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	<title>netzfeuilleton.de &#187; Interview</title>
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		<title>&#8220;Wollen wir diese Worte auf ewig den Nazis &#252;berlassen?&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 16:30:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Pell</dc:creator>
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<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" src="http://netzfeuilleton.de/wordpress2/wp-content/uploads/2009/02/zeitjung.jpg" alt="" /></p>
<p>Kaum scheiterte <a href="http://zoomer.de">Zoomer</a> nach einem knappen Jahr, war ein neues Pendant geboren: <a href="http://zeitjung.de">Zeitjung</a> stellt den Faktor auf junge Redakteure f&#252;r junge Leser. Nach einigen positiven Berichten aus der Presse hagelte es allerdings Kritik. Der jungen Redaktion wurde unter anderem Antisemitismus vorgeworfen. Alexander Zacherl, Mitglied der Chefredaktion sprach &#252;ber die Vorw&#252;rfe, Ideen und Ziele des Nachrichtenportals.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Antisemitmus, damit hat man bei Zeitjung aber nicht gerechnet?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Damit haben wir wirklich nicht gerechnet. Unsere Redaktion ist so multi-kulturell, dass uns so ein Vorwurf nie in den Sinn gekommen w&#228;re. Vor allem unsere j&#252;dischen Redakteure fanden die Vorstellung sehr weit hergeholt.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Wie sahen denn die konkreten Vorw&#252;rfe aus?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: <em>Liebe Leute!!! Super Einstellung zur, dass nur Deutsch ist, wer auch in Deutschland hier geboren ist. Das ist ein NPD–Argument!!!  Das ist einfach eine Frechheit– zuerst sch&#252;rt ihr hier Fremdenhass und dann schreibt ihr unter das Bild am Strand &#8220;Doris in Geil&#8221; – Ihr seit einfach Faschisten!   die npd hat mal einen nationalmannschaftskader ohne owomoyela publiziert. denn: ein schwarzer kann ja wohl nicht so deutsschland spielen, so deren logik. das hier geht in die gleiche richtung. ob gewollt oder nicht.</em> (Anm. d. Interv.: Es werden Kommentare zu diesem <a href="http://www.zeitjung.de/ZEITZEUGE/artikel_detail,1732,Miss-Germany-2009-ist-nicht-mal-deutsch.html">Artikel</a> zitiert.)</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Daneben gab es allerdings noch Vorw&#252;rfe bez&#252;glich eines Artikels &#252;ber <a href="http://www.zeitjung.de/ZEITGEFUEHL/artikel_detail,1739.html">die Piusbr&#252;derschaft</a> und einen <a href="http://www.zeitjung.de/PROBEZEIT/artikel_detail,1602,Arbeit-macht-frei---oder-nicht.html">Text &#252;ber Arbeit</a> mit dem Titel &#8220;Arbeit macht frei &#8211; oder nicht?&#8221;. (Anm. d. Interv.: Der Artikel hat mittlerweile einen anderen Titel.)<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Ja, beides. Der Artikel zur Piusbruderschaft wurde als Angriff auf alles religi&#246;se gelesen &#8211; was eigentlich nicht seine Aussage war. Doch diese Fehlinterpretation lie&#223; schnell die Gem&#252;ter hochkochen, Religion ist eben bei vielen Menschen noch ein sehr sensibles Thema. Und wer sich angegriffen f&#252;hlt, schl&#228;gt schnell verbal zur&#252;ck.<br />
Der Artikel &#8220;Arbeit macht frei &#8211; oder nicht?&#8221; drehte sich um Workaholics, also Menschen die einfach zu viel arbeiten. Die Headline dazu passte rein w&#246;rtlich genommen perfekt. Aber nat&#252;rlich war sie mit dem nationalsozialistischen Hintergrund des Ausdrucks provokant. Das war der Autorin auch bekannt und gewollt. Denn unsere Generation sollte, mehr als 60 Jahre nach der Schlie&#223;ung von Auschwitz, mit solchen Formulierungen unverkrampfter umgehen k&#246;nnen. Das hat sie auch <a href="http://www.zeitjung.de/ZEITGESCHEHEN/artikel_detail,1748,Freitag-der-13te---Fluch-oder-Segen.html">hier</a> noch mal deutlich klargemacht.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Es wird aber ein bisschen abgewertet.<em> &#8220;Religion ist eben bei vielen Menschen noch ein sensibles Thema.&#8221;</em> Kann man die Reaktionen denn nicht insoweit nachvollziehen? Ich meine, es sind 60 Jahre her, aber es ist immer noch existent und das Menschen auf einen Titel wie &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_macht_frei">Arbeit macht frei</a>&#8221; so reagieren, ist ja verst&#228;ndlich?