Fight Club – Das Buch

Fight Club Buch

Was fällt dir zum Namen „Fight Club“ als erstes ein? Film. Brad Pitt. Edward Norton. Tyler Durden. Marla. Chuck Palahnuik. Und schon fragt die Hälfte „Wer?“ und die andere Hälfte sagt „Der Autor des Buches“ – „Das gab es als Buch?“

Und schon sind wir mittendrin im Vorwort eben dieses Buches. Denn wer kennt dieses Problem besser als der Autor selbst? Eben. Und so beginnt Chuck Palahnuik aufzulisten: Ja, es gab ein Buch dazu.

[quote_box_center]“Bevor es den Film gab…bevor Donnatella Versace Rasierklingen in Männerkleidung einnähte und das den Fight Club Look nannte…bevor Gucci-Models ohne Hemd und mit Veilchenaugen, blutig und bandagiert über den Laufsteg gingen…bevor junge Männer sich mit Lauge oder Sekundenkleber Kussmünder in die Hände ätzten…bevor junge Männer in aller Welt offizielle Anträge stellten, ihren Namen in ‚Tyler Durden‘ zu ändern…” – es geht seitenweise weiter.[/quote_box_center]

Und noch mehr erfahren wir über die Wurzeln des Fight Club – es war eigentlich nur eine Kurzgeschichte. Im Mittelpunkt eine Prügelei und eine Firma, die sich nicht um den Gesundheitszustand des Protagonisten schert. Am Ende nur eines von insgesamt 30 Kapiteln.

Zum Inhalt will ich gar keine großen Worte verlieren, wahrscheinlich kennt jeder den Film, große Unterschiede gibt es nicht. Der Stil ist extrem nahe am Film, von der ständigen direkten Ansprache „Du erwachst auf Sky Harbor International“ bis hin zur Readers Digest-Parodie „Ich bin Joes wütender Gallengang/ knirschende Zähne/ entzündete, geblähte Naselöcher/ etc.“ ist die erzählerische Umsetzung nahezu 1:1 gelungen.

Nur zu gern wird Tyler Durdens Monolog, im Buch aus dem Mund eines Mechanikers wiedergegeben, über die Situation der Menschheit zitiert:

[quote_box_center]„Ich sehe die stärksten und klügsten Menschen, die je gelebt haben, und diese Menschen zapfen Benzin oder servieren Essen. […] Die Werbung lässt diese Menschen nach Autos und Kleidern jagen, die sie nicht brauchen. Ganze Generationen haben bis heute in Jobs gearbeitet, die sie hassen, nur damit sie kaufen können, was sie gar nicht brauchen. Wir haben in unserer Generation keinen Krieg oder eine große Depression. Was wir aber haben, ist ein Krieg unseres Geistes. Wir haben eine große Revolution gegen die Kultur. […] Stellt euch vor, wir rufen einen Streik aus, und alle Leute verweigern die Arbeit, bis wir den Reichtum in der Welt neu aufgeteilt haben.”[/quote_box_center]

Besonders wären hier die Männer betroffen, da diese oft ohne Väter aufwuchsen und nun orientierungslos in der Welt herum irren. Palahnuik beschreibt eine Generation von Männern, die sich nach einer neuen Gesellschaft sehnen, nach neuen Regeln, einer neuen Verteilung der Spielkarten, einem Neubeginn. Zuerst umgesetzt im kleinen: Der Fight Club ist von der restlichen Gesellschaft abgeschirmt. Beruf, Aussehen, akademischer Grad und das Vermögen sind nichts wert. Nicht einmal der Sieg in einem Kampf lässt den Kämpfer an Wert gewinnen. Es regieren lediglich die Regeln des Fight Clubs.

Anschließend folgt die Umsetzung der Fight-Club-Philosophie auf eine höhere Ebene: Das Projekt Chaos bzw. Projekt Mayhem wird geboren. Eine Gruppe von Lemmingen hat unsagbaren Spaß daran, einfach die Regeln des Projekts zu verfolgen, und zwar mit einer so kritikresistenten Zielstrebigkeit und Hörigkeit, dass man meinen könnte, man hielte Morton Rhues „Die Welle“ in den Händen.“Regel Nummer Eins: Es werden keine Fragen gestellt.“

Palahnuik zeigt damit ein weiteres Problem auf: nicht nur die aktuelle Gesellschaft, in der die Männer ihre Perspektiven und Berufungen zu verloren zu haben scheinen, sondern auch die Befriedigung, die aus einem gesellschaftlichen Umschwung gezogen wird und so groß ist, dass seine Richtigkeit und Zielsetzung nicht mehr hinterfragt, sondern lediglich euphorisch akzeptiert wird.

Und so gipfelt das Buch schließlich in einem totalen Neubeginn. Unrealistisch? Ganz sicher nicht. Dass Palahnuik den Puls der Zeit traf, macht alleine das Vorwort mehr als deutlich. Eine unüberschaubare Masse an Menschen hat sich nach Fight Clubs gesehnt – ob dem Autor das bewusst war, ist nicht sicher. Ein Freund Palahnuiks äußerte demnach einst Bedenken, Menschen könnten eventuell Taten aus dem Buch nachahmen. Palahnuik entgegnete, er und sein Freund wären doch nur ahnungslose Nullen in der Provinz von Oregon und wüssten nicht, was für Millionen von Menschen vielleicht schon längst selbstverständlich wäre. Dass er damit Recht behalten würde, bestätigte ihm ein begeisterter Leser mit den Worten “Margaret Thatcher hat mein Sperma gegessen. Mindestens fünf mal…”

Und so ungern Künstler ihr Werk normalerweise erklären, umso dankbarer bin ich diesem hier für das Vorwort, das “Fight Club” in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

-Affiliate-

Bild: Teils CC BY-2.0 shutterhacks

Kommentar verfassen