Klagt nicht – kämpft!

Ein Kommentar zum Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan

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Nur 50 tote Taliban? Oder 125, grösstenteils unschuldige Afghanen die nur etwas Benzin klauen wollten? Nach der Bombardierung der Tanklaster auf Geheiss eines Bundeswehrgenerals brodelt die Stimmung an der Heimatfront wieder am Siedepunkt. Truppenabzug oder weiteres Engagement für die Stabilisierung der Region? Krieg oder Friedenseinsatz? Schnell ist in der zivilen Diskussion der Einsatz unserer Truppen am Hindukush auf diese simple Schwarz-Weiss-Malerei heruntergebrochen. Dabei präsentiert sich die Situation in Wahrheit in so vielen Stufen Grau wie es Stämme in diesem Vielvölkerstaat gibt. In seiner bewegten Geschichte war dieses Land oft Spielball fremder Mächte, sei es während der 3 anglo-afghanischen Kriege gegen britische und russische Kolonialinteressen oder im zehnjährigem Stellvertreterkrieg der beiden Supermächte des kalten Krieges. Letzterer legte schliesslich auch den Grundstein für den Bürgerkrieg, die Machtübernahme der Taliban und der Invasion Afghanistans durch amerikanische Truppen und Mudschaheddin der Nordallianz nach den Anschlägen des 11. September.

Und eigentlich steckt man an diesem Punkt schon mitten in der hitzigen Debatte rund um Kriegsgrund, Legitimation und Sinn oder Unsinn der ganzen Operation. Es wäre wohl naiv den Sturz des Talibanregimes als fordergründiges Ziel anzunehmen. Mir gefiel immer das Bild des schmerzlich getroffenen Riesen der wild um sich schlagend den nicht greifbaren Feind zu treffen versucht. Doch auch das wäre sicher zu kurz gegriffen, vielmehr darf man wohl eine Verquickung von politischen, wirtschaftlichen und, für das angekratzte Selbstverständniss, regenerativen Interessen als Grund für den Einmarsch annehmen. Als dann mit dem Petersberger Abkommen die ISAF mit der Sicherung des noch immer instabilen Friedens und der Demokratisierung beauftragt wurde, sah sich auch Deutschland in Bündnisstreue verpflichtet seinen Teil beizutragen. Doch recht schnell wurde offensichtlich, das die Bundeswehr für diese Art von Auftrag weder adäquat ausgerüstet noch ausgebildet war. Denn die ohnehin mit ihrem Engagement im Kososvo oder Bosnien schon an den Grenzen der eigenen Leistunsgfähigkeit operierende Truppe war auf einen Einsatz dieser Dimension nicht vorbereitet.

Was kann auch die Verteidigungsarmee einer kritischen Gesellschaft kampferprobten Extremisten, für die der Tod in ihrem heiligen Krieg ein Weg ins Paradies ist, schon entgegensetzen? Freiheitliche Werte? Demokratie? Das Wissen für die gute Sache zu kämpfen? Wo doch jeder eigene Verlust ebenso wie die Tötung feindlicher Kräfte stets Negativschlagzeilen in der Heimat zur Folge hat. Was soll aus Soldaten werden, die nach einer Zeit der Todesangst vor jedem Kind das auf sie zugelaufen kam, wieder nach Hause kommen und von der Freiheit, von der sie annahmen sie zu verteidigen, mit Vorwürfen konfrontiert werden? Was soll ein Verteidigungsminister tun, der stets und ständig beteuern muss das es keinen Krieg in Afghanistan gibt, weil er die unpopuläre Wahrheit scheut, das die Versicherungen der Soldaten bei kriegsbedingten Verletzungen oder Tod nicht zahlen?  Soll ein Kommandeur viele Tote und Verletzte in den eigenen Reihen riskieren, indem er lediglich in der Theorie mit dem Krieg vertraute Soldaten in ein Gefecht mit fanatischen Gotteskriegern schickt die schon seit Jahrzehnten kämpfen oder nimmt er eventuelle zivile Opfer in Kauf indem er einen Luftschlag anfordert?

Ja, in Afghanistan herrscht Krieg, und Krieg bedeutet Leid und Schmerz für alle Beteiligten. Doch gibt es wirklich eine Alternative? Darf man die Opfer der Besatzung mit den Opfern einer warscheinlichen Rückerlangung der Macht durch die Taliban gegeneinander aufwiegen? Kann man Pazifist sein und gleichzeitig zuschauen wie andere Völker gemordet und unterdrückt werden? Ist der sofortige Abzug überhaupt eine Lösung  jenseits der Befriedigung der populistischen Forderungen im Volk? Die mittlerweile wohl mehr als fragwürdig anzusehende Wahl zeigt einmal mehr das in Afghanistan sicher noch lange keine rechtsstsaatlichen Verhältnisse herrschen. Nur, kann denn eine Weiterführung des Einsatzes daran überhaupt etwas ändern? Ist der Auftrag angesichts immer noch anhaltender, ja teils zunehmender Anschläge und der Beherrschung ganzer Landstriche durch die Taliban nicht schon längst gescheitert? Oder muss nicht viel mehr der Auftrag ausgeweitet, „robuster gestaltet“ wie es im Politjargon heisst, um den Extremisten endlich den finalen Schlag zuzufügen? Muss nicht auch in Pakistan die Radikalisierung in den Madrasas, die stets neue Freiwillige in die Reihen der Taliban spülen, unterbunden werden? Muss nicht auch eine vernünftige Lösung für die durch die kolonialistischen Grenzziehungen in verschiedenen Ländern verteilten Stammesgebiete der Paschtunen geben? Nein, eine Lösung nur für Afghanistan gibt es nicht, eine Lösung nur mit militärischen Mitteln gibt es nicht, aber eine Lösung nur durch Nichteinmischung wird es sicher auch nichtgeben! Bleibt immer noch die Frage ob es uns überhaupt zusteht in ein fremdes Land zu gehen und den Menschen dort unsere Werte, so nobel sie auch sein mögen, aufzuzwingen? Nun, mein Herz sagt NEIN! doch mein Verstand sagt mir das wir die globalen Probleme, die die  Menschheit in ihrer Gesamtheit bedrohen, nur bewältigen können wenn alle Menschen zumindest grundlegend gleiche Werte haben und auch bereit sind dafür Opfer zu bringen. Viele Fragen, doch die Antworten muss wohl jeder für sich selbst finden.

