Archive | Kleines Fernsehen

Mediatheken-Rundschau: Atomlüge, Anstalt, Burma

Posted on 26 Februar 2010 by Jannis Kucharz

Zeit für eine neue Runde der Meditheken-Rundschau. Wieder rein öffentlich-rechtlich, will uns das was sagen? Es geht um Atomkraft, Burma und verrückte in der Poltik:

Der NDR hat Fragen gestellt, an die Atomkraftwirtschaft, die uns eigentlucg gerne überzeugen will, dass Atomstrom sauber, sicher, unschlagbar effizient, billig und quasi unersetzbar ist. Aber man fragte doch mal nach den Risiken sind die Antworten auf einfache Fragen ziemlich erschütternd. “Die Atomlüge”
(mit zusätzlicher Empfehlung auch von Spreeblick)

Mediatheken

In Burma/Myanmar müssen nicht einmal Fragen gestellt werden um zu erschüttern, es reichte die Kamera einzuschalten und draufzuhalten. Aber schon alleine das ist gefährlich genug, nur wenige trauen sich. Der dänische Regisseur Anders Østergaard hat nun die Aufnahmen einiger engagierter und mutiger junger Journalisten aus dem Land zusammengeschnitten, die die Geschehnisse im September 2007 bei dem Protestmarsch der buddhistischen Mönche dokumentieren. “Burma VJ”

Nach dieser schweren und bedrückenden Kost möchte ich doch mit etwas Lustigerem schließen. Wobei angesichts  dem Betragen unseres Außenministers und Vizekanzlers Westerwelle vergeht ja sogar den Kabarettisten das Lachen. Trotzdem die aktuelle Folge von “Neues aus der Anstalt” mit den Gästen Joseph Harder, Volker Pispers und Inventar Jochen Malmsheimer.
“Neues aus der Anstalt”

Für Tipps zur Mediatheken-Rundschau bin ich jederzeit offen, entweder via Twitter oder per Mail: kontakt [at] netzfeuilleton.de.

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Schneefall ist ja ungefähr eine Alieninvasion

Posted on 19 Februar 2010 by Jannis Kucharz


Zumindest war das der Eindruck, den die Medien vom Killer-, Bibber- oder einfach Winter vermittelten. [via]

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Jon Stewart Skullf#@ks the Blogosphere

Posted on 08 Februar 2010 by Jannis Kucharz


Ob wir mit der Bezeichnung “Jon Stewart, Rächer der Enterbten” auch übertrieben haben?

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Mediatheken Rundschau: Die ganze Nacht FDP & Comedy

Posted on 03 Februar 2010 by Jannis Kucharz

Zeit mal wieder für eine kleine Mediathekenrundschau:

Die “heute show” läuft ab sofort freitags und das wöchentlich. Damit ist man zwar immer noch nicht “daily”, aber ich muss sagen Oliver Welke uns sein Team kommen Jon Stewart doch an einzelenen Stellen immer näher. Das Team ist übrigens angewachsen und hat mit Carsten van Ryssen und Bettina Lamprecht Verstärkung bekommen.

Keine Verstärkung mehr geben kann “Neues aus der Anstalt“, dass am alten Sendeplatz durch den “Audienceflow” wohl Quotenmäßig Schützenhilfe geben konnte, was jetzt anscheinend wegfällt. Aber wir sind ja hier online und deshalb interessieren uns Quoten herzlich wenig und wir schauen Sendungen wann und in welcher Reihenfolge es uns beliebt.

Medithaken-Rundschau

Aber auch Online kann man sich treiben lassen, so habe ich gestern zufällig eine alte Harald Schmidt Show mit Roger Willemsen zu Gast gesehen, um dann festzustellen, dass dieser auch in der aktuellen Folge dem Late-Night Talker die Ehre erweist.

Apropos Spät Nachts: Bei Arte gibt es wieder eine neue Folge von “Durch die Nacht…”, diesmal sind wir dabei, wie Kabarettist & Schauspieler Joseph Harder und der Schriftsteller Daniel Kehlmann Wien und sich gegenseitig erkunden.

