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Alles was wir bislang über die Apple News App wissen

Es war eine der wenigen Überraschung bei der diesjährigen WWDC: Apple hat mit der Apple News App sein eigenes personalisiertes Magazin vorgestellte. Damit steigt nach Facebook und Google nun auch der dritte Internetriese ins Nachrichtenangebot ein. Hier ist alles, was wir bisher über die Apple News App wissen.

  • Apple News ist Teil von iOS9 und wird damit auf allen iPhones und iPads mit dem neuen Betriebssystem vorinstalliert sein.

Deutschlandstart für Apple News steht noch nicht fest

  • Zum Start wird Apple News zunächst nur in den USA, Großbritannien und Australien verfügbar sein. Ein Deutschlandtermin steht noch nicht fest. Unklar ist auch woran der hängt, ob an mangelnden Partnern oder mangelhaften Gesetzen, wie dem Leistungsschutzrecht.
  • Momentan werden nur englischsprachige Inhalte eingestellt.
  • Als Nutzer kann ich mir ein personalisiertes Magazin zusammenstellen, in dem ich mir gezielt einzelne Publikationen oder entweder Interessensgebiete auswählen. Das erinnert natürlich an Apps, wie Flipboard, Zite oder Nuzzel, die ebenfalls aus persönlichen Interessen neuen Lesestoff liefern.
Alles über Apple News: Eigenes Magazin zusammenstellen
Die Apple News App erlaubt das Zusammenstellen eine personalisierten Magazins

Eigenes Format für Apple News und RSS-Unterstützung

  • Zum Start sind einige Partner in den USA dabei. Unter anderem die New York Times, Condè Nast und der Guardian. Als Partner kann man seine Artikel auch mit eigenem Layout und eigener Typographie versehen und um Bilderstrecken anreichern. Dazu launcht Apple ein eigenes Apple News Format. Das erinnert natürlich stark an Facebooks Instant Articles. Vor allem das Design des New York Times Artikel sah dem ersten Instant Article auf Facebook verdächtig ähnlich.
Alles Über Apple News App: Die bisherigen Partner
Bisherige Partner zum englischsprachigen Start der Apple News App
  • Allerdings lassen sich auch einfach RSS-Feeds in News hinterlegen. Das geht auch schon ab sofort über eine einfache iCloud Anmeldung. Somit kann auch jedes Blog oder andere Webseite seine Inhalte in News publizieren. Das erinnert wiederum an Googles “besseren” RSS-Reader Google Currents, der aber auch nur mäßig erfolgreich ist.
  • Apropos mäßig erfolgreich: News ersetzt damit den Newsstand auf iOS, also Apple Magazin und Zeitungskiosk. Die Apps darin sollen normale Apps werden. Newsstand hat nie wirklich Fuß gefasst. Was den Verlagen zuerst als großer Vorteil verkauft werden sollte, wurde zum Nachteil. Schließlich waren die Magazine in einem eigenen Ordner versteckt und die Features, wie automatisches Update, bekamen auch normale Apps.

Geld verdienen mit Apple News App

  • Wie lässt sich eigentlich in der Apple News App Geld für die Publikationen verdienen? In der Keynote wurde darüber kein Wort verloren, aber dem Developer FAQ kann man entnehmen, dass die Publisher eigene Werbebanner einbinden können und von denen jeweils 100% der Werbeerlöse behalten dürfen. Zusätzlich will Apple leere Werbeplätze mit iAds füllen und den Publishern davon 70% abgeben.
  • Von Paid Content ist allerdings keine Rede. Die New York Times will wohl 30 gratis Artikel am Tag zulassen (Auf der Webseite sind es zum Vergleich nur 10 pro Monat). Wie Magazinhersteller damit umgehen bleibt noch abzuwarten. Vielleicht wird eine solche Anbindung auch noch nachgeliefert.
  • Auch Sponsored Articles sollen in der Apple News App erlaubt sein, so lange sie als solche gekennzeichnet werden.

Warum sollten Publisher bei Apple News App mitmachen?

