Indiskretion Ehrensache²

Thomas Knüwer veröffentlichte vor zwei Tagen in seinem Blog “Indiskretion Ehrensache” einen Eintrag zum Thema “Weil der Jouranlist sich ändern muss”.

Der Eintrag ist nicht besonders spektakulär, Herr Knüwer eiert darin rum, dass Journalisten sich mehr dem Netz zuwenden müssen. Wiederholt also eigentlich alt bekanntes ohne wirklich Ziele, Wege oder neue Ideen aufzuzeigen.

Der Meinung war wohl auch sein Handelsblatt Kollege Sönke Iwersen und er schrieb einen deutlichen Kommentar zu den Auführungen seines Kollegen. Er schrieb unter anderem:

“Bei aller kollegialer Zurückhaltung: mir ist kein Journalist bekannt,
bei dem Selbstdarstellung und Realität derart auseinanderklaffen wie
bei Dir. Vielleicht könntest Du die permanente Selbstbeweihräucherung
mal kurz unterbrechen und erklären, warum Deine fantastische
Verdrahtung über Xing, Facebook, Twitter und Co. so wenig
journalistischen Mehrwert bringt.”

Noch heftiger wird es allerdings, als er ihm vorwirft das Blatt nicht gerade “laufend mit Krachergeschichten” zu füllen und weiter:

“Ich verstehe nicht, warum Du ständig diejenigen Kollegen runtermachst, von deren Geschichten du selbst lebst. Eine große Zahl Deiner Blogeinträge basiert doch  auf Artikeln deiner Print-Kollegen,zu denen du dann einfach Deinen Senf dazugibst. Ohne die von anderen recherchierten Grundlagen hättest du da nichts zu schreiben.”

Das ist harter Toback. Inzwischen ist der Kommentar auch verschwunden, aber Alexander Becker hat den gesamten Kommentar in seinem MeediaBlog dokumentiert.

Damit macht der Handelblatt Blog seinem Namen endlich mal alle Ehre: Indiskretion Ehrensache

[via Alexander Becker Post]

UPDATE:

Follow up:

Sieht ganz so aus als würd Herr Knüwer Opfer seiner eigenen Internetfalle, den inzwischen macht das Thema in Zahlreichen Blogs die Runde, so auch bei “Heul nicht!” und Herrn Niggemeier, der das geschehn ebenfalls kommentiert und auch vor Selbstkritik nicht zurückschreckt.

UPUPDATE:

Jetzt kommen einigen Zitate direkt aus dem Blog von Herrn T Knüwer:

Thomas Knüwer:

Sorry, ich kann heute nicht so reagieren, wie ich gerne würde, da ich unterwegs und nicht ausreichend online bin.

Der Kommentar des Kollegen Iversen ist offline gegangen, da die Chance
hoch ist, dass er sich damit in arbeitsrechtliche Probleme gebracht
hätte. Der Eintrag verstieß eindeutig gegen die Vorgaben seines
Arbeitgebers im Umgang mit Blogs und Kommentaren.

Warum Herr Iwersen Animositäten gegen mich hegt, die er in der
Redaktion bisher nicht zum Ausdruck brachte, ist mir nicht klar. Dies
auszudiskutieren ist aber kein Thema für ein Blog.

Den Maßstab für die Qualität meiner Arbeit setzen meine Vorgesetzten,
nicht Herr Iwersen. Wenn die nicht zufrieden sind, sagen sie es mir.
Aber nicht als Kommentar im Blog.

Die Art und Weise des Vorgehens enttäuscht mich. Weil der Kollege nicht
den Mut hatte, mir seine Animositäten ins Gesicht zu sagen.

Aber noch etwas finde ich traurig. Hier lief zuvor eine wirklich
interessante und kontroverse Diskussion. Die wurde dadurch kaputt
gemacht.

Nun hat wiederrum Herr Sönke Iwersen einen zweiten Kommenatr verfasst:

Lieber Thomas,

wie Du weißt, gibt es in der Redaktion die Entscheidung, unsere
Diskussion intern zu führen. Ich verstehe das aber nicht so, dass Du
nun weiter ungestört Unsinn verbreiten kannst.