Panorama hat auch wieder einiges erkundet, zum Beispiel was aus den Sparvorhaben der FDP geworden ist.

Das wars mal wieder, wer weiter Tipps und Hinweise auf spannende Sendungen hat, einfach per mail kontakt [ät] netzfeuilleton . de melden oder via Twitter. Wer keine Tipps verpassen will, abonniert am besten den RSS-Feed.

UPDATE: Ich möchte noch einen Tipp hinterherschieben: Und zwar hat 3sat gestern in seiner Sendung “neues” ein wenig die Spezies der Digital Natives erkundet. Ich weiß nicht wer von euch sich dazu zählt, aber vielleicht wollt ihr ja wissen, was man so von euch denkt und die anderen wollen vielleicht endlich diese sagenumwobene Computergeneration verstehen.

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Die NBC-LateNight-Schlacht: Kurz zusammengefasst

Posted on 22 Januar 2010 by Jannis Kucharz

Wer bei dem ganzen Hin und her
sowieso nur Chinesisch versteht, findet es auch nochmal ebenso im Fernsehlexikon (via).

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It’s only funny until someone gets bored

Posted on 20 Januar 2010 by Ulysses

Ich hab gestern mal wieder die Simpsons im TV gesehen. Neue Folge. HD-Qualität. Sauber geschliffen die Zeichnungen (wenn man sie denn noch als solche bezeichnen kann), gestochen scharf und brilliant die Farben. Beschimpft mich als fortschrittsfeindlich, aber den neuen Look möchte ich schlicht als “leblos” zusammenfassen. Keine drastisch überzeichneten Fratzen mehr, keine cartoonesk-überzogene Dynamik in den Bewegungen. Alles fehlerfrei und glattgeharkt wie ein deutscher Schrebergarten. Doch über all diese sterilisierten Oberflächlichkeiten könnte ich gelassen hinwegsehen, gäbe es nicht ein viel schlimmeres Problem: Ich kann einfach nicht mehr drüber lachen! Bestenfalls ein sich schon fast schämendes Schmunzeln, das sich allzu selten durch die in Ernüchterung erstarrten Gesichtsmuskeln kämpft, erinnert daran was diese Serie mal für mich bedeutet hat.

Als ich im ZDF das erste Mal Zeichentrick sah, der mehr war als harmloser Spass der niemandem wehtun wollte. Als die Sendung noch eine charmante Mischung aus Slapstick, liebevoller bis beissend böser Gesellschaftskritik und In-Die-Fresse-Humor war, die wirklich quer durch alle Alters- und Intelligenzschichten begeistern konnte.

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Grade letzteres scheint in den neuen Staffeln irgendwie verpönt zu sein. Die ergehen sich lieber in popkulturellen Querverweisen, baden in Selbstreferenz und hecheln irgendeinem ästhetischen Anspruch hinterher. Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass die Simspons sich inzwischen zu fein sind auch meinen, eher derben Humorgeschmack noch mitzubedienen. Das lieber eine minutenlange, optisch zwar eindrucksvolle, aber für Nichtnerds völlig langweilige Hommage auf irgend einen Medialfetisch einer der Autoren abgefeiert wird, statt mir nen zünftigen “Football in die Leisten” zu liefern. Man kann es fast ironisch finden, dass gerade das mit Plagiatsvorwürfen bedachte Family Guy eben solche Querverweise am laufendem Band liefert und trotzdem witzig ist.

Mag es noch immer genug alte und neue Fans geben, die auch oder grade den neuen Stil der Simpsons mögen, meine Begeisterung fällt mit jeder neuen Staffel. Dabei bietet die Serie natürlich noch immer gutgemachte Unterhaltung, die ich dem kläglichen Rest des deutschen Fernsehprogramms stets vorziehen werde. Aber schöner wärs, wenn ich mal wieder herzhaft drüber lachen könnte, statt nur noch ne halbe Stunde auf akzeptablem Niveau berieselt zu werden.

You don't have a sufficient version of Flash Player to display this animation.

