Zeiten ändern dich

February 16th, 201010:17 pm @

7


Zeiten ändern dich

Bushido, Deutschlands Rap-Stern verewigt sich ein weiteres Mal. Bernd Eichinger und Uli Edel portraitierten den Elternschreck in “Zeiten ändern dich” für die Kinoleinwand.

Der Film beginnt mit schwierigen Erfahrungen seiner Kinderzeit und geht über zum Drogenverkauf mit dem Geld seiner Mutter (Hannelore Elsner), bis schließlich irgendwie plötzlich Graffiti und Musik eine große Rolle spielen. Schimpfwortorgien und Spraydosen reichen Eichinger und Edel als alleiniges Bild jener Zeit und Gegend, die Bushido gerne als Ghetto bezeichnet. Bis er diesen Ort verlässt und in seine Villa einzieht, vergehen noch ein Besuch bei seinem kranken Vater und schließlich der 11. September, der “so krass” war, dass es “schon fast virtuell” war. Ob dieses Schlüsselereignis so ernstzunehmen ist, lässt sich ebenso anzweifeln wie das hell gepuderte Image, das der Film verkaufen möchte.

Denn die negativen Episoden, die Bushido zu einer kontroversen und interessanten Gestalt werden ließen und wohl stark zu seiner steilen Karriere verhalfen, finden nur wenig Platz. Ein paar schlechte Schlagzeilen und Nachtrichtenausschnitte sind ausreichend. Die Handgreiflichkeiten gegenüber seiner Freundin zeigen ihn schließlich noch in seiner frauenfeindlichen Rolle, die in der nächsten Szene mit allerlei Besänftigungsversuchen eingerissen werden möchte. Nachdem er in einer Schlägerei verwickelt ist, tritt er dann irgendwann auch noch im Gefängnis auf, aber kann “Walk the Line” nicht das Wasser reichen.

Bushidos Werdegang ist eine rhythmische Erzählung eines Menschen, der es allen gezeigt haben will, die Zweifel an ihm hegen. Ob seine Mitschüler, die Eltern seiner Freundin oder schließlich auch letztere selbst. Die Welt “fickt” ihn, also muss er sich verteidigen, um nicht selbst zum “Opfer” zu werden. Die Weltsicht des Bushido ist eine rachelüsternde Identitätskrise, gespickt von traumatischen Kindererlebnissen und getränkt in wütendem Selbstmitleid.
Die Gesellschaft prangert er an, weil sie ihm keinen Platz zu bieten schien. “Wenn das hier eine Privatparty gewesen wäre, ihr hättet mich nicht eingeladen.”, sagte er bei der Echo-Verleihung. Bushido steigt in die Reihen auf, die er so sehr kritisiert und versucht alles, um diesen Erfolg zu maximieren. Seine finanziellen Interessen sind kein Geheimnis: zum Film wird ein gleichnamiges Album in drei Versionen veröffentlicht. Es ist die Kombination aus Unter- und Oberschicht, die ihn mittlerweile ausmacht.Der reiche Pöbel, höflich, aber doch temperamentvoll.

Bushido verkauft jeder Zielgruppe die richtigen Geschichten. Seine Fans dürfen sich an seinen vulgären Texten erfreuen, während die Single-Auskopplungen für die breite Masse seit längerer Zeit nur leicht verträgliches boten. Und der Rest der Öffentlichkeit darf einen Film sehen. Sein Name ist eine Marke. Wie viel Anis Ferchichi tatsächlich mit ihr gemeinsam hat, ist fraglich. Die große Magie macht allerdings seinen Aufstieg aus.

Nach dem Bushido die beiden Türme fallen sah, veröffentlicht er wenig später sein erstes Album. Der Streit mit dem Label lässt nicht mehr lange auf sich warten und nur mithilfe des berüchtigten Arafat Abou-Chaker (Moritz Bleibtreu) kann der Plattenvertrag schließlich zur Vergangenheit gezählt werden. Sein Erzfeind Sido ist leider ebenso wenig zu sehen wie eine wirkliche Schilderung der Umstände mit seinem damaligen Kollegen Fler, von dem Bushido lange Zeit auch nichts mehr wissen wollte.

Dann folgt auch schon sein gewaltiger Erfolg, der in eine Show am Brandenburger Tor münden soll. Doch vor diesem letzten Akt, soll Bushido noch den Frieden mit seinem Vater finden. Ein zweiter Besuch mit dem alten Herren steht also an. Letztlich endet alles in einem großen Auftritt mit Karel Gott. Seine Ex-Freundin ist im Publikum, seine Eltern stehen sich gegenüber und die Fans jubeln.

“Zeiten ändern dich” überzeugt nicht durch schauspielerische Leistung oder einem besonders originellem Drehbuch. Der Film beschönigt eine Persönlichkeit aus Furcht sie zu dunkel darzustellen und verliert dadurch an Authentizität und Ausdruck. Es hätte mehr von all dem sein dürfen, das Bushido letztlich zu dem machte, was er ist. Schließlich mangelt es auch an Musik, dem Spirit des Hiphop, obwohl gerade die kurzen Liveauftritte seine charismatische Faszination nachvollziehbar wirken lassen. So hinterlässt der Streifen keinen Eindruck einer Biographie, sondern glückt wenn überhaupt als schlecht inszeniertes Vater-Sohn-Sozialdrama.

Bild: Screenshot von der Seite zum Film.

Danke, für jeden Klick & Kommentar: