Die neue Pandemie

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Neben den Impfstoffen hat die Schweinegrippe einen weiteren Gegner gefunden. Gibt man den medialen Ergüssen der letzten Tage recht, scheint eine neue Pandemie ausgebrochen zu sein, die sich sehr gefährlich ausbreitet. Hinter dem Schicksal Robert Enkes wird die Depression als neue Volkskrankheit entlarvt, über der die Berichterstattung trotz aller Sorgfältigkeit gnadenlos stolpert.

Die Zeit nennt es „die versteckte Krankheit“ und erläutert wissenschaftliche Hintergünde neben der Aufzählung allerlei bekannter Persönlichkeiten mit dieser Diagnose, die zum Teil im Suizid ihr Ende fanden. Beschmückt sind die Buchstaben mit großen Fotos von weiblichen Schönheiten, die lethargisch gen Kameraobjektiv blicken. Auch der Spiegel hat sich dem Thema angeschlossen und erklärt allerlei Parallelen zum Leben Robert Enkes. Der Konkurrent Focus klärt nun ebenfalls über das „Tabuthema“ auf und bildet den Nationaltorwart auf dem Cover ab. Der Stern will zusätzlich dabei helfen, „die stille Gefahr“ zu erkennen. Selbstmordstatistiken auf dunklem Hintergrund geben den Ton an.

Außerhalb der Medizin ist es nicht unumstritten die Depression als Krankheit zu verstehen. Zwar beruht sie auf der Basis der Biologie, besitzt aber nicht die Symptome einer typisch erkennbaren Krankheit. Viel mehr ist sie eine schwer definierbare Masse aus möglichen Merkmalen, die in verschiedenen Ausprägungen vorhanden ist. Von der phasenweisen tristen Laune bis zum tiefsten seelischen Schmerz lässt sie sich beschreiben, aber nicht pauschal erklären, wie es gerne verstanden wird. Es gibt Menschen, die an einer Depression leiden und sich davon befreien können, während andere ihr Leben lang mit diesem Begleiter zu recht kommen müssen.

Den Freitod daher schlicht mit der Depression zu begründen, ist zu einfach. Der Todeswunsch ist vielleicht nicht selten Teil der Folge der Ausmaße einer Depression, nicht aber der erklärte Kontrollverlust, der derzeit medial als fremder Wille oder Hirnerkrankung gezeichnet wird. Man stirbt an einer Depression nicht so wie man an Krebs endet. Die psychischen Schmerzen stehen auf einer anderen Ebene, auch wenn einige der möglichen Symptome durchaus auch körperliche Leiden hervorrufen können. Gerade die Nennung verschiedener Berühmtheiten zeigt im Durchschnitt, dass darunter vor allem solche fallen, die nicht für Gedankenlosigkeit bekannt sind und ihren Schritt sicherlich nicht unüberlegt beschlossen. Auch ist die Tatsache, dass mehr Frauen an Depressionen leiden, aber deutlich mehr Männer den Suizid wählen, ein Widerspruch des typischen Krankheitstodes der neu ernannten Pandemie.

Schließlich befällt eine Depression die Gedanken und auch wenn sie aus chemischen Prozessen besteht, ist eine Reduzierung darauf eine zu einseitige Erklärung. Ein depressiver Mensch versteht sich weitestgehend nicht als krank, sondern viel mehr als verloren, ausgebrannt, überfordert, vielleicht als sinnlos oder erschöpft vom Leben. Daher muss die Krankheit auch von der Gefühlswelt interpretiert werden, statt sie leichtfertig mit der Biologie zu erklären, weil sie so verkannt wird und dem Leidenden einen dürftigen Stempel aufdrückt. So wie die Verliebtheit eigentlich auch nur Chemie ist, besitzt sie einen ganz anderen Wert im Bewusstsein der Menschen. Mitnichten also ist die Depression nur eine Krankheit, sondern ein Teil eben des Bewusstseins des Betroffenen.