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Nat&#252;rlich ist das verst&#228;ndlich. Aber Religion und die Nazis sind Themen, &#252;ber die man reden kann und &#252;ber die man reden sollte. Wegen einer Headline wie &#8220;Arbeit macht frei &#8211; oder nicht?&#8221; oder &#8220;<a href="http://www.n24.de/news/newsitem_4429599.html">Jedem den Seinen</a>&#8221; gleich &#8220;NAZI!&#8221; zu rufen und sein Gegen&#252;ber dadurch in Verruf zu bringen, f&#246;dert keine Diskussion. Hier wird einfach versucht, jemanden, den man als &#8220;Gegner&#8221; sieht, mit den einfachsten Mitteln unm&#246;glich zu machen.</p>
<div id="attachment_761" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://zeitjung.de"><img class="size-medium wp-image-761" title="zeitjung.de" src="http://netzfeuilleton.de/wordpress2/wp-content/uploads/2009/02/zeitjung1-300x215.jpg" alt="zeitjung1" width="300" height="215" /></a><p class="wp-caption-text">Screenshot von zeitjung.de</p></div>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Nun ja, sicherlich ist es so, dass die Vergangenheit Deutschlands auch f&#252;r eine schwache Diskussion ausgenutzt wird. Aber man kann es den Betroffenen doch nicht ver&#252;beln, dass sie auf diese Art und Weise reagieren?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Das ist richtig. Sollen wir deshalb &#8220;Arbeit macht frei&#8221; f&#252;r immer aus unseren Wortschatz streichen? Wollen wir diese drei Worte auf ewig den Nazis &#252;berlassen? Nein. Unsere Generation, die 1940 noch nicht einmal in Planung war, hat jetzt die Chance, kritisch &#252;ber die Verbrechen der Nazis zu urteilen. Und das tun wir. Unsere Pflicht ist es, zu verhindern, dass jemals wieder ein Genozid wie w&#228;hrend des zweiten Weltkriegs stattfindet. Unsere Seite besteht allerdings aus mehr als nur aus Artikeln mit provokanten Headlines. Wir sprechen alle Themen an, die aktuell sind und uns auf dem Herzen liegen. Heute zum Beispiel war die Oskar-Verleihung ein Thema.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Nat&#252;rlich soll man ihn nicht verbannen, aber es geht nicht um Schuld in dem Sinne. Wenn eine solche Textzeile in einer Publikation aus dem Ausland zu lesen w&#228;re, w&#252;rde man ebenso mit dem Hitlerregime asoziieren. Die Frage ist, mit welcher Intention es geschrieben wird. Ihre Aussage: <em>&#8220;Das war der Autorin auch bekannt und gewollt.&#8221;</em> Die Autorin wusste es also, hat es also nicht w&#246;rtlich genommen, sondern doch schon aus dem Kontext, oder etwa nicht? Der Titel ist mittlerweile ge&#228;ndert. Aber es geht nicht nur um diesen Titel, sondern generell auch darum, dass die <a href="http://www.zeitjung.de/ZEITZEUGE/artikel_detail,1732,%20Miss-Germany-2009-ist-nicht-mal-deutsch.html">Miss Germany &#8220;nicht einmal Deutsch sei&#8221;</a> und dass die &#8220;religi&#246;sgepr&#228;gten&#8221; homophob, antifeministisch und antisemitisch seien. Nat&#252;rlich gehe ich nicht davon aus, dass die Redaktion in irgendeiner Form diese Werte vertritt, aber die sprachlichen Aussagen geben ein anderes Bild davon ab.  Auch der neue Artikel <a href="http://www.zeitjung.de/ZEITGEFUEHL/artikel_detail,1823,%20Tuerkische-Geschlechterkunde.html">&#252;ber t&#252;rkische Jungen</a> ist in dieser Form geschrieben: Er pauschalisiert ein ganzes Volk und die Familien und der letzte Satz war dann &#8220;<em>Und immer weiter merken die verzweifelten Eltern, dass T&#246;chter pflegeleichter sind als S&#246;hne. Viel zuverl&#228;ssiger, viel famili&#228;rer, viel mehr das, was sie sich gew&#252;nscht hatten.</em>&#8221; Da wird dieser Vorwurf, Frauen seien dort nicht gewollt, im Grunde mit &#228;hnlich dummen Argumenten gegen M&#228;nner gerichtet.<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Das ist ein Punkt, an dem wir gerade ansetzen. Jeder Autor versucht f&#252;r sich, seine Artikel so zu schreiben, dass sie nicht mehr so leicht missverstanden werden k&#246;nnen. Das ist nicht einfach. Aber wir sind auch noch in der Aufbauphase unserer Seite (und unserer Redaktion). Kommentare sind da ein gutes Mittel, um die Redaktion solche Doppeldeutigkeiten aufmerksam zu machen.