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	<title>netzfeuilleton.de &#187; Inglourious Basterds</title>
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	<description>Medien, Meinung, Kultur</description>
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		<title>Inglourious Basterds &#8211; Tarantinos Meisterst&#252;ck</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 06:57:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jannis Kucharz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Flimmern & Sehen]]></category>
		<category><![CDATA[Großes Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Inglourious Basterds]]></category>
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		<description><![CDATA[Gestern habe ich ihn euch noch beim Blogday vorgestellt und nun freue ich mich euch schon heute einen Gastbeitrag von Chris H. von Kino, TV &#38; Co pr&#228;sentieren zu d&#252;rfen. Er nimmt Tarantinos neuestes Machwerk unter die Lupe: Bild: &#8220;Inglourious Basterds&#8221;. © 2009 Universal Pictures Quentin Tarantinos Kino war stets ein &#8211; zum Teil selbstreferentielles [...]]]></description>
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</script> </p></div><p>Gestern habe ich ihn euch noch beim <a href="http://netzfeuilleton.de/2009/08/blogday-2009-der-chef-empfiehlt/">Blogday </a>vorgestellt und nun freue ich mich euch schon heute einen Gastbeitrag von <a href="http://twitter.com/Chr_H">Chris H.</a> von <a href="http://kino-tv-und-co.blogspot.com/">Kino, TV &amp; Co </a>pr&#228;sentieren zu d&#252;rfen. Er nimmt Tarantinos neuestes Machwerk unter die Lupe:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; text-align: center;"><img class="aligncenter" src="http://netzfeuilleton.de/wordpress2/wp-content/uploads/2009/09/inglourious.jpg" alt="Inglourious Basterds" width="500/" /><span style="color: #888888;"><span style="font-size: 85%;"><br />
Bild:</span><span style="font-size: 85%;"> &#8220;Inglourious Basterds&#8221;. © 2009 Universal Pictures</span></span></p>
<div>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Quentin Tarantinos Kino war stets ein &#8211; zum Teil selbstreferentielles &#8211; Kino der Zitate. In <em>„Reservoir Dogs“</em> variierte er den klassischen Heist und bediente sich schon in seinem ersten Film flei&#223;ig im Bauchladen der Filmgeschichte, bevor er 1994 mit <em>„Pulp Fiction“</em> seine viel gefeierte Schunderz&#228;hlung ablieferte. Drei Jahre sp&#228;ter setzte er in <em><span style="text-decoration: none;">„Jackie Brown“</span></em> Pam Grier, dem Blaxploitation-Star der Siebziger Jahre, ein liebevolles filmisches Denkmal. In seinem vierten und f&#252;nftem Film (<em>„Kill Bill“ Vol.1 &amp; Vol.2</em>) lie&#223; er schlie&#223;lich seine rachs&#252;chtige Braut sich erst durch das Eastern- und dann durch das Western-Genre morden, bis er mit <em>„Death Proof“ </em><span style="font-style: normal;">dem Grindhouse nicht nur ein Denkmal setzte, sondern das Genre noch dazu ab der Mitte des Films ironisch verkehrte und J&#228;ger und Gejagten die Rolle tauschen lie&#223;. Nun also </span><em>„Inglourious Basterds“</em><span style="font-style: normal;"> und das Kino von Quentin Tarantino ist nach wie vor ein Zitatkino. Nichts scheint sich also auf dem ersten Blick innerhalb des Filmkosmos von Tarantino ge&#228;ndert haben, auf dem zweiten Blick zeigt sich aber das es Tarantino tats&#228;chlich zum ersten Mal in seiner Karriere gelungen ist, sein feines N&#228;schen f&#252;r Figuren und Pop(Zitate) in einen Film kulminieren zu lassen, der die Grenzen der bisherigen tarantinoesquen Kinowelt zu </span><em><span style="font-style: normal;">transzendieren </span></em><span style="font-style: normal;">vermag. Mit anderen Worten: Mit </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">re&#252;ssiert der ehemalige Angestellte einer Videothek – gewollt oder nicht gewollt – in der Angelegenheit einem ganzem Genre gepflegt gegen den Karren zu fahren, sowie deren Neurosen und scheinbar in Stein gemei&#223;elten Gesetzm&#228;&#223;igkeiten zu desavouieren &#8211; Und er tut gut daran!