
Eine gelungene erste Sendung dieser neuen Staffel ließ auf Gutes hoffen. Mittlerweile aber kristallisiert sich die wahrliche Beschaffenheit des Schmidt heraus, die dem Niveau der Pocherära in nichts nach steht. Ohne die Einspieler seiner jungen Rekruten, die zwischen sehr lustig und absolut fragewürdig reichen, bestünde die Show hauptsächlich aus flachen Witzen, einem ordinären Standup und dem kläglichen Versuch, den künstlich angehobenen Ansprüchen des Gastgebers selbst gerecht zu werden.
Mit einem Bart präsentierte er sich gleich zu Beginn und vielleicht war es eine Hommage an sein einstiges Idol Letterman, den man während des Autorenstreiks mit Vollbart bewundern konnte. Da, wo sich der amerikanische Moderator mit einer eindeutigen Aussage in Szene setzte, kann man Schmidt kein besonderes Statement entlocken. Höchstens in der Rolle des arroganten alten Schnösels, den man liebgewonnen hat, macht er damit eine gute Figur.
Eine gewisse Langweile ist Schmidt seit Jahren immer wieder anzumerken. Herausforderungen sucht er vermehrt in Distanz zu den Kameras wie beispielsweise im Stuttgarter Theater oder jüngst bei der Inszenierung „der lustigen Witwe“; eigentlich wollte er sich bereits vor seiner Liaison mit Pocher sowieso von dem Format einer Late Night Show verabschieden. Anders als einen Günter Jauch, den man sich auch noch in fünf Jahren in der Rolle des Quizmasters vorstellen könnte, erweckt der ehemalige Dirty Harry einen so lustlosen Eindruck, der noch nicht einmal mehr als Tarnung seiner vermeintlichen Brillianz herhalten will.
Großes Vergnügen scheinen ihm nur die Seitenhiebe auf Pocher zu bereiten, die dabei selbst so unterirdisch sind, dass sie gar seinem Gegner selbst eingefallen sein könnten. Vermutlich wäre dieser bei Leckspielchen und Demjanjuk-Vergleichen sogar deutlich lustiger gewesen. Grundsätzlich war Pocher auch nicht der schlechteste Kooperationspartner für Schmidt. Jeder Fehler konnte auf den ehemaligen Sprössling geschoben werden – ein Privileg, das Schmidt ein wenig vermissen wird, auch wenn sein möglicher zukünftiger Sidekick Katrin Bauerfeind ähnlich unwitzig ist, wird sie als schwarze Petra kaum herhalten können.
Die einstige Bedeutung seiner Sendung hat sich komplett verlaufen. Es ist nicht mehr das deutsche Pendant zum amerikanischen Format, die Alternative zu Stefan Raab. Früher konnte Schmidt eine ganze Sendung lang mit dem Rücken zum Publikum moderieren, Goldman Sachs-Mitarbeiterinnen in London anrufen oder eine ganze Episode lang französisch moderieren und trotzdem für viele Lacher sorgen. Sicher wäre es ihm kein Wagnis, wieder mit ähnlichen Aktionen aufzuwarten, doch es stünde ihm kaum, noch weniger aber scheinen sie ihn überhaupt noch zu interessieren.
So kann er seiner alten Harald Schmidt Show nicht das Wasser reichen. Letztlich scheint Schmidt an seinem eigenen Erfolg zu scheitern.
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sascha
2 Jahren veröffentlicht
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich glaube der neue Harald Schmidt ist Florian Schroeder. Neulich sah ich SCHROEDER! und es schien mir wie die Fortsetzung von Schmidteinander mit anderen Mitteln …
Schade. | netzfeuilleton.de
1 Monat veröffentlicht
[...] Schmidt ist langweilig geworden. Seine letzten Jahre sind ein Spiegel der tragischen Gegenwart des deutschen Fernsehens: [...]