  • Apple verstärkt auch die Suche unter iOS9, in den Suchergebnissen tauchen auch Newsmeldungen auf. Ich nehmen an, dass die Links in den meisten Fällen auch in die Apple News App führen.
    Apple News App - Teil der iPhone Suche
  • iOS 9 soll außerdem die Möglichkeit mitbringen Werbeblocker für den mobilen Safari Browser zu installieren. iAds und die Apple News App sind von solchen AddOns natürlich ausgenommen. Wirkt fast ein bisschen wie Erpressung, um die Publisher in die Apple News App zu drängen, aber die ist in der AdBlocker-Branche ja Programm.

Privatsphäre als Nutzungsargument

  • Wird ein Link aus der App geteilt wird, öffnet sich bei iOS 9-Nutzern die News-App, bei allen anderen führt der Link auf die Webseite.
  • Apple hat außerdem große Betonung, wie bei allen vorgestellten Diensten, darauf gelegt, dass News möglichst privatsphärefreundlich ist. Was man liest, soll also nicht mit anderen Applediensten verbunden werden und den Publishern werden zwar Analytics an die Hand gegeben, aber keine individuellen Daten. Das war beim Newsstand lange die Diskussion: Da wollten die Verlage natürlich wissen, wer ihre Abonnenten sind und nach langem hin-und-her fügte Apple einen Dialog ein, der es Nutzern freiwillig erlaubte ihre Daten weiterzugeben. Das scheint hier nicht möglich.

Drei Gedanken zum Schluss:

  • Mit der Apple News App rückt der Absender weiter in den Hintergrund. Wenn ich durch mein personalisiertes Magazin wische, ist mir erst recht egal, von wem die Geschichte gerade kommt, sie scheint mich ja zu interessieren. Zwar gibt Apple den Publishern mit dem eigenen Format einige Werkzeuge an die Hand, um ein eigenes Branding zu erstellen, aber das beschränkt sich, nach allem was ich bislang sehe, auch auf die Schriftart und ein kleines Logo im Header. Die Entbündelung von Nachrichten geht also einen Schritt weiter.
Apple News App: Artikelansicht
Die Artikelansicht in der Apple News App
  • Der Vergleich zu Facebook Instant Articles fällt immer wieder auf. Für mich ist der entscheidende Unterschied: In der Facebook-App bin ich als Nutzer sowieso unterwegs und klicke auf Artikellinks. Für Apple News muss ich wieder gezielt eine eigene App ansteuern, öffnen und daraus eine Gewohnheit machen. Hier wird sich zeigen, ob die App tatsächlich ein Erfolg wird.

[pull_quote_center]Die Apple News App ist nur ein Weg auf dem Apple gestern ins Mediengeschäft eingestiegen ist[/pull_quote_center]

  • Und zum Abschluss noch ein Schlenker. Die Apple News App ist nur ein Weg auf dem Apple gestern ins Mediengeschäft eingestiegen ist. [Tweet this!] Mit „Beats 1“ hat Apple tatsächlich einen eigenen Radiosender gestartet. Apple ist nun also auch Broadcast-Company. Die große Betonung lag hier gestern auf der händischen Auswahl der Musiktitel. “Not just algorithms, but real people”, lautete das Mantra. Das die händische Auswahl und Zusammenstellung besser ist als die rein algorithmenbasierte, wie bei Spotify, Last.fm oder vielen Internetradios, versucht man sich in der Radiobranche schon seit Jahren untereinander zu versichern.

Wie sich die Medienbranche entwickelt, darüber schreibe ich auch regelmäßig in meinem Newsletter: [mc4wp_form]

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Netz & Politik

Das ist Merkels BND-Affäre

Seit bald zwei Jahren werden wir von unserer Bundesregierung vorgeführt. Manch einer mag behaupten, das geht schon wesentlich länger, aber lassen wir die Polemik einen kleinen Moment zur Seite.

Seit dem Beginn der Snowden Enthüllungen wird uns eine lückenlose Aufklärung versprochen, dessen was die Geheimdienste in unserem Land treiben. Seither wird uns vorgegaukelt, es kümmere irgendjemanden, was mit unseren Grundrechten und unserer Privatsphäre geschieht. Seit Beginn der Spionage-Affäre hat sich auch angedeutet, dass der BND darin sehr viel tiefer verwickelt ist, als gedacht.

