blog bereits eine Stellungnahme zu dem Interview veröffentlicht.

Mir war die Zeitung überhaupt nicht bekannt, also dachte ich mir nichts dabei. Bei dem Interview bin ich schließlich aus allen Wolken gefallen und hab den Interviewer auch gefragt, was er denn eigentlich von mir wolle, weil er mir immer halb seltsame Voträge gehalten hat und ich mich auch schon so gefühlt habe, als wolle er mir hier irgendwas unterschieben.

UPDATE2: Heute hat sich auch der Vorsitzende der Piratenpartei Jens Seipenbusch ausführlich zu dem Interview und den Reaktionen darauf geäußert. Ein kleiner Ausschnitt:

Sicherlich: eine Zusammenarbeit mit rechten Parteien kommt nicht in Frage, auch für mich nicht, genau das hat Andreas Popp ja auch gesagt. Ist es aber die richtige Antwort, einer Zeitung nicht die eigene politische Meinung darzulegen? Einer Zeitung, die zugegebendermaßen die eigene Schmerzgrenze der Distanz zum rechten Rand bis zum äußersten belastet, bisweilen überschreitet, und die das natürlich absichtlich tut. Einer Zeitung, die aber auch diejenigen Menschen erreicht, die wir überzeugen wollen und müssen, damit die Wahlergebnisse der rechten Parteien nicht weiter steigen sondern endlich sinken. Ich denke bei der Bewertung dieses Interviews an die Leser der Jungen Freiheit , nicht an die Macher. Wenn wir diese Menschen nicht für würdig befinden, mit ihnen über Politik zu reden, dann geben wir sie verloren. Wenn wir sie zurückholen wollen ins demokratische Spektrum, dann müssen wir mit ihnen reden, ihnen klarmachen, warum die rechte Ideologie menschenfeindlich ist. Sie zu verachten, sich von ihnen zu distanzieren, mag den Linken dabei helfen, ihre eigene Identität zu definieren – in der angesprochenen Sache ist es eher schädlich.Sicher, um mit diesen Menschen zu reden, muss man nicht der Jungen Freiheit ein Interview geben, dies wird ja offenbar als eine Aufwertung der Zeitung gesehen, obwohl ich es bisher eher als eine Pflicht angesehen habe, dass man als Politiker der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen hat, unabhängig davon, ob man mit dem Fragenden irgendwie übereinstimmt. Darüber können wir streiten. Nicht aber darüber, dass Andreas Popp in seinem Interview klipp und klar Stellung bezogen hat gegen diejenigen, von denen wir uns angeblich zu wenig distanzieren.

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7 KOMMENTARE

  1. Und im Interview selbst steht, dass die Piraten auf keinen Fall mit rechten Parteien koalieren werden. Im Wahlkampf ist auch kein Faden zu seiden, um den gefühlten Gegner dran aufzuknüpfen.

  2. Sollte es nicht im Wesentlichen auf den Inhalt ankommen? Andreas Popp macht in dem Interview eindeutige Aussagen gegen Rechts. Zudem steht er in einer Reihe mit vielen prominenten Personen aus Politik und Kultur, die ebenfalls auf diese Zeitung „hereingefallen“ sind. Ich finde es sehr übel, auf eine solch hinterhältige Art Wahlkampf zu machen. Habt Ihr das nötig?

  3. Ich bin da auch etwas zwiespältig. Zwar ist diese Zeitung nicht gerade von der feinen Sorte, aber Popp lies sich nicht auf deren Niveau angraben.

  4. ich wage ja zu bezweifeln das der SheephunteR hier in irgend einer art und weise wahlkampf macht.. übrigens könnte man sich auch vorher informieren wem man da ein interview gibt.. ich weiss, vielbeschäftigter mann und so ..wobei ich persönlich auch den grossen skandal nicht sehen kann (oder will).. rechte kräfte bewusst auszuklammern und ihre existenz kleinzureden ist doch eher kontraproduktiv.. solange seine worte nicht manipuliert oder sonst wie der eigenen sache dienlich gemacht wurden halt ich es durchaus für legitim einer für jedermann käuflich erwerbbaren zeitung ein interview zu geben.. egal mit welcher politischen strömung deren redaktion schwimmt..

  5. @Landpirat Wir Ulysses richtig vermutet mach ich hier gar keinen Wahlkampf. Schon gar nicht gegen euch, oder hätte ich sonst einfach so euren Wahlwerbespot gepostet + lobendem Kommentar? Im Gegenteil ich sympathisiere durchaus mit den Piraten, allerdings müsst ihr lernen euch endlich an kritische Berichterstattung zu gewöhnen und dürft nicht verschiedene Massstäbe anlegen.

    Der Skandel? Na, mal dir einfach mal aus ein Mißfelder oder eine anderer CDU Politker hätter der JF ein Interview gewährt, wie groß wäre wohl dann die Häme in KLeinbloggersdorf gewesen? Eben, deswegen: Gleiche Massstäbe.

  6. Ich verstehe nicht, was die Hetze gegen die Piraten soll. Es war ein versehen, und mehr auch nicht. Warum einige die Piraten deswegen nicht gewählt haben, ist mir etwas spanisch…

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