Das u_Mag hat sich ein neues Gewand umgeworfen. Mithilfe der Werbeagentur Jung von Matt/Elbe erneuerte der Bunkverlag das selbstdefinierte “Magazin der Popkultur und Gegenwart”, das sich jetzt als “People-Heft” bezeichet, indem es um “Protagonisten der jungen Szene und Alternativkultur geht”. Im Vorfeld zur ersten Ausgabe, bat man einige Stimmen um eine Kritik.
Das neue Papier erinnert an graue Gebäudefassaden und besitzt damit eine sympathische Nähe zur Tageszeitung, was in Anbetracht der vielen Hochglanzmagazine einen frischen Eindruck erweckt. Im Vergleich zu den alten Ausgaben sieht das Heft damit auch sehr viel dicker aus, obwohl die Seitenzahl gleich blieb.

Das Layout ist träge und farblos. Bleiche Halbrundrechtecken kleben am oberen Teil der Seiten und dienen wahlweise als Ressortmarkierung oder Hintergrund für die Titelthemen. Darunter finden sich noch weitere Informationen in einer winzigen Schriftgröße. Noch kleiner ist die Seitenzahl, die beim notorischen Umblättern zum Kauf einer Lupe verpflichtet. Bei den großen Themen herrscht eine gewisse leere Atmosphäre, da der Platz nur marginal ausgenutzt wird. Einzig die Fotoreihen überzeugen darin.
Die Rubriken, die im Konzeptschreiben als “Kosmen” bezeichnet werden, wurden von verschiedenen Titeln wie “Gesellschaft”, “Musik” oder “Literatur” auf die vier Anglizismen “uniq”, “music”, “arts” und “go ahead!” reduziert, die wohl den betonten Anspruch haben, kompakt und modern zu klingen. Dabei gehen die verschiedenen Bereiche so sehr ineinander über, dass beim Lesen die eigentliche Trennung nicht so ganz klappen möchte.
Zu Anfang jeder Rubrik finden sich ein sehr kurzes Interview und eine reihe an Meldungen, die den Eindruck getarnter Pressetexte erwecken lassen. Ein wenig erinnert diese Zusammstellung aus trivialer Information und Werbung an das Hausmagazin einer großen amerikanischen Fastfood-Kette. Vor der Runderneuerung kam das Magazin ganz ohne diese kurzen Texte aus.
Aber auf Kürze wurde besonders viel wert gelegt, da die Redaktion “die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe” kennt und “verstärkt auf kurze, konzentrierte Text” setzt, um die “internetaffine Zielgruppe für ein Printmagazin” zu begeistern. Die meisten Texte sind unheimlich reduziert, manche geistern als kleine Meldungen durch das Magazin. Die Seiten “Technik” und Games” wurden halbiert und aneinander gequetscht. Das Editorial minimierte sich von mehreren auf zwei Absätze. Selbst die Themen, die auf dem Cover angeworben werden, sind höchstens als spährlich zu bezeichnen. Das sieht dann so aus, dass “Fettes Brot” fünf Fragen beantworten dürfen und das Titelthema um die Band “Red Velvet” bereits nach acht ein Ende findet.
Die Plattenkritiken entsprechen auch nicht mehr der klassischen Rezension, sondern einem Pseudodialog der Redakteure. Vermutlich fühlte man sich da von Spex inspiriert, die diesen Diskussionen über neue Musik allerdings sehr viel mehr Seiten als eine Spalte pro Album einräumen. Eine Seite weiter gibt es ein Foto von “Die Sterne”-Sänger Frank Spilker. Den Text dazu kann man nur online lesen. Das nennt man vermutlich “Crossmedia”.
In der letzten Sparte “go ahead!” gibt es schließlich auch ein paar Leckerbissen. Ein Text über Internetaussteiger, mit (sehr einseitigen) Meinungen von ein paar Internetenthusiasten daneben. Ein interessantes Interview zur Plastikindustrie ist letztlich der geheime Höhepunkt des ganzen Magazins. Leider ist auch dieses wieder sehr kurz. So stolpert das uMag am Versuch mehr online als offline zu sein.
Abseits des Internets möchte ich aber die Vorzüge von Print genießen und nicht den vergeblichen Versuch eines gedruckten Blogs lesen. Lange Texte, Berichte, Fotos. Gerade ein Monatsmagazin hat die Pflicht, mich über diesen langen Zeitraum zu versorgen und nicht kurze Meldungen neben mickrigen Interviews vorzuführen. Das uMag scheitert daran, das Sprachrohr irgendeiner scheinbaren Szene sein zu wollen und gleichzeitig in einem Marketingschema zu denken. Matt/Elbe mögen schöne Zahlen berechnen, schaffen es aber nicht, Konsens zu bilden.
Es fehlt Profil, Aussagekraft, die Besonderheiten. Hier und da gibt es interessante Artikel, die es aber nicht schaffen, das Gesamtbild aufzuhübschen. Es hätte weniger vom weniger und mehr vom mehr sein müssen. Wo sind die gesellschaftlichen Themen? Die abstrakten Meinungen? Die fremden Geschichten? Die Auseinandersetzung? Auch das alte u_Mag hatte wenig davon. Dem neuen uMag fehlt allerdings noch viel mehr.






