Wir wurden an unzähligen Stellen belogen

Nun, da sich das ganze Ausmaß entfaltet, wird gleichzeitig offenbar an wie vielen Stellen wir auch im Anschluss belogen wurden. Als Angela Merkel versicherte, dass die Amerikaner sich auf deutschem Boden an deutsches Recht halten würden, war das schlicht falsch. Das geht aus dem Mail-Verkehr hervor, den die Süddeutsche veröffentlicht. Das No-Spy-Abkommen, das uns zur Beschwichtigung hingehalten wurde, wurde in dieser Form nie diskutiert oder versprochen. Als Berater zur Aufklärung in die USA flogen, ging es dabei vor allem darum, wie man die Wogen der Diskussion glätten könnte.

Die Bundesregierung behindert aktiv die Aufklärung des Geheimdienstskandals

Und auch nun im BND-Skandal verspricht man uns Aufklärung. Während die Kanzlerin also verlauten lies, dass Abhören unter Freunden gar nicht ginge, lauschte die eigene Unterabteilung des BND zusammen mit der NSA bei den Franzosen. Dazu verliest Steffen Seibert Mal für Mal sorgsam formulierte, nichtssagende Pressemitteilungen. Bei Fragen verweist das offizielle Sprachrohr der Kanzlerin darauf, dass man nichts weiter sagen könne. Alles Weitere soll im zahnlosen Parlamentarischen Kontrollgremium geklärt werden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Stets wird von Aufklärung gesprochen und noch im selben Satz auf die Geheimhaltung der betroffenen Dokumente verwiesen. Tatsächlich wurde bislang kein Schritt Richtung Aufklärung unternommen. Die Arbeit des NSA-Untersuchungsausschuss wurde sogar aktiv behindert, in dem man eine Einladung Edward Snowdens zu verhindern wusste.

Es sind schon Bundeskanzler wegen weniger Spionen zurückgetreten

Nun versucht man einen Geheimdienstkoordinator, Kanzleramtsminister oder Innenminister als Bauernopfer zu positionieren, um den Skandal abermals zu beschwichtigen. Das bringt uns aber nicht weiter. Schließlich weist die Verantwortung inzwischen viel höher. Es ist Merkels BND-Affäre. Aber zunächst brauchen wir tatsächlich endlich eine Aufklärung und viel wichtiger eine Änderung der Zustände: Das anlasslose Ausspionieren unseres Privatlebens muss aufhören.

Im Zuge dessen kann man sehen welche personellen Konsequenzen gezogen werden müssen. Aber, Polemik wieder an, es sind schon Bundeskanzler wegen weniger Spionen zurückgetreten. [Tweet this]

Bild: CC-BY-2.0 EPPofficial
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ieser Artikel erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

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Medien Netz &

Google-Geld, Facebook-Money, Content-War – ¯\_(ツ)_/¯ und Hypes auf der #rp15

Wer gewinnt den Krieg um Content und wie viele Journalisten wird uns das kosten? Dürfen Verlage Geld von Google nehmen? Und müssen wir alle unsere Inhalte auf Facebook stellen? Ist Periscope zu Recht der heiße Scheiss?

Spontaner re:publica-Vortrag zu Medienhypes

Jede Menge Hypes in der Medienbranche und kaum einer findet eine Antwort, da kommt schon wieder das nächste.  In der Tradition meiner ultraspontanen re:publica-Vorträge habe ich darüber mit Ole Reißmann und Hakan Tanriverdi auf der Mediaconvention-Bühne gesprochen.

Wir haben uns dabei eben gefragt und ein wenig diskutiert, wo man nun eigentlich alles mitmachen muss und wann wir uns eigentlich das letzte mal gefragt haben: Warum? Es herrscht ein Herdentrieb bei den Neuheiten: Wir müssen alle Snowfallen, Periscopen, auf Facebook-sein und WhatsApp-nachrichtne verschicken. Zu selten geht es dabei um einen Mehrwert sondern nur um einen Selbstzweck.

