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	<title>netzfeuilleton.de &#187; selbstmord</title>
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		<title>Die neue Pandemie</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 10:09:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Pell</dc:creator>
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<p style="text-align: left;">Neben den Impfstoffen hat die Schweinegrippe einen weiteren Gegner gefunden. Gibt man den medialen Erg&#252;ssen der letzten Tage recht, scheint eine neue Pandemie ausgebrochen zu sein, die sich sehr gef&#228;hrlich ausbreitet. Hinter dem <a href="http://www.spreeblick.com/2009/11/11/zum-selbstmord-von-robert-enke/">Schicksal Robert Enkes</a> wird die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Depression">Depression</a> als neue Volkskrankheit entlarvt, &#252;ber der <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ueber-enke-und-werther/">die Berichterstattung</a> trotz aller Sorgf&#228;ltigkeit gnadenlos stolpert.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/2009/48/index">Die Zeit</a> nennt es „die versteckte Krankheit“ und erl&#228;utert wissenschaftliche Hinterg&#252;nde neben der Aufz&#228;hlung allerlei bekannter Pers&#246;nlichkeiten mit dieser Diagnose, die zum Teil im Suizid ihr Ende fanden. Beschm&#252;ckt sind die Buchstaben mit gro&#223;en Fotos von weiblichen Sch&#246;nheiten, die lethargisch gen Kameraobjektiv blicken. Auch <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/archiv/inhalt/inhalt.html?q=SP&amp;j=2009&amp;a=47">der Spiegel</a> hat sich dem Thema angeschlossen und erkl&#228;rt allerlei Parallelen zum Leben Robert Enkes. Der Konkurrent <a href="http://www.focus.de/magazin/archiv/jahrgang_2009/ausgabe_47/">Focus</a> kl&#228;rt nun ebenfalls &#252;ber das „Tabuthema“ auf und bildet den Nationaltorwart auf dem Cover ab. <a href="http://www.stern.de/magazin/heft/stern-nr-48-12112009-wie-robert-und-teresa-enke-das-glueck-des-lebens-suchten-1522779.html">Der Stern</a> will zus&#228;tzlich dabei helfen, „die stille Gefahr“ zu erkennen. Selbstmordstatistiken auf dunklem Hintergrund geben den Ton an.</p>
<p>Au&#223;erhalb der Medizin ist es nicht unumstritten die Depression als Krankheit zu verstehen. Zwar beruht sie auf der Basis der Biologie, besitzt aber nicht die Symptome einer typisch erkennbaren Krankheit. Viel mehr ist sie eine schwer definierbare Masse aus m&#246;glichen Merkmalen, die in verschiedenen Auspr&#228;gungen vorhanden ist. Von der phasenweisen tristen Laune bis zum tiefsten seelischen Schmerz l&#228;sst sie sich beschreiben, aber nicht pauschal erkl&#228;ren, wie es gerne verstanden wird. Es gibt Menschen, die an einer Depression leiden und sich davon befreien k&#246;nnen, w&#228;hrend andere ihr Leben lang mit diesem Begleiter zu recht kommen m&#252;ssen.</p>
<p><a href="http://www.spreeblick.com/2009/11/17/uber-cobain-und-werther/">Den Freitod</a> daher schlicht mit der Depression zu begr&#252;nden, ist zu einfach. Der Todeswunsch ist vielleicht nicht selten Teil der Folge der Ausma&#223;e einer Depression, nicht aber der erkl&#228;rte Kontrollverlust, der derzeit medial als fremder Wille oder Hirnerkrankung gezeichnet wird. Man stirbt an einer Depression nicht so wie man an Krebs endet. Die psychischen Schmerzen stehen auf einer anderen Ebene, auch wenn einige der m&#246;glichen Symptome durchaus auch k&#246;rperliche Leiden hervorrufen k&#246;nnen. Gerade die Nennung verschiedener Ber&#252;hmtheiten zeigt im Durchschnitt, dass darunter vor allem solche fallen, die nicht f&#252;r Gedankenlosigkeit bekannt sind und ihren Schritt sicherlich nicht un&#252;berlegt beschlossen. Auch ist die Tatsache, dass mehr Frauen an Depressionen leiden, aber deutlich mehr M&#228;nner den Suizid w&#228;hlen, ein Widerspruch des typischen Krankheitstodes der neu ernannten Pandemie.</p>
<p>Schlie&#223;lich bef&#228;llt eine Depression die Gedanken und auch wenn sie aus chemischen Prozessen besteht, ist eine Reduzierung darauf eine zu einseitige Erkl&#228;rung. Ein depressiver Mensch versteht sich weitestgehend nicht als krank, sondern viel mehr als verloren, ausgebrannt, &#252;berfordert, vielleicht als sinnlos oder ersch&#246;pft vom Leben. Daher muss die Krankheit auch von der Gef&#252;hlswelt interpretiert werden, statt sie leichtfertig mit der Biologie zu erkl&#228;ren, weil sie so verkannt wird und dem Leidenden einen <a href="http://bild.de">d&#252;rftigen Stempel</a> aufdr&#252;ckt. So wie die Verliebtheit eigentlich auch nur Chemie ist, besitzt sie einen ganz anderen Wert im Bewusstsein der Menschen. Mitnichten also ist die Depression nur eine  Krankheit, sondern ein Teil eben des Bewusstseins des Betroffenen.</p>
<p>Foto: &#8220;<a href="http://www.flickr.com/photos/hamed/524551091/">Oh Tomorrow I&#8217;m Alone &#8230;</a>&#8220;, <a href="http://www.flickr.com/photos/hamed/">Hamed Saber</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de">cc</a></p>
 <p><a href="http://netzfeuilleton.de/?flattrss_redirect&amp;id=1979&amp;md5=0d1fc76d5fd46ff8238602ef93801514" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://netzfeuilleton.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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