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Ein offener Brief an MTV

Posted on 07 Januar 2010 by Pell

Liebes MTV-Team,

sehr gut erinnere ich mich noch an einen regnerischen Abend vor einer längeren Zeit. Ich besaß keine Motivation für die Hausaufgaben und begab mich aus trübseeliger Langweile vor das Fernsehgerät. Ein altes Röhrenmodell, das für das Zappen kaum zu gebrauchen war. Nach jedem Knopfdruck musste man mehrere Sekunden warten, bis das andere Bild zu sehen war. Es lag aber nicht daran, dass ich an diesem Tag nicht umschaltete – viel mehr war es die gröhlende Stimme eines Kurt Cobain, die mich absolut in den Bann zog. Es mag nach einem Klischee klingen, aber dafür bin ich MTV ewig dankbar.

MTV war mehr als ein Sender, es war ein Phänomen, der Inbegriff der Popkultur, ein absoluter Kult – schon zu Beginn. Ihr konntet die Lücke füllen, die seit dem Weltruhm der Beatles beständig wuchs. Ihr wart der Plattenladen des Fernsehens, die Musikzeitschrift im Bewegtbildformat und die erste Liebe jedes Teenagers.

Zwar kritisierten euch auch schon zu euren Blütezeiten sehr viele Musiker, aber niemand würde ernsthaft leugnen, dass ihr vielen jungen Menschen die Tore zur Welt der Töne eröffnet hattet. Ob man die verschiedenen musikalischen Epochen eurer bisherigen Geschichte nun mochte oder nicht, widerspricht nicht dem besonderen Wert eurer Bandbreite für die Hörer und die Künstler.

Heute steht euer Programm nicht mehr für diesen Wert. „Flavor of Love“, „Exposed“, „Next“, „Parental Control“, „Date my Mom“ heißen nun die Schlagworte. Das sind Sendungen, die euch keinen Cent kosten und im Viacom Imperium herumgereicht werden wie die Ketchupflasche am Mittagstisch. Tragischer als ihre einfältige Vielfalt ist ihr fragiles Niveau, das sich mit der Zeit im ständigen Unterbietungskampf zu befinden scheint. Ihr sprecht nicht mehr die Sprache mit den Künstlern, sondern die der Exekution aller Sinne, und hinter den Kulissen geht es nur noch um Zahlen.

Nein, entgegen der Aussage eurer Geschäftsführerin Cahtherine Mühlemann kommen diese Formate bei den Jugendlichen nicht an. Sicherlich mögen die Quoten eine Attraktivität belegen, doch ist dies zum Teil ein Trugbild – die Zielgruppe hat nur das zu schlucken, was man ihr vorsetzt. Ihr seid also gar nicht in der Lage wirklich deutlich festzustellen, ob andere Angebote nicht doch auf größere Resonanz stoßen könnten. Auch entsprecht ihr nicht dem Zeitgeist heutiger Tage, sondern formt ihn Dank eurem Einfluss selbst.

Internationale Größen wie Justin Timberlake kritisierten diese traurige Programmausrichtung ebenso und auch hierzulande sprechen die Reaktionen einiger bekannter Gesichter Bände: Bushido beendete die Kooperation mit MTV und sein Rivale Sido konnte es sich nicht verkneifen, den erwähnten „Zeitgeist“ satirisch anzufechten.

MTV war einst in einer Reihe zu nennen mit Ereignissen wie Woodstock – die Bedeutung ist nicht der Profit, sondern der Wert für die Menschen. In Erinnerung behalten wir Rockerfeller nicht für seine starre Unternehmensführung, sondern für seine großzügigen Wohltaten. Ein Künstler lebt für sein Schaffen, selbst wenn er nicht davon leben kann. Als Musikfernsehen dieses Prinzip in jedem Umfang so zu ignorieren, schreit förmlich nach einer Namensänderung.