 Es gibt nur eine Antwort: ¯\_(ツ)_/¯

Was von all dem wichtig ist und bleibt kann wohl keiner sagen. Am wahrscheinlichsten gar nichts. Die Medienwelt wird sich weiter wandeln und dieser Wandel wird eventuell auch nicht mehr aufhören. Die Antwort darauf sollte vielleicht öfter mal ein Shruggie oder ein Schulterzucken sein. Sonst machen wir uns zum Sklaven der Hypes und der Plattformen dahinter.

Shruggie - Re:publica

Zwei Artikel, die ich im Vortrag erwähne:

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Dystopie: Wenn „Gehorche“ schon auf unseren T-Shirts steht

Es ist eigentlich schon ein Klischee, Kolumnen über Überwachung stets mit George Orwells „1984“ zu belegen. Aber so spart man es sich, einzelne wissenschaftliche Belege herauszukramen, die besagen, dass Menschen unter Überwachung eindeutig ihr Verhalten ändern. Stattdessen kann man mit dem Rückgriff auf die Fiktion gleich ein breites gesellschaftliches Szenario zeichnen, zu dem einzelne inkremententale Entwicklungen beitragen.

Abkürzung in den Totalitarismus

Gleichzeitig bieten sie fast schon eine Art Checkliste, um das eigene System mit der fiktiven, totalitären Dystopie abzugleichen.

Im Film „Sie leben“ von John Carpenter entdeckt der Protagonist durch eine spezielle Brille, dass die Gesellschaft mit unterschwelligen Botschaften, wie „Obey, Reproduce, Consume“ (Gehorchen, Reproduzieren, Konsumieren.) gesteuert wird. Heute gilt es tatsächlich als besonders schick mit Kappen und T-Shirts der Marke Obey herumzulaufen. Welche Marken die Botschaften Reproduce und Consume abdecken, kann sicher jeder selbst interpretieren.

Dreister Neusprech: Von Vorratsdatenspeicherung zur Höchstspeicherfrist

In „1984“ hat Orwell das Ministerium für Wahrheit erfunden, das mit dem „Neusprech“ neue Sprachregelungen findet, um die eigene Ideologie zu verkaufen. Es gibt wohl kaum ein passenderes Schlagwort für das was mit der Vorratsdatenspeicherung geschieht: Nach einer Kehrtwende seines eigenen Gewissens präsentiert Justizminister Heiko Maas uns einen neuen Entwurf für die Vorratsdatenspeicherung unter dem Titel „Höchstspeicherfrist“. Der deutsche Linguist Martin Haase hat 2008 bereits die Rolle des „Neusprech im Überwachungsstaat“ analysiert und wie solche Wortschöpfungen dazu dienen sollen Zustimmung für Gesetzesvorhaben zu formen.

Dennoch kommt es nie genau, wie in der Fiktion. Die meisten dieser Dystopien haben beispielweise das Internet, die damit einhergehende Vernetzung von Daten und neuen Kontrollmöglichkeiten, nie vorausgesehen. Statt des großen Bildschirms an der Wand, der uns überwacht, tragen wir ihn alle in Form eines Smartphones in der Hosentaschen überall mit uns herum.

Dystopie oder Realität? Überwachung als Normalität

Die fiktiven Dystopien haben noch ein Problem, wenn man sie nutzen möchte, um auf die Gefahren von Überwachung hinzuweisen: In den meisten Szenarien lebt der Großteil der Gesellschaft sehr friedlich und zufrieden mit der aktuellen Situation. Die Überwachung wird stillschweigend akzeptiert.

Das ist wiederum erstaunlich nah an der Realität: Denn auch heute wird sich vermutlich kein großer Widerstand dagegen regen, falls die Vorratsdatenspeicherung, unter diesem oder einem anderen Namen, demnächst alle unsere Kommunikationsdaten und Bewegungsabläufe in einem Ministerium speichert.

Dieser Text erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

 

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Medien Netz &

Snapchat wirbt Reporter von CNN ab

Snapchat hat sich den profilierten politischen Journalisten Peter Hamby von CNN gesichert. Hamby soll bei Snapchat die Rolle als „Head of News“ ausfüllen. Poiltico bezeichnet Hamby ohne Zweifel als „einen der besten Politischen Reporter von CNN.“ 

Viele Medienmenschen vergleichen die Einstellung Hambys mit dem Wechsel von Ben Smith als Chefredakteur zu Buzzfeed weg von Politico.