(Die Überschrift ist übrigens ein inoffizieller Wahlspruch in der Bundeswehr und soll im Grunde nur Aufmerksamkeit erregen, darf aber im Rahmen dieses Kommentars durchaus auch melancholisch verstanden werden)

6 KOMMENTARE

  1. was herr todenhöfer über den aufbau einer starken afghanischen armee sagt mag richtig und vernünftig sein.. auch ist sicher nur eine minderheit der bevölkerung den taliban wohlgesonnen.. nur führt das nicht bei truppenabzug zu einem erneuten bürgerkrieg? ich will mir garnicht anmassen durch meine dürftige informationslage zu thema überhaupt eine fundierte meinung erlauben zu können. bloss..mir stellt sich immer die frage was bei verhandlungen mit den taliban denn bestenfalls herrauskommen könnte.. waffenstillstand?.. extremistenreservate? diese leute wollen eine form der regierung für dieses land mit der man im grunde nicht einverstanden sein kann..und ich wage zu bezweifeln das man sie auf irgent eine weise milder stimmen kann.. mag es frieden geben, mag es keine anschläge mehr geben ..das eigentliche problem, nämlich die aufhetzung einer ganzen generation im namen des islams wird bleiben auch nach truppenabzug und sich irgentwann wieder durch die schönfrisierte oberfläche fressen.. und diese sache mit deutschlands ansehen in der welt..nun ja..macht mal ne umfrage in deutschland(mit einem recht niedrigem analphabetentum und einem noch relativ hohem bildungsstandart) über afghanistan..und dann kann man sich denken was z.b. die afghanen bei einer analphabetenquote von um die 60% prozent überhaupt über irgent ein fremdes land wissen.. ja..diese bombardierung wird sicherlich propagandistisch ausgeschlachetet werden und vermutlich auch hierzulande einige wirrköpfe zur aktion treiben..aber ganz ehrlich: den afghanen nur wieder waffen und militärische ausbildung in die hand zu drücken und sich dann zu verpissen löst überhaupt nix..auch wenn die momentane situation sicher auch nicht viel mehr dazu beiträgt.. es ist wirklich verdammt deprimierend und ich hoff halt das ich wirklich keine ahnung habe und sich bei einer beendigung des einsatzes das land friedlich entwickeln wird..nur glauben kann ich das irgentwie nicht

  2. ja seltsam,ne..dabei wird nicht einmal irgendetwas mit bezug auf juden oder israel..ja nicht mal naher osten oder so erwähnt.. schon komisch..man könnte wohl auch ..mit böser absicht..vermuten das bei den worten taliban und anschläge gleich potenzielle kunden für one-way-tickets ins heilige land vermutet werden.. aber das steht wieder auf nem anderen blatt..da werd ich im nächsten BrummKreisel mal einen versuch zu starten ^^

  3. @BrummKreisel Ich denke, mit den Taliban zu sprechen ist oberstes Gebot. Bisher gab es keinen Dialog und ohne dem Feind zuzuhören, kann man ihn nicht verstehen. Aber ich gebe dir recht, so schnell wie möglich abzuziehen, bringt auch recht wenig.

  4. Das Petersberger Abkommen hatte den Begriff „War On Terror“ nicht beinhaltet. Damit ist die Frage ob Krieg oder Stabilisierungseinsatz geklärt. Wir bekämpfen dort nationale Aufständische keine internationalen Terroristen die sich bekanntlich in funktionierenden Städten wie z.B. Hamburg genauso @ease bewegen wie in der Wüste von Somalia. Es geht hier um Bündistreue innerhalb der NATO. Es geht NICHT um die Tabliban, das ist eine rag-tag-gang, nicht wert eine 60.000 Nato-Armee aufmaschieren zu lassen. Denen gestehe ich sogar noch zu ehrliche Absicht zu, einschliesslich den US/UK u.a.; aber ich erwarte eine Erklärung darüber ob es dem Aufbau des Landes dient, wenn ein „Pilot“ aus sicherer Entfernunng von der Wüste in Nevada aus, eine Drohne „fliegt“ und seine „Hellfires“ auch Zivilisten abschliesst um damit „die Taliban“ erst auf den Plan ruft. Ich habe einige Monate in Pakistan gelebt und mir die Koranschulen angesehen. Da gibt es übrigens auch Mädchen und junge Frauen. Aber fest steht diese Kids besuchen diese Schulen um überhaupt eine Schule besuchen zu können, denn die staatlichen Schulen kosten Geld was viele gar nicht haben. Und diese Ungerechtigkeiten gehören abgeschafft, dann klammern sich die Menschen auch nicht an religiösen Kram.

    @ sheephunter & BrummKreisel: Willkommen im Web3.0, auch bekannt seit den späten 1960zigern als das „semantische web“ mehr dazu:
    http://www.modusoperandi.com/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Semantisches_Web
    http://www.microsoft.com/industry/government/default.aspx
    http://lewisshepherd.com/news.html
    http://en.wikipedia.org/wiki/Defense_Intelligence_Agency
    http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Intelligence_Community

    Aber nun doch zu Deinem Post:

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