Möchte man auf MTV tatsächlich Musik hören, wird man eine Koffeinüberdosis nicht vermeiden können. Nachts laufen tatsächlich Videos aus alten und heutigen Tagen. Und drei Mal im Jahr darf man sich Dank den gesponserten Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ sogar tagsüber auf Musikgenuss freuen. Wieso verbannt man aber Sendungen wie „TRL“ oder „brand:neu“? Wieso interviewt euer Aushängeschild Markus Kavka bekannte Bands und Solokünstler für KabelEins und nicht für euch? Haben wir auf schreckliche Ereignisse wie in Winnenden zu hoffen, wenn wir Musik statt Datingshows sehen möchten?

Niemand erwartet, dass ihr keine anderen Formate ausstrahlt, so lange diese irgendwie im Kontext stehen. „Sarah Kuttner – Die Show“ hatte beispielsweise nur am Rande etwas mit Musik zu tun, besaß aber dennoch einen Bezug. Ebenso befinden sich beispielsweise „Masters“ „Made“, „Real“, so wie diverse Cartoons und Comedysendungen sicherlich nicht außerhalb dieses Rahmens. Auch das neu gestartete „Home“ ist trotz mangelnder schöpferischer Qualität, nicht fehl am Platze. Nur sind das absolute Ausnahmen im Dschungel der Datingshows.

Junge Menschen kennen tatsächlich mehr als Klingeltöne und die neuen Liebesillusionen eines „Flavor of Love“. Musik hören sie übrigens auch noch und neue Songs entdecken sie primär nicht nur auf YouTube. Sie können sich auch meistens kein PayTV leisten. Der Horizont eurer Zielgruppe ist nicht so beschränkt wie euer Einschätzungsvermögen. Man kann natürlich jegliche Kritik ignorieren, aber .. ach wieso die Mühe?

Ich danke euch für den Schubs in die Welt der Musik und mit Bedauern möchte ich euch davon verabschieden.

Lebt wohl.

@pelld

Das Logo gehört MTV und wurde von der Wikipedia Seite verwendet.


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Dirty Harry ist Vergangenheit

Posted on 08 Dezember 2009 by Pell

Eine gelungene erste Sendung dieser neuen Staffel ließ auf Gutes hoffen. Mittlerweile aber kristallisiert sich die wahrliche Beschaffenheit des Schmidt heraus, die dem Niveau der Pocherära in nichts nach steht. Ohne die Einspieler seiner jungen Rekruten, die zwischen sehr lustig und absolut fragewürdig reichen, bestünde die Show hauptsächlich aus flachen Witzen, einem ordinären Standup und dem kläglichen Versuch, den künstlich angehobenen Ansprüchen des Gastgebers selbst gerecht zu werden.

Mit einem Bart präsentierte er sich gleich zu Beginn und vielleicht war es eine Hommage an sein einstiges Idol Letterman, den man während des Autorenstreiks mit Vollbart bewundern konnte. Da, wo sich der amerikanische Moderator mit einer eindeutigen Aussage in Szene setzte, kann man Schmidt kein besonderes Statement entlocken. Höchstens in der Rolle des arroganten alten Schnösels, den man liebgewonnen hat, macht er damit eine gute Figur.

Eine gewisse Langweile ist Schmidt seit Jahren immer wieder anzumerken. Herausforderungen sucht er vermehrt in Distanz zu den Kameras wie beispielsweise im Stuttgarter Theater oder jüngst bei der Inszenierung „der lustigen Witwe“; eigentlich wollte er sich bereits vor seiner Liaison mit Pocher sowieso von dem Format einer Late Night Show verabschieden. Anders als einen Günter Jauch, den man sich auch noch in fünf Jahren in der Rolle des Quizmasters vorstellen könnte, erweckt der ehemalige Dirty Harry einen so lustlosen Eindruck, der noch nicht einmal mehr als Tarnung seiner vermeintlichen Brillianz herhalten will.

Großes Vergnügen scheinen ihm nur die Seitenhiebe auf Pocher zu bereiten, die dabei selbst so unterirdisch sind, dass sie gar seinem Gegner selbst eingefallen sein könnten. Vermutlich wäre dieser bei Leckspielchen und Demjanjuk-Vergleichen sogar deutlich lustiger gewesen. Grundsätzlich war Pocher auch nicht der schlechteste Kooperationspartner für Schmidt. Jeder Fehler konnte auf den ehemaligen Sprössling geschoben werden – ein Privileg, das Schmidt ein wenig vermissen wird, auch wenn sein möglicher zukünftiger Sidekick Katrin Bauerfeind ähnlich unwitzig ist, wird sie als schwarze Petra kaum herhalten können.