Snapchat mit Discover erfolgreich im Nachrichtengeschäft

Für Snapchat dürfte das einen weiteren Push Richtung Nachrichten bedeuten und ein weiterer Schritt in Richtung eines vollen sozialen Netzwerkes, das anderen Konkurrenz macht. Mit dem Discover Feature setzt Snapchat bereits verstärkt auf Nachrichten, hier ist auch CNN ein Partner. Kevin Rose zeigt sich nicht überrascht, das Snapchat hier ausbauen will, gemessen an dem Erfolg den sie bislang dort verzeichnen. Allein die CNN Geschichten werden eine Millionen mal am Tag über Snapchat abgerufen.

Ich habe aus der Meldung mal schnell eine Snapchat Story gemacht und diese wiederum für YouTube abgefilmt. Auf Snapchat findet man mich als netzfeuilleton. Ebenso wie auf YouTube.

snapchat-netzfeuilleton

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Live: Die letzte Bastion des Fernsehens unter Beschuss

Der Satz „Ich schaue ja schon lange kein Fernsehen mehr“ wird immer häufiger vorgetragen. Am Besten begleitet von „Wir haben nicht mal mehr einen Fernseher“ und etwas Überheblichkeit.

Schließlich ist es inzwischen ein Leichtes auf vorgefertigte Programmschemata und Unterhaltung aus der Röhre zu verzichten. Sein Bedürfnis an Flimmerbildern kann man auch auf jedem anderen Gerät befriedigen.

YouTube bekommt jede Minute 300 Stunden neue Videos hochgeladen. Die spannenden Serien kommen aus den USA oder von der BBC, werden hier höchstens zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang ausgestrahlt und man konsumiert sie sowieso besser über Netflix & Co am Stück. Und die Videos der Freunde über WhatsApp haben immer noch mehr Niveau als das, was RTL unter Comedy versteht.

Live: Die letzte Bastion des Fernsehens

Eigentlich gibt es nur eine Bastion, die das Fernsehen noch für sich beanspruchen kann: Live-Events. Ein Fußballspiel on Demand zu schauen macht einfach keinen Spaß, wenn man schon weiß wie es ausgeht. Die große Samstagsabendshow zieht ihre Unterhaltung, wenn schon nicht aus dem Inhalt, dann doch irgendwie aus der Tatsache, dass man live dabei ist.

Und so treiben Liveinhalte dann doch immer wieder auch überzeugte Abstinenzler vor einen Nachbarschaftsfernseher oder in eine Bar, die unter den horrenden Sky-Gebühren noch nicht dichtgemacht hat.

Doch auch diese Bastion ist unter Beschuss: Aktuell erobern neue Tools den Markt, die es jedem ermöglichen einen eigenen Videolivestream zu starten. Mit YouNow streamen Jugendliche live aus dem Kinderzimmer. Die AppStore Charts werden derzeit von Meerkat und Periscope gestürmt – Zwei Apps, die er jedem erlauben mit seinen Handy live an ein Publikum zu senden.

So weit ging nicht mal Berthold Brechts Radiotheorie, in der er von einem neuartigen, „denkbar großartigsten Kommunikationsapparat“ sprach, der es jedem ermöglichen würde zu senden. Das ist nun möglich, nicht nur per Ton sondern mit bewegten Bildern.

Das Nachrichtenstudio im Handy

Tatsächlich ist mit dem Smartphone zum ersten Mal das Empfangsgerät dasselbe wie die Produktionsgerät. Das wäre so, als käme ein neuer Fernseher gleich mit einem Nachrichtenstudio, wie es die heute-Sendung auf dem Lerchenberg benutzt.

Nun höre ich schon die ersten Einwände: Es gibt doch einen Qualitätsunterschied, zwischen Handy und Studiokamera. Und ein Teenie im Kinderzimmer kann doch keinen Claus Kleber samt Redaktion ersetzen.