Also:
Ich habe diesen Kommentar geschrieben. Du hast ihn gelöscht. DANACH
hast du mich per Mail gefragt, ob er von mir kommt. Wenn das so wäre,
würdest Du ihn wieder online stellen. Ich habe Dir gesagt, er stamme
von mir.

DANACH ist Dir dann das Arbeitsrecht eingefallen, was immer das heißen sollte.

Nun bleibt der Kommentar gelöscht, weil in der Redaktion die
Entscheidung getroffen ist, die Diskussion in der Art nicht online zu
führen. Okay, damit habe ich kein Problem.

Was aber ebenfalls bleibt, ist die Tatsache, dass wir – Du und ich –
bereits in der Vergangenheit Diskussionen über dieses Thema geführt
haben und dies keineswegs an persönlichen Animositäten lag sondern an
Inhalten. Ich kam mir dabei auch nicht sonderlich mutlos vor.

An Deinen ständigen Beschimpfungen gegenüber Deinen Kollegen hat sich
jedoch nichts geändert – ebenso wenig wie manches andere. Aber das
können wir ja alles morgen klären. Ich jedenfalls halte mich an die
Redaktionslinie.

Ich gehe davon aus, dass dieser Beitrag arbeitsrechtlich unbedenklich ist und stehen bleibt.

Hier geht es direkt zu den Kommentaren bei “Indiskretion Ehrensache” in denen sich die Streiterei abspielt…

UP-SCHLUSS: Halten wir fest: Wir haben wieder mal ein weiteres Lehrstück zum Thema
Internetumgang bekommen, diesmal hat es keinen externen getroffen,
sondern einen der alpha-Blogger selbst. Den Rest ihres Streits sollten die beiden nun wirklich intern klären und nach dem letzten Kommentar von T. Knüwer ist die Diskussion auch schon einiges sachlicher:

Und noch etwas zum Thema: Was bringt es?

1. Bin ich durch alternative Nachrichtenfilter wie Twitter, Facebook,
etc. schneller, unkomplizierter und fokussierter informiert als früher.
Statt mich durch zig Zeitungen und Nachrichtenseiten zu kämmen, bekomme
ich die Informationen, die ich haben möchte, viel entspannter. Nicht in
allen Bereichen – aber in vielen.

2. Bekomme ich wesentlich mehr mit, was Gruppen von Menschen, die nicht
in meinem persönlichen Umfeld zu finden sind, mögen, gut finden,
lieben, hassen. Ich mag das Wort Bevölkerungsschichten nicht, aber mir
fällt auch gerade kein besseres ein. Also: Ich bekomme ein besseres
Gefühl für Trends in verschiedenen Bevölkerungsschichten.

3. Ich bekomme wesentlich schneller Innovationen und mit – und wie
Menschen darauf reagieren. Das gilt nicht nur für Internet und Technik,
sondern für den gesamten Bereich der verbraucherorientierten Produkte.

4. Ich bin ansprechbar. Bereits mehrfach erreichten mich unter der Hand
Informationen aus Bereichen, für die ich nicht zuständig bin. Die
reiche ich dann gerne an die Kollegen weiter. Warum kommen sie zu mir?
Weil ich erreichbar bin und irgendwie deutlich mache, was ich für guten
Journalismus halte.

5. Ich bin für Leser – also unsere Kunden – erreichbar. Und bekomme
ihre Kritik und ihr Lob ab, das außerhalb der Kommentare hier meistens
gar nicht mich betrifft. Auch das reiche ich gerne weiter.

6. Es sind zahlreiche neue Kontakte entstanden. Und ich bin der Meinung, ein Journalist kann nie genug Kontakte haben.

7. Meine Leser und Kommentatoren machen mich schlauer.

Und diese sachliche Ebene ist durchaus Interessant, sie kam bisher zu kurz in dem Tohuwabohu. Denn Herr Iwersen hat mit seinen Fragen durchaus einen Punkt getroffen: Was bringen Twitter, Facebok, Xing & Co. dem Journalismus? Liegt darin wirklich die Zukunft? Oder überhaupt eine?

Sehr schöne Gedanken dazu hat sich Malte Welding dazu gemacht!

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