Die einstige Bedeutung seiner Sendung hat sich komplett verlaufen. Es ist nicht mehr das deutsche Pendant zum amerikanischen Format, die Alternative zu Stefan Raab. Früher konnte Schmidt eine ganze Sendung lang mit dem Rücken zum Publikum moderieren, Goldman Sachs-Mitarbeiterinnen in London anrufen oder eine ganze Episode lang französisch moderieren und trotzdem für viele Lacher sorgen. Sicher wäre es ihm kein Wagnis, wieder mit ähnlichen Aktionen aufzuwarten, doch es stünde ihm kaum, noch weniger aber scheinen sie ihn überhaupt noch zu interessieren.
So kann er seiner alten Harald Schmidt Show nicht das Wasser reichen. Letztlich scheint Schmidt an seinem eigenen Erfolg zu scheitern.

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Jon Stewart über den Journalismus von CNN

Posted on 13 Oktober 2009 by Jannis Kucharz

Eigentlich hatte ich von Jon Stewart zum Wochenstart noch einige bissige Kommentare über den Friedensnobelpreis von US-Präsident Barack Obama erwartet, doch stattdessen nimmt er sich “dem professionellsten aller Nachrichtensender” an: CNN. Arbeitet sich der Daily Show-Anchormann normalerweise an dem konservativen FOX News ab, zeigt er nun, dass auch beim international renommierten Nachrichtennetzwerk CNN längst nicht alles so läuft, wie man es von ordentlichem Journalismus erwartet.

Jon Stewart schwingt sich also zum amerikanischen Stefan Niggemeier auf und bietet eine Demontage des CNN Journalismus, wie man es zuletzt bei CNBC und Jim Cramer gesehen hat, besonders die Phrase “We have to leave it there” hat es ihm dabei angetan.

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Late-Night mit Bart

Posted on 18 September 2009 by Jannis Kucharz

Gestern war es endlich so weit: Unsere seit Ewigkeiten einzige deutsche Late-Night Hoffnung Harald Schmidt ist auf den Bildschirm zurückgekehrt. Angekündigt als weißer Afghane zog er ins Studio und löste alle Versprechen ein, die er im Vorfeld gegeben hatte.

Im Zweifelsfall wollte er gegen den Mob sein, und so wiedersprach er auch auch gleich der Lehrmeinung, dass der aktuelle Wahlkampf langweilig sei. Schließlich habe es doch einmal gefunkt, “bei der Landung von Müntefering”. Auch das Kanzlerduell fand er nicht zum Einschlafen: “Mich hat es gefreut, endlich mal den Ehemann von Frau Merkel kennenzulernen.“

So legte Harald Schmidt in seinem Stand-Up los und damit ein ordentliches Tempo vor, dass nur noch von “the good, the bad & the ugly”, also Trittin, Lafontaine und Westerwelle getoppt wurde, wie sie sich in einem Zusammenschnitt des TV-Dreikampf Zahlen an den Kopf schmissen.

Und so hastete man weiter von Einspieler zu Einspieler, nur unterbrochen von den kurzen Zwischenmoderationen Schmidts. Doch nicht nur die Anmoderationen der Filmchen muss Schmidt nach Pochers Weggang selber machen, auch die Parodien fallen jetzt in sein Metier. Als erstes musste Peter Scholl-Latour herhalten, um im Interview mit Katrin Bauerfeind einzuordnen, ob man jetzt in Afghanistan im Krieg sei oder nur “Hausaufgabenbetreuung mit Maschinenpistole” leiste. Auch vor der ARD machte Schmidt in Scholl-Latour Gestalt nicht Halt: Anne Will und Plasberg können bald gegen Jauch abtreten, verkündete er.