Periscopes Angriff auf das Fernsehen


Dem entgegne ich, dass die Veränderung von Märkten meist genau so funktioniert. Die Disruptionstheorie von Clay Christensen geht davon aus, dass disruptive Innovationen meist am unteren Ende eines Marktes beginnen. Für die etablierten Anbieter sind sie zunächst überhaupt keine Gefahr, bis sie wachsen und teils die alten Anbieter verdrängen.

Wir erinnern uns: Auch YouTube fing mit Katzenvideos an, inzwischen produzieren immer mehr TV-Sender gezielt für diesen Kanal. Und tatsächlich setzte gestern auch der BVB auf Periscope, um die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp zu übertragen. Bis das erste Bundesliga-Spiel dort läuft, dauert es sicher noch.

Den Satz „Ich schaue ja schon lange kein Fernsehen mehr“ werden wir bis dahin immer häufiger hören.

Bild: Unter Verwendung von „Fernsehturm Schnaitsee“ CC-BY-NC 2.0 novofotoo
Dieser Text erschien zunächst in der Allgemeinen Zeitung

Mehr über diese und andere Entwicklungen erzähle ich regelmäßig im morgenlinks-Newsletter. [mc4wp_form]

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Facebook und die Schutzgelderpressung für Reichweite

Facebook ist das wohl wichtigste Medienunternehmen unserer Zeit. Es beschäftigt aber keinen einzigen Redakteur. Die Inhalte kommen eigentlich von uns. Wir erstellen Sie freiwillig. Videos, Fotos oder kurze Texte – das alles stellen wir auf Facebook bereit und teilen es mit einem möglicherweise öffentlichen Publikum. Sogar professionelle Medienunternehmen stellen ihre Inhalte kostenlos auf Facebook zur Verfügung, angelockt von einem potenziellen Milliarden-Publikum, das sie dort erreichen können. Auch andere Unternehmen versuchen über Facebook ihre Kunden anzusprechen. Die eigene Webseite surft schließlich kaum jemand an, auf Facebook hingegen tummelt sich die Mehrheit der Deutschen den ganzen Tag über.

Facebook: Milliarden-Publikum ohne eigene Inhalte

Facebook weiß um diese Marktmacht und schlägt längst Kapital daraus: Wenn ein Unternehmen all seine Facebook-Fans erreichen will, muss es dafür inzwischen Geld bezahlen. Schließlich kann nicht jedem jede Nachricht angezeigt werden. Facebook priorisiert dabei nach Interesse und Qualität.

Manch einem könnte auch ein Vergleich zur Schutzgelderpressung einfallen, nach dem Motto „Schöne Reichweite haben sie da, wäre doch schade, wenn der etwas passiert.“

Medienunternehmen bekommen inzwischen angeboten ihre Inhalte doch direkt bei Facebook hochzuladen. Videos, die man direkt bei Facebook einstellt, erreichen momentan ein viel größeres Publikum, als wenn man sie nur verlinkt. Ein Problem für viele Medien, die auf Facebook bislang vor allem Links geteilt haben, um die Besucher auf die eigene Seite zu locken und ihnen dort Werbung anzuzeigen oder ein Abo zu verkaufen.

[quote_center]„Schöne Reichweite haben sie da, wäre doch schade, wenn der etwas passiert.“ [/quote_center]

Facebook arbeitet also daran, immer mehr dessen, was wir im Netz tun, in die eigenen Produkte zu integrieren. Erst vor kurzem hat Mark Zuckerberg auf der Facebook-Entwicklerkonferenz angekündigt, dass nun auch der Kontakt nach Onlineeinkäufen direkt über ihren Chat laufen soll. Darüber kann man dann auch direkt das Geld senden.

Fast alles im Netz läuft mittlerweile über Facebook

Fast alles im Netz läuft mittlerweile über Facebook oder einen dazugehörigen Dienst. Die Konsequenz: Es gibt schon erste Nutzer, die gar nicht wissen, dass sie das Netz nutzen, wenn sie auf Facebook sind. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenseite Quartz. Die Situation erinnert an die Anfangstage des Internets, als sich mit CompuServe und AOL zwei große Player in Stellung brachten, die das Internet vor allem als eigenes, großes Portal präsentieren wollten. Gewonnen hat den Kampf am Ende das offene World Wide Web, wie wir es heute kennen. Zumindest noch.