Foto: „Oh Tomorrow I’m Alone …„, Hamed Saber, cc


7 KOMMENTARE

  1. Sorry, aber sehr schwacher Artikel – was soll das einem sagen? Einseitige Berichterstattung indem man die Depression nur als Krankheit bezeichnet? Wahrscheinlich schon, und zu sagen, dass es ein Teil des Bewusstseins des Betroffenen ist stimmt wahrscheinlich vollkommen, aber was ist das Fazit daraus? Es ist doch gut, dass Depressionen überhaupt thematisiert werden – und wenn sie als Krankheit angesehen werden ist es weitaus besser als wenn man solche Probleme nur als Stimmungsschankungen oder ähnliches bezeichnet

  2. Ich finde es sehr wohl einseitig den Depressiven als Kranken zu bezeichnen und das dann da auch stehen zu lassen. Und dass das heilbar wäre, etc. als sei es Husten.

  3. naja aber wenn man bedenkt, dass depressionen z.B. auch manchmal in der Schwangerschaft kommen und dabei hormonell bedingt sind, dann ist es ja sozusagen eine krankheit – schließlich übt die frau dabei keinen einfluss auf ihre hormone oder sucht sich die depression aus.

    was ist eine depression also außer einer krankheit? natürlich wäre es falsch zu sagen, dass sie heilbar ist wie ein husten, aber meiner meinung nach ist es wichtig, dass eine depression überhaupt als krankheit wahrgenommen wird – und nicht nur als bloßes hirngespinnst oder sowas

  4. @acute Ich verstehe natürlich, dass du sagst, es ist überhaupt gut, dass sie thematisiert werden, allerdings finde ich, dass sie als Krankheit selbst zu leicht beleuchtet werden. Etwas das so sehr im Kopf statt findet, sollte auch anders erläutert werden. Aber ich glaube zu verstehen, was du sagen möchtest und hatte selbst eine Diskussion mit jemanden darüber geführt, bevor ich den Artikel schrieb.

  5. Interessant, dass du dazu schreibst Pell. Ich habe mich die verganenen Tage mit den Themen Panikstörung, Depression und Burnout beschäftigt, um anschließend eine Unterscheidung vorzunehmen.
    Die Depression ist meiner Meinung nach schon eine Krankheit, aber – und ich glaube, dass ist das worauf ihr hinaus möchtet – die Gesellschaft in der wir leben, tut sich schwer damit umzugehen. Hinzu kommt, dass sie erst sehr spät und oft auch nur durch Glück richtig diagnostiziert wird. Es ist in unserer Gesellschaft nicht gewünscht depressiv, schwach, langsam, gelähmt zu sein, besonders vor dem Hintergrund der ständigen Beschleunigung (und das seit der Industrialisierung). Von daher braucht es nicht zu wundern, das es Menschen gibt, die aus diesem System aussteigen, um sich in gewisser Hinsicht wieder selbst zu entschleunigen. Eine Depression ist häufig das Ergebnis einer langen Anpassungsphase, in der es die Betroffenen versäumt haben sich abzugrenzen. Auch das ist heute schwierig, denn hauptsache flexibel sein. Im Fall von Robert Enke lohnt es sich seine Situation genau zu betrachten. Dort kommen mehrere Faktoren aufeinander: Mediendruck, Angst vor dem Verlust der Tochter, Beleidungen im türkischen Verein, hinfallen, wieder aufstehen, kämpfen und doch nicht glücklich sein. Ich möchte hier nicht wertend sein, aber der Freitod ist – wie der Name sagt „frei“ – sozusagen die letzte Entscheidungsmacht jedes Individuums.
    Zur Heilung von Depressionen gibt es einerseits die bekannten Antidepressiva, wobei man aber nicht weiß wie genau ihre Wirkungsweise ist, Verhaltenstherapie, teilweise Schlafentzug und vor allem Sport. Meine persönliche Theorie ist dennoch, dass es ein Gesellschaftsproblem ist. Beim Burnout wird konstatiert, dass die Gegebenheiten am Arbeitsmarkt: Zeitdruck, hohe Verantwortung, Mangel an positivem Feedback, Hierarchieprobleme, schlechte Teamarbeit, geringer Handlungsspielraum für die eigenen Bedürfnisse usw. Ursachen für das „Ausgebrannt sein“ sind. Wenn man Depression und die Manie (das Gegenteil) vergleicht, kann man daraus auch die Zeitvariable dieser Krankheit ablesen und eine Lösung, um die Depression zu verhindern, ist beispielsweise die bewusste Melancholie, die Verlangsamung des Lebens, Kraft tanken sozusagen. Letztlich ist es gut die Krankheit zu thematisieren, allerdings ist mir die Berichterstattung in Spiegel, Zeit und Co auch zu einseitig.

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