Kostenpflichtige Facebook-Nachrichten: Aufregung statt Aufklärung

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„Facebook will Geld für Nachrichten verlangen“. Was für eine Schlagzeile, die muss man ja bringen. Tut man auch, zum Beispiel bei der Süddeutschen. Allein, die Schlagzeile ist zwar nicht ganz falsch, aber auch weit entfernt von richtig.

In der Tat experimentiert man bei größten sozialen Netzwerk der Welt mit Geldbeträgen für Nachrichten an nicht befreundete Personen. Erstes Beispiel war Mark Zuckerberg selbst: Wenn man direkt in den Posteingang des Facebook-Gründers wollte sollte das 100$ kosten. Und hier ist der entscheidende Unterschied: Es geht nur um Nachrichten an Nicht-Freunde, die direkt in den normalen Posteingang sollen. Schreiben kann man weiterhin allen kostenlos. Den Freunden sowieso, bei allen anderen landen Nachrichten im Ordner „Sonstiges“. Von der Existenz dieses Ordners wissen die Wenigsten und selbst die ihn kennen schauen maximal alle paar Monate mal hinein.  

So deutlich schreibt das die Süddeutsche nicht. Anstatt das Konzept der normalen und sonstigen Nachrichten von Freunden und Nicht-Freunden zu erklären, erwähnt sie in einem komplizierten Nebensatz:

Noch wichtiger könnte nur die Frage sein, warum Facebook-Nachrichten für manche Menschen überhaupt plötzlich Geld kosten, solange sie die Nachricht nicht an ihre Freunde richten, sondern an Menschen außerhalb ihres digitalen Freundeskreises, zum Beispiel an Personen des öffentlichen Lebens.

Das war’s, der Rest des Artikels dreht sich darum wieviel nun Nachrichten an welche Promis kosten sollen. Warum?

Heute in den Morgenlinks brachte ich noch als Witz getarnt den Spruch, dass sich in Deutschland der Versuch Viralität zu erreichen darauf beschränkt, Ansgar Heveling einen schlechten Kommentar schreiben zu lassen, um anschließend auf die aufgebrachte Menge zu setzen. Wie das mit Witzen aber so ist, werden sie oft schneller als man denkt von der Realität eingeholt. Denn natürlich ist klar, dass die Nachricht: „Facebook Nachrichten kosten Geld“ sich wie ein Lauffeuer unter den desorientierten Nutzern verbreiten muss. Schließlich ist das Gerücht so alt wie Soziale Netzwerke: Schon bei StudiVZ ging im Wochenrhythmus die Rundmail rum, man müsse jetzt diese Nachricht weiterleiten, sonst würde die Plattform Geld kosten und auch auf Facebook hält sich das Gerücht hartnäckig. Man muss also von Kalkül ausgehen, wenn die Süddeutsche in ihrem kurzen Bericht, das nicht eindeutig klarstellt. 2.700 Weiterempfehlungen auf Facebook können ja erstmal nicht irren. Ob das aber langfristig eine gute Strategie ist die eigenen Leser in die Irre zu führen, anstatt aufzuklären?

Wie es besser geht zeigt zum Beispiel das Fachblog allfacebook.de. Gleich im zweiten Absatz stellt man dort klar:

Bevor jemand in Panik verfällt: Natürlich bleiben Nachrichten auf Facebook kostenlos, natürlich bleibt auch Facebook kostenlos. Mit den Freunden kann jeder wie gewohnt kommunizieren denn hier bleibt alles beim Alten. Dieses Feature ist ein Test und betrifft nur die Kommunikation von normalen (privaten) Facebook Profilen mit Nicht-Freunden. Facebook Seiten sind davon ebenfalls nicht betroffen.

Das ist ein Grund, warum ich mich gerade bei Technikthemen immer mehr auf vertrauenswürdige Blogs verlasse, als auf die Onlineableger vermeintlicher Qualitätsmedien.

3 KOMMENTARE

  1. Schöner Artikel, vielen Dank für diese Aufklärung deinerseits! :)

    Eine Tendenz, in welche Richtung es hier gehen könnte, zeichnet sich allerdings dennoch ab. Natürlich macht Facebook hier keinen radikalen Einschnitt, sondern führt paid zeugs peu a peu ein. Und wenn’s an der Börse nicht so rund läuft, dann eben gerne auch mal da, wo es weh tut. Zumindest bei manchen Features durchaus vorstellbar.

  2. Ich glaube nicht, dass sich Facebook ernsthaft leisten kann auch für normale Funktionen, die jeder dauernd nutzt. Ich glaube nicht, dass Nutzer dafür bereit wären schließlich sind alle anderen Social Networks nur „einen Klick“ entfernt.

    Ich fänds ja spannend, wenn sie wenigstens denn Empfänger an den Einnahmen beteiligen würden, schließlich leben sie von seiner Prominenz.

  3. Tja, die Frage ist halt, was normal ist. Bei Xing beispielsweise kann man ja nicht einmal mehr kostenlos Leute nach gewissen Kriterien suchen – super unpraktisch. Bei Mitfahrgelegenheit.de geht alles über 100 km nur noch per Bezahlung über deren Plattform (was noch Gebühren kostet). In ein paar Jahren wird vermutlich einiges Geld kosten, was wir heute noch für selbstverständlich als kostenlos erachten. Bestes Beispiel sind die Nachrichtenseiten mit ihren Bezahlschranken. Und was Fb anbelangt: Google+ wäre eine Alternative – aber so wirklich nutzen tut das heute schon „keiner“ (wobei es langsam doch wieder wächst). Je länger die Leute in Fb sind, desto schwerer fällt ihnen ein Wechsel, dieses „Wieder von vorne anfangen müssen“ wie es bei App.net schon manchen Geeks geht.

    Ob die Empfänger an den Einnahmen beteiligt werden, ist tatsächlich eine spannende Frage. Ich würde es jedenfalls als Promi vermutlich ziemlich uncool finden, dass Fb an mir Geld verdient – und ich nichts von den Einnahmen sehe.

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