Dieser Artikel erschien zunächst als Kolumne in der Allgemeinen Zeitung.
Am Mittwoch erscheint dort die nächste.

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So nervig: eMail in Real-Life

eMails halten irgendwie das ganze Arbeitsleben am Laufen. Ohne eMail liegt inzwischen wohl jeder Betrieb lahm, aber genau so werden wir inzwischen von dem ständig bimbelden Postfach genervt. Sie unterbrechen die sowieso schon kurzen konzentrierten Arbeitsphasen, drängeln oder bleiben liegen.

Und unzählige Fehler und Marotten haben sich eingeschlichen: Sinnlose Follow-Up-Mails, Massenmails mit mehr Empfängern als nötig, nicht enden wollende Unterhaltungen…

Und jeder von uns hat sicher schon einmal einen der peinlichen Fehler gemacht, wie eine Mail an den falschen Empfänger geschickt, den Anhang vergessen oder per „an alle antworten“ das ganze Unternehmen trivial informiert.

Email in Real Life

Tripp and Tyler haben in einem klug gesponserten Video mal überlegt, wie all das in der echten Welt aussähe. Die Mail-Kommunikation mit all ihren seltsamen Marotten, wie Smileys an Satzenden und afrikanischen Prinzen mit dubiosen Angeboten.

Die Jungs haben sowieso ein Händchen dafür die Niederungen des Büro-Alltags in unterhaltsame Video zu übersetzen. Sie haben das schon wundervoll an einem Conference Call in Real Life durchexerziert.

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Facebook Messenger: Einkaufen per Like-Button

Facebook hat auf der f8-Konferenz für seine Entwickler den eigenen Messenger ordentlich aufgebohrt. Ab sofort sollen sich nämlich auch andere Apps mit dem Facebook Messenger verbinden können. Genannte Beispiele sind dabei Giphy oder Dubsmash, die es damit möglich machen animierte GIFs oder neu vertonte Videos direkt an die eigenen Freunde zu verschicken oder sich selbst in ein Emoji reinschneiden.

Doch die Öffnung des Messengers für Entwickler unter dem Schlagwort „Messenger Plattform“ ist nur eine der Neuerungen. Die zweite nennt sich „Messenger Business“ und öffnet die Chat-App auch für Unternehmen. Bislang können Unternehmen nur sehr begrenzt Nachrichten an Nutzer schicken, erst wenn dieser die Unterhaltung beginnt. Nun sollen Unternehmen Kunden über die Facebook App mit Updates versorgen können.

Dabei richtet sich Facebook vor allem an den eCommerce: Nach dem Checkout aus einem Shop soll ich auswählen können, alle Details nicht wie bisher per eMail zu bekommen, sondern über den Facebook Messenger. Also Bestellbestätigung, Versandinformationen und Zustellstatus.

Facebook-Einkaufen

Facebook wirft aber auch das Bild des persönlichen Kontakts an die Wand: So soll ich über den Messenger auch beim Unternehmen nachfragen können, die Bestellung ändern und anpassen können – und das antwortet mir im Idealfall. Im Prinzip, soll sich alles über den Messenger erledigen, wofür ich im sonst dort Anrufen würde.

Sogar nachbestellen können soll ich dann über den Messenger und den Kauf bestätigen kann ich dann tatsächlich einfach mit einem Klick auf den großen Like-Daumen.

Facebook Einkaufen per Like

Facebook bringt es natürlich eine Menge interessanter Daten: Die direkte Verknüpfung mit dem was wir tatsächlich eingekauft haben und bei welchen Shops. Mit Sicherheit auch Informationen darüber, wieviel wir so ausgeben und für welche Produkte. Für welche Shops wir uns interessieren und mit welchen wir interagieren.

Diese Daten lassen sich natürlich wieder hervorragend an die Shops zurückverkaufen, vor allem in Form von neuen Werbeformen, die sich an Conversions orientieren. Wir erinnern uns an die Atlas Plattform, die zeigen soll, das die Werbung auf Facebook uns tatsächlich bis in den Laden führt.

Bild: CC BY-NC Vicente Alfonso

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Facebook F8 Live – Neue Features für Medien