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Kommen wir zu der Redaktion. Wie ist die denn aufgebaut? Sind das Festanstellungen, Praktika..?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Wird das Portal nebenbei betreut?  Einige von uns Zeitj&#252;ngern, zur Zeit sind es f&#252;nf, sind fest angestellt und t&#228;glich in der Redaktion. Der Gro&#223;teil der Autoren arbeitet allerdings freiberuflich f&#252;r uns und schreibt aus der Uni, der Schule und von Zuhause. Alle haben neben <a href="http://www.medien-mittweida.de/aktuelles/artikel/2584.html">ZEITjUNG</a> auch noch andere Verpflichtungen wie ihre Ausbildung oder Jobs.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de:</strong> Mit Entlohnung? Was sind die Voraussetzungen f&#252;r neue Redakteure (freiberufliche, so wie festangestellte)?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl:</strong></em> Ja, mit Entlohnung. Neue Redakteure m&#252;ssen interessant schreiben k&#246;nnen (oft sind es Blogger), ein Gef&#252;hl f&#252;r spannende und aktuelle Themen haben und unserer Zielgruppe m&#246;glichst nahe sein.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Wie beschreibt man zeitjung in einem Satz?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Zeitjung ist anders, aktiv, artgerecht, aktuell.<br />
<strong>netzfeuilleton.de</strong>: Artgerecht? Wie soll man das verstehen? Was ist &#8220;anders&#8221; und ist &#8220;anders&#8221; immer gut?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Anders und artgerecht bedeuten, dass wir versuchen Themen zu w&#228;hlen, die uns und unsere Leser interessieren. Und &#252;ber diese Themen wollen wir verst&#228;ndlich schreiben. Also nicht ganz so verklausuliert, wie Politiker oder gro&#223;e Tageszeitungen das manchmal gerne machen. Wir haben es uns nicht zum Ziel gesetzt, die S&#252;ddeutsche Zeitung oder die FAZ sklavisch zu kopieren. Anders ist also in diesem Fall gut und wichtig.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Die Nachrichten sind ja sehr subjektiv, ist das ganz genau so gewollt?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Nicht alle. Die News in unserer TAGSCHAU sind zum Beispiel meist sehr faktenorientiert und objektiv geschrieben. Aber bei vielen anderen Artikeln kann und soll auch die Meinung des Autors nicht zu kurz kommen. Das ist einer der Punkte, der unseren Lesern sehr wichtig ist.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Zoomer ist gescheitert. Wieso wird Zeitjung bestehen?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Weil Zeitjung authentisch ist. Wir sind Teil unserer Leserschaft und schreiben nicht f&#252;r Menschen, in die wir uns nicht hineindenken k&#246;nnen. Hinter Zeitjung steht kein gro&#223;er Konzern, der bei den ersten Anzeichen einer Wirtschaftskrise seine zukunftstr&#228;chtigsten Projekte streicht, um sich auf seine &#8220;Kernkompetenzen&#8221; zu konzentrieren. Denn unsere Kernkompetenz _ist_ Zeitjung.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de:</strong> Wie plant zeitjung denn die Finanzierung? Bisher habe ich weder Anzeigen noch &#228;hnliches gesehen.<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Zeitjung wird sich durch Content-Syndication, Werbung und Sponsoring finanzieren. Derzeit finden Gespr&#228;che mit Finanzdienstleistern und Verlagen statt, die bereits in die zweite Runde gehen.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Wie sieht zeitjung in sechs Monaten aus, wie in einem Jahr?<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Zeitjung wird in sechs Monaten mehr als nur Texte bieten. Videos, Podcasts, Comics &#8211; wir denken da in viele Richtungen. In einem Jahr wird Zeitjung noch viel offener f&#252;r unsere Leser sein und um die rein redaktionelle Basis eine News-Community aufgebaut haben, in der noch mehr diskutiert und bewertet wird als heute.</p>
<p><strong>netzfeuilleton.de</strong>: Klingt sehr vielversprechend. Dann bedanke ich mich f&#252;r das Interview.<br />
<em><strong>Alexander Zacherl</strong></em>: Bittesehr. Danke f&#252;r das spannende Interview. =D</p>
<p><em>Das Interview wurde von Pell via Messenger gef&#252;hrt.</em></p>
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