Sollte sich aus dem neuen Team tatsächlich ein neuer Sidekick entwickeln, wie ebenfalls angedeutet, dann ist wohl Katrin Bauerfeind die im Moment aussichtsreichste Kandidatin. Gleich dreimal durfte sie an Schmidts Seite auftreten und ihm zum Beispiel bei den aktuellen Filmkritiken die Stichworte darreichen oder die Stille Ecke für Haushaltgeräte präsentieren.

Schmidt & Bauerfeind
Schmidt & Bauerfeind // Screenshot (C) ARD

Ansonten blieb das Team blass. Caroline Kornelis Auftritt im Film über die FDP war zwar gut aber zu kurz und endete mit dem mäßigen Witz eines vom Rollstuhl aufspringenden Pierre M. Krause, geheilt durch die Hand Westerwelles. Peter Richter war es sogar, der die Fachdiskussion über die Theaterregisseurin Andrea Berth und den  Boris Groys, in der das Tempo einen neuerlichen Höhepunkt erreichte, fast zum Erliegen brachte. Mit dieser dennoch großartigen Einlage über die feuilletonistischen Fachdiskussionen voller Namen und Fachsimpeleien, löste Schmidts wohl sein Versprechen ein, dass kulturell weniger versierte Menschen weniger zu Lachen haben sollen.
Einzig Jan Böhmermann schaffte es noch mit seiner angeblichen Schweinegrippeerkrakung die Nachrichten von Pro7, Sat.1 und N24 zu foppen und so hervor zu stechen.

Ruhiger, aber nicht minder unterhaltsam wurde es erst wieder, als der Gast, Trigema Chef Wolfgang Grupp, die Bühne betrat. Dieser befürwortete auch als schwäbischer CDU-Wähler den Mindestlohn und gesatnd außerdem “Egal, wie alt ich bin, mein Frau muss immer Anfang 20 sein”. Den angebotenen Platz in der Familiengruft lehnte Schmidt dann dennoch dankend ab, schließlich hat er ja noch ein paar Sendungen vor sich.

Harald Schmidt ist also zurück, er ist wieder der alleinige Herr im Ring und das tut ihm sichtlich gut. Er spuckt wieder Sprüche und präsentiert die Miene, die Satire ein Gesicht gibt. Dennoch bleibt bei dem großen Team kaum Zeit, dass er sich frei entfaltet. Die Sendung ist durchgeskriptet, für spontane Improvisationsaktionen ist kein Platz.

Ist Schmidt der deutsche Stewart?

Nun noch zu der netzfeuilleton-spezifischen Frage ist Schmidt der neue Stewart? Ein klares Nein. Zwar hat man sich sichtlich einige Elemente bei der amerikanischen Daily Show mit in die Sendung geholt, dass zum Beispiel Teile des Teams an den Tisch geholt werden oder kurz einzelne Personen neben Schmidt eingeblendet werden, aber auch hier macht die Zeit Harald Schmidt einen Strich durch die Rechnung. Während Jon Stewart Themenkomplexe mit bissgen Kommentaren gekonnt seziert, kann Schmidt lediglich an der Oberfläche kratzen. Zum Glück bleibt er dabei nicht so auf Comedyniveau stehen und hakt einzelne Pointen ab, wie es zu Pocher Zeiten oft der Fall war. Dennoch muss man festhalten, dass in der aktuellen Ausführung die heute-show allein von der Anmutung deutlich näher am amerikanischen Vorbild ist.

“This is a show about the guy behind the desk”.
Johnny Carson über Late-Night

Die nächste Frage muss aber sein: Muss Schmidt ein deutscher Stewart sein? Auch hier kann man klar mit Nein antworten. Schmidt hat seinen eigenen Stil, hat Late-Night mit geprägt und hat es deshalb nicht nötig den Trends hinterherzuhinken. Freuen wir uns, dass er diesen Stil nur minimal erneuert wieder gefunden hat und das präsentiert, was er am besten kann: Gute alte Late-Night. Mit Bart.

Wer die Show verpasst hat kann sie sich in der ARD-Mediathek für 7 Tage ansehen.

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