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	<title>netzfeuilleton.de &#187; von der Layen</title>
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		<title>Wider die Zensur</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 18:23:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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</script> </p></div><p><strong>Warum es um Zensur geht</strong></p>
<p>Da reiben sich gerade so viele die H&#228;nde, da&#223; man eigendlich ein best&#228;ndiges Rauschen h&#246;ren m&#252;sste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuf&#252;hren war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalit&#228;t nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenm&#228;&#223;ig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie sch&#252;tzen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod f&#252;hren kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der &#252;brigens nat&#252;rlich nicht im Netz &#8220;erwischt&#8221; wurde, sondern &#252;ber Handykontakte und DVDs per Post).<br />
Aber ich schweife schon wieder &#8211; wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gew&#252;nscht ist &#8211; ab.<br />
Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja nat&#252;rlich nicht, da&#223; man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.<br />
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, da&#223; eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zensur_%28Informationskontrolle%29">Zensur</a> erm&#246;glicht wird. Auch wenn die zun&#228;chst gesperrten Websites tats&#228;chlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten m&#252;sste) w&#228;re sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Technik</strong><br />
Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, da&#223; Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen k&#246;nne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.<br />
Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erh&#228;lt die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, wei&#223; er nicht und nachpr&#252;fen darf er das auch nicht, da ja <a href="http://www.golem.de/9807/1212.html">schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar</a> ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, da&#223; er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.<br />
Die allein schon technisch verursachten Risiken f&#252;r jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie m&#252;ssen k&#252;nftig ihre Unschuld beweisen, z.B. da&#223; sie &#8220;versehentlich&#8221; die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spa&#223; beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erkl&#228;ren, wenn Sie &#252;berhaupt wissen, was das ist.<br />
Die L&#246;sung zun&#228;chst: Den <a href="http://www.foebud.org/aboutus/gegen-internetsperren-in-einer-freien-gesellschaft-foebud-richtet-anti-zensur-dns-server-ein">Nameserver umstellen</a>, um sich dieser Gefahr vollst&#228;ndig zu entziehen. Geht <a href="http://www.jensscholz.com/2009/03/internetsperre-umgehen-in-26-sekunden.htm">schnell</a> und kann jeder.<br />
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbem&#252;hungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort k&#246;nnen dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von <a href="http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/115/">Nerds</a> gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren k&#246;nnen.</p>
<p><a href="http://netzfeuilleton.de/wordpress2/wp-content/uploads/2009/04/censored.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1155" title="censored" src="http://netzfeuilleton.de/wordpress2/wp-content/uploads/2009/04/censored.jpg" alt="censored" width="493" height="300" /></a></p>
<p><strong>Verwaltung</strong><br />
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:<br />
1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Pr&#252;fungsinstanz erstellt und die die Provider m&#246;glichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter &#252;ber den Inhalt, es &#252;berpr&#252;ft keine unabh&#228;ngige Institution &#252;ber die Rechtm&#228;&#223;igkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen &#252;berhaupt wieder von der Liste gel&#246;scht werden k&#246;nnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher dar&#252;ber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.<br />
2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die &#214;ffentlichkeit ger&#228;t kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verd&#228;chtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.<br />
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, da&#223; das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz m&#246;chte, da&#223; auch &#8220;mittelbare&#8221; Seiten gesperrt werden k&#246;nnen, kann somit de facto auch <em>jede</em> Seite gesperrt werden.<br />
4. Das System soll die direkte <a href="http://www.heise.de/newsticker/Kinderporno-Sperren-Regierung-erwaegt-Echtzeitueberwachung-der-Stoppschild-Zugriffe--/meldung/136769">Verfolgung von Zugriffen</a> erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass f&#252;r verdeckte &#220;berwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorg&#228;nge sein.<br />
Die Staatsanw&#228;lte dieses Landes &#252;ben ja seit einiger Zeit kr&#228;ftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen &#252;ber eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu m&#246;glichst spektakul&#228;r und &#246;ffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/was-medien-berichten-duerfen-muessen/">Frau B.</a>).</p>
<p><strong>Psychologie</strong><br />
Womit wir schon beim gew&#252;nschten Effekt von Zensur sind: Die Einf&#252;hrung der Schere im Kopf. Die <a href="http://www.mela.de/archives/1002-Schere-im-Kopf.html">wirksame Selbstzensur</a>, weil man nicht wei&#223;, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik &#228;u&#223;ert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre v&#246;llige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewu&#223;t eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.<br />
Ein anderes ist die Verkn&#252;pfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels w&#228;ren. Man wei&#223; ja inzwischen, da&#223; auch nur der leiseste Ruch, man k&#246;nnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und P&#228;dophilen zu tun haben, die <a href="http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc%7EE213402745D034DD2985EC4BEB52EEB38%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">Existenz vernichten</a> kann, selbst wenn hinterher rauskommt, da&#223; tats&#228;chlich nichts an den Vorw&#252;rfen dran war. Wie <a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2008/11/20/aktion-himmel-keine-verurteilungen-aber-ein-erfolg/">nahezu generell nichts rauskommt</a>. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was nat&#252;rlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil <em>sein</em> Versuch, diese Schere im Kopf einzuf&#252;hren (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden <a href="http://www.nerdcore.de/wp/2009/04/22/dieter-gorny-wunscht-sperren-von-torrent-seiten-ich-bin-dann-mal-in-der-piratenpartei/">Trigger dranh&#228;ngt</a> (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).<br />
Die Justizministerin <a href="http://www.abendblatt.de/daten/2009/04/23/1132859.html">gibt dann noch Tipps</a> in die richtigen Richtungen, die nat&#252;rlich <a href="http://www.heise.de/ct/Medienrechtsforum-Forderungen-nach-Ausweitung-von-Internetsperren--/news/meldung/136764">prompt reagieren</a>. &#220;berhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, da&#223; Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war &#8211; so <a href="http://www.die-topnews.de/strafe-bei-versuchtem-zugriff-auf-kinderporno-seiten-gefordert-348331">sagt sie zumindest</a> &#8211; sie es, die den Gesetzentwurf gegen&#252;ber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen versch&#228;rfen lie&#223; und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.</p>
<p>Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft &#252;berhaupt dazu kommen kann, da&#223; ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu m&#252;ssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich z&#228;hle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bek&#228;mpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel &#8220;<a href="http://netzpolitik.org/2009/der-kampf-der-kulturen/">Kampf der Kulturen</a>&#8221; dr&#252;ben bei netzpolitik.org durchlesen.</p>
<p><span style="color: #888888;">Der Autor dieses Artikels ist<strong> Jens Scholz</strong>, der unter <a href="http://jensscholz.com">www.jensscholz.com</a> bloggt und dort auch diesen Text <a href="http://www.jensscholz.com/2009/04/warum-es-um-zensur-geht.htm">ver&#246;ffentlicht </a>hat, mit der ausdr&#252;cklichen Aufforderung ihn zu kopieren und zu verbreiten. Das habe ich hiermit getan und rufe auch euch dazu auf: Teilt diesen Atikel mit anderen!</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong><span style="color: #000000;">UPDATE: <span style="font-weight: normal;">Jetzt kann man sich auch aktiv gegen die Internetzensur engagieren, indem man <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860">diese Petition</a> unterzeichnet.  <a href="http://netzfeuilleton.de/2009/05/petition-gegen-netzzensur/">Mehr dazu hier&#8230;</a></span></span></strong></span></p>
 <p><a href="http://netzfeuilleton.de/?flattrss_redirect&amp;id=1153&amp;md5=965b4d56dee926c5eab8bebecd9fd1be" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://netzfeuilleton.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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