</span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">„<em>Once upon a time in nazi-occupied France“ &#8211; </em><span style="font-style: normal;">Ja </span><em>„es war einmal“</em><span style="font-style: normal;"> und Tarantino hat im Gespr&#228;ch mit dem <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=%22Meine+eigene+Welt%22&amp;id=66284737&amp;top=SPIEGEL&amp;suchbegriff=tarantino+interview&amp;quellen=+SP,ALME,+MEDIA&amp;qcrubrik=artikel">SPIEGEL</a> auch zu Protokoll gegeben, dass er kein Problem damit hat, wenn sein neuer Film als eben diese m&#228;rchenhafte und kontrafaktische Fiktion, die der Historie diametral gegen&#252;bersteht, aufgefasst und interpretiert wird. Und so ist die Geschichte die er in </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">erz&#228;hlen m&#246;chte, eine Wunschphantasie die ebenso naiv wie verst&#228;ndlich ist: Die Kraft der Imagination – in diesem Fall das Kino – siegt &#252;ber das B&#246;se, siegt dort wo die Realit&#228;t versagt hat. Und es stimmt schon: Wenn Tarantino am Ende von </span><em>„Inglourious Basterds“</em><span style="font-style: normal;"> das Kino, also quasi sein Heiligtum, sein ganz pers&#246;nlicher Tempel, in Flammen aufgehen l&#228;sst und der versammelten Nazi-Entourage um Hitler, Goebbels und G&#246;ring die Lichter ausbl&#228;st, dann ist das nicht nur ein gewaltiges Opfer eines an seine Existenz glaubendes M&#228;rchens, sondern auch das dezidierte Verlangen eines sich durch sich selbst befreiendes Kinos, das die Aufforderung zur Unterhaltung, die Spa&#223; machen und nicht belehren soll, in sich tr&#228;gt. In dem kleinen franz&#246;sischen Kino brennen n&#228;mlich nicht zuvorderst der historische Hitler oder der historische Goebbels, gehen nicht die historischen Embleme, Standarten und Symbole des nationalsozialistischen Terrorregimes in Flammen auf, sondern das oftmals verzerrte Bild des Dritten Reichs, das die Filmgeschichte in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht und kultiviert hat. </span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">„<em>Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">ist dabei nicht automatisch „ehrlicher“ oder weniger „zynisch“ was die Darstellung des Dritten Reichs im Kino angeht, denn derlei Attribute implizieren einen tadelnden Zeigefinger, um den es Tarantino in seinem Film nicht geht und auch nicht gehen kann. Kollektive und damit gesellschaftliche Erinnerung ist ein kompliziertes Konstrukt des Gewollten und des (Un)M&#246;glichen. Ein Netz dessen Erweiterung nur in Folge oftmals schmerzhafter Prozesse der kollektiven Selbstfindung geschehen kann und somit auch stets Standortgebunden ist. Quentin Tarantino kann nicht zuletzt auf Grund seiner an die Macht des Kinos glaubende Naivit&#228;t dieses Netz dehnen und zerrei&#223;en. Wenn er im Interview erz&#228;hlt, dass er </span><em>„Leni Riefenstahl f&#252;r die beste Regisseurin h&#228;lt, die jemals lebte“</em><span style="font-style: normal;">, dann kommt ihm dieser Satz ohne das obligatorische </span><em>„aber“</em><span style="font-style: normal;"> &#252;ber die Lippen, das zum Beispiel in Deutschland wohl zwingend notwendig w&#228;re und quasi zum common sense der political corectness z&#228;hlt. Und mit dem gleichen Selbstverst&#228;ndnis, das an das Recht der freien Erz&#228;hlung glaubt, inszeniert Quentin Tarantino in </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">seine Version des Nazi-Regimes, das in seiner Ausgestaltung mit den Mythen der bisherigen Kino-Nazis, die sich in den letzten Jahrzehnten ungebrochener Beliebtheit erfreut haben, bricht und diesen somit den Spiegel vorh&#228;lt. Das Bild das Tarantino dabei zeichnet, ist ein durchaus ambivalentes. Einerseits stilisiert er Hitler und seine Granden zu ultimativen Witzfiguren, vermeidet jedoch andererseits die schwarz-wei&#223;e Dichotomie vom amerikanischem Helden und deutschem Jammerlappen, wie sie beispielsweise noch von Spielberg im Zuge von </span><em>„Der Soldat James Ryan“ </em><span style="font-style: normal;">kultiviert wurde. Paradest&#252;ck in Tarantinos Weltkriegs-M&#228;r ist jedoch ohne Zweifel seine Figur des SS-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz). Anstatt den g&#228;ngigen d&#228;monischen Pathologen in rassistisch-ideologischer Verblendung in SS-Uniform zu beschw&#246;ren, zeichnet Tarantino seinen Antagonisten als eloquenten, charismatischen und h&#246;flichen Technokraten des Regimes, und erschafft somit ein Monster, welches zu den bemerkenswertesten B&#246;sewichten der j&#252;ngeren Filmgeschichte gez&#228;hlt werden muss.</span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">„<em>Inglourious Basterds“</em><span style="font-style: normal;"> wird von Quentin Tarantino in f&#252;nf einzelnen Kapiteln erz&#228;hlt und es kommt nicht von ungef&#228;hr, dass das erste Kapitel um den „Judenj&#228;ger“ Hans Landa derzeit in aller Munde ist und auf Grund der inszenatorischen Finesse auch bei Kritikern des Films lobende Erw&#228;hnung findet. Im Nachhinein versteht man warum Tarantino lange Zeitbef&#252;rchtete diesen Film niemals drehen zu k&#246;nnen, bis Christoph Waltz kam und mit seinem linguistischen Genie Tarantino von all dessen Sorgen befreite. Man muss sich wirklich fragen, wie </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;"><span style="text-decoration: none;">synchronisiert funktionieren kann, bedenkt man die Ver&#228;nderung der Atmosph&#228;re die Landa alias Waltz allein