Ein kleines Jubiläum darf der Vater der letzten musikalischen Hochburg heute feiern: 15 Jahre ist Kurt Cobains Tod nun her. Sein Ende, das wohl erst den Anfang einläutete. Sein Triumph im Sog des Verderbens. Es waren kurze Stunden für den jungen Helden, der das alles angeblich nie gewollt hatte. Der so unzufrieden wirkte in der Rolle der Popularität. Dabei war Cobain wohl ein gerissener Narzist, der auf seinen Erfolg hin arbeitete. Der schon in jungen Jahren seine Vorstellung des Rockstars annahm und zu spät feststellte, dass dieses Bild nicht ganz in die Gesellschaft der Schönen und Reichen zu positionieren war.
In den Medien war er gerne der dramatische Drogensüchtige. Er wurde ausgeschlachtet und begehrt. Die Jugend verehrte ihn, wollte so sein wie er. Laut MTV brachten sich über 70 Menschen nach dem Suizid Cobains ebenfalls um. Ein Werther-Effekt auf ganzer Linie. Ein Zeichen des Einflusses, den dieses tragische Kind ausüben konnte. Er schien sich wirklich nirgends wohl zu fühlen. In der Schule mochten ihn die Nerds genau so wenig wie die Metaller. Und als er nach Seattle zog um seinen kleinen Traum von der Unabhängigkeit zu leben, schrieb er später in einer Notiz, dass es “wie in der verdammten Highschool” ist. Später findet sich eine ähnliche Textzeile in seinem Song “School”. Es gab wohl keinen geeigneten Platz für ihn. Keine Clique, keine Geborgenheit und damit wohl sein ständiges Gefühl nicht geliebt zu werden, das in seiner Musik seit je her Platz fand.
Ein bisschen änderte sich alles mit Courtney Love, seiner zweiten großen Liebe, die er in einem Interview als “mate” beschrieb. Er suchte wohl immer den ewigen Freund. Und so gerne das Paar in den Medien als “Sid und Nancy” durchgehen sollte, schien für Cobain alles andere als diese wilde Thematik Bestand zu haben. Das frauenfeindliche Bild des Rockstars vertrat er nicht. Er bezeichnete sich als profeministisch und verdammte die Metalfraktion und ihren Sexismus in der Öffentlichkeit immer wieder. Axl Rose hatte er die Kriegserklärung kurz nach seinem großen Erfolg ausgesprochen und gerade das schien ihn faszinierend zu machen. Das “anders sein” im Form des einfachen Seins. Denn keiner konnte die Rolle des Außenseiters besser spielen als Cobain.
Sein musikalischer Ruhm mit Nevermind half ihm auf die Stufe der Ehre. Das Video zu “Smells like Teen Spirit” ist genau so legendär wie all die Winkel seines Lebens. Die Drogenexzesse, die Klinikaufenthalte, sein schimmerndes “Fuck You” an die Welt, die ihn nicht verstand, weil er sie vielleicht zu gut verstand. Kurz vor dem prophezeihten Ende brüllte er sich noch mit “In Utero” in die Köpfe der Menschen. Der “kommerzielle Selbstmord”, wie es Nirvanabassist Krist Novoselic nannte, wurde zum zweiten großen Erfolg der Band. Eine weltweite Tour folgte. Konzerte, die Cobain lustlos und gelangweilt spielte. Ginge es nach ihm, wäre die Tour bereits vorbei gewesen, doch Druck der Plattenfirma und seiner Frau ließen ihn weiter treiben. Irgendwann verweigerte er diese Pflicht und setzte sich ein Ende. Am 5. April 1994 soll er sich in seinem Haus in Seattle mit einer Schrotflinte getötet haben. Davor habe er noch Heroin genommen. Ein klägliches Ende. Ein unromantischer Tod. Unfassbar für viele Fans und somit Nährboden für allerlei widerspenstiger Theorien auf teilweise irrationaler Ebene.
Nun ist Cobain tot. Er lebt nicht mehr und bleibt der harmonische Gutmensch für die Welt. Der Held der 13-Jährigen Bravoleserinnen mit Nietengürtel, aber auch ein sehr talentierter Mensch mit dem Hang zur Selbstdestruktion. Ein Verweigerer des Lebens. Vielleicht ein überschätzter Musiker, vielleicht ein unterschätzter Mensch.

Eli
1 Jahr veröffentlicht
eines ist aber doch klar.
Cobain ist, war und bleibt…
und das muss erst ein mal ein Künstler der vor bereits 15 Jahren gestorben ist erreichen
Kavka: Hamma wieder was gelernt | netzfeuilleton.de
4 Monatn veröffentlicht
[...] “I miss the comfort in beeing sad” – Kurt Cobain [...]
Chris
1 Monat veröffentlicht
Der letzte Satz stimmt mit meinem persönlichen Bild von Cobain nicht ganz überein. Ich denke er war als Musiker durchaus richtig eingeschätzt, als Mensch aber deutlich überschätzt. Wer sonst könnte einen solchen Drang zur selbstzerstörung, sowie den Antrieb derart viel zu geben um großes zu schaffen als ein durch und durch unvertiger und neurotischer Mensch. Geistig reife Menschen zeichnen sich dadurch aus im Stil einfach und unauffällig zu sein.