Gedanken zu Apple

May 28th, 20106:27 am @

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Gedanken zu Apple

Eigentlich ist das iPad ja eine schnuckelige Idee, der Medienkonsum für das neue Zeitalter, kein Computer, kein Laptop, kein Handy. Irgendwas zwischen all dem und wie es bei Apple der Fall ist, reicht es “revolutionary” und “awesome” oft genug zu erwähnen, um es allen schmack- und glaubhaft zu machen. Völlig unkritisch nimmt die Verlagsbranche diese Begriffe auf und sieht darin eine rosige Zukunft, die Problemlösung für all die Schwierigkeiten der letzten Jahre, Steve Jobs als heiliger Obama der Medienwelt. Ist eine Lüge nur oft genug erzählt, wird sie als Wahrheit behandelt.

Die “iPad-Lüge” wäre aber ein zu drastischer Titel für diese kleine Geschichte gewesen. Apple lügt in diesem Sinne nicht, aber trügt in vielerlei Hinsicht. Die Erfolge der letzten Produkte sind zum scheinbaren Indikator absoluter Lösung geworden und nach diesem Modell glaubt nun auch der Journalismus ein Kuchenstück vernaschen zu dürfen. Vermutlich fällt damit mehr auseinander als zusammengeflickt wird, zumindest ist iTunes als Rettung der Musikbranche oft missverstanden worden. Der virtuelle Plattenladen verkaufte zwar nicht wenige Musikstücke, konnte die illegalen Downloads aber nur marginal eindämmen. Nun ist es eine Frage der Zeit, ob ein iBook-Store ähnlich erfolgreich wird und wenn ja, damit überhaupt einen großen Unterschied auslösen kann. (Dieser Artikel kritisiert seine Voreiligkeit somit selbst.)

Genaugenommen ist die Debatte ja ziemlich makaber. Würde das iPad tatsächlich die gedruckten Medien ersetzen, so müssten allein in Deutschland doch flächendeckend solche Geräte verteilt sein. Aber das ist nicht der Fall. In der Tat ist es doch eher so, dass eine gewisse Minderheit mit diesem Gerät spielen wird; aber für eine tatsächliche Lösung müsste ein solches Gerät zur absoluten Alltäglichkeit werden. Ähnlich wie Computer, Telefon und Handy. Bisher sieht es aber nicht danach aus, dass der Ottnormalverbraucher auch gleichzeitig iPad-Kunde ist. Wenn die Konkurrenz ihre Tablets auf den Markt wirft, könnte sich dies ein wenig ändern. Ein Standard würde gebraucht werden, derzeit dominieren ja eher die Applikationen verschiedenster Publikationen, die vollkommen bunt zusammen geworfen sind und keine Einheit bieten.

Natürlich ist Apple selbst ein großes Problem. Weitläufig zieht es all die Verlage in die Mangel und verlangt eine horrende Umsatzbeteiligung von 30%. Kontrolliert Inhalte, könnte sie theoretisch mit der üblichen Firmen-Philosophie von heute auf morgen aus dem Store bannen und würde Dank tragreicher Fanboyschaft dennoch von großer Kritik befreit sein. Längst ist Apple ja selbst zu jener Furchtgestalt des Big Brothers geworden, die im Macintosh-Spot aus dem Jahre 1984 noch mit Anlehnung an George Orwells Roman kritisiert wurde. Mittlerweile ist der Apfel nicht mehr ein Underdog und die “Think different”-Kampagne nur noch ein perfider Witz. All die berühmten Leute von Gandhi, Martin Luther King über Lennon und Picasso, mit denen Apple ihre Rebellhaltung schmücken wollte, wirken im Anbetracht des Erfolgs schließlich wie missbrauchte Geschichte und in der letzten großen Werbespotreihe “Mac Vs. Pc” war es der PC, dicklich, neurotisch und etwas eigen, der “different” dachte und nicht sein junges makelloses Gegenüber, das austauschbar und zu gewöhnlich erschien.

Und wie oft denkt Steve Jobs an den Mitarbeiter, der sich umbrachte, weil er ein Gerät verlor oder daran, dass sein Konzern seine Produkte sehr viel teurer verkauft als die Konkurrenz, aber die selben niedrigen Löhne an die schuftenden Fabrikarbeiter bezahlt? Es ist sensationell dämlich, wie ein Geschäftsführer hochgelobt wird für seinen Starrsinn und seine Sturheit und gleichzeitig all die Widrigkeiten verübt, die sonst mit negativem Echo begleitet werden. Apple lädt keine kritischen Journalisten zu den Keynotes ein, klagt wahllos und beschließt in Willkür mal diesen und jenen Entwicklerkreis zu verbannen. Wie lange bleibt der Apfel aber unter diesen Umständen noch schmackhaft und ist es nicht pervers, dass er es noch zu sein scheint? Wie lange wird an der Verdammnis zu beissen sein?

Zumindest wohl noch so lange bis Ernüchterung  einkehrt oder das nächste “revolutionary” und “awesome” auf der großen Leinwand schwebt. Vorbestellen kann man das iPad nun in Deutschland ja schon. Mitsamt der Weltrettungshoffnung.

Bild: CC by Gregg Fuller.

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