mit dem Wechsel von der warmen franz&#246;sischen Sprache in das ungleich k&#228;ltere und h&#228;rtere Englisch zu evozieren vermag. Aus dem zuvorkommenden Mann, der in der einen Sekunde noch die Milch des Bauern lobt, wird in der n&#228;chsten Sekunde das gef&#228;hrliche Tier. Der &#214;sterreicher Christoph Waltz ist somit der unbestrittene Star des Films, offeriert in seiner Rolle Hans Landa eine unfassbare Leistung, durfte zu Recht in Cannes die Auszeichnung f&#252;r den besten Darsteller mit nach Hause nehmen, und eigentlich f&#252;hrt auch kein Weg an einer Oscarnominierung vorbei. </span></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-style: normal;">Auch wenn Brad Pitt mit seiner Interpretation des Nazij&#228;gers Aldo Raine wieder einmal eine Figur geschaffen hat, die in Erinnerung bleiben wird, nehmen die titelgebenden Basterds und ihre Jagd nach Naziskalps im Film nur eine Nebenrolle ein. Die R&#228;chergeschichte, denn das ist </span><em>„Inglourious Basterds“</em><span style="font-style: normal;"> nat&#252;rlich auch, wird vor allem von Anderen geschrieben, so dass die Basterds im Hintergrund verbleiben m&#252;ssen. Dies jedoch ist kein Makel, denn in Anbetracht von Gesichtern wie Eli Roth, der immerhin in die Rolle des Baseballschl&#228;ger schwingenden „B&#228;renjuden“ wie die Faust aufs Auge passt, oder aber Till Schweiger der seine Rolle des deutschen Deserteurs erfreulicherweise annehmbar verk&#246;rpert, ist der Fokus auf andere Charaktere nur zu begr&#252;&#223;en. Deutschlands weiblicher Hollywood-Export Diane Kruger als britische Agentin </span>Bridget von Hammersmark wird dabei von der<span style="font-style: normal;"> jungen Franz&#246;si</span>n Mélanie Laurent, die in der Rolle der Kinobetreiberin Shosanna Dreyfus als Einzige aus dem Schatten von Christoph Waltz hervortreten kann, an die Wand gespielt und hinterl&#228;sst keinen bleibenden Eindruck. Besser macht es da schon Daniel Br&#252;hl, der einer ganzen Reihe von deutschen und internationalen Darstellern vorsteht, die sich in Quentin Tarantinos vielsprachigen Geschichte versammeln.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wie bei Filmen des Regisseurs &#252;blich, wird in <em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">viel geredet. Der Film ist kein Actionstreifen, keine Gewaltorgie und in seiner letztlichen Ausgestaltung wie so oft bei Tarantino ein Mix aus zahlreichen Genres. Die bei Quentin Tarantino oft so zentrale musikalische Untermalung wird im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen diesmal pointierter und nuancierter eingesetzt, so dass dieses stets stimmig, aber nicht mehr so dominant wie fr&#252;her geraten ist. Was geblieben ist, sind die zahlreichen Remineszenzen auf das Kino, auf sich selbst und nat&#252;rlich im Fall von </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">auch auf den deutschen Film der drei&#223;iger und vierziger Jahre, sowie das konstruierte Bild einer kinematographischen Kunstumgebung Und was ist nun die Moral von der Geschicht&#8217;? &#8211; wo doch jedes M&#228;rchen eine hat. </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">ist Quentin Tarantinos Appell sowohl an die Kraft des Kinos, als auch an das Recht des Geschichtenerz&#228;hlens zu Glauben. Gleichzeitig deskonstruiert </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">die Mythen und Klischees des Kinos &#252;ber das Dritte Reich. Tarantino l&#228;sst sich nicht ein auf Konventionen und Normen, schert sich nicht um die Historie, bedient sich gar zur Not in der Warenauslage des Teufels, wenn es den Zwecken seiner Geschichte dient. Gerade der Deutsche Film mit seinen durch die eigene Geschichte induzierten und bis zum heutigen Tag sklavisch gepflegten Neurosen k&#246;nnte von der Unbek&#252;mmertheit, mit der Quentin Tarantino seine k&#252;nstlerische Freiheit einfordert, lernen. Dieser Sachverhalt allerdings macht </span><em>„Inglourious Basterds“ </em><span style="font-style: normal;">nicht zu Tarantinos Meisterst&#252;ck. Dies ist dieser Film aus den im Vorigen genannten Gr&#252;nden! &#8211; Fazit: 10 von 10 Punkten.</span></p>
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</div>
<p><strong>mehr&#8230;</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://netzfeuilleton.de/2009/02/tarantinos-inglorious-basterds-trailer/">Tarantinos Inglourious Basterds Trailer</a></li>
<li><a href="http://netzfeuilleton.de/2009/04/audiovisuelles-tarantino-mixtape/">Audivisuelles Tarantino Mixtape</a></li>
</ul>
 <p><a href="http://netzfeuilleton.de/?flattrss_redirect&amp;id=1757&amp;md5=5aa5e11eee04bbcf86f568042ce705ca" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://netzfeuilleton.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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